Wöchentlicher Übungsplan - Wie strukturieren?

arno1207
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Hallo,

ich bin erst vor kurzem diesem Forum beigetreten und verfolge mit großem Interesse, bisher eher passiv die zahlreichen wertvollen Beiträge zur Übungspraxis.
Ich bin 47 Jahre alt und spiele seit meiner Kindheit, unterbrochen von einigen längeren Pausen Klavier, in den letzten 30 Jahren vorwiegend als Begleitung zum eigenen Gesang und nur äußerst wenig klassische Musik.
Ende 2016 packte mich, nachdem ich mir ein neues Stage-Piano zugelegt hatte, wieder die Lust auf klassische Musik und fing an wieder intensiv zu spielen.

Da ich beruflich und familiär recht eingespannt bin, war ich sehr schnell gezwungen, meine Übungsstunden gut zu strukturieren, wofür ich mir inzwischen auch eine eigene iPad App geschrieben habe, in der ich meine Stunden in sogenannten Workouts bestehend aus Aufwärmübungen, technischen Übungen (Tonleiter, Arpeggios), Erlernen neuer Stücke sowie dem Wiederholen gelernter Stücke organisiere. Ich versuche soweit es Beruf und Familie ermöglichen 1-2 Stunden am Tag zu üben. Ich praktiziere auch regelmäßiges mentales Spielen, was ich gerne nutze, wenn mich eine Dienstreise mal wieder vom Instrument abhält oder spiele und singe auch mal einfach wieder drauf los, ganz ohne Plan und Noten.
Mein Repertoire ist seit dem stark angewachsen. Dazu zählen inzwischen beispielsweise Debussys Claire de Lune aber durchaus auch etwas schwierigere Stücke wie die Valse Opus 34 Nr. 1 oder die Fantasie Impromptu von Chopin, an denen ich zugegebenerweise noch einiges feilen muss. Ich spiele gerne Stücke, die ich auch gerne höre, daher ist das Repertoire durchaus etwas bunt und manchmal technisch vielleicht zu Anspruchsvoll, was mich aber nicht stört und mir bisher auch geholfen hat, mein technisches Niveau in relativ kurzer Zeit anzuheben.

Aktuell komme ich in eine Phase in der ich nach Möglichkeiten suche, meinen Übungsplan auch längerfristig zu strukturieren. Bisher gab mir das Erlernen neuer Stücke eine gewisse Struktur vor, ich merke aber, dass das nicht ganz ausreicht. Mich würde interessieren, wie Ihr so Eure Woche aufteilt. Macht es Sinn, jeden Tag nach der gleichen Struktur durchzuziehen oder konzentriert Ihr Euch tageweise auf bestimmte Aspekte, beispielsweise ausschließlich technische Übungen oder ein bestimmtes Stück. Habt Ihr Tipps, wie man einen Wochenplan am vernünftigsten ausgestalten sollte?

Vielen Dank schon mal für Eure Anregungen
Arno
 
G
Gast14130
Guest
In der Natur gibt es die Gegenpole Chaos und Ordnung die im ewigen Wettstreit stehen.
Das ist beim Klavierspiel Üben ebenso. Zuviel Ordnung, Planung, Festlegung behindert Kreativität und kann zum sturen und sinnlosem verfolgen falscher Ziele führen.
Zuviel Chaos führt ebenfalls zu falscher Prioritätensetzung.
Wie oft ist der Mittelweg für mich der richtige.
Mein Lehrer sagt es heißt KlavierSPIELEN. Spiel bedeutet Kreativität, Abwechslung, Freude am Probieren, Scheitern.
Das lässt sich nicht planen. Ebenso das flexible Anpassen der Übungen an tägliche Fortschritte.
Ja ich plane, setzte Prioritäten, aber ich weiß das jeder Plan ein Irrtum ist, kein Plan aber Unwissen.
 
maxe
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@arno1207

ich schreibe jetzt mal ganz kurz: jeden Tag (wenn möglich) spiele ich Bach zum Anfang und Ende der "Sitzung". Dazwischen versuche ich jede Woche oder Wochengruppen unter ein Thema zu stellen und demgemäß auch passende Stücke zu finden bei denen technisch und ausdrucksmäßig neue Anforderungen zu bewältigen sind. Sorgsam teste ich stets, ob ich im Ganzen auch dem bestimmten Stück so gewachsen bin, das ichs innerhalb kurzer Zeit fertig bekomme , und ich erschrecke oft, das einstweiliger Verzicht auf zu schwieriges, mich verblüffend schnell trotzdem zu diesen Schwierigkeitsgraden schließlich bringt. und was überhaupt nicht geht, tja das ist dann im Moment eben so und ich bin da nicht ärgerlich mit mir.
 
arno1207
arno1207
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@arno1207
...das einstweiliger Verzicht auf zu schwieriges...

Ja, dieser innere Schweinehund, den ich nur so schwer zu überwinden schaffe, quält mich auch immer wieder. Obwohl ich es ja wissen müsste, beiße ich mich immer wieder mal an Stücken mit hohem Schwierigkeitsgrad fest. Das kann dann auch schon mal auf Kosten der Motivation gehen.
Mir gefällt die Idee, eine Zeitspanne unter einem Thema zu setzen. Was wären denn für Dich Themen? Wie wählst Du diese aus?

Arno
 
maxe
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Was wären denn für Dich Themen? Wie wählst Du diese aus?

In letzter Zeit zb :
- Stücke vor denen ich früher Angst hatte (querbeet),
- dann Thema mir gefällige Sinfoniestellen im Klavierauszug, ,
- Schumann Miniaturen- was ist für mich romantisches Klavierspiel?!,
- Scarlatti,,,
- wie klingen Orgelstücke am Klavier (auch mal selber versuchen die Orgelnoten live beim Spiel in einen passenden Klaviersatz überführen)
- Meine Anschlags-(un)-kultur (mal intensiv alle Artikulationen ausprobieren und verbessern an gefälligen Stücken
...
 
Klavirus
Klavirus
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Ein Lehrer ist die beste Motivation gegen den Schweinehund.
Ich habe (auch) fast keine Struktur bzw. Übeplan. Besonders schlimm, wenn viel Zeit zwischen den Unterrichtsstunden ist. Naht eine Solche bzw. ist der Zeitraum dazwischen relativ kurz (2 Wochen bspw.), dann strukturiert sich das Üben von alleine.
 
 

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