Das Innenleben der Hausaufgabenhefte

Speziell in Indien hat man wohl beobachtet, dass Elefanten (Arbeitstiere) sich an Leuten, die sie schlecht behandelt haben, nach Jahren oder sogar Jahrzehnten noch rächten.
Deshalb hat die Redewendung "der hat ein Gedächtnis wie ein Elefant" auch immer etwas von nachtragend, von nicht vergessen und verzeihen können!

Und weil man ebenfalls speziell in Indien beobacht hat, dass ein Besuch des Elefanten beim chinesischen Porzellanhändler ungute Spuren hinterlässt, hat man die Redensart "benimmt sich wie ein Elefant im Porzellanladen" gebildet. ;)

Wir dürfen zuversichtlich annehmen, dass der wohl erste Verwender des Topos im Deutschen, Konrad v. Megenburg ("der elefant hât guot gedæhtnüss"), als er 1348 sein Buch von den natürlichen Dingen verfasste, ebensowenig Erfahrung mit Elefanten hatte wie die Quellen, die er benutzte, darunter letztendlich Plinius und sogar Cicero. Wenn diese Testimonien überhaupt eine materielle Basis haben, dann die hellenistischen Erfahrungen mit den persischen und die altrömischen mit den punischen Militärelefanten.
 
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Ah gucke an. Dachte das wäre nur so ein DDR-Ding gewesen (bin auch so ein Opfer).

Hihi. Ich hatte in der ersten Klasse ein "Fräulein", schon über 60, die mit einem meterlangen Tafellineal durch die Klasse stolzierte. Und wer links schrieb, kriegte mit dem flachen Lineal eins auf den Handrücken. Wenn das nichts half, stellte sie in der nächsten Runde das Lineal hochkant. Dann half es.

Aber hieran:


kann man ermessen, wie weit die deutsche Leitkultur binnen 10 Jahren herunterkam...
 
Als Spätbeginner ist mir stets zugemutet worden, zum Merken die grauen Zellen zu bemühen

Es gibt eine Ausnahme, und zwar die Hausaufgabe nach meiner ersten Klavierstunde:
IMG_20181104_174330.jpg

Notennamen und Fingersatzgekritzel stammt leider von mir....:geheim:

Nun bin ich nach Jahren wieder bei dieser Lehrerin gelandet; werde ihr das Blatt mal mitnehmen....:-D
 
Ah gucke an. Dachte das wäre nur so ein DDR-Ding gewesen (bin auch so ein Opfer).
Von wegen. Dieses Umerziehen gab es in Westdeutschland genauso, wobei der eine oder andere mit der schwächeren Hand tatsächlich eine höhere manuelle Geschicklichkeit erreichte - beispielsweise beim Klavierspielen keineswegs von Nachteil. Allerdings stellt sich ein solcher Trainingseffekt beidseitig dank Spielpraxis und Erfahrung auch ohne Umerziehungs-Maßnahmen offensichtlich ein. Ich bilde mir jedenfalls ein, vom tausendprozentigen Rechtshänder zum faktischen Beidhänder geworden zu sein, der bis auf das Schreiben von Hand alle Tätigkeiten sowohl mit rechts als auch mit links ausführt.

LG von Rheinkultur
 
Ah gucke an. Dachte das wäre nur so ein DDR-Ding gewesen (bin auch so ein Opfer).

Oh, dann sind wir ja schon - mindestens - drei.
Wobei es bei mir erfreulicherweise nicht gewaltsam war, es ging eher nach dem Prinzip: "Schauen wir mal, ob sie es mit sich machen lässt." Mit 7 Jahren war ich da noch zu brav, um Widerstand zu leisten.

Kommentar meines KL in einer der ersten Klavierstunden damals (1969): "Oh, die linke Hand läuft aber gut!"
Er hatte es spontan erkannt.
 

in der Schule (1966) durfte ich, das Elternhaus war nicht begeistert..

Bei mir war es umgekehrt (Schule 1966), ich konnte bereits schreiben, musste trotzdem auf rechts umlernen. Vor allem meine Handarbeitsversuche, die ich in der Grundschule ebenfalls nur rechts ausüben durfte, wirkten sehr ungleichmäßig, meine heutige Handschrift kann ich oft selbst nicht lesen und in meinen Heften stand immer wieder in dicker, roter Schrift: "Das kannst du ordentlicher!"
Nö, konnte ich nicht, zumindest nicht, wenn ich flüssig schreiben wollte.

