Klaviertraining - Wie strukturiert ihr eure Zeit?

Dieses Thema im Forum "Klavierspielen & Klavierüben" wurde erstellt von MeridirhMusic, 1. Mai 2018.

  1. MeridirhMusic
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    MeridirhMusic

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    Hallo allerseits,

    mich interessiert als autodidakt ja sehr der Lernprozess beim Klavier-lernen (bzw. allgemein beim Lernen von Instrumenten; insbesondere mehrerer Instrumente). Hierzu erstelle ich mir oft Lernpläne und versuche diese einzuhalten bzw. meine mir zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll einzuteilen, damit ich alle Instrumente pro Tag unterkriege.

    Nun würde mich sehr interessieren, wie ihr eure Zeit so einteilt und wie ihr übt. Mittlerweile bin ich gezwungen, meine Trainingszeiten in zwei Blöcke à 45 Minuten pro Instrument einzuteilen. Das bedeutet, dass ich z.B. am Montag einem "Plan A" folge (s.u.) und am Tag drauf einem "Plan B", was am 3. Tag wieder wechselt und von Neuem rotiert.

    Plan A sieht hierbei konkret das "Repertoire" vor, also folgende Aufteilung:

    Repertoire
    - "Sight Reading" (vom Blatt spielen): 15 Minuten
    - Solo Stück : 30 Minuten

    Mein Lernprozess bei Stücken bzw. Etüden sieht hierbei so aus, dass ich mir i.d.R. ca. einen Monat bis zwei Monate Zeit für ein neues Stück gebe, bevor ich weitere hinzunehme bzw. die Schwierigkeit anpasse, wenn es zu lange dauert.

    Dabei ist es so, dass ich in der ersten Woche eines jeden Monats immer eine Playlist mit allen Stücken erstelle, die ich lernen möchte, um mich damit vertraut zu machen. Die ersten paar Tage höre ich also intensiv die Musik, bis ich entweder ein bisschen mitwippen kann oder ein Gefühl für diese Stücke bekomme.
    Nach ein paar Tagen setze ich mich dann hin und analysiere das Stück auf die Struktur hin und mache mir hierzu Notizen (d.h. Mapping, also das Aufteilen eines Stücken in Chorus, Verse, etc., also immer wieder auftretende Komponenten). Das schließt auch die Tonart mit ein und das Tempo.

    Darüberhinaus fange ich mit einer kleinen Analyse der verwendeten Tonleiter an und gehe dann in eine grundlegende harmonische Analyse über (Akkordfolgen). Das Ganze bildet dann die Basis für meinen Trainingsplan "B", der der Technik gewidmet ist.

    "B" ist wird in 10-Minuten-Blöcke eingeteilt und sieht z.Z. vor:

    Technik
    - Rhythmus 5 min (u.a. Zählen und Klatschen, also das Vertrautmachen mit rhythmischen Einheiten)
    - Tonleitern 10 min (Major Scales, Minor Scales, Chromatic Scales, Modes etc. sorry, bin theoretisch nur auf Englisch firm)
    - Akkorde 10 min (Akkordfolgen, Akkorderweiterungen, Arpeggios, broken chords etc.)
    - Technik 10 min (Legato, Staccato, Arpeggios etc.)
    - (Riffs/Licks/Etüde) [je nach Stil] : 10 min

    Der Grund, warum ich bei Rhythmus nur 5 Minuten einplane ist dadurch bedingt, dass die anderen Kategorien ebenfalls einem gewissen Rhythmus folgenden können und ich diese Kategorie damit anderweitig auch abdecke. Natürlich gibt es bei allen Punkten etwaige Überschneidungen, aber das sei nicht das Thema :)

    Da ich meine zwei rotierenden Trainingstage habe, hatte ich auch schon überlegt nur eine Kategorie an einem Tag "B" zu trainieren, was aber dazu führen würde, dass ich bei 45 Minuten pro Instrument (mit 15 minütiger Pause zwischen der nächsten Einheit) nur fast alle zwei Wochen zum Üben von z.B. Tonleitern kommen würde, was ich als eine zu lange Pause ansehe.

