Ideales Üben

Dieses Thema im Forum "Forum für Anfängerfragen" wurde erstellt von Maiwaaro, 19. Jan. 2018.

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  1. Maiwaaro
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    Maiwaaro

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    Liebe Clavio-Community,

    Ich übe jetzt seit etwa einem 3/4 Jahr, für 1 Stunde am Tag am Klavier und spiele inzwischen wahrscheinlich auf einem fortgeschrittenen Anfängerniveau(Album für die Jugend). Weil ich das Gefühl habe in letzter Zeit nicht wirklich Fortschritt gemacht zu haben würde es mich sehr interessieren, ob ihr ein paar Vorschläge zur Verbessung meiner Übungseinheiten habt. Ich übe momentan folgendermaßen:

    2 Einheiten a 30 min.: -1. Einheit, 5 min Finger und Gelenke aufwärmen, durch fingergymnastik und ein paar Etüden spielen, für die Übrigen 25 Minuten nehme ich mir ein Stück vor, zerlege es in Einzelteile und konzentriere mich dabei vorallem auf den schwierigsten Teil. Jedes dieser Einzelteile wiederhole ich je nach Schwierigkeit 5-10 (gute Wiederholungen, die sich richtig anhören und anfühlen) mal, zuerst getrennt und dann beide Hände zusammen.
    -2. Einheit für 15 Min. Das selbe wie in den 25. min zuvor, dann 15 min. "Sight Reading", d.h unbekannte Stücke vom Blatt spielen.

    Ich würde mich sehr über eure Meinung zu dieser Übungsroutine freuen. Mein Musiktheoretisches Verständnis ist sehr gering, was ein Grund für die Stagnation sein könnte. kennt jemand Bücher, die Grundideen wie Rhytmus etc. verständlich erklären?
    freue mich sehr über Antworten!
     
  2. Kleiner Ludo
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    Kleiner Ludo

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    Hallo, das klingt ja nach richtig ernsthaftem Ueben. Da würden mich glatt Aufnahmen von deinem Spiel interessieren. Mein Rat: Immer brav mit Noten(mit)lesen üben. Das zahlt sich langfristig aus. Blindes Zurechtfinden auf der Klaviatur ist sehr nützlich...
     
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  3. DonMias
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    DonMias

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    Willkommen im Forum. :-)

    Plateau-Phasen, in denen es gefühlt nicht voran oder sogar zurück geht, sind normal. Da musst Du durch. Dazu kommt, dass es nie wieder so schnell voran geht, wie am Anfang. Auch damit musst Du einfach klar kommen.

    Was konkret auf Dich zutrifft, lässt sich von außen schwer beurteilen. Auch das "Patent-Rezept" für's Üben gibt es nicht. Da muss jeder den für sich passenden Weg finden. Hierbei kann ein guter Klavier-Lehrer helfen. Hast Du einen?
     
  4. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    Glückwunsch! Das gehört zum Fortschritt dazu. Das Gefühl der Stagnation, ja sogar das des "Schlechterwerdens" wird Dich immer begleiten.

    Deine Übeeinheiten klingen grundsätzlich gut*; schließe mich dem Tipp an, einen KL aufzusuchen. Das bringt Dich schneller voran, hilft aber nicht gegen die Plateauphasen.

    Was ich in jedem Fall noch mit in die Einheiten aufnehmen würde: Spielen, und zwar im Wortsinn. Experimentieren, improvisieren und außerhalb der Einheiten auch viel Hören.
     
  5. Fou Lou
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    Fou Lou

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    Das ist ja wesentlich strukturierter als ich. Ich mach meist das worauf ich gerade lust habe und vorallem was noch nicht so klappt wie ich es mir vorstelle.

    Meistens bearbeite ich das aktuelle stück. Übe n bissel tonleiter und akkorde und deren umkehrungen. Und andere kleinere sache die ich so von meinem KL mitbekommen habe.

    Was mir noch oft hilft ist mich selbst aufzunehmen und beim hören meine stücke in ruhe zu analysieren wo es noch hapert etc. Und dann dort auf die verbesserung hinarbeiten.

    Ansonsten kommen hier und da noch kleinere experimente zu was man so machen kann.

    Ich hab spasseshalber gestern den kleinen Boogie den ich gerade übe mal ne Tonart nach unten transponiert.

    Hin und wieder auch n bissel improvisation. Halt so wie es mir gerade passt.