An einen einzigen Vorteil kann ich mich erinnern: Als wir in der fünften Klasse im Deutschunterricht verschiedene Satzteile unterschiedlich farblich markieren sollten, war ich ruckzuck fertig, denn ich hatte in jeder Hand einen Buntstift und unterstrich mit beiden Händen gleichzeitig, während ich mit dem Kinn das Lineal fixierte.

Und natürlich ließ sich die Linkshändigkeit nicht abtrainieren, obwohl ich heute viele Tätigkeiten beidhändig ausführen kann, sofern notwendig. Am Klavier ist es mir mittlerweile auch fast egal, nur Triller funktionieren links deutlich besser, weil lockerer.

Edit: Natürlich durfte ich auch nur die "schöne" Hand geben.

Angeblich würde die Tinte beim Schreiben mit der linken Hand verwischen, auch drohten orthopädische Schäden wegen der unnatürlichen Haltung beim Schreiben gegen die Schreibrichtung.
 
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Dieses Umerziehen gab es in Westdeutschland genauso

... wobei dahinter sogar eine, weiß Gott aus welchen Quellen stammende, Hypothese stand, nämlich dass Linkshändertum ein Zeichen schlechten Charakter sei (von schlechten Zähnen glaubte man das auch). Es ging also gleich um zwei wichtige Dinge, nämlich erstens um Ordnung (jawoll - da könte da jeder aus der Reihe tanzen wollen), zweitens um Bewahrung einer gefährdeten Seele vor den ersten Schritten auf die schiefe Bahn ....

Gibt es eigentlich in diesem Land eine Schutzgemeinschaft der Opfer der Pädagogik? Wenn nicht, müsste man sie unverzüglich gründen. Schon, um das wertvolle Anschauungsmaterial nicht verloren gehen zu lassen.
 
Bevor wir komplett in der Rechts-Linkshänder-Thematik gelandet sind, steuere ich meinen autobiografischen Senf bei.

Mein erster regulärer Klavierlehrer wirkte einst als Kapellmeister unter Karl Böhm in Dresden und verließ die spätere DDR, ohne in seiner neuen westdeutschen Wahlheimat wirklich Fuß fassen zu können. Mehr schlecht als recht hielt er sich einsam und verbittert als Dirigent verschiedener Laienchöre und mit privaten Klavierstunden über Wasser. Ersteres soll er bedeutend lieber als letzteres getan haben. Offensichtlich durchliefen alle seine Schüler den zweibändigen Krentzlin-Lehrgang, nach dem er wohl selbst in den 1920ern das Klavierspiel erlernt haben dürfte. Dazu kam eine Sammlung mit dem Titel „Schönheiten der klassischen Musik“ und Hellers Sonatinen-Album. Technikpauken erfolgte mit dem praktischen Czerny und Hanon-Übungen. Cholerische Ausbrüche, permanentes Anschreien und gelegentliches In-den-Schwitzkasten-Nehmen waren in diesem anderthalb Jahre dauernden „Unterricht“ an der Tagesordnung. Ein Aufgabenheft gab es nicht, vielmehr wurden die Hefte von vorn bis hinten durchgearbeitet und das aktuelle Datum notierte der „Herr Kapellmeister“ neben dem Titel auf dem Notenblatt.

Ein Umzug in eine andere Stadt erlöste mich von Methodik und Didaktik auf einem Niveau irgendwo zwischen Kaiserzeit und Drittem Reich. Glücklicherweise hatte mein Musiklehrer an meiner neuen Schule gleichzeitig einen Lehrauftrag für Musiktheorie an einer nahegelegenen Musikhochschule und vermittelte den Kontakt zum ehemaligen Rektor, der noch eine Klavierprofessur im Hause innehatte. In den folgenden Jahren galt es zu retten, was in technisch-musikalischer Hinsicht noch möglich war. Da wurden keine Unterrichtswerke mehr nach Schema F absolviert, vielmehr anhand immer schwierigerer Literatur individuell taugliche Aufgaben und Lösungen entwickelt. Wenige Stichworte im Aufgaben- und Merkheft genügen mir bei der Lektüre heute, um das enorme Pensum wieder vor Augen zu haben, das damals noch bewältigt werden musste. Zu den Werktiteln gehörte das Benennen besonders dringlicher Aspekte wie Klang oder Artikulation, Lektüreempfehlungen und Skizzieren struktureller und formaler Besonderheiten. In knappster Formulierung alle Aufgabenstellungen nachvollziehbar zu machen, das erfüllt mich heute noch mit Staunen, wenn ich in diese beiden Hefte reinschaue. Dazu kommt die Bereitschaft, bei der Auswahl der Stücke über den Unterricht hinausgehende Aktivitäten geschickt zu unterstützen: Projekte als Liedbegleiter, Kammermusiker und Rundfunkaufnahmen eigener Kompositionen. Später im Studium wurde mir klar, wieviel mir diese Jahre an künstlerischer Substanz gebracht haben. Schaue ich heute in die Aufgabenhefte, weiß ich, warum es ist, wie es ist. Ein unbezahlbares Dokument!

