Schadet Fitnesscenter dem Klavierspiel?


C
Castati
Dabei seit
19. Dez. 2007
Beiträge
359
Reaktionen
0
Ihr Lieben,

eine Frage, die vielleicht auch andere sich schon gestellt haben: Schadet das regelmäßige Training im Fitnesscenter mit Gewichten dem Klavierspiel? Ich spreche gar nicht mal von richtig intensivem Krafttraining, sondern nur "normales" Training mit Hanteln und Geräten.

Mein KL sagte, dass Tennisspielen für das Klavierspiel katastrophal sei wegen des speziellen Trainingeffekts für den Arm und die Hand. Für das Klavierspiel sie es gut, wenn die Muskeln eher schwächer als stärker würden, weil man so ein besseres Gefühl für das Spiel hat (frei wiedergegeben). Stimmt ihr dem zu und seht ihr eine ähnliche Gefahr beim Training im Fitnesscenter?

Mir macht das ein wenig Sorge, weil ich einerseits seit Jahren dreimal die Woche dahingehe und nicht aufhören möchte, andererseits aber nicht meinem zukünftigen Spiel schaden möchte.
 
fisherman
fisherman
Dabei seit
3. Dez. 2007
Beiträge
21.172
Reaktionen
9.381
Hallo Castati;

hatte die gleiche Frage bei meiner KL, bezogen auf das Tennisspiel meiner Tochter. Aussage: Solange das keinen semi-professionellen Level erreicht, sieht sie (für Amateurpianisten) kein Problem.

Ich bin nicht im Fitness-Center, aber 1x wöchentlich beim (ähnlichen) Kieser-Training. Das merke ich am nächsten Tag schon. Da sind die Finger etwas steifer, die Arme etwas schwerer. Ich kann mir schon vorstellen, dass bei 3x wöchentlich Krafttraining die Feinmotorik etwas leidet. Dafür kriegste aber keine Rückenprobleme am Klavier:D
 
Fabian R.
Fabian R.
Dabei seit
14. März 2006
Beiträge
2.269
Reaktionen
123
3x wöchentliches Krafttraining ist weit vom semi-professionellen Bereich entfernt. Mit Ruhetag zwischen den Trainingstagen ist 3x Training auch nicht schlechter als 1x Training. Ich sehe da aus sportwissenschaftlicher Sicht keine Probleme.

An dieser Stelle auch - wie immer - der Hinweis auf den Pianisten Tzimon Barto, der Profipianist und Bodybuilder ist. Auf Clavio.de gibt es eine Biographie von Tzimon Barto.

Herzliche Grüße
 
C
Castati
Dabei seit
19. Dez. 2007
Beiträge
359
Reaktionen
0
Hallo ihr beiden!

Danke, das beruhigt mich auf jeden Fall. Ich bin auch immer vorsichtig, aber seit ich Klavier spiele fällt es mir noch mehr auf, wenn es mal bei einer Übung irgendwo ziept.

Fabian, Frage aus generellem Interesse: Kann man eigentlich vom Krafttraining chronische Langzeitprobleme bekommen, die sich nicht schon vorher durch länger anhaltende akute Schmerzen andeuten? Ich passe wie gesagt sowieso immer auf und nehme nicht wie früher hohe Gewichte zum Trainieren, aber würde gerne sicher sein, dass ich auch bei normalem Training nicht irgendwann plötzlich Probleme z.b. im Handgelenk bekomme, weil sich das Gewebe/die Sehnen/die Muskeln oder ähnliches über die Jahre oder Jahrzehnte abgenutzt hat.

Tzimon Barto hat eine nette Biographie, Google zeigt mir aber, dass die einen dunklen Fleck bekommen hat: http://grg51.typepad.com/steroid_nation/2008/01/steinways-on-st.html
Mit dem Thema hat das natürlich nichts zu tun.
 
Fabian R.
Fabian R.
Dabei seit
14. März 2006
Beiträge
2.269
Reaktionen
123
Danke für den Barto-Link. Interessant.

