Infos zu einem alten Flügel


Mephisztoe
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Ich bin vor kurzem zu einem etwa in die Jahre gekommenen Flügel der Marke Ritmüller gekommen. Die Seriennummer auf dem Gussrahmen lässt darauf schließen, dass er wohl zwischen 1920 und 1925 gebaut wurde (29340); die Länge beträgt etwas über 150cm.

Gibt es eine Möglichkeit, an Informationen über diesen Flügel zu kommen? Heute gebaute Instrumente sind ja informationsüberladen, haben exakte Produktbezeichnungen und Katalog-Beschreibungen. Aber zu dem Instrument hier finde ich praktisch nichts. Bis auf die erwähnte Seriennummer und den Schriftzug "Ritmüller" gibt es keinerlei weitere Informationen am Instrument selbst und natürlich gibt es auch keine Dokumentation.

Für mich als Laien ist der Klang erstaunlich gut. Dennoch werde ich - sobald er bei mir steht - eine befreundete Klavierbauerin draufschauen lassen. Vorab würde ich mich freuen, falls ihr hier Tipps und Ideen für mich hättet.

Viele Grüße,
Christian.
 

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Tastenscherge
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Gibt es eine Möglichkeit, an Informationen über diesen Flügel zu kommen?
Was für Informationen brauchst du denn? Letztlich zählt doch nur, ob er heute noch in passablem und stimmbarem Zustand ist.

Von Ritmüller gab es einen englischsprachigen Katalog von 1897 mit 3 Flügeln und 5 Klavieren. Und im Nov. 1921 gab es auch noch einen neuen Katalog. Vielleicht weiß @Dieter ja mehr?
 
D
Dieter
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29.340 wurde 1925 hergestellt.
Ein Artikel zu Ritmüller siehe:
Google: Zeitschrift für Instrumentenbau -
https://www.simpk.de › digitalisierte-bestaende › ...
"Direkt zu den Bänden": Band 41, Seite 3 „Zum 125 jährigen Bestehen ...“
auch Band 43, S. 972; Band 44, S. 1242, rechte Spalte unten.
 
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Mephisztoe
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Warum nicht vorher?
Wenn sich herausstellt, daß der Flügel Schäden, größeren Reparaturbedarf oder Wartungsstau hat, wäre der Transport überflüssig...

Nun, ich konnte den Flügel vor Ort Probe spielen und wie oben erwähnt, gefällt mir der Klang. Plus: Ich habe eine kleine Tochter zuhause und regelmäßig Kinder im selben Alter zu Besuch... eine Zeit lang stand mein Yamaha Portable Grand im Kaminzimmer und ratet mal, wie das inzwischen ausschaut...

Mit "Ich bin vor kurzem zu [...] einem Flügel [...] gekommen." meinte ich: Aufgrund bestimmter Umstände wurde er mir geschenkt. Und für gerade mal 270 Euro, der mich der Transport kostet, halte ich die Kosten für einen Flügel, der mir klanglich gefällt für eine gute Sache. Insbesondere, wenn ich nicht besonders darauf achten muss, ob meine Tochter sich jedes Mal die Hände gewaschen hat, bevor sie es wagt, das Instrument anzufassen. ;-)

Soviel zum Background.

Nichts desto trotz interessiert mich die Geschichte dieses Flügels total und ich würde gerne mehr darüber herausfinden. Wie nannte sich die Technik, mittels derer damals die Klangerzeugung konstruiert wurde - im Vergleich zu heutigen "Standards"? Was für Materialien wurden verwendet? Warum fehlt das Sostenuto-Pedal? Aus was für einem Holz ist der Korpus gefertigt? Wurden Messing oder Eisen für die Saiten verwendet (war glaube ich früher so üblich?)? Kommen in dem Flügel Steinway-Patente zum Einsatz?

Ich hatte zwar vor ein paar Jahren die Gelegenheit, die Steinway Fabrik in Bahrenfeld zu besuchen... das ist aber lange her und ansonsten bin ich in dieser Hinsicht ein Rookie. Bei anderen Themen (Stichwort "Retro Computing") greift bei mir z.B. meist der Reflex, alte Hardware zu reparieren, restaurieren und allgemein aufzubereiten bis zu einem Punkt, ab dem sie als fast neuwertig gelten kann. Und wenn ich mir dazu in der Vergangenheit die Fähigkeit aneignen musste, wie man alte Röhrenmonitore gefahrlos repariert und dabei bspw. Zeilentrafos austauscht, dann habe ich das halt gemacht. Ich nehme allerdings an, dass ein Flügel nicht gerade eine Sache ist, bei der man als Laie einfach so in der Lage ist, Wartungen durchzuführen und/oder sich die dazu erforderlichen Fähigkeiten "mal eben" anzulernen.