    Das große Problem, dass ich zu Beginn hatte war, dass ich mit einer Zwei-Tage-Rotation nicht exakt in einer Woche rotieren kann (weil wir ja nur 7 Tage pro Woche haben lol), aber in einem 2-Wochen-Rhythmus kann man beide Blöcke exakt aufteilen. Deshalb rotiere ich normalerweise auf diese Weise meine Trainingspläne durch.

    Was die Technik angeht, nehme ich mir normalerweise entweder eine Woche oder zwei Wochen pro Trainingssatz vor, z.B. eine Woche lang eine Akkordfolge einstudieren bevor es zur nächsten geht oder aber zwei Wochen lang irgendwelche exotische Tonleitern, die ich nicht in die Finger bekomme usw.

    So, nun zu meinem eigentlichen Punkt. Da ich vor kurzem auf das Thema des parallellen Lernens mehrerer Stücke aufmerksam geworden bin, frage ich mich, wie ihr es mit eurem Repertoire macht. Da sich meine Trainingspläne ergänzen, also Plan B z.B. von Plan A (also dem Stück) abhängt, frage ich mich, ob es für mich überhaupt realisierbar wäre, mehrere Stücke parallel zu lernen und hierbei meinen Anspruch zu wahren, die Technik nicht zu vernachlässigen. Da mir der technisch-theoretische Aspekt sehr wichtig ist, möchte ich hier ungern nur in ein reines "Repertoire-Lernen" abrutschen.

    :) Mich würde eure Meinung hierzu sehr interessieren.
    Darüberhinaus würde ich sehr gerne auch eure Trainingspläne sehen (falls ihr sowas macht) und wie ihr eure wertvolle Zeit einteilt, um effektiv zu lernen.


    Ich freue mich schon auf eine interessante Runde :-)


    viele musikalische Grüße,

    Lukas
     
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  2. hasenbein
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    hasenbein

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    Hust... Ich habe nie in meinem Leben eine derartige Minuten-Einteilung gemacht.

    Würde mal auch vermuten (stimmt das, oder liege ich falsch?), dass auch die meisten anderen Profis hier das nie gemacht haben.

    Bei Amateuren, die wenig Zeit zum Üben haben, kann so etwas natürlich sinnvoll sein, damit sie sich nicht mit einer Sache verzetteln und die anderen Dinge vernachlässigen. Deinen Plan finde ich jedoch auf eine geradezu "mustergültig deutsche" Weise überdetailliert, denn er lässt keinen Raum für SPIEL, Kreativität und Kreativität, sondern verwandelt das Üben in einen Rundkurs wie in der Muckibude, wo man eine Station nach der anderen absolviert, jede 3x15mal. Verräterisch ist ja schon Deine Wortwahl "Klaviertraining"!

    Musizieren ist nicht "Training". Und die Methoden, die im Sport oder anderswo "effektiv" sind, sind beim Musizieren nicht effektiv, sondern kontraproduktiv.

    Beispielsweise ist es Quatsch, die Einzelaspekte wie Rhythmus, Tonleitern, Akkorde, "Technik" (??) so in Einzelrunden zu zerlegen - vielmehr ist wichtig (und da kann es sein, dass Du als Amateur das nicht kannst, sondern eben doch einen Experten hinzuziehen musst), Stücke oder Übungsstücke auszusuchen, die möglichst viele Aspekte der Musik abdecken. Ja, genau, DAS ist in der Musik "effektiv": Wenn man viel Musik spielt, die nicht repetitiv oder "eindimensional" ist, sondern in der viele verschiedenartige Dinge, die übenswert sind, vorkommen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Mai 2018
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  3. MeridirhMusic
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    MeridirhMusic

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    Das ist interessant.

    :) Wie stellst du denn sicher, dass du wichtige Komponenten der Technik, die für das Vortragen von Stücken relevant sind (u.a. Akkorde, Tonleitern) sicher beherrscht und nicht wieder verlernst, ohne dass du sie trainierst und immer wieder auffrischt?

