Prima Vista

H

Hacon

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Welche Nutzen hat eigentlich das Prima Vista-Spiel? Bisher hatte ich gedacht, man lernt dadurch nur, Noten schneller zu erkennen, hat Spaß daran, lernt neue Stücke kennen, und macht sich mit den verschiedenen Komponisten vertrauter.

Ich frage mich aber: Ist da nicht noch mehr? Meine Klavierlehrerin hat mir neulich geraten, viel vom Blatt zu spielen. Aber was genau bringt es eigentlich alles?

Ich hoffe, ihr wisst da mehr wie ich und freue mich auf interessante Beiträge:p

Lg Hacon
 
Vomblattspielen ist wie ein Buch lesen. Wär ja auch blöd, wenn man jedes Buch erst auswendiglernen müßte bevor man es richtig lesen kann.

Wenn man regelmäßig vomblattspielt, geht das Notenlesen auch viel unkomplizierter und flotter, quasi intuitiv, und man kann sich schon beim ersten Spielen ganz in die Musik vertiefen.
 
Stimme ich voll zu, hier gibt es aber viele Leute die mal was vorspielen wollen und keine Noten dabei haben z.b. auf einem Kreuzfahrtschiff. Was machen die dann?

Henry IV
 
Angenommen Du bist in Sizilien und wirst von Mafiosie gefagengen genommen.
Der Oberpate kommt zu Dir und möchte, dass Du ihm ein Lied von Sergio Leone
vorspielst, die Noten gibt er Dir.
Wenn Du es nicht spielen kannst, kommt erst Beton um die Füsse und
dann versenkt er Dich in der Donau.

Für solche Momente ist Prima Vista spielen vorteilhaft.
 
Vomblattspielen ist wie ein Buch lesen. Wär ja auch blöd, wenn man jedes Buch erst auswendiglernen müßte bevor man es richtig lesen kann.

Stimme voll zu. Man sollte aber nicht unerwähnt lassen, dass es zu einem guten Vortrag dazugehört, nicht nur den Text zu lesen, sondern darüber hinausgehend auch vollständig zu verstehen und entsprechend zu interpretieren. Das ist derselbe Unterschied, als ob ein Buch nur gelesen wird, im besten Fall fehlerfrei heruntergesprochen wird beim ersten Lesen oder wie ein Hörbuchsprecher lebendig rezitiert wird mit unterschiedlichen Stimmlagen je nach Kontext.

Wenn man regelmäßig vomblattspielt, geht das Notenlesen auch viel unkomplizierter und flotter, quasi intuitiv, und man kann sich schon beim ersten Spielen ganz in die Musik vertiefen.

Ja, alles was man oft tut, bringt Übung; wer viel Prima Vista-Spiel betreibt, wird dabei auch mit Sicherheit immer besser. Man kann z.B. als Korrepetitor arbeiten, das ist ein vielgesuchter (aber schlechtbezahlter) Job.

Nur, dass man sich beim ersten Spielen schon ganz in die Musik vertiefen kann... das sind schon sehr große Worte. Ein sehr guter Korreptetitor klingt beim Prima Vista Spiel eben immer noch schlechter als ein Konzertpianist, der ein Stück total verinnerlicht hat. Wäre auch schlimm, wenn es anders wäre.

Ich glaube auch, dass Prima Vista - Spiel seinen Sinn macht, allerdings ist es eben auch nicht alles.
 
Ist "Prima Vista" eigentlich optimal mit "vom Blatt" wiedergegeben oder meint es nicht eher, daß man wirklich unbekannte Noten spielt, also Noten, die man das erste (prima) Mal gesehen (vista) hat?
 

Jedes Stück geht mit der Zeit motorisch in einen über. Also gehören die Stücke, die man gelernt hat, aber vom Blatt spielt einfach zu den Stücken, die man noch nicht auswendig beherrscht.

Ich würde das Prima-Vista-Spiel nicht zu eng sehen, letztendlich gibt es zwar immer nur ein erstes Mal, aber solange die Finger noch nicht von selbst wissen, wo sie hin müssen, das Stück sich also motorisch verfestigt hat, kann man ein Stück sicher noch nutzbringend für das Prima-Vista-Spiel nutzen.

