Kleiderordnung auf der Bühne

Wenn wir nun beim Chor sind, gibt es noch einen weiteren Grund für die übliche dunkle bzw. einheitliche Kleidung: Alles andere lenkt ab und wirkt chaotisch.

Mit toller Musik und NORMALER Kleidung ist diese Botschaft wesentlich glaubwürdiger als mit elitärem Getue.
Ich finde das nicht. Da gibt es wohl unterschiedliche Geschmäcker.
Weiterhin bleib noch die Frage, was eigentlich "normale" Kleidung sein soll... ;-)
 
Die offizielle Absicht des Konzertes lautet in diesem Falle Geld sammeln (natürlich kann ein Spieler auch andere persönliche Absichten haben, z.B. spielt einer vielleicht nur deshalb mit, weil er vor einem wohlwollenden Publikum vorspielen möchte). Ich unterstelle also erstmal, dass man sich auch erhofft, dass nicht nur Teilnehmer des Treffens zum Konzert kommen sondern auch Leute aus der Kirchengemeinde, und dass die Leute mehr spenden als die üblichen 5 Euro Scheine.
Auch gehe ich davon aus, dass erwartet wird, dass alle Teilnehmer des Clavio-Treffens zum Konzert kommen (und nicht etwa nur zum gemeinsamen Pizza-Essen o.ä.), so gesehen ist Dein Job eigentlich, mitzuhelfen, dass die Leute geblendet werden.

Völlig falsch. Ehrlichkeit und Authentizität begeistern die Menschen.
Übertragen aufs Konzert würde ich daher folgende Situation zeichnen: Schauts her Leute, da ist ein Gemeindehaus, das hat sich einen Flügel gegönnt. Der ist dafür da, dass Menschen andere Menschen mit Musik erfreuen. Und diese Künstler tun das mit Freude, völlig unprätentios und so dass man berührt wird. Ist nix elitäres - ist schöne Musik. Einfach was Gutes in der grauen Welt. Seid so nett und untertützt das angemessen. Mit toller Musik und NORMALER Kleidung ist FÜR MICH diese Botschaft wesentlich glaubwürdiger als mit Smoking OHNE Champagner.

Das Alternativszenario sieht so aus: Schauts her Leute, da ist ein Gemeindehaus, das hat sich einen Flügel gegönnt. Auf dem spielen hochgeistige Menschen in festlicher Kleidung. Nix für jedermann. Hohe Kunst!!! Ist zwar nur ein Gemeindehaus, aber weils ein schwarzer Flügel ist und Klassik gespielt wird, wird angemessene Kleidung erwartet. Ebenso wird eine Spende erwartet, die den Klunkern an den welken Hälsen angemessen ist.

Nun, auch das funzt - der Bruch beginnt aber beim Ambiente des Nicht-Konzertsaals, bei "normaler" Beleuchtung usw.

Wenn meine Frau mich -klimperklimper- im tiefgeschlitzten Abendkleid und High-Heels empfängt und dies in der Küche bei zweckmäßiger Arbeitsbeleuchtung tut, dann krieg ich nen Lachanfall. Ziel verfehlt. Setzen, Sechs.

Tut Sie das aber vor dem Kamin, mit entsprechender Beleuchtung, mit einem Cocktail in der Hand, so ist die Botschaft "richtig" und ich bin ... hmmm , naja, berührt. ;-)

Summa summarum:

Brüche vermeiden! Festlich - gerne! Aber dann richtig! Von A-Z!
Locker - auch gerne. Aber dann nicht mit festlichen Eskapaden.
 
Weiterhin bleib noch die Frage, was eigentlich "normale" Kleidung sein soll... ;-)
Normale Kleidung ist authentische Kleidung. Kleidung, die nicht als Kostüm auffällt. Friedrich Gulda ist im schwarzen Rolli z.B. recht authentisch und "normal"

Das sind aber Amateure und keine Künstler, und ob die Musik so toll ist, das ist eben die Frage. Ehrlicherweise müsste man sagen: danke, dass Ihr gekommen seid, um uns zuzuhören.
Wenn das zutrifft, dann würde ich an Stelle der Künstler aber alles andere als die Kleidung eines Bühnenvirtuosen anlegen ;-). Aber "unsere" Künstler sind schon gut.
 
Hi fisherman,

Hast Du einen Hass auf Klassik? Man hätte ja auch gleich einen Jazzabend veranstalten können, oder einen Abend mit moderner Kirchenmusik.
 
Nein, habe ich nicht. Aber - Stilblüte, bitte weghören - ein gemischtes Programm mit ein paar jazzigen Einprengseln, bzw. vielleicht ein paar Klassikern abseits des Mainstreams hätte mir schon besser gefallen.
 
Kölnklavier: Gepflegte Kleidung ist nicht gleichbedeutend mit schwarz und "klassisch". Den Respekt vor Künstler und Gastgeber sollte man nicht einfordern - sonst ist er nichts wert.
 

Also fisherman, manchmal muss ich über dich doch den Kopf schütteln.
Ich glaube, du hast nach wie vor nicht kapiert, worum es hier / mir geht.
Du übertreibst in deinen Beispielen einfach maßlos und die Verhältnisse stimmen nicht.
Ein schwarzer Rollkragenpullover ist vollkommen OK und kann selbstverständlich edel wirken.

Und bitte schau dir den Inhalt des Programms nochmal genau an, bevor du anfängst zu meckern...
 

