Klavier und Hochwasser

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B

Beginner Blues

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Hallo liebe Klaviergemeinde,
ich habe ein Problem: wir hatten durch Unwetter in Bretten einen Wassereinbruch im Eingangsbereich. Dummerweise steht da mein Klavier. Und das hat nun kurzzeitig nasse Füße bekommen. Das Wasser war zwar recht schnell wieder draußen, aber auf dem Bild sieht man, dass das Wasser bis über die Pedale gestanden hat. Die Hausratversicherung hat schon gemeldet, dass sie damit nichts zu tun hat, da sie nur bei Leitungswasserschäden zuständig ist (ist ja typisch). Ich habe das Klavier zwischenzeitlich von der Wand gerückt, von hinten sieht man nichts. Es sieht aus, als sei wieder alles trocken. Ich habe mich aber noch nicht getraut, irgendwelche Tasten zu drücken (außer einzelne). Wie sind eure Erfahrungswerte? Steckt ein relativ neues Klavier (5 Jahre) so etwas weg? Was kann ich selbst tun? Kann ich Reinigungsarbeiten innen selbst vornehmen oder nur einen Fachmann machen lassen? Für Hilfe wäre ich dankbar. Sende auch gerne noch weitere Bilder.Klavier.jpg
 
Peter

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Bechsteinfan
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Auf jeden Fall unten die Klappe mal abmachen und schauen, ob es wirklich ausgetrocknet ist, am besten alle Klappen abmachen (bei der Gelegenheit kannst Du auch weitere Bilder machen).
Und den Klavierstimmer mal schauen lassen, ob es Schäden gegeben hat.
 
B

Beginner Blues

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Danke für die schnelle Antwort. Die vordere Klappe habe ich inzwischen geöffnet, aber nicht ganz abgemacht. Das probiere ich nachher gleich mal und ich mache dann noch mehr Bilder. Das Holz scheint nicht aufgequollen zu sein. Unsere Tochter ist Schreinerin und sie sagte, dass aus ihrer Sicht das Holz es gut verkraftet hat. Keine sichtbaren Schäden. Meinen Klavierstimmer werde ich auch informieren, dass er sich das mal anschaut. Aber ich möchte ihm nach Möglichkeit eine zweimalige Anfahrt ersparen (und mir die Kosten). Wenn es noch nicht durchgetrocknet ist, kann er vermutlich auch nicht reparieren oder stimmen und muss noch einmal kommen.
 
fisherman

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und vor allem: WEG mit dem Ding von der Wand! Sofort!
 
klaviermacher

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Hallo Beginner Blues,

So wie der Wasserstand am Foto zeigt, sind im Klavier die Basssaiten, aber auch die blanken Saiten unter den Basssaiten nass geworden. Das ist doof, denn das ist blankes Metall. Ich schätze das gibt mehr Arbeit als nur trocknen lassen. Mach die untere Klappe mal auf und dann Fotos!

LG
Michael
 
B

Beginner Blues

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ja, die Saiten unten haben bereits Flugrost angesetzt. Die Stangen, die die Verbindung zu den Pedalen darstellen, sind nass, da vollkommen unbehandelt, ebenso natürlich die Filzringe. Inzwischen sind die aber auch schon wieder abgetrocknet. Ich habe sie mit weichem Tuch trockengetupft. Ansonsten sieht es meiner Meinung nach erstaunlich gut aus. Die Rückwand (von oben fotografiert) ist ganz trocken, auch der Innenboden weist keine fühlbare Feuchtigkeit mehr auf. Da der Raum, in dem das Klavier steht, noch ziemlich viel Feuchtigkeit hat (Wand, Fliesenboden, Vollholztreppe), bekommen wir dort ein Trockengebläse aufgestellt. Ist das jetzt für das Klavier gut oder schlecht? Andererseits - ich habe sowieso keine Alternative, das Klavier muss da stehen bleiben. Allenfalls kann ich was drüberhängen. Von der Wand habe ich es gleich weg gezogen. Derzeitige Luftfeuchtigkeit laut Hygrometer 65%. Ist schon recht hoch, aber nicht im kritischen Bereich, oder?
WP_20150609_006 (2).jpg WP_20150609_005.jpg WP_20150609_005.jpg WP_20150609_008.jpg
 

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klaviermacher

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Zunächst sieht es nicht so aus, als ob viel passiert wäre. Den Rost an den Saiten mit Drahtbürste weg putzen und hernach vorsichtig mit WD40 oder ähnlichem vor weiterem Rost schützen (am besten pinseln). Ich würde das Klavier nicht zusammen mit Trocknungsmaschinen im Raum belassen. Der Schaden könnte dann weit größer werden.

LG
Michael
 
Rheinkultur

Rheinkultur

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Nicht "würde" - Das Klavier muss UNBEDINGT raus. Bei meiner KL war ein ähnlicher Fall - da musste der Flügel sogar mit Kran aus dem Haus entnommen und extern gelagert werden...
Das wäre der Aufhänger für eigene Erfahrungswerte: Als Student und Berufsanfänger habe ich mehrere Jahre in einem möblierten Souterrain-Appartement gewohnt und mir für elementare pianistische Arbeitsschritte für damals fünfzig D-Mark im Monat ein einfaches Klavier gemietet, um beispielsweise mal einen Klavierauszug vom Blatt abfingern zu können. Der in einem anderen Faden geschilderte Wasserschaden an einem alten E-Piano bei einem Open-Air-Auftritt neulich war nicht meine erste pianistische Begegnung mit dem nassen Element.

Es war die zweite - nach urlaubsbedingter Abwesenheit betrat ich das Souterrain-Appartement. Aus der Hausnachbarschaft erfuhr ich, dass der ungewohnt feucht-muffige Geruch in der Wohnung auf einen Wasserschaden in einem Garagenraum eine Etage oberhalb zurückging: Eine Wasserleitung war undicht geworden und das ausgetretene Wasser sickerte durch die Decke und tropfte fast ausschließlich auf das darunter stehende Klavier. Das Pianohaus ermittelte durch einen Sachverständigen einen Schaden in Höhe von fast viertausend D-Mark (knapp der damalige Zeitwert des Klaviers) und das Instrument wurde am Folgetag zur Trocknung und Reparatur abtransportiert. Ich erfuhr später, dass das Klavier komplett in Ordnung gebracht und weiterverkauft werden konnte und legte mir dann erstmals ein Digitalpiano zu, das mir in der Folgezeit auch bei Auftritten auswärts gute Dienste leistete. Die Hausratversicherung meiner Vermieterin übernahm die Schadensregulierung laut deren Aussage anstandslos.

Ich unterstelle mal, dass starke Schwankungen bei den klimatischen Bedingungen dem Instrument mehr zusetzen als gleichbleibende Extreme. Insofern spricht einiges dafür, das Klavier in eine günstigere Umgebung zu schaffen. Alles Gute!

LG von Rheinkultur
 
 

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