Ich brauche Motivationshilfe!

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Marlene

Marlene

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Hallo,

im Thema „Neues Stück – Hände getrennt oder zusammen“ habe ich dies geschrieben:

Ich will es ändern, ich könnte es mir leichter machen, und das seit 2 ½ Jahren! Seit mir immer wieder gesagt wird, dass ich LANGSAM spielen soll. Und jedes Mal spiele ich zu schnell und es schleichen sich Fehler ein. Eine innere Stimme sagt mir dann: "Langsam spielen ist Anfängerkram, bekommst Du es nicht endlich auf die Reihe allmählich schneller zu spielen?". Und dann spiele ich schon wieder zu schnell und ich werde im Unterricht entschleunigt. Vorhin habe ich sehr langsam gespielt und es kam ein Aha-Effekt. Und dann spiele ich irgendwann schon wieder zu schnell und der Frust kommt auf.

Also habe ich mich gestern mal diszipliniert und langsam gespielt, sehr langsam. Clementis Allegro aus der ersten Sonatine op. 36. Und habe trotzdem Fehler gemacht, meiner Ansicht nach sogar mehr Fehler, als beim schnelleren Spielen.

Eigentlich hatte ich in den letzten Wochen das Gefühl jeden Tag einen Fortschritt zu spüren. Aber seit Tagen klappt es wieder nicht und es überwiegt der Frust. Gestern habe ich mich zum wiederholten Mal gefragt wozu ich mir das eigentlich antue, denn Klavier spielen bedeutet für mich hauptsächlich:

Schmerzen
Sie sind mein ständiger Begleiter beim Üben. Diese Schmerzen (Schultergürtel, BWS) kommen allerdings nicht vom Klavier spielen oder einer falschen Sitzposition etc.

Frust und Wut über Fehler
Wenn ich z.B. in Clementis op. 36 Nr. 1,1 Auftakt und Takt 7 spiele dann müsste ich mir für diesen Takt wohl eine Minute Zeit lassen um keine Fehler zu machen weil ich die Terzen nicht spüre. Ich übe es ein Gefühl dafür zu bekommen und haue trotzdem daneben. So etwas macht mich zum „HB-Männchen“ und diese Wut verstärkt meine Schmerzen.

Energieverlust
Diese Konzentration, dieser Frust darüber, dass ein simpler Takt nach Duzenden Versuchen noch immer „in die Hose geht“ kostet mich unglaubliche Energien.

Repertoirverlust
Wenn ich „alte“ Stücke nicht alle paar Tage spiele sind sie weg. Ich vergesse sie und wenn ich ein Stück nach sechs oder acht Wochen spielen möchte scheint es, als habe ich es noch nie gespielt. Dieses Problem habe ich weggeredet indem ich mir gesagt habe, dass ich mit Liebe auf diese „alten“ Stücke zurückblicken sollte weil sie mir auf dem Weg nach vorne geholfen haben. Nach vorne? Ich frage mich wo das überhaupt ist. Und wenn ich dann bei einem Treffen etwas vorspielen will halte ich mit großem Energieaufwand einige Stücke bereit die ich dann grottig vorspiele obwohl ich sie kann. Das verursacht zusätzlichen Frust und ich habe das Gefühl mich und meinen Klavierlehrer blamiert zu haben (OK, das ist mein Problem). Gestern habe ich mal wieder überlegt alles hinzuschmeißen und wieder zu malen. Das kann ich besser!

Ich habe mich gefragt warum ich nicht einfach eine CD oder DVD einschiebe und schöne Klaviermusik höre anstelle mich zu quälen. Denn so empfinde ich es derzeit mal wieder, ich habe keine guten Gefühle beim Klavier spielen. Vielleicht sollte ich einige Tage die Tastendeckel geschlossen halten. Aber das werde ich wohl eh nicht durchhalten weil ich dann befürchte (Hasenbein hat das damals in Sachen Übeklaviatur sehr richtig erkannt) dass diese Pause mich zurückwirft und ich es danach noch schlechter kann.

Seit einiger Zeit habe ich einige belastende Situation durchzustehen aber ich kann mich bei meinen Fehlern nicht immer darauf berufen den Kopf nicht frei zu haben. Vielleicht ist Klavier spielen nichts für mich weil ich kein Talent dafür habe oder nicht einmal die Fähigkeit dafür. Andererseits sage ich mir, dass mein Klavierlehrer ehrlich genug wäre es mir schonend beizubringen wenn es so wäre.

