Interpretationen

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chopin123
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Hallo allerseits,
Diesen Thread möchte ich mit einem kleinen Erahrungsbericht beginnen.
Vor einiger Zeit spielte ich in der Schule BWV 902a die Fughetta. Meine Klavierlehrerin hatte mir im Vorfeld erklärt dieses Stück müsse man nonlegato spielen, was ich damals(ich hatte das Stück erst einen knappen Monat geübt) aber einfach noch nicht von vorn bis hinten durchgehalten habe, weshalb wir uns darauf verständigt haben es eben nicht nonlegato zu spielen. Letzendlich lief das Vorspiel relativ gut. Am Ende machte mich der Musiklehrer jedoch darauf aufmerksam, dass weil das Stück eben nonlegato gespielt gehört hätte, es "nur" eine 1- ist.

Mit diesem Ergebnis war ich selbstverständlich zufrieden, trotzdem hat es für mich Fragen aufgeworfen.
Wer entscheidet denn wie ein Stück gespielt "werden muss"? Es wird immerhin nicht jeder Bach nonlegato gespielt.
Gibt es unzählige ungeschriebene Gesetze von denen ich einfach viel zu wenige kenne? (Bei Bach kein Haltepedal und kein Rubato)
Oder entwickelt sich einfach mit der Zeit komplett für alle Epochen und Komponisten ein Gefühl wie man etwas spielen muss.

Eine eigene Interpretation, an der nichts auszusetzen ist fällt mir am Klavier einfach schwer. Mag sein, dass mich hier jetzt einige als Tastendrücker ohne Gefühl bezeichnen. Ich für mich glaube aber auch, dass eine allgemeingültige Interpretation ,aus der niemand ausbrechen darf, der Musik schaden kann.

Im Gesang fällt das alles leichter, da man hier den Ausdruck an den Text binden kann.

lg
 
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[...]Meine Klavierlehrerin hatte mir im Vorfeld erklärt dieses Stück müsse man nonlegato spielen, [...] Am Ende machte mich der Musiklehrer jedoch darauf aufmerksam, dass weil das Stück eben nonlegato gespielt gehört hätte, es "nur" eine 1- ist.

Mit diesem Ergebnis war ich selbstverständlich zufrieden, trotzdem hat es für mich Fragen aufgeworfen.
Wer entscheidet denn wie ein Stück gespielt "werden muss"?

Hi chopin123,

ich wäre NICHT zufrieden gewesen. ( Mit der "1-" natürlich schon, jedoch nicht mit dem Gelaber des Lehrers ( und der Klavierlehrerin ). Insgesamt hätt ich mich allerdings totgelacht, und dem Lehrer ins Gesicht.

Aus solchen Gründen habe z.B. ich mich entschieden, keinen Unterricht zu nehmen, denn es würde gewaltig RUMMSEN und EINSCHLAGEN. Allerdings auf Seiten der Unterrichtenden, sofern diese nicht ganz besondere Eigenschaften hätten.. .

Egal: Doch zur Sache:

"Bach" ist immer ein heißes Eisen, wenn es um solche Dinge geht. Las ich doch vor längerer Zeit in einer Berichtssammlung, ;) ...dass es mal eine "wichtige, popichtige" Lehrerin gab, die ihren Schülern, die ihrerseits wiederum Leute ausgebildet haben später, ganz falsche, nicht haltbare Verzierungs-Spielweisen zu "Bach" beigebracht habe.

Durch den Einfluss wurde das dann "weitervererbt" und war Stoff für bedenkliche Gesichter - und für Gelächter mit bitterem Beigeschmack.

Doch ganz abgesehen selbst DAVON:

Wir haben heute alle technischen Möglichkeiten von tollen Instrumenten, modernen Klavieren und Flügeln.

Warum sollen wir die nicht verwenden ? Das wäre ja so, als ob man, wenn man sich als Girl n Korsett und Schnürmieder ( lechhhzzz :D:D ) anziehen würde, lediglich mit nem Oldtimer fahren dürfte.

Son Quatsch.

Stand da eigtl. "non legato" drüber, in den Noten ? Nicht ? hmm. Erstaunlich. :D

Wo ich doch mit meinem greisen Ohr gar GOULD ab und an zuhöre, - und der macht legato schön, knuffig, hörbar, und vor allem lässt er sich nicht vorschreiben WANN und WO.

LG, Olli !
 
cwtoons
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@Olli:

Sehe ich auch so wie Du, einschließlich der Übergriffsmöglichkeiten auf den Lehrer.

