An alle Hörgeräteträger im Forum...

  • Ersteller des Themas Phoenix2021
  • Erstellungsdatum

@Universaldilettant, ich denke, dass ich die "Moment" 440 oder 330 an den Ohren hängen habe. Sie haben 15 bzw. 12 Kanäle. Bei meiner(m) Audiometrie/Audiogramm wurden elf Messpunkte ermittelt. Demnach würde für mich das Gerät mit 12 Kanälen reichen, richtig?
 
Bei meiner(m) Audiometrie/Audiogramm wurden elf Messpunkte ermittelt. Demnach würde für mich das Gerät mit 12 Kanälen reichen, richtig?

Das eine hat mit den andern nix zu tun... Je mehr Kanäle ein Hörgeräte hat, desto "intelligenter" kann der Frequenzbereich der Umgebung analysiert und übertragen werden (zum Beispiel eine Verstärkungsabsenkung bei der oben genannten Rückkopplungsunterdrückung, da sind schmalere Kanäle effizienter, weil nicht so viel vom Gesamtsignal abgesenkt werden muss wie bei wenigen, breiteren). Bei stark zum Hochton abfallenden Hörverlusten, kann auch die Gesamtdynamik des Eingangssignals besser in den eingeschränkten Bereich deines Hörverlustes kompriniert werden, wenn die Anzahl der Kanäle genau in dem Bereich des Abfalls ausreichend gross ist.

Zudem ist die Tonaudiometrie ja nur ein winziger Teil der Wirklichkeit deiner Ohren, mit der lediglich die Schwelle des Hörvermögens in wenigen Punkten analysiert wird, alles überschwellige ist nur bedingt messbar, und kann grundsätzlich durch mehr Kanäle effizienter nachgebildet werden.

Ob jetzt aber ein Mega Unterschied zwischen 12 und 15 Kanälen für deinen Alltag hörbar ist und nicht nur reine Theorie kann eher dein Bauchgefühl entscheiden, das alleine machts auch eher nicht aus. Ich vermute mal das die beiden Geräte sich nicht ausschlieslich in der Anzahl der Kanäle unterscheiden, sondern auch in anderen Features.
 
Aha, ich hatte es so verstanden, dass diese Kanäle wie Sektoren nebeneinander liegen und je ein Kanal auf jeweils einen der Messpunkte der Audiometrie eingestellt wird.

(…) wenn die Anzahl der Kanäle genau in dem Bereich des Abfalls ausreichend gross ist.

Also sind die Kanäle festgelegt? Oder könnten die erforderlichen Kanäle - je nach Bedarf - in den Bereich des Abfalls "verschoben" werden?

Mein Hörverlust sei noch nicht so groß, er liegt an der Grenze der Zuzahlung. Bei mir fällt die Hörkurve ab 1K grafisch um 45° ab. Sieht der Hörgeräte-Akustiker anhand seiner Software - ich vermute es - wie viele Kanäle sich in diesem Bereich befinden und ob 12 reichen würden? Ob er mir das verraten würde (er möchte ja möglichst das teuerste Gerät verkaufen)?

Ob jetzt aber ein Mega Unterschied zwischen 12 und 15 Kanälen für deinen Alltag hörbar ist und nicht nur reine Theorie kann eher dein Bauchgefühl entscheiden (…)

Das Gefühl kann ich aber meiner Vermutung nach nur haben, wenn ich beide Geräte testen könnte. Meine Widex Dream 440-PA haben meines Wissens 15 Kanäle. Im Alltag habe ich mit den anderen beiden Testgeräten gut gehört, auch die "Moment" klingen angenehm. Aber mir kommt es hauptsächlich auf den Klavierklang an, weil dieser ja erheblich schwieriger zu handhaben ist. Er würde mit 15 Kanälen demnach besser abgebildet, oder?

Vorhin habe ich meine Widex im Wechsel mit den "Moment" an die Ohren gehängt und verschiedene Hörsituationen ausprobiert.