Weil selbst in der feinen Bayerischen Staatsoper schon lange niemand mehr schräg angesehen wird, der dort nicht im Anzug erscheint. Und in der Philharmonie und im Herkulessaal sind dunkle Anzüge und Abendkleider schon längst nicht mehr die Regel, sondern seltene Ausnahme geworden.

Trotzdem spielen die Orchester selbstverständlich in schwarz. Nicht, um sich einen elitären Anstrich zu geben, sondern, weil ein Orchester in bunter Alltagskleidung einfach grausam aussieht. Man muss nur mal eine öffentliche Generalprobe besuchen, um den Unterschied zu bemerken.

Bei klassischen Klavierabenden trägt heute niemand mehr Frack. Manche Pianisten spielen im dunklen Anzug, aber viele bevorzugen auch "lockerere" Kleidung, die vielleicht mehr Bewegungsfreiheit ermöglicht. Aber keine Alltagskleidung, und das ist auch richtig so!

Grüße, Jörg
 
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Trotzdem spielen die Orchester selbstverständlich in schwarz. Nicht, um sich einen elitären Anstrich zu geben, sondern, weil ein Orchester in Alltagskleidung einfach grausam aussieht.

Es gibt sogar kostenlose Konzerte, bei denen die Orchester in Alltagskleidung spielen, das sind Aktionen, um neues Publikum zu gewinnen. Da werden aber auch Sachen wie Star Wars gespielt neben Klassik, oder mindestens bekannte Opernarien. (Selbstverständlich kommen die Orchestermusiker aber auch dann nicht in unansehnlicher Kleidung, sondern mindestens so, wie man sich kleidet, wenn man vom Nachbarn zum Kaffee eingeladen wird.)

Übertragen auf das anstehende Konzert hätte man auch Sachen wie River flows in You oder Titanic spielen können, das wäre publikumsfreundlich und unprätentiös, und dann wäre die Forderung von fisherman bezüglich Kleidung auch passend. Das ist hier aber nicht der Fall.
 
das ist das Praktische am gemeinen Bildungsbürger. Er glaubt, wenn er sich an dumpfe Kleiderkonventionen hält, hat er schwer nachgedacht. Weitere Denkarbeit kann er sich somit ersparen. Den Ausdruck "Klassikgrufties" nehme ich fürderhin in meinen Wortschatz auf. Danke dafür fisherman.

Immer wieder erheiternd zu lesen, wie jemand auf das sogenannte Bildungsbürgertum eindrischt, der die eigene Nase so hoch trägt wie kein zweiter hier im Forum.
 
Ironischerweise scheint sich niemand intensiver und leidenschaftlicher mit der Wahl der Garderobe zu beschäftigen als unser lieber Feierabendrevoluzzer Fisherman....

Wie auch immer, was es hier zu lesen gibt, gehört jedenfalls mit zum Erheiterndsten seit Dreiklangs legendärem "Klavierabend"-Faden.

In diesem Sinne: Weiter so! Oder besser noch: Tut Euch zusammen..... das subversive Potential der DKMM vereinigt in gleichschwebenden Terzenschichtungen mit dem Fishermanschen Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunstmode....!!! :-D:idee::lol:
 
mir hat es früher als kleiner Stöpsel sehr gefallen, wenn die Damen und Herren in schönen feierlichen
Kleider kamen, würde es heute gerne wieder sehen:idee:
 
Für mich hat das Auftreten auch etwas mit Respekt vor dem Komponisten zu tun. Aber auch die Besucher klassischer Konzerte haben da schon Ansprüche. Ein Frack muss nicht sein, aber es muss schon passen. Ich habe einmal einen Geiger begleitet, der u.a. Unter Menuhin gespielt hat, der erschien plötzlich im zerrissenen Pullover. Es war mir einfach nur peinlich...
 
Der besagte Geigenlehrer ist keinen Deut besser als der Türsteher an der Disko.
was für ein wahrer Satz!

Für mich hat das Auftreten auch etwas mit Respekt vor dem Komponisten zu tun.
ach, die Leier...
Bach würde sich sicherlich eher über Klassiker freuen, die ein wenig improvisieren können und es auch tun, als über solche, die die Kleiderfrage für entscheidend halten und ihre steife Unfähigkeit hinter solchen Floskeln zu verbergen suchen.

Aber auch die Besucher klassischer Konzerte haben da schon Ansprüche.
Das sind die Premieren- und Vernissagen-Abonnenten. Meist wenig Ahnung und zuviel Geld. Andere Leute legen da mehr wert auf guade Musi.

gibt es noch einen weiteren Grund für die übliche dunkle bzw. einheitliche Kleidung: Alles andere lenkt ab und wirkt chaotisch.
Quark! Alles andere zeigt schon, wie begrenzt deine Fantasie ist. Ablenken tun in Chören vor allem selbstverliebte Tenöre, die da im Gemenge immer eine riesen Schau abziehen, Haushalts-Sopräne, die das g'' nicht kriegen sowie die feierlichen Tremolanten. Und auch sonst schlechter Gesang. Ensembles wie Take Six bestechen durch ihren homogenen Satzgesang, obwohl sie durcheinanderlaufen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Für mich hat das Auftreten auch etwas mit Respekt vor dem Komponisten zu tun. Aber auch die Besucher klassischer Konzerte haben da schon Ansprüche. Ein Frack muss nicht sein, aber es muss schon passen. Ich habe einmal einen Geiger begleitet, der u.a. Unter Menuhin gespielt hat, der erschien plötzlich im zerrissenen Pullover. Es war mir einfach nur peinlich...

der wusste wohl, dass Du ein gut verdienender Anwalt bist: :denken:
 

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