Goldberg Aria

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hyp408

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Also trau ich mich auch mal. Seit ich diese Aria bei einem Konzert des von mir hochverehrten Andras Schiff als Zugabe gehört hab, lässt sie mich nicht mehr los. Hab sie heute das erste mal so einigermassen hinbekommen und würde mich über JEDE Rückmeldung freuen. Was kann man besser machen, Tips? Hab z.Zt. leider keine Unterstützung durch Klavierlehrer o.ä. Weitere Variationen sind im Aufbau ....
 

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Ich ... (... auch Fan der Aria ...) bekomme da so eine hässliche Clavio-Schleiche zu sehen.
Was mache ich uU. falsch?
 

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Ok, lieber @hyp408 , ich musste nach einer Minute abstellen, die Rhythmusfehler waren zu schlimm. Nimm' Dir bitte die Noten und markiere die Taktschwerpunkte. Die Bassstimme führt und darf nicht eiern. Spiel' den Bass alleine *mit Metronom*!
Erster Takt: Das Tempo muss von Anfang an klar sein, die Aria beginnt nicht mit einer Fermate!
Verzichte dann zunächst bei der Oberstimme auf den Verzierungsfirlefanz, so dass Dir klar wird, wo und wie dort phrasiert werden muss. Bleib' im Rhythmus! Ja, mit Metronom kontrollieren!
Das ist die Hauptarbeit.
Danach (!) das Pedal so verwenden, dass es keine Unfälle gibt und der Sinnzusammenhang klar wird/bleibt.
 
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Also trau ich mich auch mal. Seit ich diese Aria bei einem Konzert des von mir hochverehrten Andras Schiff als Zugabe gehört hab, lässt sie mich nicht mehr los. Hab sie heute das erste mal so einigermassen hinbekommen und würde mich über JEDE Rückmeldung freuen. Was kann man besser machen, Tips? Hab z.Zt. leider keine Unterstützung durch Klavierlehrer o.ä. Weitere Variationen sind im Aufbau ....
Ich liebe die Aria auch so sehr, stimme zu, Rhythmus, Metronom, die Stimmen im Metrum passend übereinander, erst dann kann man die Oberstimme freier sein lassen und die Verzierungen dazu nehmen. Unterstimmen, linke Hand führt auch Stimmen, die man herausarbeiten kann. Übe auch an der Aria, aus Leidenschaft, die Goldberg Variationen sind natürlich sonst einige Nummern zu groß.
 
Der Klang gefällt mir. Wenn Du es schaffst - wie hier ja schon beschrieben - , den Puls zu fühlen, dann kann die Arie singen lernen!
Ohne Puls kein Leben!
 
Danke für die konstruktive Kritik. Weiss jetzt woran ich arbeiten werde. Ist es bei dem Stück nicht sinnvoll, das Pedal ganz wegzulassen?
 
Warum?
Etwas, das zur Verschönerung des Klanges beiträgt, soll man nicht weglassen.
Es ist immer eine Frage der Dosis. Der behandelnde Arzt ist Dein Ohr.
Klingt es nicht, musst Du etwas ändern.
 
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  • #10
Von Rhythmik abgesehen wäre es vermutlich förderlich, wenn Du Dich mal eine Weile mit der barocken bzw. Bach-typischen Verzierungsausführung beschäftigst.
Die 'üblichen' Ausführen, quasi nach Lehrbuch, sind zwar nicht sklavisch zu befolgen, geben aber doch eine wertvolle Orientierung über die musikalischen Intentionen hinder den jeweiligen Verzierungszeichen.
Möglicherweise ist es auch hilfreich, um da erstmal Grund dran zu kriegen, alle oder fast alle Verzierungen weg zu lassen, und dann nach rhythmischer Stabilisierung diese in angemessener Ausführung zu integrieren.
Ausnahmsweise könnte auch der temporäre(!!!) Einsatz eines Metronoms Sinn machen.
Was auch oft hilfreich ist: in musikalisch passendem Tempo (also in diesem Fall langsam) auf die Taktzeiten zu gehen und dabei die Musik innerlich möglichst vollständig hören, Spaziergänge in ruhiger Umgebung sind da recht gut.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #11
Hab jetzt die "unpassenden" Verzierungen weggelassen und das ganze mit Metronom geübt. Tatsächlich sind mir dabei noch mehr rhythmische Fehler in der ersten Version aufgefallen. Also vielen Dank fürs coaching. Hier nochmal der erste Teil der Aria ... geht das in die richtige Richtung?

Gruss
Hyp
 

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  • #12
Hab jetzt die "unpassenden" Verzierungen weggelassen und das ganze mit Metronom geübt.
Die Verzierungen erst einmal weg lassen, um den melodischen und rhythmischen Verlauf zu verinnerlichen, ist sehr sinnvoll.