Im August spiele ich drei Jahre und ich habe das Gefühl in dieser Zeit nicht allzu weit gekommen zu sein wenn ich so lese was andere nach dieser Zeit spielen (wie es sich anhört weiß aber nur derjenige selber). Vielleicht habe ich einfach die falschen Vorstellungen und erwarte zu viel von mir und setze mich so unter Druck. Vielleicht ist es ja normal nach drei Jahren noch diese Probleme zu haben. Aber nach drei Jahren an der Leinwand würde ich die tollsten Ölgemälde zaubern. Wer aufgrund meiner Treffen meine Gemälde kennt weiß, dass ich dafür nichtmal Unterricht genommen habe. Ich kann es einfach. Klavier spielen kann ich anscheinend nicht.

Habt Ihr auch solche „Durststrecken“? Wollt Ihr auch zwischendurch alles hinwerfen? Wie motiviert Ihr Euch um solche Tiefpunkte zu überwinden?

Ich will ja spielen, aber ich kann es anscheinend nicht, es ist wohl nicht das richtige für mich.

Ich brauche Eure Hilfe und Anregungen wie Ihr mit solchen Situationen umgeht. Meine Flügel erscheinen mir derzeit wie Gegner.

Klavirus und Curby: Bitte keine blöden Bemerkungen – die kann ich derzeit überhaupt nicht gebrauchen!

Marlene
 
hasenbein

hasenbein

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Marlene, ich meine das wirklich nicht als "blöde Bemerkung":

Ja, hör auf und male.

Das, was Du da treibst, ist doch Masochismus.

Wenn die Hinweise und Anleitungen, die Dir Dein (ja wohl anscheinend guter) Klavierlehrer und Leute aus dem Forum gegeben haben, nicht dazu geführt haben, dass Du beim Üben ohne unpassende Emotionen in ruhiger Weise zweckmäßige Dinge tust (denn mit Deiner grundlegenden "Befähigung" hat das alles nichts zu tun), dann wird das wohl auch nichts mehr.

Viel Spaß beim Malen!

(Wahrscheinlich würde es theoretisch mit dem Klavierspielen erheblich besser klappen, wenn Du gemeinsam mit anderen üben würdest oder immer ein Lehrer dabei wäre. Manche Leute kommen mit der Situation, ganz alleine täglich diese bestimmte Übekonzentration entwickeln und durchhalten zu müssen, nicht klar. Ähnlich wie es viele nicht schaffen, z.B. allein zu Hause täglich irgendwelche Körperübungen wie Yoga, Fitness o.ä. zu machen, sie müssen sich einfach für eine Gruppe anmelden.
Ich habe auch immer mal wieder Schüler gehabt, die, wenn man mit ihnen zusammen in der Stunde geübt hat und ihnen jeden nächsten Übeschritt schön klein vorgegeben hat, super klarkamen und in der Stunde das Übeziel super hinbekamen. Schrieb man ihnen die Übevorgehensweise anschließend auf und gab ihnen auf, genau so wie in der Stunde weiter an dem Stück zu arbeiten, so war dies leider nicht möglich - zu Hause wurde wieder "irgendwie so" dran rumgeklimpert, inkl. gerne mal auch Wutanfällen etc.)
 
SingSangSung

SingSangSung

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Liebe Marlene,

sei erst mal gedrückt!

Ich hab grad nicht viel Zeit, deswegen stichwortartig:

- ja, geht mich auch oft so
- ich lege dann tatsächlich manchmal eine CD ein oder mache ganz was anderes
- ich spiele dann leichtere Stücke, die dann musikalisch schöner klingen
- wenn man dann eine Weile nicht Klavier gespielt hat, dann packt es einen sowieso wieder, da braucht es keine weitere Motivation

Alles Gute!
 
LMG

LMG

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Marlene - amiga :-)erstmal: Guten Morgen !!

Ich habe oben Hasenbein geliked, - und das ist selten, aber hier ist meine Meinung, dass er Recht hat.

Irgendetwas stimmt da nicht, wenn solche Probleme bei der besagten Clementi-Sonatine auftreten.