Hörsituation 1:
Am Schreibtisch sitzend, Venta LW74 ca. 4,5 m entfernt und dezent auf Stufe 1 säuselnd, Alkan "Genius-Enigma" (YouTube) über die Bowers & Wilkins PC-Lautsprecher MM-1 hörend. Das ist mit den "Moment" angenehm, meine Widex nerven, weil ich den Venta deutlicher höre. Dezent "zirpende" Klänge (das sind wohl die Obertöne) sind bei den "Moment" weitaus öfter zu hören als bei meinen Widex.

Hörsituation 2:
Ich habe Passagen meiner Repertoirstücke von ppp bis ff gespielt. Wenn ich bisher auch gesagt habe, dass meine Widex den perfekten Klang haben, so bin ich nach diesem direkten Vergleich nicht mehr so sicher. Die "Moment" machen die Obertöne viel deutlicher hörbar als meine Widex mit denen es weniger "zirpt". Es scheinen mal wieder schwarze Tasten zu sein die zirpen. Aber das ist wohl Einbildung, denn dafür gäbe es doch wohl keine Erklärung, oder?

Ob dieser ungewohnte (die anderen Testgeräte waren da dezenter) aber nicht unangehme leicht zirpende Klang beim Klavier (besonders oberhalb von c1) normal ist kann ich leider nicht beurteilen. Meine Ohren kennen diesen Klang ja noch nicht so deutlich. Aber beim Konfigurieren des Musikprogramms mit der App habe ich jeweils den etwas zirpenden (also obertonreicheren?) Klang abgespeichert. Der andere Klang eher "wattig-dumpf".

Ich vermute mal das die beiden Geräte sich nicht ausschlieslich in der Anzahl der Kanäle unterscheiden, sondern auch in anderen Features.

Die 440er gehen laut Beschreibung mehr auf Unterhaltungen in der Gruppe ein und auf Musik. In Sachen Sprachverständlichkeit, Windgeräuschunterdrückung, Klangoptimierung und natürlichem Klang schneiden die 440er laut Vergleichstabelle besser (klar, sind ja auch teurer) ab. Das 440 hat fünf Programme, 330 vier und die würden reichen. Denn ich höre Musik über die PC-Lautsprecher auch mit meinem konfigurierten Musikprogramm. Das voreingestellte Musikprogramm ist zu aufdringlich.

Bei einigen Angaben wird es für den Laien kryptisch und ich frage mich, warum mit derartigen Fachausdrücken jongliert wird:

- Fluid Sound Analyser: 440 11 (IE), 330 7 KE)
- Speach Enhancer: 440 RT/IE, 330 IE

Übrigens sollte ich wegen der Rückkopplung die Lautstärke reduzieren. Das hat mich erstaunt, denn ich erwarte (vielleicht mal wieder zu viel) von Premiumgeräten, dass sie auf die jeweilige Hörsituation eingehen und automatisch leiser stellen. Oder kann das nur im Hauptprogramm/Universalprogramm geschehen, weil das Musikprogramm - wie bei meinen alten Widex - "alles durchlässt".

@Universaldilettant, Du hast geschrieben, dass diese "Stäbchenlösung" mehr als suboptimal ist was ich nachvollziehen kann. Die Rückkopplungen sind seltsamerweise in dem von mir konfigurierten Musikprogramm deutlich weniger als im vorinstallierten. Mich stören die "Moment" weder im noch am Ohr und mit dem derzeitigen Klangerlebnis kann ich gut leben. Wenn die Hörgeräte mit Schirmchen ausgestattet würden wäre der Klang wahrscheinlich noch besser, weil die Hörgeräte nicht immer irgendwas nachberechnen/nachjustieren müssten was durch die nicht fixierten "Stäbchen" verursacht wird. Habe ich das richtig verstanden?