Meine Lehrer haben mit allerdings immer geraten: „Hände weg vom Metronom“, wenn es um rhythmische Probleme geht. Letztlich hilft das Metronom nicht dabei, ein Puls-Empfinden zu entwickeln, im Gegenteil: es läßt die Herausbildung und Entwicklung der eigenen Puls-Empfindung verkümmern. Der Weg zu einem stabilen Puls-Empfinden ist allerdings durchaus steinig und mühsam, vor allem, wenn man erst als Erwachsene(r) damit beginnt. Das „Zählen“ ist dabei nicht sonderlich hilfreich, weil die deutschen Zahlworte vergleichsweise wenig „konturiert“ sind. Hilfreicher sind Silben mit deutlichen Explosiv-Lauten, weil sie gleichzeitig einen Bewegungsimpuls initiieren. Für den Anfang mag es hilfreich sein, den Puls kleinteiliger zu nehmen, z.B. in Achteln. Allzu kleinteilig sollte er aber nicht sein, weil die metrische Struktur sonst zu „pixelig“ wird und man den Verlauf nicht mehr erfaßt.
 
  • #13
Hab jetzt die "unpassenden" Verzierungen weggelassen und das ganze mit Metronom geübt. Tatsächlich sind mir dabei noch mehr rhythmische Fehler in der ersten Version aufgefallen. Also vielen Dank fürs coaching. Hier nochmal der erste Teil der Aria ... geht das in die richtige Richtung?

Gruss
Hyp
Dass Du das prinzipiell hinbekommen kannst zeigt sich ja in den ersten zwei Takten.
Danach wird es dann noch instabil, oder Du landest im rhythmischen Niemandsland wie zB in Takt 6-7.
Vorschlag zum weiteren Einstudieren:
Interpretationen (youtube, etc.) laufen lassen und dabei mitdirigieren, idealerweise mit Einbezug von grösserer Körpermasse, also nicht nur Hände, sondern ganzer Körper oder Oberkörper, oder langsam auf die 4tel durchs Zimmer gehen. Im Grunde ist das das Prinzip des 'Pendels', das ja zB auch bei Uhren für Gleichmaß sorgt. Geht auch im Sitzen zB mit Oberkörper vor auf die 4tel und Oberkörper zurück auf die dazwischen liegenden 8tel. Aber nicht mit aktiven Muskeln hin und her, sondern frei schwingend. Nur durch das freie Schwingen entsteht Gleichmaß.
Dann Noten dazu nehmen und im Notentext das Metrum lesen lernen. Evtl. hilft es die Noten zu kopieren und mit Marker-Stiften die 4tel klar sichtbar zu machen evtl. andersfarbig die 'und', also die dazwischen liegenden 8tel. Beim Noten mitlesen aber das 'Pendeln' nicht einstellen!
Erstmal auf die Musik im unteren System (linke Hand) konzentrieren.
Wenn das sicher sitzt und auch ohne laufende Musik innerlich im Takt gehört werden kann (dabei weiter mit dem Körper pendeln) bist du schon nen wichtigen Schritt weiter.
Dann schon mal - immer noch ohne Klavier - auf die rechte Hand hören, mitlesen, und immer entspannt im Metrum pendeln.
Nachdem das auf Basis von gehörter fremder Interpretation läuft, mit Körperpendel und innerem Hören (ggf. mit Notenunterstützung) weiter machen.
Erst wenn das sicher funktioniert wieder als Klavier gehen.

Mit laufendem stabilen Körperpendel die linke Hand spielen.
Wenn Du merkst, dass Du zu schwimmen beginnst kannst Du dir evtl. auch mal kurz(!!!) ein Metronom zur Hilfe nehmen (irgendwo im Bereich von ca. 35 für 4tel), dann aber direkt wieder auf's eigene Körperpendel gehen.
Ergänzend mal während des Spielens Fremdinterpretation laufen lassen und die linke Hand (NUR die linke Hand) mitspielen. Wenn du rauskommst, dann weiterhören, weiter 'pendeln' und wieder reinkommen. Stelle merken und schaun, weshalb Du da unsicher wirst und das Problem 'fixen'.
Erst wenn das läuft:
Oberes Sytsem / rechte Hand in Angriff nehmen.
Auch da würde ich Dir raten mit Körperpendel erstmal hörend erneut Fremdinterpretationen zu verinnerlichen. Noten dazu nehmen im Metrum bewegen und Orientierung finden, um den 'Notenwust' in das stetig pendelnde Metrum richtig einzuordnen. Nicht von den grafischen Abständen im Notenbild verwirren lassen (s.o. ggf. Markerstifte senkrecht durchs System gezogen für die 4tel verwenden, was dann dem gleichmäßigen Pendel entspricht).
Dann wieder ans Klavier und synchron zur Fremdinterpretation die rechte Hand spielen. Bei Unsicherheiten absetzen aber weiter hören, weiter pendeln und wieder reinfinden. Stelle der Unsicherheit merken und das Problem fixen. Verzierungen ruhig aussparen oder auch etwas andere Verzierungen nehme als in der Fremdinterpretation, aber dann nach der ggf. etwas freien Verzierung auch rechts wieder 'auf den Punkt' sein.
Wenn das läuft:
Hände zusammenführen mit Priorität von links (also ggf. rechts mal kurz aussetzen).
Dabei kann es von Vorteil sein einzelne Stellen in sehr kurzem Abschnitt vorzunehmen, um das dann wieder ins fortlaufende Spiel zu integrieren. Und wie immer: nicht erst in Fehler reinspielen, sondern vorher rausgehen, sobald Unsicherheit/Stress/Anspannung/rhythmische Desorientierungen vorliegen.

