Ganztagsschule - droht das Aus für den Musikunterricht?

Dieses Thema im Forum "Klavierlehrer-Forum" wurde erstellt von pianomobile, 30. März 2007.

  1. pianomobile
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    pianomobile

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    Bei uns wird zur Zeit auf politischer Ebene das Thema Ganztagsschule ernsthaft diskutiert,- Unterricht bis gegen 16.00 Uhr. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Konsequenzen für den Musik(schul)unterricht nicht wirklich überdacht werden. Wann sollen wir denn unterrichten? Ausgepowerte Schüler von 17.00 Uhr bis 23.00 Uhr?
     
  2. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    Zu Ostzeiten war die Ganztagsschule für Kinder ein voller Erfolg und nannte sich "Hort". Es war aber mehr eine Betreuung (Hilfe bei Hausaufgaben usw.) als wirklicher Unterricht. Weiterhin war es freiwillig und für außerschulische Tätigkeiten (Vereinssport, Musikschule ...) wurde man entsprechend vom Hort befreit. Solch ein Konzept fände ich auch heute gut, bezweifle aber, dass es finanziert werden kann.
     
  3. Stilblüte
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    Stilblüte

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    In Frankreich gibt es Ganztagsschulen schon lange.
    Spielen die Kinder da weniger Musik?

    Es gibt pro Woche genau einen Nachmittag zum Musizieren- den Mittwoch Nachmittag. Ist das etwa ausreichend??
    Wollen wir das auch haben?

    Manchmal fragt man sich, was sich die Leute denken, die das Schulsystem verändern.
    Wären nicht die meisten Kinder sogar intelligenter, wenn sie schon früh beginnen würden zu singen oder ein Instrument zu spielen?
    Was bringt Frontalunterricht?
    Das rettet auch nichts mehr.

    Stilblüte
     
  4. pianomobile
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    pianomobile

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    Ich sehe das auch so. Das Ganze ist bei uns irgendwie eine Reaktion auf das eher bescheidene Abschneiden unserer Schüler (Österreich) bei der Pisa-Studie. Ich finde es arg, dass die Problematik, die sich dabei für den Musikunterricht ergibt eine so untergeordnete Rolle spielt.
    Die Hort-Variante läuft in einigen Bezirkshauptstädten bereits versuchsweise, aber man denkt eben nach wie vor laut über eine verpflichtende Ganztagsschule nach. Na hoffentlich bleibt´s beim Nachdenken….
     
  5. Wu Wei
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    Wu Wei

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    Kann man der ganzen Geschichte nicht aber vielleicht auch eine positive Seite abgewinnen, wenn es gelänge, die Klavierlehrer und ihr Angebot in dieses Ganztagsschulkonzept einzubinden? Es wird doch sicher nicht darum gehen, den normalen Stundenplan einfach auf eine größerere Tageszeit auszudehnen, oder?
     
  6. Katze
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    Katze

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    In Frankreich gibt es die Möglichkeit, dass die Kinder innerhalb der Schule ein Instrument erlernen können. Dazu kommen qualifizierte Leute von außen.
    Das hat aber viele praktische Nachteile. Nicht jede Schule kann das anbieten, außerdem geht es auch sehr zu Lasten der Qualität. Die Übezeiten sind auch eingeschränkt.
    Ein solcher Musikunterricht ist gut zum Reinschnuppern, aber will man beispielsweise Klavier auf einem hohen Niveau spielen, wird es sehr schwierig.
     
  7. pianomobile
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    pianomobile

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    Es wird wenn´s ernst wird hoffentlich in diese Richtung laufen. Aber es müsste dann auch die Räumlichkeitsfrage geklärt werden. Das Konzept, das zur Zeit zur Diskussion steht sieht nicht vor, dass der Schüler das Schulgebäude zwecks Musikunterricht verlassen darf. Jetzt muss man natürlich auch den zeitlichen und finanziellen Mehraufwand bedenken, wenn ein Musiklehrer von Schule zu Schule fahren muss. Dazu kommt, dass sich da ein Blockflötenlehrer wahrscheinlich leichter tut als ein Klavier- oder Schlagzeuglehrer.
    So wie in Frankreich sollte unser Musikunterricht nicht enden.
     
  8. clavio
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    clavio

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    Was ist denn in Frankreich mit dem Musikunterricht?

    Gruß
     
  9. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Ich habe mal eine Zeitlang in Frankreich verbracht. An dem Lycée, auf dem ich war, gab es auch ein Internat, in dem die Schüler geschlafen haben.
    Der Tagesablauf war im schlimmsten Fall wie folgt, wenn ich das richtig mitbekommen habe: Aufstehen, Frühstück, vormittags Unterricht, eine Stunde Mittagspause (inklusive an der Mensa anstehen und essen), dann bis sechs Uhr Schule im längsten Fall, irgendwann dann wohl Abendessen, und bis abends um zehn Uhr (!!!!) gab es betreutes Hausaufgaben machen, zu dem man anwesend sein musste, wenn ich mich nicht irre.
    Wann bitte soll man da Zeit finden, irgend etwas anderes zu machen?
    Vielleicht, wenn man irgendwo im Stundenplan ein Loch und eine Stunde Pause hat?