    Das Problem, das du angesprochen hattest, also das "Verzetteln" mit einer Sache sehe ich eben als Problem an, da man sonst viele andere Bereiche einfach auf Dauer vernachlässigen würde. Musizieren ist nicht Training, aber der Weg dahin schon. Von Nichts kommt Nichts :) und um etwas zu lernen musst du es auch üben oder eben "trainieren" ;-)
     
  4. 40er
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    Wo bleibt da die Freude, der Spass an der Sache?
     
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  5. MeridirhMusic
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    MeridirhMusic

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    Kannst du das weiter ausführen? Bei was genau? :)
     
  6. stoni99
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    stoni99

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    Also ich habe 0 Plan dabei.:-D
    Ich übe aus dem Bauch heraus. :geheim: Als erstes eigentlich immer das neuste Stück weil es frische Konzentration erfordert. Dann noch irgend etwas "schönes, leichtes". Danach ist "vom Blatt spielen üben" angesagt. Zwischendurch mal eine Tonleiter oder kurze Fingerübung. Dann erst mal Pause.
    Ich übe abschnittsweise so 3 - 5mal tgl. je ca. 20min.
     
  7. MeridirhMusic
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    MeridirhMusic

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    :-D Das ist auch interessant. Was übst du so vom Blatt? Ist es das gleiche Stück,nur eine andere Passage, die du noch nicht kennst/kannst oder ein ganz anderes Stück?
     
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    Was willst Du erreichen? Perfekt anderen vorspielen können? Wie alt bist du? Was machst Du alles nebenbei?

    Nach nun fünf Jahren am Klavier als Späteinsteiger ist mir klar geworden, dass das Spielen für mich vor allem Entspannung, Spass und ein gedankliches Training in einer anderen Richtung ist und bleiben wird.
    Seitdem geht einiges besser.
    Wenn ich mir vorstelle so einen Trainingsplan neben den Klavier stehen zu haben, würde mir heute schlecht werden.

    Das Leben ist schon ernst genug.
     
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  9. MeridirhMusic
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    MeridirhMusic

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    Naja gut, das ist alles Ansichtssache. Manche mögen Struktur in ihrem Leben :) andere eher nicht. Das ist ja kein Manko. Das Ziel eines Plans ist ja, möglichst viele Facetten der Technik abzudecken, die für das spätere Vortragen von Stücken relevant sind. Es hängt doch davon ab, wie musikalisch man das Techniktraining angeht :D das eine schließt das andere ja nicht aus ^^

    Wie du richtig gefragt hast, ist es auch abhängig von den Zielen, die man hat. Ich habe nicht das Ziel, perfekt vortragen zu müssen. Aber eine derartige Orientierung, d.h. eine sehr gute Technik, finde ich hierbei schon persönlich wichtig und deshalb liebe ich technische Übungen auch so sehr. Es macht einfach Spaß zu sehen, dass man sich in einem Bereich durch das Trainieren verbessern kann. Vom Schlecht-werden kann hier keine Rede sein ^^ Aber wie oben gesagt, ist das ja persönliches Gusto.
     
  10. 40er
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    Spielst Du schon lange?
     
  11. hasenbein
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    hasenbein

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    Du hast meinen Beitrag gelikt, wahrscheinlich weil Du dachtest: "Ah, cool, Hasenbein unterstützt also quasi MEINE Art zu üben, nämlich mit '0 Plan'! Also mache ich es ja ziemlich richtig und brauche nichts zu ändern!"

    WRRRRRONKKK!

    So wie Du übst, ist genauso falsch.

    Man braucht schon einen Plan! (Und der ist am besten auch angeleitet durch eine methodisch-didaktisch versierte Person.) Nur eben nicht komische Minuteneinteilung bzw. "Compartmentalization" von Musik.
     
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  12. MeridirhMusic
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    Ich bin jetzt in meinem dritten Jahr am Klavier, wobei ich ein Jahr pausieren musste (Auslandsaufenthalt).
     