Ich kann nur eins sagen ( und verweise NICHT auf irgendwelches Methodengeplänkel, dazu ist mir Deine Gesundheit zu wichtig, es steht im Vordergrund für mich ) :

Der eine Punkt, der mir wirklich auffiel, und den Du ausübtest, war:

Also habe ich mich gestern mal diszipliniert und langsam gespielt, sehr langsam. Clementis Allegro aus der ersten Sonatine op. 36. Und habe trotzdem Fehler gemacht, meiner Ansicht nach sogar mehr Fehler, als beim schnelleren Spielen.

Meine Ansicht dazu ist: Wenn Du es schnell kannst, mit weniger Fehlern, - warum dann LANGSAM ?

NUR soweit im Tempo runter, wie NÖTIG! Und teilweise ist es auch UNNÖTIG, denn ich schätze, dass Du das Ding mit Selbstvertrauen und Mumm locker auspustest!

So, das wars von mir - ich knuffelle Dich und drück Dir die Daumen - bleib gesund, ok?

LG, Olli!
 
Peter

Peter

Bechsteinfan
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Hallo Marlene,

willkommen im Club. Dein Beitrag hätte 1 zu 1 von mir stammen können. Du bist also nicht alleine. :)
Zur Clementine:
Ich hatte die letztes Jahr und die hat mich auch unendlich frustriert. Bei mir lag es vor Allem daran, dass ich das Stück überhaupt nicht mag (im Gegensatz zu z.B. Nr.6). Nach dem ich sie "Konnte", habe ich sie auch ganz schnell wieder vergessen.
Dass man ein Stück schnell besser spielen kann als langsam, habe ich auch schon bei Inventionen von Bach festgestellt. Der Grund: Man kann es noch nicht richtig. Das Schnellspielen beruht dann nur auf dem motorischen Gedächtnis, und das verliert sich schnell wieder. Seit dem mir das jemand gesagt hat, zwinge ich mich immer wieder dazu, Absätze, die eigentlich schon sitzen, wieder ganz langsam zu spielen. Das hilft ungemein. Und hängst Du an einem Takt fest, lasse ihn sein, verschiebe ihn auf den nächsten Tag.

Repertoire-Pflege: Tja, das hatten wir hier ja schon öfter. Ich verlerne auch so ziemlich jedes Stück nach 4-6 Wochen, wenn ich es nicht pflege. Lediglich Stücke aus der Kindheit und Jugend bleiben mir erhalten, auch ohne dass ich sie ständig spiele. Suche Dir die Stücke aus, die Dir besonders am Herzen liegen und pflege sie. So mache ich das. Ich komme nach 35 Jahren auf eine Vorspielzeit von ca. 30 Minuten. Egal!!! Ich mache das für mich und nicht für andere.

Zu Deinem eigentlichen Problem:
Deine momentane Frustration ist eine Momentaufnahme und klingt, da bin ich mir sicher, drastischer, als es ist. Wenn Du alles überdenkst wirst Du feststellen, dass die Freude mit dem Klavierspielen den Frust weit überwiegt. Das erkennt man jedenfalls an Deinen Beiträgen.
Insofern kann ich mich Hasenbein nicht anschließen.

Was ich Dir aber dringend rate: Nimm den Druck raus!!!
Es zwingt Dich Niemand, die Clementine zu einem bestimmten Zeitpunkt oder überhaupt jemals spielen zu können. Dreh den Spieß um. Nicht Du bist für das Klavier da sondern das Klavier für Dich. Du musst nicht ständig spürbare Fortschritte machen. Ich habe 30 Jahre lang so gut wie keine Fortschritte gemacht. Trotzdem hat das Spielen immer Spaß gemacht. Vergleiche es mit dem Wandern in der Natur. Mit 20 konntest Du bestimmt längere Strecken und höhere Berge bezwingen. Trotzdem ist doch das Wandern immer wieder was Schönes und Neues, auch ohne "Leistungssteigerung".