Das Schöne an Bach ist gerade, dass es abgesehen von den aufgeschriebenen Tönen kaum Interpretationsvorschriften gibt. Jeder kann also spielen, wie er will und wird sich so dafür entscheiden, was für die eigenen Ohren am besten klingt.

Anschließend verfolgt man genussvoll, amüsiert und auch irritiert die Dispute der Fachleute jedweder Couleur über the best method to play Bach.

CW
 
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Peter
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Naja, hier sollte man schon unterscheiden!
Klar ist es letztendlich Sache des Pianisten, wie er was interpretiert. Es sollen und müssen eigene Interpretationen daraus erwachsen.
Hier geht es aber nicht darum, eine eigene Interpretation zu machen, sondern um einen prüfbaren Lernstoff. Und dazu braucht es Vorgaben wie z.B. nonlegato.

Chopin123 schreibt ja selbst, dass er dies noch nicht ausreichend gut kann. Insofern ist eine 1- etwas sehr gutes, da Alles andere wohl perfekt war.

Wer entscheidet denn wie ein Stück gespielt "werden muss"?
In Deinem Fall Dein Lehrer. Aber Du solltest unbedingt mit ihm kommunizieren, wenn Du ein Stück völlig anders interpretierst und z.B. Fragen wie hier auch ihm stellen.

Mein Lehrer z.B. sagt mir immer, warum ein Stück so oder so gespielt werden soll (z.B. für welche Instrumente es damals komponiert wurde, wie das wohl klang...). Manchmal spielt er mir auch zwei Varianten einer Phrase klassisch oder romantisch vor und lässt mich entscheiden. Wichtig ist, dass man das, was man will, auch umsetzen kann. Und genau das, davon gehe ich aus, versucht Dein Lehrer Dir mit Hilfe von Vorgaben beizubringen.
 
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Naja, hier sollte man schon unterscheiden!
Klar ist es letztendlich Sache des Pianisten, wie er was interpretiert. Es sollen und müssen eigene Interpretationen daraus erwachsen.
Hier geht es aber nicht darum, eine eigene Interpretation zu machen, sondern um einen prüfbaren Lernstoff. Und dazu braucht es Vorgaben wie z.B. nonlegato.

Chopin123 schreibt ja selbst, dass er dies noch nicht ausreichend gut kann. Insofern ist eine 1- etwas sehr gutes, da Alles andere wohl perfekt war.

In Deinem Fall Dein Lehrer. Aber Du solltest unbedingt mit ihm kommunizieren, wenn Du ein Stück völlig anders interpretierst und z.B. Fragen wie hier auch ihm stellen.

Mein Lehrer z.B. sagt mir immer, warum ein Stück so oder so gespielt werden soll (z.B. für welche Instrumente es damals komponiert wurde, wie das wohl klang...). Manchmal spielt er mir auch zwei Varianten einer Phrase klassisch oder romantisch vor und lässt mich entscheiden. Wichtig ist, dass man das, was man will, auch umsetzen kann. Und genau das, davon gehe ich aus, versucht Dein Lehrer Dir mit Hilfe von Vorgaben beizubringen.

*****


Überleg Dir mal, Peter, was bei solchen "Lehrern" rauskommt.

Er meint also, dass, um in sein persönliches Schema zu passen, "nonlegato" angesagt und auf jeden Fall das Stück so zu spielen sei.

So, nun hat er aber noch ne ganze Reihe anderer Schüler. Denen erzählt er genau dasselbe, und will also , dass eine einheitliche, bei allen gleiche Version gespielt wird. Sowas kann doch hinten und vorn nicht das Ziel sein.

Außerdem missfällt mir ein weiterer Punkt, Peter:

Man soll also ein Stück so spielen, wie es einer ( 1 ) anderen Person gefällt, wobei diese Person meint "das GEHÖRT so..!"

Hätte er mit mir gesprochen, wäre ich bereits beim "h" von "gehört" aufm Absatz umgedreht und rausgegangen. ( Vorher hätte ich ihn allerdings gefragt, inwieweit man seine bahnbrechenden Bach-Aufnahmen auf professionellen CDs erwerben kann, damit man auch sehen und hören kann, ob er..hehe..was KANN. )

Wo gibbtsn sowas, irgendwas so zu spielen, nur damits nem anderen gefällt ?

Ich glaub ich bin im Zoo.

LG, Olli !
 
