Chopin op. 9 Nr. 2 – Nocturne in Es-Dur

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chiarina
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Aller guten Dinge sind drei, hier ein Zitat aus Eigeldingers "Chopin, pianist and teacher as seen by his pupils" zum Nocturne (Seite 77):

"Once the bass part is mastered - with two hands - with a full but piano sonority and in strict time, maintaining an absolutely steady allegretto movement without the 12/8 lapsing into triplets (? - presumably he means avoiding an oom - pah - pah effect), .....",

s. auch hier:

Chopin.jpg

Liebe Grüße

chiarina
 
Rheinkultur
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Man achte auf die linke Hand dieses Interpreten, der Schüler des erwähnten Karol Mikuli war. Dieser wiederum ließ sich zwischen 1844 und 1848 bei Chopin in Paris ausbilden. Die Rubato-Gestaltung auch in dieser späten Einspielung ist zwar spürbar dem Geist des 19. Jahrhunderts verpflichtet, trotzdem ist die strikte Abkehr von irgendwelchen Walzer-Affinitäten durchgängig präsent und der Inhalt der von @chiarina zitierten Textpassagen ist akustisch unüberhörbar. Klarer geht es kaum!:


https://www.youtube.com/watch/?v=e2i24aRORTI

Fast zeitgleich nahm ein anderer jüngerer Mikuli-Schüler das Stück ebenfalls auf. Auch hier gilt das Gesagte sinngemäß, wobei er sich mit vielfältigen Auszierungen noch größere Freiräume abseits der Notation nimmt, eine Interpretationspraxis, die bereits damals im Verschwinden begriffen war:


https://www.youtube.com/watch/?v=NL4PjVNyj5w

LG von Rheinkultur
 
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Guten Abend. Hier, wie versprochen, die zweite Einspielung auf einem echten Instrument (meinem neuen Klavier).
 

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  • Szopen – Nocturne op. 9 Nr. 2.mp3
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Ich fände es etwas bewegter schöner, dann zerfällt die Melodie auch nicht so sehr. Mir fehlt da der große Bogen.
Aber Glückwunsch zum neuen Klavier!
Viel Freude damit.
LG,
NaMu
 
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Ich fände es etwas bewegter schöner, dann zerfällt die Melodie auch nicht so sehr. Mir fehlt da der große Bogen.
Aber Glückwunsch zum neuen Klavier!
Viel Freude damit.
LG,
NaMu

Bewegter = Schneller? Oder ist das Rubato problematisch? Müssen die große Phrasierung einen dynamischen Fluss bilden (so etwas wie „cantabile“)? Wie erreiche ich das?

Ich habe Wert übrigens auf polyphonische Abfolgen gelegt –

Mittelstimmen betont: Takt 11 ab Schlag 7 Takt 19 ab Schlag 7
Bass-Folgen betont: z. B. Takt 3 und im Stretto
Bleibende Töne, über die sich etwas zusammenbraut: z. B. Takt 6 oder auch im Stretto bei Takt 30

Und danke, das Klavier ist super.
 
Felix
Felix
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Ich finde das schon ganz ordentlich. Ich würde das Stück aber auf jeden Fall schneller spielen, sowie das Rubato erheblich reduzieren. Die Baßtöne sollten, wie hier im Thread erörtert, einen ruhigen stabilen Puls liefern. Sobald das funktioniert, singt die Oberstimme darüber und gibt die Impulse zum Verzögern und Beschleunigen. Stell dir eine Sängerin vor, die gelegentlich Luft holen muß. Die Phrasen deshalb nicht zu sehr dehnen, sonst stirbtse.
 
K
klaros
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Ich finde das schon ganz ordentlich. Ich würde das Stück aber auf jeden Fall schneller spielen, sowie das Rubato erheblich reduzieren. Die Baßtöne sollten, wie hier im Thread erörtert, einen ruhigen stabilen Puls liefern. Sobald das funktioniert, singt die Oberstimme darüber und gibt die Impulse zum Verzögern und Beschleunigen. Stell dir eine Sängerin vor, die gelegentlich Luft holen muß. Die Phrasen deshalb nicht zu sehr dehnen, sonst stirbtse.
Das sehe ich auch so wie Felix. Das war das erste Stück von Chopin, das ich gespielt habe, wobei mein KL mir als Hilfe an die Hand gab: "Stell dir vor, du erzählst eine Geschichte, die dir sehr am Herzen liegt. Dabei darf der Zuhörer nicht das Empfinden haben, dass du zu sehr in der Erinnerung kramst, sondern du den Inhalt deiner Erzählung gut kennst, selbst spannend findest und auch mit Spannung spielst."
Das muss mein KL nicht wörtlich so gesagt haben, (ist ja auch schon etwas her)
aber ich wurde oft an das Wesen dieses Rates erinnert, wenn ich bei Romantikern um den richtigen Ausdruck bemüht war.
Weiterhin viel Spaß mit dem neuen Klavier!
Klaus
 
Tastenjunkie
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Ich finde es gut gespielt! Das Potential ist da!

Zwei Punkte:

Nicht Überfall, aber häufig "knallst" Du die 1 in jedem Takt sehr raus. Das erzeugt eine gewisse Schwerfälligkeit, so als würdest Du Dich vom einem Fixpunkt zum nächsten hangeln und es schadet dem Fluss und der "Gesanglichkeit".