Übe nicht an einem Stück, nimm Dir mehrere Stücke vor. Da sollte immer eines dabei sein, was Dir richtig gut gefällt. Frustriert Dich die Clementine, weiche auf ein anderes Stück aus oder pflege Dein Repertoire. Sei auch ab und zu einfach undiszipliniert. Wenn Du gerade keine Lust auf Klavier hast, ja dann mal doch ein Bild. Noch mal: Es zwingt Dich keiner zu nichts.
 
helga

helga

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Hallo Marlene,
ich habe mich in Deinen Zeilen sehr stark wieder gefunden. Diese Frustzeiten kenne ich nur zu gut. Vielleicht solltest Du mal überlegen, warum Du überhaupt zum Klavier gekommen bist. Ich schätze Dich als sehr bewusste Frau ein, Du weißt warum Du was tust.
Meine Klavierlehrerin hat mal in einer solchen Frustattacke zu mir gesagt, ich solle zum einen meine überspannten Ansprüche an mich nicht ganz so ernst nehmen. Und außerdem hat sie mir ein Beispiel gebracht, das ich seitdem sehr oft heranziehen musste: Stell Dir vor Dein Lernen ist in einem Karton untergebracht. Der Karton füllt sich und füllt sich. Irgendwann ist er voll, dann geht der Deckel zu und Du beginnst einen neuen Karton. Du hast das Gefühl, Du stehst wieder am Anfang, aber Du bist es nicht. Der Karton rutscht nach unten, wie beim Tetris, aber es bleibt das was Du gelernt hast, Du beginnst auf einem höheren Level.

Ich spiele seit 5 Jahren, aber glaube mir, ich habe immer noch das Gefühl, ich kann überhaupt nichts. Und doch wenn ich an die Anfänge zurückdenke, stelle ich fest, irgendwas hat sich doch getan. Die Anforderungen beim Klavierspielen sind extrem komplex. Unser Gehirn muss da erst Fäden bilden.

Ich habe das Problem auch beim Gesang. Erst kürzlich habe ich das bei meinem Gesangslehrer angesprochen, dass ich grade mal wieder das Gefühl habe, dass ich einfach nicht weiterkomme und musikalisch mich selber zum Würgen finde. Er hat nur wissend mit dem Kopf genickt und gesagt: Geduld, Geduld, Geduld. Und er weiß von was er redet. Er ist ausgebildeter Konzert- und Opernsänger. Der hat den Frust genug erlebt.
Was hältst Du davon, mal Deine Stücke ins Bild zu setzen, zu malen, einfach was Dir in den Sinn kommt, ohne Wollen. Ich habe das auch schon mit Stücken gemacht, die mir beim Singen nicht ins Gefühl gegangen sind. Du kriegst einen anderen Zugang und Du kannst die Gedanken vielleicht beim Spielen etwas darauf konzentrieren. Das hilft mir zumindest. Deshalb hast Du zwar immer noch Deine Hände, die nicht immer das machen was Du willst, aber ich finde es hat trotzdem eine andere Qualität. Und auch beim Malen, auch wenn Du das gut kannst, kommst Du irgendwann an einen Punkt, wo Du das Gefühl hast, es geht nicht mehr weiter.
So sehr lange, ich hoffe Du kannst Dir trotzdem was rausziehen.
Gruß Helga
 
Andre73

Andre73

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Hi,

also ich spiel noch nicht mal ein Jahr, aber wenn ich nach 3 Jahren sowas spielen kann sag ich, das passt.

Das hier? Sieht zwar nicht so schwer aus aber aus meiner Sicht doch für 3 Jahre ein vernünftiges Niveau?

Wenn ich damit zu den Langsamen gehöre ist mir das reichlich wurscht.
Musst Du jemandem was beweisen? Wenns keinen Spaß macht, lass es.

Das mit den Schulter-etc.-Schmerzen würde ich eher hinterfragen, woher weißt Du dass es nicht doch an irgendwelchen Haltungsproblemen liegt? Ob da jeder Klavierlehrer einen Blick für sowas hat, manche sind da halt unemfindlicher als andere gegen dauerhaftes Verkrampfen, Hand abwinkeln, Schulter hochziehen etc.

Viele Grüße,
André
 
P

pianoboe

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Liebe Marlene,

was Du schilderst kenne ich sehr gut. Es gibt Phasen, da hat man das Gefühl "Endlich! Es klappt super, klingt toll und läuft gut!" und es gibt Phasen "Verdammt! Was ist das denn schon wieder? Es klappt gerade überhaupt nichts!"

