Die Fuge und ich

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Youkali

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Ich spiele zur Zeit Präludium und Fuge Nr 1 C-Dur (Op 87) von Schostakowitsch, zwei sauschöne Stücke, aber die Fuge ist die allererste Fuge überhaupt, die ich auf dem Klavier spiele und stellt mich vor ganz spezielle Herausforderungen. Im Unterricht haben wir noch nicht dran gearbeitet, weil das Präludium erst mal seinen Tribut fordert und ich sie überhaupt erst mal lernen muss.

Da fängt es schon an. Für Finger und Hirn scheint es mir eine ganz besonders trickreiche Aufgabe zu sein, das vierstimmige Fugenkonstrukt zu sortieren und abzuspeichern. Ist das normal? Ich komme eigentlich nur taktweise voran mit dem Lernen, was teilweise meinen fast vierzig Jahren geschuldet sein mag, aber vielleicht auch das Grundproblem der Fuge ist. Geht es anderen auch so? Gibt es Tricks beim Lernen einer Fuge?

Zur Zeit gehe ich so vor - ich nehme mir immer Einsatz für Einsatz vor und bastele erst einmal einen Fingersatz zusammen, mit dem es möglichst reibungslos geht. Ich stelle aber fest, dass es dann im Eifer des Gefechts erstaunlich schwierig ist, diesen beizubehalten, was mir sonst nicht so geht.

Dann lasse ich mal hier und da eine Stimme weg und singe sie statt dessen. Aber das Vorankommen ist schon außerordentlich mühsam.

Vielleicht hätte ich nicht mit einer vierstimmigen Fuge anfangen sollen, aber so ist das nun mal mit den Sachen, die man unbedingt spielen will.
 
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Bachopin

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Hi Youkali,
Ich spiele zur Zeit Präludium und Fuge Nr 1 C-Dur (Op 87) von Schostakowitsch, zwei sauschöne Stücke, aber die Fuge ist die allererste Fuge überhaupt, die ich auf dem Klavier spiele und stellt mich vor ganz spezielle Herausforderungen. Im Unterricht haben wir noch nicht dran gearbeitet, weil das Präludium erst mal seinen Tribut fordert und ich sie überhaupt erst mal lernen muss.
Kenn ich leider nicht, muss ich mir mal anhören.
Da fängt es schon an. Für Finger und Hirn scheint es mir eine ganz besonders trickreiche Aufgabe zu sein, das vierstimmige Fugenkonstrukt zu sortieren und abzuspeichern. Ist das normal? Ich komme eigentlich nur taktweise voran mit dem Lernen, was teilweise meinen fast vierzig Jahren geschuldet sein mag, aber vielleicht auch das Grundproblem der Fuge ist. Geht es anderen auch so? Gibt es Tricks beim Lernen einer Fuge?
Genau so ist es.
Eine Methode ist, die Stimmen jeweils einzeln und dann auch in allen Kombinationen (1.+2., 1.+3., 1+4., 2.+3., 2.+4., ..., 1+2+3, 1+2+4, ...) zu üben. Jeweils mit dem Fingersatz für alle Stimmen.
Zur Zeit gehe ich so vor - ich nehme mir immer Einsatz für Einsatz vor und bastele erst einmal einen Fingersatz zusammen, mit dem es möglichst reibungslos geht. Ich stelle aber fest, dass es dann im Eifer des Gefechts erstaunlich schwierig ist, diesen beizubehalten, was mir sonst nicht so geht.
Da bin ich inzwischen der Meinung, dass man eben so eine flexible Technik erwerben muss, dass der Fingersatz bis zu einem gewissen Grad sich spontan ergibt.
So ähnlich sagt das auch Busoni.
Wenn die Fuge aber auch noch schnell ist (allgemeiner formuliert: wenn hohe technische Schwierigkeiten, die Automatismen erfordern, vorhanden sind), muss man aber dann doch mit festen Fingersätzen arbeiten. Kommt also darauf an.
Dann lasse ich mal hier und da eine Stimme weg und singe sie statt dessen. Aber das Vorankommen ist schon außerordentlich mühsam.
Das mit dem Singen ist super. Das schaff ich nie. Aber man kann sie auch denken.
Vielleicht hätte ich nicht mit einer vierstimmigen Fuge anfangen sollen, aber so ist das nun mal mit den Sachen, die man unbedingt spielen will.
Ja, ne 3- oder sogar 2-Stimmige wäre natürlich einfacher.

Gruß
 
Y

Youkali

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Vielen Dank für das Mitgefühl! Es hilft ja schon, zu wissen, dass es auch für andere schwer ist und ich nicht die einzige Bescheuerte bin, deren Hirn sich mit der Fuge schwertut.

Das Stück kann man sich auf Youtube anhören; der Komponist selbst spielt die Fuge ziemlich schnell, hat aber wohl aus Versehen eine falsche Tempoangaben drüber geschrieben, so dass es auch viele Einspielungen gibt, die das Tempo etwa halb so schnell nehmen. Keith Jarrett, der den ganzen Zyklus augenommen hat, spielt sie unglaublich langsam.
 
 

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