Gerade wenn jemand beim wahren Prima-Vista-Spiel ein ihm völlig unbekanntes Stück tatsächlich direkt mit musikalischer Tiefgründigkeit interpretieren kann. Laut Heinrich Neuhaus war Richter ja sehr begabt in dieser Richtung. Auch Mozart wird wohl damit vertraut gewesen sein, es gibt ja das nette Zitat von ihm, was Prima Vista bedeutet:
Zitat von Mozart:
Das Stück im rechten Tempo wie es sein soll zu spielen. Alle Noten, Vorschläge etc. mit der gehörigen Expression und Gusto, wie es steht, auszudrücken, so, dass man glaubt, derjenige hätte es selbst komponiert, der es spielt.
 

Toll, dass schon so viele geantwortet haben:p

Klavigen hat ja mal die Aussage gemacht, dass man beim Prima Vista Spiel das spielt, was man zuvor innerlich gehört hat.
Wäre es nicht auch möglich, dass man durchs Prima Vista spiel, die Fähigkeit verbessert, oder erlernt, Noten vorauszuahnen, sie vorrauszuhören, und so eben lernt, Noten vom Blatt zu hören?

Noch ne andere Frage: Kann an durch ein Studium Korreptitor werden, oder wie ist das?
Mich hats letztens total verwundert, dass meine Klavierlehrerin ( Konzertpianistin) mir erzählt hat, dass sie oft als Korreptitor arbeitet.
 
S.Richter war auch Korrepetitor, also orentiere dich mal an seinem Standart, oder frag Toccata hier im Forum, die ist Korrepetitor.

Henry IV
 
Als Anfänger, der nicht über ein absolutes Gehör verfügt, finde ich es unmöglich, die Musik zu hören, allein durch das Anschauen der Noten. Ich kann eine sehr vage Vorstellung der Rhythmik bekommen und sehen, ob die Melodie eher fließt oder springt. Aber das ist auch alles. Ich hoffe sehr, dass sich das noch ändern wird.
 
Als Anfänger, der nicht über ein absolutes Gehör verfügt, finde ich es unmöglich, die Musik zu hören, allein durch das Anschauen der Noten. Ich kann eine sehr vage Vorstellung der Rhythmik bekommen und sehen, ob die Melodie eher fließt oder springt. Aber das ist auch alles. Ich hoffe sehr, dass sich das noch ändern wird.

Ein absolutes Gehör braucht man nun wirklich nicht zum "Vorhören" der Noten. Es ist allerdings viel Erfahrungssache. Wenn du dir den Melodieverlauf ungefähr vorstellen kannst - mit dem richtigen Rhythmus - dann ist das schon sehr gut. Für das Vorhören von Akkorden mußt du natürlich die Intervalle gut kennen. Ist es dur oder moll? Große oder kleine Septim? Ist die Quint rein oder vermindert? Das sind Sachen, die man auch theoretisch wissen muß, um den Klang vor dem Anschlag richtig einzuschätzen.
 
Kann an durch ein Studium Korreptitor werden, oder wie ist das?
Mich hats letztens total verwundert, dass meine Klavierlehrerin ( Konzertpianistin) mir erzählt hat, dass sie oft als Korreptitor arbeitet.

Ja natürlich kann man das Fach "Korrepetition" auch studieren.
Ist aber meiner Meinung nicht zwingend notwendig wenn man es geschafft hat, sich als Korrepetitor einen gewissen Namen zu verschaffen und seine Sache natürlich auch gut zu machen.
Dann kommen die Engagements auch ohne Studium - die Mundpropaganda ist da natürlich das Um und Auf.