Mit Fitness-Training kannst Du eigentlich nichts kaputt machen. Du solltest die Übungen aber richtig ausführen. Im Studio die Trainer drüber gucken lassen! Und auf Deinen Körper hören. Wenn der Muskel mal nicht will, dann mache einen Tag Pause. Mäßig steigern! Und nicht auf die Jungs in Tank Tops hören... :)

Herzliche Grüße
 
Guendola
Guendola
Dabei seit
27. Juli 2007
Beiträge
4.408
Reaktionen
10
Natürlich ist das katastrophal, wenn du deine Zeit in Fitness-Centern verbringst anstatt Klavier zu üben :D

Es gibt übrigens einen relative bekannten Pianisten (fragt mich bitte nicht nach dem Namen, er wurde aber hier im Forum auch schon erwähnt - aus dem gleichen Grunde), der offensichtlich intensiv Bodybuilding betreibt und von der Statur her sogar wagen könnte, in LA an den Strand zu gehen.

Ups, den hatte Fabian gerade erwähnt :)
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
E
Emma
Dabei seit
13. Apr. 2008
Beiträge
563
Reaktionen
3
Also ich wusste echt nicht, dass es klavierspielende Bodybuilder gibt, irgendwie hat sich das in meinem Kopf immer zusammen ausgeschlossen - kann man mal sehen, was für Vorurteile man so hat:)!
 
Berbisdorfer
Berbisdorfer
Dabei seit
4. Sep. 2008
Beiträge
181
Reaktionen
0
Fabian, Frage aus generellem Interesse: Kann man eigentlich vom Krafttraining chronische Langzeitprobleme bekommen, die sich nicht schon vorher durch länger anhaltende akute Schmerzen andeuten? Ich passe wie gesagt sowieso immer auf und nehme nicht wie früher hohe Gewichte zum Trainieren, aber würde gerne sicher sein, dass ich auch bei normalem Training nicht irgendwann plötzlich Probleme z.b. im Handgelenk bekomme, weil sich das Gewebe/die Sehnen/die Muskeln oder ähnliches über die Jahre oder Jahrzehnte abgenutzt hat.

Nein, es sei denn man "arbeitet" mit schlechter Technik.
Muskeln nutzen sich nicht ab, wer hat dir denn das erzählt.
Krafttraining stärkt die Muskeln und auch die Sehnen und Bänder, da dies aber ein "langer" Weg ist darf man es nichr übertreiben, denn die Muskeln können schneller mehr Gewicht bewegen als die Sehnen dies aushalten. Die brauchen länger sich anzu passen.
Durch gezieltes Krafttraining kannste auf alle Fälle deinen Rücken stärken uns bekommst da keine Probleme wenn du lange am Klavier sitzt.

Schöne Grüße Berbi
Der gestern gerade einen Kraftsport Wettkampf hatte
 
K
koelnklavier
Dabei seit
26. März 2007
Beiträge
2.612
Reaktionen
1.445
denn die Muskeln können schneller mehr Gewicht bewegen als die Sehnen dies aushalten. Die brauchen länger sich anzupassen.
Dies ist ein sehr wichtiger Aspekt beim Krafttraining. So wichtig es ist, die Rückenmuskulatur zu stärken, so sollte man bei allen Übungen zurückhaltend sein, die die Hand- oder Fingergelenke zu sehr beanspruchen, z.B. Ruder- und Fingerzugübungen. Hier also lieber mit weniger Gewicht arbeiten.
 
W
Wu Wei
Dabei seit
5. Mai 2006
Beiträge
2.421
Reaktionen
2
Hier haben wir übrigens auch schon mal einige Aspekte dieser Frage diskutiert.
 

J
just listen!
Dabei seit
16. Sep. 2008
Beiträge
236
Reaktionen
4
Also ich wusste echt nicht, dass es klavierspielende Bodybuilder gibt, irgendwie hat sich das in meinem Kopf immer zusammen ausgeschlossen - kann man mal sehen, was für Vorurteile man so hat:)!