Die Basstöne und deren melodisches Fortschreiten sind unterbelichtet, sie sollten nicht unbedingt lauter aber "prominenter" durchkommen.

Viel Glück für die Vorspiele!

LG

TJ
 
St. Francois de Paola
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Ich finde es gut gespielt! Das Potential ist da!

Zwei Punkte:

Nicht Überfall, aber häufig "knallst" Du die 1 in jedem Takt sehr raus. Das erzeugt eine gewisse Schwerfälligkeit, so als würdest Du Dich vom einem Fixpunkt zum nächsten hangeln und es schadet dem Fluss und der "Gesanglichkeit".

Die Basstöne und deren melodisches Fortschreiten sind unterbelichtet, sie sollten nicht unbedingt lauter aber "prominenter" durchkommen.

Ich glaube, dass das durch ein höheres Tempo von alleine schon besser wird.
 
Wiedereinaussteiger
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Die Einspielungen sind unter den vielevielen 9-2, die ich kenne, eher unter die "Zögerlichen" einzureihen. Und ich bin bei denen, die einen besseren Fluss befürworten. Das ... Zöö...gerli...che ist auch etwas un...gleichmä...ßig, das geht anderes und was besser.

Genereller Punkt ist, auch nachzulesen im Eigeldinger (frz. und engl. greifbar), dass die linke Hand durchläuft mit einem absolut sauberen Takt, und dass das Rubato, wenn denn man es macht, nicht einfach wahllos eingestreut wird, sondern zu einer Aussage kommt.

Die Aussage sollte nicht sein, hey, ich bin klein, mein Herz ist rein, spiele ALLES iwie zögerlich ein. .. ;-) Das nervt den Zuhörer, insbesondere die, die das Ding aus dem FF kennen, weil sie es selber spielen.
Das Ding wäre sehr erheblich besser noch, wenn es mit 120% speed gemacht wird, und mal versuchsweise auf irgendwel...ches Rubatieren tutti completti verzichtet wird, und Rubato erst - und dann - eingesetzt wird, wenn man zu "Aussagen" kommen wiil - UND kann, und nicht der Verdacht keimt, entweder ist alles rubato, mal schneller mal langsamern, aber ein Plan sei eher nicht dahinter, sondern der Verdacht Unvermögen, oder ein fehles Verständnis dessen, was Chopin mit Rubato machte.

Betreffs Digi hätte ich noch einen bedingten Tip, wenn denn überhaupt noch Digi gespielt wird, und ohne Detailkenntnis des Typs. Viele, ganz viele Anschlagsdynamiken bei Digis laufen nach dem ADSR-Schema, Attack, Sustain, Decay, Release, und oft kann man die Parameter einstellen. Das Starkbetonte auf 1 und auch alles andere könnte ... besser werden, wenn man mal Decay oder Sustain etwas verlängert. Falls das zu machen geht. Suchen in der Anleitungs ggfs., und bissele was ausprobieren. Es muss - auch auf einem Digi - besser "gebunden" sein, viel mehr legato. Meine ich. Die Koryphäen hier mögen mir widersprechen, ich bin nur ein blutiger Amateur.

Der Eigeldinger allerdings ist auch aus dem Grunde hoch interessant, weil sich in ihm etliche Varianten finden - auch welche, die man sich in der Öffentlichkeit und "für Offizielles" (Aufnahmeprüfungen) nicht zu machen traut.

Es ist DAS Stück Chopins mit den allermeisten "zugelassenen" Varianten ... ...

Und der Fan genau dieses Stückes sollte noch zweidrei weitere Infos haben:
Durch die etlichen Variationen ist eben dieses Stück eine einzigartige Chance, die Arbeitsweise Chopins näher zu durchleuchten.

Dann hat er Variationen teils zugelassen, die zum Zeitpunkt der Komposition (1828/29) noch gar nicht machbar waren, z.B. hohe Läufe herunter vom As, das damals noch gar nicht auf den Klaviaturen war, die nur herauf zum F oder G gingen. Ich habe da die Variation vom Tomas Akte Tellefsen im Visier.

Und die 9-2 ist im Ansatz erstmal "geklaut" - Chopin nahm ein Thema einer Field-Nocturne auf, die ersten zweidrei Takte ...

Field hatte das Metier "Nocturne" erfunden..., und der noch sehr junge Chopin zeigte der Fachwelt gleich mal, wo nun der Hammer hängt betreffs Nocturnes, vielleicht Einstieg in den Abstieg von Field in der Wertschätzung der Musikwelt. Der fast 30 Jahre ältere Field hatte im jungen Chopin gleich mal seinen Meister gefunden. Er ist irgendwie danach nie mehr richtig auf die Beine gekommen und wenige Jahre später gestorben (1837).

Und wer sich krass vernarrte in dieses Stück, der mache sich unbedingt auch mal die moderneren Variationen zugänglich.-Ich habe da den niederländischen Hammerklavier-Spezialisten Bart van Oort im Ohr. Fantastisch, was der noch weitergehend an Fioraturen macht - ich war bislang nichtmal in der Lage, das zu notieren ...
 
 

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