LG von Rheinkultur
 
Ich hatte nie ein Aufgabenheft. Meine Lehrerin wohnte so nah, dass ich da schon im Grundschulalter allein hingehen konnte. Ich sollte/durfte einfach vorbeikommen, wenn beim Üben irgendwas nicht klappt oder ich etwas nicht verstanden hatte.

Das führte dazu, dass ich meist mehrmals die Woche bei ihr aufgekreuzt bin, hin und wieder - besonders vor Vorspielen oder Wettbewerben - sogar täglich. Sie hatte immer Zeit für mich und hat mit einer unfassbaren Geduld mit mir zusammen geübt. Manchmal 10 Minuten, manchmal auch einen halben Nachmittag - je nachdem, wie es nötig war.

Und vor allem gab es immer Kakao und Kekse! :herz:
 
... wobei dahinter sogar eine, weiß Gott aus welchen Quellen stammende, Hypothese stand, nämlich dass Linkshändertum ein Zeichen schlechten Charakter sei (von schlechten Zähnen glaubte man das auch). Es ging also gleich um zwei wichtige Dinge, nämlich erstens um Ordnung (jawoll - da könte da jeder aus der Reihe tanzen wollen), zweitens um Bewahrung einer gefährdeten Seele vor den ersten Schritten auf die schiefe Bahn ....

Gibt es eigentlich in diesem Land eine Schutzgemeinschaft der Opfer der Pädagogik? Wenn nicht, müsste man sie unverzüglich gründen. Schon, um das wertvolle Anschauungsmaterial nicht verloren gehen zu lassen.
Barbara Sattler ist die Retterin der gewaltsam umerzogenen Linkshänder . Kannste ja selbst googeln. Sie hat die Auswirkungen umerzogener Linkshändigkeit erforscht und bietet auch Therapien für erwachsene umerzogene Linkshänder an ohne Quatsch. Ich habe in meiner Verwandtschaft allein zwei umerzogene Linkshänder,Anfang 60. Naja, zum Glück gibt's das seit etlichen Jahren nicht mehr. Schon krass, irgendwie.
 
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Das führte dazu, dass ich meist mehrmals die Woche bei ihr aufgekreuzt bin, hin und wieder - besonders vor Vorspielen oder Wettbewerben - sogar täglich. Sie hatte immer Zeit für mich und hat mit einer unfassbaren Geduld mit mir zusammen geübt. Manchmal 10 Minuten, manchmal auch einen halben Nachmittag - je nachdem, wie es nötig war.
Ähnlich lief mein erster Geigenunterricht ab. Manchmal ging ich auch einfach nur zum Feiern hin. :-D
 
Kommt es denn vor, dass KL*innen einem Erwachsenen etwas ins Hausaufgabenheft notieren?

ja, bei mir wird notiert was ich so übe und dann immer dei Kommentare wie Spielanweisungen. Öfter auch Harmonien oder Musiktheorie kurz zusammengefasst, damit ich sie bei Bedarf nachlesen kann. Wenn ich nicht weiterweiß, kann ich jederzeit nachfragen und erhalte meist zeitnah eine Info.

Selber notieren finde ich nicht gut, oft fehlt einem die Zeit und die Struktur sowie die Basics das alles in worte zu fassen. Mittlerweile fragt mich mein Lehrer auch: was soll ich dir dazu aufschreiben von dem gesagten. Langsam kann ich das auch besser einschätzen.
 
Es ist ein bekannter Trick bei Schülern aus Musikschulen, dass wenn sie einmal eine Woche nichts geübt haben, dann vergessen sie einfach absichtlich ihr Musikheft in der nächsten Stunde.
Die Klavierlehrerin die >30 Schüler hat , hat dann viel vergessen und die Schüler sind fein raus ...;-)
Bei mir funktioniert das nicht: ich schreib mir (fast) alles auf, was ich mit den Schülern mache und nehme auch immer alle Noten, die ich für den Tag brauche mit. Wenn einer seine Noten „vergessen“ hat kann ich sagen: „macht nichts, ich habe sie dabei.“
 

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