    Stilblüte
     
  10. pianomobile
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    pianomobile

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    @ Fabian

    Ist vielleicht falsch rübergekommen und soll keineswegs als Kritik an den französischen Kollegen verstanden werden.
    Ich stelle mir nur den Alltag eines Musiklehrers im Falle einer Ganztagsschule vor:
    Du fährst von einer Schule zur nächsten, unterrichtest in größeren oder kleineren Gruppen und musst damit rechnen, dass Deine Schüler so gut wie gar nicht üben, weil sie den Großteil ihrer Zeit in der Schule verbringen. Also das stell ich mir schon einigermaßen frustrierend vor. Es ist ja schon ohne Ganztagsschule schwierig genug, Schüler zum Üben zu motivieren.
     
  11. Caro92
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    Caro92 Guest

    Es gibt ja auch Ganztagesschulen mit musischem Schwerpunkt. Dort
    bekommt man dann in der Hausaufgabenstunde ( Mittagspause etc.)
    Instrumentalunterricht.

    Grüße , Caro
     
  12. pianomobile
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    pianomobile

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    Das wäre ja eine interessante Lösung. Wo gibt´s denn die? Bekommt man da jeden Tag Instrumentalunterricht? Wie wird das System finanziert? Gibt´s dort auch Übungsmöglichkeiten?
     
  13. Caro92
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    Caro92 Guest

    Also man es gibt genügend Übemöglichkeiten in Klavierzellen . Man
    hat aber leider nur ein Mal in der Woche Instrumentalunterricht.
     
  14. Caro92
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    Caro92 Guest

    Aber Ganztagesschulen haben ja auch ihre Vorteile..bsp. 4-stündiger
    Musikunterricht..
     
  15. pianomobile
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    pianomobile

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    Da wäre es wohl besser von den 4 Stunden Musikunterricht 2 für´s Üben zu verwenden. Aber abgesehen davon denke ich, dass es rein organisatorisch unmöglich wäre, allen Musikschülern eine musikalisch orientierten Ganztagsschule bieten. In unserem Bundesland gibt es alleine 20.000 Musikschüler aus allen Regionen, die öffentliche Musikschulen besuchen. Dazu kommt vermutlich noch eine ähnliche Anzahl, die privat unterrichtet wird. Da müssten wohl sehr viele musikalische Ganztagsschulen entstehen, um hier wirklich flächendeckend zu arbeiten.
     
  16. Caro92
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    Caro92 Guest

    dass stimmt dann auch wieder.. zudem können Ganztagesschulen nicht
    so viele Schüler aufnehmen , oder?
     
  17. pianomobile
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    pianomobile

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    Ich glaube, der einzige sinnvolle Weg in dieser Sache wäre, in a l l e n Schulen einen künstlerischen Schwerpunkt anzubieten, der zum Einen qualifizierten Instrumentalunterricht und zum Anderen ausreichende Übungsmöglichkeiten in der Schule garantiert. Der Stundenplan müsste dann aber so gestaltet werden, dass das Üben keine zusätzliche Belastung zum ganztägigen Unterricht darstellt. Aber ob das jemals machbar ist….
     
  18. Caro92
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    Caro92 Guest

    das wäre sicher nicht machbar , da auch die Kostenfrage eine Rolle
    spielt.. außerdem haben Ganztagesschulen so viele Nachteile..

    Grüße , Caro
     
  19. Steffen D.
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    Steffen D.

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    Beispiel Schweden

    Da ich mit schulpflichtigen Kindern in Schweden lebe, sag ich mal was aus anderer Perspektive.
    Es wird ja öfters nach Schweden geschielt, wenn einem die Argumente in der Bildungs- und Sozialpolitik ausgehen. In den meisten Fällen unbeabsichtigt unberechtigt, aus Unkenntnis.
    Aber: die Ganztagsschule ist hier völlig normal, und niemand hat deswegen musische Defizite. Im Gegenteil.
    Die Schüler haben vormittags einen Unterrichtsblock mit Lernfächern, während Sport, Musik und Kunst nach der Mittagspause angeboten werden. Hierbei werden von den Schülern freiwillige Angebote genutzt. Keiner muss, jeder kann, und es wird einzeln oder in kleinen Gruppen von 2-3 Kindern gelernt. Die Instrumente werden kostenfrei verliehen bzw. sind in Übungsräumen zugänglich. Jederzeit kann das Kind wechseln, aufhören oder sogar Förderung wahrnehmen. In den gymnasialen Oberstufen wird dann eine Ausrichtung gewählt, zum Beispiel die "ästhetische Linie" (heisst tatsächlich so), wo dann Schwerpunktbildung im gewählten musischen Bereich stattfindet.
    Ich glaube/hoffe, dass ein solches Modell auch in Deutschland angestrebt ist. Es geht nicht darum, den Stoff zu komprimieren, sondern die Kinder anzuleiten und zu betreuen. Hier klappt das ganz gut.
    Ergänzen möchte ich noch, dass eine besondere Motivation von regelmässig gestalteten Aufführungen ausgeht. Schon Anfänger bekommen eine angemessene Möglichkeit zur Teilnahme und gehen hinterher stolz nach hause. Mit Lust auf's nächste Mal!
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 13. Apr. 2007
  20. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Ich finde das absolut genial und gut.
    So hat man keine transportprobleme zu Unterricht/Verein, und ist eher geneigt, ein solches Angebot wahrzunehmen, da man genau weiß, was es alles gibt. Der "innere Schweinehund" bei den Kindern ist kleiner, sie machen so sinnvollere Dinge. Geldprobleme gibt es auch nicht, wenn Unterricht und Instrumente kostenlos sind, außerdem wird jeder persönlich und ausreichend gefördert. Wie ich das sehe.
    Ist die Anwesenheit Nachmittags Pflicht (Uhrzeit) ?

    Stilblüte