  13. MeridirhMusic
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    MeridirhMusic

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    ^^ Du bist ja ganz schön schnell darin, etwas als "falsch" abzustempeln :)
    Einen Plan zu haben ist also richtig, sich aber die Zeit einzuteilen falsch, richtig?
    Verstehe ich nicht. Die Korrelation darin erschließt sich mir nicht.
     
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    Du hast die ersten zwei Jahre auch mit so einem Plan "trainiert"? Du lernst komplett ohne Lehrer?
     
  15. hasenbein
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    hasenbein

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    Nein, sich die Zeit einzuteilen ist selbstverständlich nicht falsch, man sollte das tun.

    Du begreifst nur gerade nicht, wogegen ich mich wende.

    "Nicht einen in Minutenzahlen eingeteilten Plan aufstellen und befolgen" ist nicht das Gleiche wie "einfach irgendwie drauflosüben", capisce?
     
  16. MeridirhMusic
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    Jop. Ich will mir das autodidaktisch beibringen.
     
  17. MeridirhMusic
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    Netter Ton. Aber gut, sehen wir darüber mal hinweg.

    Zeit für einzelne Elemente zu reservieren heißt ja nicht exakt nach 600 Sekunden wechseln zu müssen, sondern sich selber eine Orientierung zu geben. xD Wenn man das nicht macht, ergibt sich die Gefahr einfach Sachen unter den Tisch zu kehren, weil man auf einmal keine Zeit mehr für andere Dinge hat.
     
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    Ich würde davon ehrlich abraten. Es gibt so vieles was man nicht richtig machen wird. Mein erste Lehrerin hat sich währen 4 Jahren praktisch nicht um Sitz- und Fingerhaltung gekümmert. Das Pedal sollte halt irgendwie und -wann gedrückt werden....

    Die neue Lehrerin geht da ganz anders vor. Einfachere Stücke, Fingerhaltung und Druckübungen bei geschlossenen Klavierdeckel usw.. Sie hat es sich auch nicht nehmen lassen unter das Klavier zu kriechen und meinen Fuss mit ihren Händen auf das Pedal zu drücken. :-)
     
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  19. MeridirhMusic
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    :D Klingt nach einer coolen Lehrerin :D

    Ich bin mir des Risikos bewusst, aber ich möchte gerne sehen, wie weit man autodidaktisch kommen kann :) Bislang kann ich Stücke vortragen und auch selbständig lernen und analysieren. Über mein "Minimal-Ziel" (also Stücke lernen und spielen zu können) bin ich schon hinaus :) das war für mich wichtig. Hätte ich das nicht geschafft, hätte ich mir wohl einen Lehrer geholt.

    Jetzt, da ich keinerlei Ambitionen in Richtung "Profi-Spiel" habe, sondern lediglich ambitioniert bin, möchte ich sehen, wie weit ich kommen kann. Ich reflektiere sehr viel über meine Methode und die Art und Weise wie ich übe. Deshalb ist mir diese Thematik so wichtig, weil ich gerne auch andere Erfahrungen mit einbeziehen möchte :)

    Das mit deiner neuen Lehrerin klingt nach einem guten Duo, besonders wenn sie sich so reinhängt :) finde ich cool
     
  20. jbs
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    Die Stücke die ich mir am Anfang meines Klavierlebens autodidaktisch beigebracht habe sind allesamt für die Tonne, weil ich keine Ahnung von Fingersatz und richtiger Haltung hatte. Das finde ich sehr schade weil es schöne Stücke waren. Das nachträglich zu korrigieren ist leider sehr schwierig.
    Gleichzeitig ist man im erreichen eines höheren levels limitiert, weil man keine richtige Technik erlernt hat. Die Basics fehlen.
    Heute wäre mir schade um die Zeit. Die Kosten für den Klavierlehrer amortisieren sich vielfach durch gesteigerte Motivation, schnelleren Lernerfolg und insgesamt mehr Freude am Instrument. Zumindest bei mir.
    LG Josef
     
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