Hintergrund Deiner rhythmischen Probleme ist vermutlich die Funktionsweise unseres Gehirns. Zeit wird anhand von Ereignisdichte empfunden. Ein Teil des Hirns funktioniert ähnlich wie ein Computerprozessor: es gibt eine maximale Anzahl von Operationen pro Sekunde. Wenn das Limit, in schnellen oder komplizierten Passagen, überschritten wird, verschiebt sich unser subjektives Zeitempfinden. Wir meinen noch im Gleichmaß zu sein, das Hirn arbeitet auch im bewältigbaren Takt der Ereignisdichte, aber halt dann nicht mehr im Metrum der Musik, sondern langsamer. Bei geringer Ereignisdichte dann gern auch mal schneller.
Zwei Dinge helfen:
- objektive Zeit einbringen, zB durch körperliches Pendeln (das dann später reduziert wird und/oder gänzlich verinnerlicht wird), oder/und durch stabiles inneres Hören mit stabilem Metrum.
- die Rechendichte verringern, indem die schwierigeren Stellen so geübt werden, dass das Hirn nicht mehr in Konflikt mit der objektiven Zeit gerät. Es muss also (bbetrifft hier die rechte Hand) automatisiert werden, so dass zB aus 10 Ergeignissen ein einziger quasi automatisch ablaufender Vorgang wird. Hier ist maßgeblich, dass das Ohr und das Pendel zusammen bleiben. Die tatsächliche Ausführung an den Tasten muss natürlich geübt werden, ist aber dem Hören und 'Pendeln' untergeordnet und darf kein rhythmisches Eigenleben in 'subjektiver Zeit' entfalten.
Vorteil der 'Aria':
es lohnt sich!
 
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  • #14
Meine Lehrer haben mit allerdings immer geraten: „Hände weg vom Metronom“, wenn es um rhythmische Probleme geht. Letztlich hilft das Metronom nicht dabei, ein Puls-Empfinden zu entwickeln,

Wenn man es sinnvoll verwendet, hilft es durchaus!
Bei einem langsamen Stück wie der Aria würde ich es zB auf die Offbeats laufen lassen (also alle Schläge selbst finden/empfinden, und den „Klick“ als Zwischenkontrolle auf die „und“).
 
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  • #15
...

Meine Lehrer haben mit allerdings immer geraten: „Hände weg vom Metronom“, wenn es um rhythmische Probleme geht. Letztlich hilft das Metronom nicht dabei, ein Puls-Empfinden zu entwickeln, im Gegenteil: es läßt die Herausbildung und Entwicklung der eigenen Puls-Empfindung verkümmern ...
Tja, blöd nur, wenn man rhythmisch völlig unbegabt ist. Wo soll der Puls denn herkommen? Das sind so typische dahingesagte Pseudo-Weisheiten von mittelmäßigen KL, die garantiert nie einen Schüler hatten, der irgendwann mal besser spielte als sie selbst.
 
  • #16
Was fast immer funktioniert: rechts ohne Verzierungen spielen und links auf linken Oberschenkel den Puls/die Viertel klopfen. Ggf. die Taktschwerpunkte festlegen, wenn sie noch nicht klar sind. Deutlich bessere Vorgehensweise als mit Metronom, bei dem viele oft am Klick vorbeispielen und den Puls nicht fühlen. Später eine Verzierung nach der andern einbauen.

Liebe Grüße

chiarina
 
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  • #17
Euere Vorschläge haben mich wirklich weiter gebracht. Hier die heutige Aufnahme des ersten Teils mit Metronom ... und dann mein Versuch ohne Metronom. Was für ein Unterschied zu meiner "ersten "Version. Ich bleib weiter dran und mache mich jetzt auch an Teil 2 der Aria.
Danke nochmal für Euere Unterstützung.
 

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