Bei meinen Elektronik-Projekten habe ich es einfacher, da ich ein breites Spektrum an Werkzeugen und Geräten besitze. Die Spezialwerkzeuge, die für die Arbeit an einem Flügel erforderlich sind, habe ich natürlich nicht. Außerdem scheint dieses Gebiet in Summe sehr schlecht (öffentlich) dokumentiert zu sein. Das ist im Elektronik-Bereich ganz anders. ;-)

Und dann wiederum gibt es diesen Typen auf YouTube, der an seinem Klavier laufend die Saiten durch irgendwelchen Blödsinn ersetzt. Oder die Hammer durch echte Hammer... nunja. Ich hätte zunächst einmal erst Lust, das Holz von dem Ritmüller aufzubereiten.

Mal schauen.

Erstmal muss er hier stehen.
 
OE1FEU
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Bei meinen Elektronik-Projekten habe ich es einfacher, da ich ein breites Spektrum an Werkzeugen und Geräten besitze. Die Spezialwerkzeuge, die für die Arbeit an einem Flügel erforderlich sind, habe ich natürlich nicht. Außerdem scheint dieses Gebiet in Summe sehr schlecht (öffentlich) dokumentiert zu sein. Das ist im Elektronik-Bereich ganz anders. ;-)

Da unterliegst Du aber einer großen Fehleinschätzung.

Im Elektronikbereich ist alles, was über TTL hinausgeht vielleicht funktional dokumentiert, aber in das Innenleben eines Chips läßt Dich ein Hersteller heute nicht mehr schauen. Die Legenbildung gibt zwar die Anekdote wieder, dass man in DDR-Zeiten noch Chips aus dem Westen vorsichtig aufgefräst hat, um sie dann mit dem Mikroskop irgendwie ins Reverse Engineering zum Nachbau zu bringen, aber heutige 9nm Chiptechnologie ist eine verschlossene Blackbox, deren Dokumentation für Entwickler einen Teil der Funktionalität darlegt, aber mehr auch nicht.

Ein Klavier oder Flügel hingegen läßt sich bis auf die letzte Schraube auseinandernehmen und außer ein paar Chemikalien im Hammer ist da nix an Secret Sauce drin. Bücher wie "Pianos Inside Out" von Mario Igrec dokumentieren das gesamte Innenleben eines Instruments und auch Vorgehensweisen zu dessen Bearbeitung. Damit ist man zwar nach der Lektüre immer noch kein Klavierbauer, aber wer es ernst meint, kann mit viel Trial and Error und dem richtigen Werkzeug schon die wichtigsten Arbeiten erledigen.

Stellt sich trotzdem immer noch die Frage nach der Abschätzung zwischen Aufwand und Nutzen.

Lass einen Stimmer kommen und schau dann mal weiter. Vorher ist alles müßige Spekulation. Habe ich bei meinem Steini auch so gemacht und nach dem Stimmen war das Teil dann auch super.

Gut, ein paar Kleinigkeiten mußten dann noch gemacht werden...

 
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Tastenscherge
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Nichts desto trotz interessiert mich die Geschichte dieses Flügels total und ich würde gerne mehr darüber herausfinden. Wie nannte sich die Technik, mittels derer damals die Klangerzeugung konstruiert wurde - im Vergleich zu heutigen "Standards"? Was für Materialien wurden verwendet? Warum fehlt das Sostenuto-Pedal? Aus was für einem Holz ist der Korpus gefertigt? Wurden Messing oder Eisen für die Saiten verwendet (war glaube ich früher so üblich?)? Kommen in dem Flügel Steinway-Patente zum Einsatz?
Über die Firma Ritmüller findest du im Lexikon Deutscher Klavierbauer über 2 Seiten Geschreibe, also die gesamte detaillierte Firmenchronik. Die Technik, mit der damals konstruiert wurde, nannte sich Zeichenbrett. Heute Standard ist wohl eher CAD. Die Materialien sind im wesentlichen die gleichen wie heute. Lediglich Elfenbein nimmt man heute nicht mehr. Sostenuto gab es damals noch nicht. Korpusholz kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich so wie heute verschiedene dünne Schichten gebogen. Für die Bass-Saiten nimmt man heute wie damals Kupfer als Umspinnung. Die blanken Saiten sind damals wie heute patentierter Stahl. Steinway-Patente kamen wahrscheinlich zum Einsatz, die aber schon damals abgelaufen waren. Alleine schon die Über-Kreuz-Besaitung war mal ein Patent von denen. Und ich glaube die Gussplatte ebenfalls.

Unterm Strich kann man sagen, dass sich da nicht allzu viel verändert hat im Flügelbau. Heute gibt es Computer, die die Konstruktion vereinfachen und mit denen man die Mensur einfacher berechnen kann. Und mit denen man Maschinen steuern kann, die z.B. die Stege anfertigen, sofern das nicht Handarbeit ist.
 

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