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Peter
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He, nu dreh mir mal nicht die Worte im Mund herum.
Man soll also ein Stück so spielen, wie es einer ( 1 ) anderen Person gefällt, wobei diese Person meint "das GEHÖRT so..!"
Quatsch, habe ich nie gesagt.
Es geht (in diesem Fall) darum, das Nonlegato zu erlernen. Punktaus. Das kann man an Hand von technischen Übungen machen (da denkst Du sicher genau so drüber wie ich) oder an Hand von Stücken, und da eignen sich einige von Bach doch wohl sehr gut. Es geht nicht darum, etwas so oder so spielen zu müssen, sondern es so oder so spielen zu können.

Wo gibbtsn sowas, irgendwas so zu spielen, nur damits nem anderen gefällt ?
In JEDEM guten Klavierunterricht. Schau Dir alleine mal die ganzen Meisterkurse an. Wobei es nicht zwingend um Gefallen geht, sondern um das Lehren und Lernen von Ausdruck und Klanggestaltung.
Ich bin sicher, auch der Herr Liberman hat seinen Schülern Interpretationsvorgaben gemacht. Wozu soll sonst Unterricht überhaupt gut sein?
 
D
dooodii
Guest
wieso denn? Wenn n Lehrer mir sagt, bei Fuge xy von Bach gehört kein oder nur wenig Pedal und erklärt mir wieso, dann ist doch alles in Butter. Ich kann ja daheim trotzdem machen was ich will, aber wenn es sinnvoll bzw. stilgetreu bleiben soll, höre ich doch lieber auf meinen Lehrer bis ich genug Erfahrung hab, um selbst über solche Sachen zu urteilen
 
LMG
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He, nu dreh mir mal nicht die Worte im Mund herum.
Quatsch, habe ich nie gesagt.
Es geht (in diesem Fall) darum, das Nonlegato zu erlernen. Punktaus. Das kann man an Hand von technischen Übungen machen (da denkst Du sicher genau so drüber wie ich) oder an Hand von Stücken, und da eignen sich einige von Bach doch wohl sehr gut. Es geht nicht darum, etwas so oder so spielen zu müssen, sondern es so oder so spielen zu können.

In JEDEM guten Klavierunterricht. Schau Dir alleine mal die ganzen Meisterkurse an. Wobei es nicht zwingend um Gefallen geht, sondern um das Lehren und Lernen von Ausdruck und Klanggestaltung.
Ich bin sicher, auch der Herr Liberman hat seinen Schülern Interpretationsvorgaben gemacht. Wozu soll sonst Unterricht überhaupt gut sein?

Morgäähn Peter ;)

Ich wäre glücklich, wenn man den Namen so schreiben würde, wie er auch z.B. vorn in der Lectures-Version steht:

Alexander Libermann.

Und er hat keine VORGABEN gemacht ( an keiner Stelle zumindest der Lectures habe ich derartiges gesehen ), sondern er hat

a ) Vorschläge gemacht,
b ) diese exakt und treffend ( m.E. ) begründet,
c ) anscheinend ( so wie ich aus den Texten entnehme, aber auch von meinem Freund hörte ) VIEL gezeigt, viel anschaulich gemacht, viel bildhaft ERKLÄRT, so dass man es sich trotz deer Komplexität der eigtl. Vorgänge GUT vorstellen konnte, und er hat
d ) einzelne Studenten auch ermuntert, Dinge, die gerade behandelt wurden, selbst zu zeigen in den Vorlesungen / Kurs-Teilen, und hat dabei wiederum Punkt a ) angewendet: VORSCHLÄGE zur besseren Bewältigung schwieriger Dinge zu machen, und vor allem hat er, in "Frage-Antwort"-Runden...
e ) ...detailliert und reflektierend / zusammenfassend wiederholend IM GESPRÄCH mit den Students zu Einzelfragen Stellung bezogen bzw. diese erneut beantwortet, falls noch nicht 100%ig klar.

( und nebenbei: ** f ) .. speziell zur Thematik "Bach usw. und heutige Instrumente" vertritt er nachdrücklich die Meinung, die ich oben bereits skizzierte: Die Möglichkeiten der heutigen Instrumente NUTZEN !! ** )

Ein solches Vorgehen ist das, was man sich, so denke ich, wünscht.

KEINESFALLS würde es mir persönlich ausreichen, zu hören "das macht man so, weil das so gehört." plus Abwertung der Note, selbst wenns vom Lieben Gott käme. Auch der muss BEGRÜNDEN - sonst wird er als unzureichend ad acta gelegt. ;);)

LG, Olli !
 
Peter
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LMG: Na siehste, sind wir doch einer Meinung. :) (Vorgaben, Vorschläge...wollen wir mal nicht so kleinlich sein)
Dass der Lehrer das begründen soll und Chopin bei Bedarf entsprechend kommunizieren soll, hatte ich ja schon weiter oben geschrieben.
 
 

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