Und wieso hat Dich das so verwundert, dass Deine Klavierlehrerin oft als Korrepetitor arbeitet? Ist doch ein sehr schöner Beruf! :)
 
Und wieso hat Dich das so verwundert, dass Deine Klavierlehrerin oft als Korrepetitor arbeitet? Ist doch ein sehr schöner Beruf!
Mich hat es aus dem Grund verwundert, da ich dachte dass eine " gewöhnliche" Konzertpianistin nicht gut genug Blatt spielen könne.
Sie kann echt toll vom Blatt spielen, wie ich immer wieder sehe, aber ich dachte eben, dass man dazu ganz speziell ausgebildet werden muss.

Klavigen hat ja mal gesagt, dass das Vom-Blatt spielen nur einen Klangeindruck hergeben kann, lediglich ein Korreptitor sein dazu in der Lage, auch ein richtig schwieriges Stück beim ersten Mal auf hohem Niveau zu spielen.

@Toccata: Wie bist du eigentlich Korreptitorin geworden?
 
@Toccata: Wie bist du eigentlich Korreptitorin geworden?

@Hacon: ich hab hier vor längerer Zeit schon mal einiges zum Thema geschrieben.

Korrepetitorin bin ich eigentlich in erster Linie deswegen geworden, weil ich unheimlich gerne mit anderen Musikern arbeite, weil es mir Spaß macht immer wieder neue Menschen kennenzulernen und weil es in meinen Augen einfach ein absolut interessanter Beruf ist.
Das war aber jetzt nur eine Antwort auf "Warum" und nicht "Wie" ich Korrepetitorin geworden bin.
Das "Wie" ist gar nicht so einfach zu beantworten. Das hat sich mehr oder weniger fast "eingeschlichen".
Ich wurde mit 13 von meiner damaligen Klavierlehrerin erstmals dazu verdonnert, einen 2 Jahre älteren Trompeter am Klavier zu begleiten, in den ich mich noch dazu Hals über Kopf verliebt habe und natürlich sehr gerne am Klavier begleitet habe... :rolleyes:
Anscheinend dürfte ich damals schon meine Sache am Klavier gut gemacht haben, denn bald darauf war ich schon "Haus und Hof Korrepetitorin" der Sängerklasse in meiner damaligen Musikschule.
Ich hab dann später auch in Wien mit meinem Korrepetitionsstudium begonnen, hab es allerdings nicht beendet, weil sich während des Studiums schon ein tolles Engagement nach dem anderen anbot und ich diese Engagements aus zeitlichen und organisatorischen Gründen nicht annehmen hätte können, wenn ich mein Studium beendet hätte.
Und da war mir ehrlich gesagt der schnöde Mammon damals dann doch lieber als arme Studentin zu sein... ;)

Das Um und Auf im Korrepetitionsberuf ist das Blattspielkönnen, hundertprozentige Zuverlässigkeit, ein großes Repertoire und natürlich die Mundpropaganda.

Liebe Grüße und Gute Nacht,
Toccata
 
Faszinierend,

Ich habe oftmals den Eindruck, dass ein Korrepetitor meis viel zu wenig gewürdigt wird. Wenn er beispielsweise Sänger an einer Oper begleiten muss (egal, ob es jetzt eine Mozart, Verdi oder Wagnerpartitur ist), so muss man zig Noten vom Blatt spielen können bzw. die wichtigsten Stimmen rauslesen und Stimmen passend ergänzen. Das finde ich einfach sowas von schwierig, aber es wird überhaupt nicht gewürdigt... Find ich eigentlich ziemlich schade.


@Toccata
P.S.: Was ist denn dann aus deiner Jugendliebe geworden *G*.
 
Also, dass ist doch sowieso unterschiedlich, manche Stücke muss ich vom Blatt spielen, egal, ob ich diese verinnerlicht habe (zB oft bei Barock) und andere kann man auswendig, bevor man irgenwie das gefühl hat wirklich "das Stück" zu spielen.

Meine lehrerin ist auch eine gute prima vista spielerin und ich denke, haupgrund dafür ist einfach auch, dass viele stücke besonders "konzert für..." begleitung benötigen und da ist das Klavier die beste möglichkeiten ein kleineres Orchester zu ersetzen. - es gibt auch die Möglichkeit, komplette Partituren zu spielen, denke aber, dass ist schon eine maximalsteigerung.
 

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