Ich spiele ja zwei Instrumente: Oboe und Klavier. Und gerade bei Oboe habe ich alle paar Monate wieder eine Frust-Phase in der nichts (ich wiederhole: gar nichts) geht. Da gibt es viele Faktoren die diese Frust-Phasen fördern, nicht zuletzt die Tagesform der Rohre (Mundstücke der Oboe) oder die eigene "Performanz" im Orchester oder daheim im stillen Kämmerlein. Um es mit Hasenbein zu sagen: Ich frage mich durchaus regelmäßig, ob ich tatsächlich derart masochistisch veranlagt bin, oder welche Gründe es sonst geben kann, dass ich mir das antue.

Aber ich spiele immer noch und gerade mal wieder auch mit Überzeugung (letzte Frust-Phase vor 1 Monat). Eben weil, wenn es dann doch mal klappt, es mir unheimliche Freude bereitet zu spielen.

Auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt, so hast du mit Sicherheit viele Fortschritte gemacht in den 3 Jahren. Mir geht es auch oft so, dass es lange Durststrecken gibt, in denen ich das Gefühlt habe, das wird nie was und dann geht es auf einmal. Vielleicht bist du ja gerade kurz vor so einem Schub.

Auch Profimusiker haben Selbstzweifel und haben nicht nur Spaß mit ihrem Instrument. Wenn Du mal Gelegenheit hast an die DVD "Trip to Asia" von den Berliner Philharmonikern zu kommen, dann schau dir mal in den Extras die Interviews mit den Musikern an.
 
Dreiklang

Dreiklang

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Liebe Marlene,

meine Diagnose: mittelschwere Klavierspiel-Krise. Kommt bei mir persönlich ungefähr vierteljährlich vor.

Mein persönliches Rezept (das aber keine Wunderheilung für jeden versprechen will): ich bleibe dann auch weg vom Instrument, und schlafe ein paarmal drüber. Mit etwas Glück "rattert" dann irgendetwas im Gehirn unbewußt herum - und nach ein paar Tagen, vielleicht Wochen, hat man unbewußt ein kleines Mosaiksteinchen ausgebrütet, das einen weiterbringt, einen Knoten gesprengt, oder was auch immer, wobei die Freude an der Sache dann auch wiederkommt.

Eigentlich hatte ich in den letzten Wochen das Gefühl jeden Tag einen Fortschritt zu spüren.
auch dieses Gefühl kenne ich (bis dann mal eine "Stunde der Wahrheit" kommt, und man feststellt, daß man vielleicht doch nicht soweit ist, wie man geglaubt hat - alles schon mal dagewesen)


nach 6 bis 8 Wochen Nichtspielen meines "Repertoires" darf ich mich regelmäßig auch ärgern (besonders dann, wenn ich Sachen nicht mehr zusammenkriege, die eigentlich nirgendwo vernünftig aufgeschrieben sind...). Einmal die Woche pflegen - hab' ich mir auf die Fahne geschrieben. Ein, zweimal Durchspielen könnte u.U. genügen.

Und wenn ich dann bei einem Treffen etwas vorspielen will halte ich mit großem Energieaufwand einige Stücke bereit die ich dann grottig vorspiele obwohl ich sie kann.

... um das überhaupt zu glauben ("grottig") würde ich mir das lieber erst mal selbst anhören wollen (!) ;)

Erstmal soviel, schönen Gruß
Dreiklang
 
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Klimperline

Klimperline

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Marlene, hattest Du nicht kürzlich ein paar Klangproben verlinkt? Die Stücke waren doch schön musikalisch gespielt. Solltest Du frühere Aufnahmen von deinem Klavierspiel besitzen, höre sie Dir an und vergleiche!

Man macht insgesamt immer Fortschritte, auch wenn es sich zeitweise nicht so anfühlt! :coolguy:
 
Rikki

Rikki

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Hallo Marlene,

ich bin auch in Peters club!:cry2:;-)
Auch ich habe auch Schwierigkeiten, längere Zeit am Flügel zu sitzen, mache Fehler auch in einfachste Stücke, Gelerntes hat eine extrem kurze Halbwertszeit und der Fortschritt hält sich sehr in Grenzen. Nur Motivationsprobleme habe ich im allgemeinen nicht, Klavier und Flügel ziehen mich (fast magisch) an - keine Ahnung warum.
Ich halte mich für untalentiert, trotzdem macht es mir Spass, auch wenn ich wieder mal das Impromptue versäble oder beim Tango Pausen für Akkord-Such-Zeit einlegen muss. Und ich freue mich, wenn ich ein Stück, das mir gefällt (bin gerade am bach'schen ich ruf zu dir) wider Erwarten doch gut hinbekomme. Nicht zu vergessen: trotz Energieaufwand ist's für mich auch total entspannend.
Richtig - es kann ungeheuer frustrierend sein. Aber welche Ansprüche stellst du dir? Die Balance zu finden zwischen Zwang und Lustprinzip ist auch immer eine Suche nach dem eigenen "richtigen" Weg.
Banal, aber man lernt eben nie aus ;-)

