Läufe in Mozart Fantasie-d-moll

  • Ersteller des Themas HerrMeise
  • Erstellungsdatum
H

HerrMeise

Dabei seit
Apr. 2017
Beiträge
7
Reaktionen
4
Guten Tag, ich habe mich hier angemeldet, um gern eine Frage zu meinem Klavierrepertoire loszuwerden. Ich spiele seit einigen Jahren Klavier und übe derzeit die Fantasie d-moll KV 397. Da kommen zwei Läufe vor: auf Seite 2 in der Mitte und Seite drei oben. Ich würde sie beide im Großen und Ganzen als Dominante in d-moll deuten. Aber einige Töne wundern mich doch sehr. Zum Einen das c -- besonders ab der zweiten Sechzehntelgruppe in der ersten Stelle. Warum hat Mozart da nicht etwas mit c#-b gemacht? Sowas kommt doch schon in der Sinfonie Nr. 40 g-moll im Thema vor. Und was ähnliches in der zweiten Stelle: da kommt erst die moll-aufwärts-Leiter in Abwärtsrichtung (mit c#-h) und dann die andere mit c-b... Das erste verstehe ich ja noch: es ist bei Dominanten nicht ungewöhnlich. Das b verstehe ich auch (verminderter Septakkord), aber das c... das passt für mich nicht in eine Dominante rein. Und dieser Schritt g#-b, der sich da immer ergibt. Ich musste mich lange daran gewöhnen. Muss aber zugeben, daß alle alternativen Versuche schlecht klangen, z.B. g statt g# oder nach dem g# wieder h und c#. Aber wie kommt man auf so eine Lösung?

Würde mich sehr über Denkanstöße freuen.
 
Zuletzt bearbeitet:
mick

mick

Dabei seit
Juni 2013
Beiträge
11.347
Reaktionen
19.292
Zum Einen das c -- besonders ab der zweiten Sechzehntelgruppe in der ersten Stelle. Warum hat Mozart da nicht etwas mit c#-b gemacht?
Weil er offensichtlich nicht die ganze Passage als Dominante gedacht hat. Die versteckte Harmonie in diesem Lauf wechselt immer zwischen Dominante und Tonika hin und her. Die ersten drei Töne jeder vollständigen Gruppe sind dominantisch zu verstehen (Dreiklang cis-e-a), die anschließende Abwärtsskala ist eine (melodische) d-Moll-Skala. Das a des Dominant-Dreiklangs kann man auch als Verbindungsglied auffassen, damit die Moll-Skala nicht auf der Septime beginnen muss.

Und was ähnliches in der zweiten Stelle: da kommt erst die moll-aufwärts-Leiter in Abwärtsrichtung (mit c#-h) und dann die andere mit c-b... Das erste verstehe ich ja noch: es ist bei Dominanten nicht ungewöhnlich. Das b verstehe ich auch (verminderter Septakkord), aber das c... das passt für mich nicht in eine Dominante rein.
Fast dasselbe: cis-h-a-gis-b-a ist ein dominantischer Skalenausschnitt (mit chromatischer Umspielung des Grundtons a am Ende), danach folgt wieder die altbekannte d-Moll-Skala abwärts (Tonika). Hier wären die die letzten zwei Noten der Dominantgruppe (b-a) ebenfalls als Verbindungsglied hörbar, um den Skaleneintritt auf der Septime zu vermeiden.

Für diese Auffassung spricht auch der Beginn der zweiten Kadenz auf der Doppeldominante - die macht es nämlich unmöglich, die Gruppe cis-h-a-gis (b-a) als Tonika zu hören.
 
H

HerrMeise

Dabei seit
Apr. 2017
Beiträge
7
Reaktionen
4
Vielen Dank für die Hilfe. Allerdings habe ich den letzten Satz nicht verstanden: welche Doppeldominante? Ich sehe nur eine DD im Takt 53 (3. Seite - Mitte. Drei Takte vor dem Durteil -> g#°7). Bei der Gelgenheit würde ich gern auch fragen: wie deutest Du denn den Verminderten am Ende des ersten Laufs? Ist das die Dominante des folgenden g-moll Teils?
 
mick

mick

Dabei seit
Juni 2013
Beiträge
11.347
Reaktionen
19.292
Die zweite Kadenz beginnt mit den Gruppen dis-e-d | cis-h-a-gis. Die naheliegendste Harmonisierung dieser beiden Gruppen wäre E7 | A-Dur also DD | D.

wie deutest Du denn den Verminderten am Ende des ersten Laufs? Ist das die Dominante des folgenden g-moll Teils?
Meistens deutet man diesen Akkord als verkürzten Dominant-Septnonenakkord über dem Grundton D - das ergäbe tatsächlich eine Zwischendominante zum folgenden g-Moll.
Allerdings enthält dieser Akkord durch den Basston c und dessen Auflösung nach oben (als Septime müsste das c nach unten geführt werden!) eine stark subdominantische Komponente - die Töne c-es-a bilden ja die s6 von g-Moll. Es ist also ein Zwitter zwischen Dominante und Subdominante (in Bezug zum folgenden g-Moll). Für mich überwiegt wegen der Lage hier der Subdominant-Charakter.
 
H

HerrMeise

Dabei seit
Apr. 2017
Beiträge
7
Reaktionen
4
Allerdings enthält dieser Akkord durch den Basston c und dessen Auflösung nach oben (als Septime müsste das c nach unten geführt werden!) eine stark subdominantische Komponente - die Töne c-es-a bilden ja die s6 von g-Moll. Es ist also ein Zwitter zwischen Dominante und Subdominante (in Bezug zum folgenden g-Moll). Für mich überwiegt wegen der Lage hier der Subdominant-Charakter.
hm..., das f# spricht ja eigentlich gegen eine Subdominante. Aber in der Tat ist ein sehr guter Folgeakkord nach meinen Tests der kadenzierende Quartsextakkord -- also auf D. Ebensogut kann man den Akkord auch mit c# im Baß spielen (wenn dann der D64 folgt). Das wäre sowas wie eine Doppeldominante. Im Grunde ein Tristanakkord mit der Terz statt der v5 im Bass. Was hälst Du davon?
 
mick

mick

Dabei seit
Juni 2013
Beiträge
11.347
Reaktionen
19.292
Ebensogut kann man den Akkord auch mit c# im Baß spielen (wenn dann der D64 folgt). Das wäre sowas wie eine Doppeldominante. Im Grunde ein Tristanakkord mit der Terz statt der v5 im Bass. Was hälst Du davon?
Ich kenne kein einziges Beispiel, in dem Mozart diesen Akkord verwendet hätte - schon gar nicht in solchem Zusammenhang, also unvorbereitet und ohne zwingende Auflösung. Mozart hat diesen Klang in nicht alterierter Form (also beispielsweise cis-dis-fis-a) manchmal benutzt (z.B. im Dissonanzenquartett), dann aber folgerichtig aufgelöst (hier wäre Gis7->cis eine Möglichkeit).

Wenn er eine Doppeldominante (zu g-Moll) gewollt hätte, wäre cis-e-g-b naheliegend gewesen.
 
Zuletzt bearbeitet:
 

Top Bottom