    Nur durch deinen Post ist mir aufgefallen das das Notenlesen ein bissel kurz kommt. Ich hab die stücke (sind noch alle recht kurz) oft recht schnell von den noten entkoppelt und ein bild vom stück im kopf welches halbwegs ohne noten auskommt.

    Hat leider schon mehrmals dazu gefüht das ich noten unabsichtlich falsch gespielt habe ohne es zu hören weils noch halbwegs ins gesamtgefüge des stückes gepasst hat.

    Zusätzlich kommt hinzu das ich viel mit rhytmus sprache mache. Ich versuche oft stücke im Radio etc. In rhytmussprache umzusetzen. Das klappt mal mehr mal weniger und ob ich richtig liege kann ich nicht wissen. Aber das gefühl stimmt. Das sind dann so eher sachen die ich außerhalb von übungen mache weils mir spass macht.
     
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  6. BWV999
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    BWV999

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    Spiel zwei Stunden statt einer...:lol:

    Meiner Erfahrung nach gibt es beim Klavierspielen nach der Einstiegseuphorie keine Plateau-Phasen, sondern nach ein paar Jahren ist alles nur noch Plateau, wenn man blöderweise ein Dilettanten-Zeitbudget hat. :-D
     
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  7. hasenbein
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    hasenbein

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    Zunächst mal Glückwunsch - wenn Du das tatsächlich so durchziehst, dann übst Du ja schon mal systematischer und zweckmäßiger als 95% der Klavierschüler.

    Was sein könnte - aber dafür müsste man Dich mal spielen hören und mehr über Dich wissen - ist, dass Du evtl. zu mechanistisch an die Sache herangehst und wenig das Ohr (bzw. den "Klangwillen") die Spiel-Aktion führen lässt. Auf diese Weise lassen sich zwar bei Fleiß ganz gute Fortschritte erreichen, aber das Spiel wird immer wenig musikalisch bzw. "buchstabiert" klingen, und in Vorspielsituationen wird man sich stets unsicher fühlen, da man sich auf das "Muskelgedächtnis" verlässt. Außerdem ist das Spielgefühl in der Regel eines von "meine Finger machen da was, und ich beobachte das und hoffe, dass sie das richtig machen" anstatt des musikalischen Spielgefühls "ICH bin es, der via Instrument Klänge und Emotionen, die in mir sind, zum Ausdruck bringt".
     
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  8. Marsupilami
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    Marsupilami

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    Das mit dem Klangwillen habe ich von dir jetzt schon öfters gelesen, bin mir aber nicht sicher, ob ich es verstanden habe:

    Fakt ist, dass wir als Input die Noten haben und am Ende soll die Musik als Ergebnis rauskommen. Nur wie kommen wir da hin?
    Ich kann die Noten lesen, mir die dazugehörigen Fingerbewegungen antrainieren, und es erklingt die Musik. Wenn ich dich richtig verstehe, meinst du genau dies eben nicht.
    Doch was genau meinst du? Denn um wie von dir beschrieben Klänge und Emotionen zu erzeugen, muss dies ja dennoch auf Basis der Noten geschehen. Ich kann mir ja nicht einfach nur vorstellen wie es klingen muss und es wird automatisch gut. Sonst könnte ich ja alles was ich vom hören her auswendig kenne auch spielen.

    Kannst du mir das nochmals etwas erläutern bitte?
     
  9. HelmutHeinchen
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    HelmutHeinchen Guest

    woher kennst du 95% der Klavierschüler? Wann hast du mit ihnen gesprochen? Ach, es sind nur 95% deiner Klavierschüler? Kein Wunder... ;-)
     
  10. Maiwaaro
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    Maiwaaro

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    Erstmal danke für die vielen, guten Antworten.:-)
    Danke! Irgendwelche Vorschläge wie man an einen guten Klavierlehrer kommt?
    Das kann sehr gut sein! Was schlägst du vor wie ich dieses "musikalische Spielgefühl" verbessern könnte? :)
     
  11. Kleiner Ludo
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    Kleiner Ludo

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    Das ist ein grosses Problem denn 95% :-D der Klavierlehrer sind wirklich (hasenbein)schlecht. Ich hoffe, du hast Spass am Glückspiel.