ps. rein rhetorisch gefragt: Was malst du denn? Nur Dinge, die du willst? Schon mal probiert einen alten Meister perfekt nachzumalen? Menschen und Tiere aus dem Gedächtnis zu zeichnen? Wie sehen hier deine Ansprüche aus?
 
fisherman

fisherman

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Stimme Peter zu 100% zu. Was ich NICHT machen würde - in diesen Phasen Klavier-CDs hören. DAS ist Masochismus. Wenn Du mit Dir und Deinen beiden Dicken unzufrieden bist, dann gibt es eben keine Klavierklänge. Basta! Alleine das wird Dich wieder ans Klavier ziehen ;-). Und dann vielleicht einfach nur mal lauschen - nicht üben. Klänge aufblühen lassen und ganz, ganz sachte auch mal ein paar Takte von Repertoirestücken einmischen.

Und mal die Betrachtungsweise überprüfen! Es ist ein GLÜCK, dass Du 100 mal den gleichen Takt üben darfst! Du hast die Zeit, die Muße, die Instrumente (Plural!!!). Das Üben-Dürfen ist entscheidend - nicht das Üben-Müssen mit Erfolgszwang. Und wirklich, wirklich locker werden! Auch wenn Du das Gegenteil behauptest: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Deinen Schmerzen und dem Klavierspiel. Nota bene: Wenn ich Schulterschmerzen habe - dann klingt das Spiel entsprechend - die Schmerzen werden stärker - das Spiel wird noch übler.. Das ist ein Kreislauf, der sich verstärkt.

Auch meine Stücke sind "weg", wenn ich sie 4-6 Wochen nicht anrühre. Und wenn ich dann wieder rangehe, stehe auch ich scheinbar wieder am Anfang. Aaaaaaber: Das Stück, für das Du früher vielleicht 8 oder gar 12 Wochen gebraucht hast - das hast Du jetzt in EINER Woche wieder drauf. Kein Fortschritt - nix gelernt!? Von wegen! ;-)

Grins Dir eins.
 
pianovirus

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Liebe Marlene,

Dir wurden von den vorigen Schreibern viele gute Ratschläge mit auf den Weg gegeben. Krisen gibt es immer mal wieder, damit bist Du sicher nicht alleine.

Jetzt klingt für mich alles nach Zeit für ein paar Tage Klavierpause, in der - da schließe ich mich fisherman an - ich an Deiner Stelle jetzt auf keinen Fall dauernd Klavier-CDs hören würde, sondern wirklich die Gedanken einmal ganz wegschweifen lassen von unserem schwarzen Wunderkasten, mit dem es eben manchmal auch ein Kreuz ist!! Deine zwei werden auch ein paar Tage ohne Dich überleben und nach etwas Abstand wird die Wiederbegegnung sicher umso inniger werden.



*Drück*!
pianovirus
 
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gubu

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Liebe Marlene,

bereits bei der Formulierung des Fadenthemas hast Du doch (unbewusst) erkennen lassen, dass es Dir eigentlich nicht darum geht, die Empfehlung zu bekommen , mit dem Klavierspiel aufzuhören!! Du hast doch schon viele gute Hinweise erhalten, wie es weitergehen könnte. Nimm v.a. etwas "Dampf aus dem Kessel".

Sollte Deine "innere Stimme" allerdings wirklich und nachhaltig sagen, dass Du (derzeit) nicht weiter willst mit dem Klavier.....dann stelle dich nicht dagegen, denn sonst würde wohl immer weniger funktionieren.