Also ich dachte immer, dass das Vorurteil Fitnesstraining = Bodybuilding, Schnee von gestern ist, als der Mensch noch naturgemäß so viel Bewegung und so normale Ernährung hatte, dass Krafttraining wirklich nur der Eitelkeit diente.

Was aber die Kombinatation Grob- mit Feinmotorik, sprich: Kraft- Fitnesstraining mit Klavierpielen betrifft, habe ich keine schlechte Erfahrung gemacht. Wichtig ist aber seine Beweglichkeit durch Dehnen mindestens zu erhalten, möglichst sogar zu verbessern. Darüber hinaus erleichtert ein gezieltes Rückentraining langes, aufrechtes Sitzen vorm Klavier. Problematisch sind da nur die schweren Zugübungen, die den Fingern mitunter viel Kraft abverlangen. Da helfe ich mir mit entsprechenden Schlaufen.
Außerdem verbessert Fitnesstraining, so wie Sport allgemein, die Fähigkeit bestimmte Muskel (-gruppen) gezielt anzusprechen, was für das Klavierspiel durchaus vorteilhaft ist.
Dass mittlerweile ja auch wissenschaftlich erwiesen ist, dass es einen engen Zusammenhang zwischen körperlicher und geistiger Fitness gibt, ist ja auch hinlänglich bekannt.
 
K
koelnklavier
Dabei seit
26. März 2007
Beiträge
2.612
Reaktionen
1.445
Problematisch sind da nur die schweren Zugübungen, die den Fingern mitunter viel Kraft abverlangen. Da helfe ich mir mit entsprechenden Schlaufen.
Und an welchem Körperteil befestigst Du die Schlaufen? :D (Die Frage klingt blöd, ist aber durchaus ernst gemeint, weil ich die Belastung der Finger- und Handgelenke als gravierendes Problem des - ansonsten sinnvollen - Kraftsporttrainings ansehe.)
 
lavendel
lavendel
Dabei seit
25. Mai 2008
Beiträge
1.409
Reaktionen
1.264
mein KL hat da noch eine ganz andere theorie zum fitnessstudio: das stupide wiederholen von übungen an maschinen würde einem lebendigen klavierspiel schaden. ähnlich wie hier manchmal gegen hanon argumentiert wird ;).

lavendel
 
violapiano
violapiano
Dabei seit
12. Aug. 2008
Beiträge
3.964
Reaktionen
11
Ich bin der Meinung, dass Fitnesstraining in einem gesunden Ausmaß durchaus gut ist, denn es stabilisiert den Körper, die Haltung. Außerdem macht Bewegung den Kopf frei.
Mir geht es oft so, dass ich nach dem sport besser denken kann.
 
J
just listen!
Dabei seit
16. Sep. 2008
Beiträge
236
Reaktionen
4
Und an welchem Körperteil befestigst Du die Schlaufen? :D (Die Frage klingt blöd, ist aber durchaus ernst gemeint, weil ich die Belastung der Finger- und Handgelenke als gravierendes Problem des - ansonsten sinnvollen - Kraftsporttrainings ansehe.)

Ich selbst nehme einfach zwei Lederriemen, die man mit ein bisschen Übung so um Mittelhand einerseits und Hantel andererseits wickelt, dass die Finger entlastet werden. Es gibt aber auch Manschetten mit Haken am Ende, die am Handgelenk und Unterarm befestigt werden. Der Haken wird in die Hantel eingehängt. So verteilt man die Kraft ein wenig und die Finger werden gar nicht belastet. Die meiste Belastung kommt sowieso durch zu hohe Gewichte mit zu wenigen Wiederholungen. Besser umgekehrt, das bringt deutlich mehr und ist eben auch besser für die Gelenke.
 