    Mehrere ausprobieren und dann auswählen. Wenn nach 3-6 Monaten Zweifel bestehen, dann wechseln. Setzt voraus, dass man eine gewisse Auswahl hat. Auch gut, sich einen empfehlen lassen. Wie man KL in der Probestunde richtig antestet/einschätzt, dazu gab es hier schon Fäden. -> Suchfunktion.
     
  12. FünfTon
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    FünfTon

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    Ich empfehle Anfänger immer jede Minute der Anfangseuphorie zu genießen und vor allem soviel Zeit wie möglich zu investieren, denn die gefühlte Stagnation gehört später schlicht dazu.

    Wie ich persönlich damit umgehe: Immer wenn ich das Gefühl habe, daß es nicht mehr vorangeht, greife ich zur Abwechslung mal wieder ein richtig schweres Stück auf und kämpfe mich da durch. Wobei es viel Erfahrung bei der Auswahl braucht, weil gerade Anfänger haben noch eine sehr große Auswahl der Kategorie "zu schwer". Letzteres bringt dann wieder nichts.

    Wenn ich dann mit dem Marathon durch bin, kehre ich zur mittelschweren Literatur (bezogen auf den eigenen Fähigkeiten) und zurück siehe da: Es sind wieder Verbesserungen feststellbar, alles klingt irgendwie runder, alles läuft nun flüssiger.

    Alternativ gehe ich bei einem Plateau auch gern mal zu viel einfacheren Stücken zurück und versuche sie noch klangschöner hinzubekommen.

    Für mich sind also viel Abwechslung mit unterschiedliche Schwierigkeitsgraden der Schlüssel zum Aufbrechen von Blockaden und Fortschritte erzielen. Mit progressiv schwerer werdender Literatur kann man sich schnell frustrieren, weil man gefühlt immer auf der gleichen Unfähigkeitsstufe stagniert.
     
  13. Klavirus
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    Klavirus

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    Der Satz des Tages!
     
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  14. HelmutHeinchen
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    HelmutHeinchen Guest

    Vergiss es! Er wird nie konkret. Das hat Methode - lies dich durch seine Beiträge, dann weißt du bescheid. Sein einziges Ziel in diesem Forum ist, Laien zu verunsichern ("dein Klavierlehrer hat keine Ahnung, du hast keine Ahnung").
     
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  15. Klavirus
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    Klavirus

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    Letzteres stimmt fast immer....
     
  16. Schimmelchen
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    Schimmelchen

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    Du fragst zwar Hasenbein, falls du aber auch an anderen Meinungen zu dem Thema interessiert bist, hier denn meine: die Basis für ein musikalisches Spielgefühl bildet das Voraushören und eine möglichst exakte Vorstellung darüber, wie das Vorausgehörte erklingen soll.

    Man kann ein Stück generell auf zwei Arten angehen: Die notierten Noten (an)spielen, hören, was dabei rauskommt und sich denken "ah, so klingt das also". Eventuell noch mit dem Zusatzgedanken "Ah ja, klingt ja so ähnlich wie in der Aufnahme, die ich mir auf youtube reingezogen habe".

    Oder man schaut sich die Noten vorher an und versucht, eine möglichst genaue Vorstellung darüber zu entwickeln, wie sie klingen sollten. Ist am Anfang sauschwierig und mit mäßigem Erfolg gekrönt, wird aber mit der Übung besser, versprochen.

    Je exakter ich weiß, wie etwas erklingen soll, desto klarer ist es meinen Händen auch, wie sie eine Bewegung auszuführen haben. Das ist der Unterschied zum mechanischen Spiel: die Hände mögen dabei aus visueller Betrachtung noch so exakt und effizient agieren - wenn ihr tun dabei nicht durch das Voraushören geleitet wird, können es trotzdem schlicht und ergreifend Bewegungen mit einem suboptimalen musikalischen Ergebnis sein.
     
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  17. Marsupilami
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    Marsupilami

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    Ist das was du, Schimmelchen, beschreibst, der von Hasenbein zitierte "Klangwille"?
     
  18. Schimmelchen
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    Schimmelchen

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    Das kann abschließend nur @hasenbein beantworten, aber es ist zumindest das, was ich unter Klangwillen verstehe.
     
  19. Klavirus
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    Klavirus

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    Ist das, was du hier fragst, überflüssig? :müde:
     
  20. brennbaer
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    brennbaer

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    Och, ich glaube, da gibt es hier in diesem Thread den einen oder anderen deutlich überflüssigeren Beitrag...