Ich habe auch aus z.T. ähnlichen, aber auch ganz anderen Gründen ab und an überlegt aufzuhören, mich dann aber in solchen "schlechten Zeiten" damit abfunden, dass weniger viel besser ist als gar nichts. Allerdings habe ich das Klavier nie als meinen Feind empfunden, im Gegenteil.

gubu
 
alibiphysiker

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Hallo Marlene,

das wird schon wieder! Ich kenne solche Situationen auch, zwar weniger vom Klavier, aber total von der Geige. Ich würde mich da meinen Vorrednern anschließen, gönne dir ein paar Tage-Wochen Pause vom Instrument, bzw. ein paar Tage-Wochen Pause von deinem Übverhalten. So wie das klingt machst du dir selbst recht viel Druck, das kann ich gut nachvollziehen, aber schließlich ist es ja ein Hobby. Das wichtigste ist, dass es Spaß macht. Und darum sag dir in den paar Wochen nicht "ich geh nicht ans Klavier", sondern wenn du Lust hast, wenn du wirklich aus ganzem Herz und ganzer Seele Lust haben solltest, gehe ans Klavier! Und mach was du willst. Klimper einfach ein bisschen herum, müssen ja nichtmal Stücke sein - einfache Melodien, Themen von Orchesterstücken (das mach ich abundan gerne), oder wenn du Lust auf irgendein Stück haben solltest, dass du eigentlich nicht üben wolltest, dann üb es halt eine Stunde. Auch wenn du weißt, dass du es in den nächsten Tagen nichtmehr anschauen möchtest. Was ich damit meine: Mach was du willst, zumindest ein paar Wochen lang. Und gönn dir auch beim normalen Üben immer wieder mal "Spaß-Verschnaufpausen". Ich übe z.B. auf der Geige abundan die 24. Paganini-Caprice, oder das Violinkonzert von Sibelius. Auch wenn das Resultat absolut grottig und schlecht klingt, es macht schon ein bisschen Spaß.

Als ich auf der Geige mal so einen Durchhänger hatte hat mich auch das Orchester wieder sehr hochgezogen, aber sowas hat man als Pianist ja eher in den seltenen Fällen. Aber es gibt ja auch schöne und nicht allzu schwere Kammermusik! Du kannst ja mal deinen Klavierlehrer fragen, ob ihr etwas einfaches 4-händiges spielen könntet. z.B. die Dolly-Suite von Faure, da ist die Oberstimme echt sehr gut spielbar:

(die Aufnahme ist nicht so gut, aber da sind die Noten dabei).

Also mir hat Kammermusik in Motivationslöchern immer wieder geholfen und mich wirklich sehr,sehr, sehr stark motiviert. V.A. wenn man feste Treffen mit den Kammermusikpartnern ausmacht.

Und vergiss nicht: Im Gegensatz zu Profis kannst du am Instrument machen was du möchtest! Wenn du ein Stück grad wirklich nicht mehr hören kannst: Leg es weg! Wenn du Lust hast den Flügel einfach aus Spaß zu preparieren, indem du Knisterpapier, Alufolie oder Büroklammern reinlegst: Tu es!

Ich hoffe ich konnte dir ein paar Ideen liefern. Die Dolly Suite spiele ich übrigens auch sehr gerne, wenn ich dich mal besuchen kommen sollte, können wir die gerne zusammen spielen :P

Liebe Grüße,

Daniel
 
Klavierandi

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Liebe Marlene,
Dein Faden spricht auch mir aus der Seele. Nach nun fast vier Jahren frage auch ich mich oft: Ist es das wirklich? Was hast Du die letzten vier Jahre eigentlich gelernt, im Vergleich zu vielen Anderen die hier im Forum Ihr Können zum Besten geben. Und dann spüre ich auch oft ein Gefühl was man mit Frust umschreiben könnte. Aber dann versuche ich zu reflektieren und muss sagen von dem Entschluss mich an das Klavier zu setzen bis heute ist soviel Positives passiert, dass sich jede Minute die ich für mich am Klavier saß auf jeden Fall gelohnt haben! Ich werde es nie in meinem Leben soweit schaffen, dass ich ein anspruchvolles Stück fehlerfrei und vorspielreif abliefern werde, aber das ist ja auch nicht meine Motivation.
Und solange meinem KL nicht der Geduldsfaden reist, ich mir seine Dienste leisten kann, solange werde ich mich weiter bemühen und eine Kiste nach der anderen schließen und hoffentlich noch viele Weitere öffnen.
Ich hoffe Dir gelingt es dass Du es ähnlich sehen kannst und wirst weiter viel Freude mit Deinen Instrumenten haben.
Klavierandi
 
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