J
just listen!
Dabei seit
16. Sep. 2008
Beiträge
236
Reaktionen
4
mein KL hat da noch eine ganz andere theorie zum fitnessstudio: das stupide wiederholen von übungen an maschinen würde einem lebendigen klavierspiel schaden. ähnlich wie hier manchmal gegen hanon argumentiert wird ;).

lavendel

Ich sehe das so: Fitnesstraining, oder sagen wir mal Sport allgemein ist ein notwendiger Tribut, den wir an unsere moderne Zivilisation zahlen. Natürlich ist Fitnesstraining irgendwie stupide. Aber das gilt auch für Schwimmen, Laufen, Radfahren, Inlinerfahren usw. - also im Grunde alle Sportarten, mit denen ich gezielt meine Beweglichkeit, Kondition, Motorik und Kraft positiv beeinflussen kann.
 
klavigen
klavigen
Dabei seit
1. Sep. 2007
Beiträge
2.503
Reaktionen
5
Muskelaufbau und Klavierspielen

Als Ergänzung zu den schon bestehenden links zu Tzimon Barto dinde ich auch diesen recht lesenswert -

http://www.welt.de/welt_print/article804965/Schwarzenegger_am_Klavier.html

Und da ohnehin nicht jeder Pianist alles kann finde ich dann das, was er wirklich kann, wirklich hörenswert -

aus meiner sicht ist allgemeines Fitnesstraining immer zu empfehlen, denn Klavierspielen ist auch eine einseitige Belastung in Bezug auf das lange Sitzen, der gegengesteuert werden muss, bzw. wo ein Ausgleich gefunden werden soll.

Und ob dann spezielle Kräftigung der Muskeln dazu kommt, hängt auch vom Typ ab. Es gibt Menschen, die etwas schwächer angelegt sind und da kann eine Kräftigun immer gut tun. Es versteht sich von selbst, dass Übertreibungen immer vermiden werden sollten -

Ich kann übrigens den Vorposter nicht verstehen, der Radfahren und Schwimmen als langweilige Tätigkeiten ansieht. Ich kann gerade beim Radfahren wunderbar entspannen. Allerdings fahre ich fast immer nur abseits von autostraßen, also Wald und Radwege.

die Schwester Güher und Süher Pekinel, mit denen ich gleichzeitig studiert habe, erzählten mir, dass sie bei Rudolf Serkin Liegestütze auf den fingerspitzen machen mussten, weil nach seiner ansicht ihre Hände zu schwach seien.

So schlimm das klingt, muss es nicht verkehrt sein, zumal man die Übung erträgliche gestalten kann, wenn man die Übung in Schräglage macht und mit den Händen nicht auf den Boden abstützt sondern auf eine Tischplatte oder ähnliches. So kann die Belastung genau gesteuert werden.

Im übrigen ist aber tzimon Barto ein absoluter Einzelfall und sollte nicht zur Nachahmung empfohlen sein.
 
Guendola
Guendola
Dabei seit
27. Juli 2007
Beiträge
4.408
Reaktionen
10
Ich denke, Tzimon Barto läßt sich nicht nachahmen, der Mann ist einmalig :)

Danke für den Link zu diesem Artikel, Klavigen! Es war ein echtes Lesevergnügen und Beweis dafür, daß auch heute noch echte Spinner (ich meine das absolut Positiv!) eine Daseinsberechtigung haben und sogar wahrgenommen werden.

Der Artikel gibt recht gut meine Eindrücke von Tzimon Barto wieder, die ich leider nur bei youtube gewinnen konnte. ich frage mich nur, ob der Autor den Vergleich mit Horowitz und Pogorelich ernst gemeint hatte oder ob ihm da die momentane Begeisterung einen Streich gespielt hat. Allerdings kenne ich das Album nicht, auf das er sich da bezieht und er vergleicht ja die Intensität, nicht die Qualität.

Noch was zum eigentlichen Thema: Es kommt natürlich auf die Dosis an, wobei die Grenze erreicht ist, wenn die Gesundheit darunter leidet. Ich glaube nicht, daß irgendein Sport mit Klavierspielen unvereinbar ist, den man auf gesunde Weise betreibt.
 
 

Top Bottom