Ich denke, dass es die "Moment" sein werden, aber ich ringe noch mit mir, ob ich sie mit 10er- oder mit eingebauten Lithium-Ionen-Batterien nehmen soll. Diese sind "klobiger" was mich aber nicht stört, auch nicht in Anbetracht der Brillenbügel. Und was Hinz und Kunz hinter meinen Horchlappen baumeln sehen ist mir egal, ich bin nicht eitel.

Nachtrag: Ich habe vorhin nachgefragt - es sind die "Moment 440".
 
Zuletzt bearbeitet:
Hm, mir scheinen Widex und Moment aber noch sehr unterschiedlich eingestellt zu sein. Ich beziehe mich darauf, dass der Luftwäscher einmal deutlich zu hören ist, beim anderen weniger. Werden derartige weiße Geräusch weggerechnet oder fallen sie weniger auf, weil tiefe Frequenzen weniger verstärkt werden.

Klingt witzig, aber ich lege Wert darauf, dass Geräusche (Straße usw.) möglichst echt klingen. (Vermutlich, weil ich gutes Körperschallgefühl habe, so dass falsche Geräusche störend wirken.)

Der "echte" Klavierklang ist beinahe schon nachrangig.

Das Zirpen kann man noch später regulieren.

Good luck beim weiteren Austesten!
 
@Marlene

Ich kann nur davon abraten, dass ganze Thema auf "Ingenieursebene" durchdringen zu wollen. Vetrau auf dein Bauchgefühl und berichte dem Akustiker von deine Beobachtungen. Die Gedanken dazu soll sich derjenige machen, der sich mit den Geräten richtig auskennt. Ob es für deine Bedürfnisse ein 2,70m Konzertflügel (Moment 440er) oder ein 2,20m Halbkonzertflügel (Moment 330er) auch tut, entscheidest du am Ende (Bauch, Kopf, Budget...)
 
Hm, mir scheinen Widex und Moment aber noch sehr unterschiedlich eingestellt zu sein.

Meine Widex haben eine sehr hoch eingestellte Grundlautstärke, ich muss sie fürs Klavier spielen um das vierfache reduzieren. Der Akustiker im Ort (er hatte die Geräte voriges Jahre zur Reparatur bei sich) hat die Einstellungen ausgelesen und die Einstellung als "aggressiv und zupackend" bezeichnet. Und grundsätzlich sein Unverständnis zum Ausdruck gebracht, dass da Otoplastiken dranhängen, die wären bei meinem "geringen" Hörverlust überflüssig.


Danke!

Übermorgen werde ich wieder beim Akustiker sein, er wird dann Schirmchen anbringen um die ich gebeten habe. Vielleicht gibt es noch eine andere Alternative.
 
Vertrau auf dein Bauchgefühl und berichte dem Akustiker von deine Beobachtungen
die ich (neben Fragen) in einer Datei notiere, damit ich beim Termin an alles denke.

Tja, eine mitunter (besonders für meine Mitmenschen) lästige Eigenschaft ist es, dass ich immer alles möglichst genau wissen und verstehen will. Aber grundsätzlich vertraue ich tatsächlich meist meinem Bauchgefühl (der alte Bechstein ist einer der offensichtlichsten Beweise dafür). Daher ist die Entscheidung eigentlich schon gefallen.

Danke, @Universaldilettant, für Deine interessanten Beiträge.
:super:
 
(…) ich ringe noch mit mir, ob ich sie mit 10er- oder mit eingebauten Lithium-Ionen-Batterien nehmen soll.

Diese Entscheidung war schnell gefallen, denn heute hat mir der Akustiker mitgeteilt, dass ich mit dem Batteriemodell keine Bluetooth-Funktionen nutzen kann. Telefonieren über die Hörgeräte wäre z.B. nicht möglich. Wie praktisch das sein kann konnte ich heute schnell feststellen. Denn sein Telefon hat in meinen Hörgeräten geklingelt, er hat nach dem letzten Termin vergessen sie zu entkoppeln. Außerdem sind Batterien eine Ökosünde, egal wie winzig sie sind.

Vorhin habe ich ein neues Musikprogramm konfiguriert denn dem Akustiker ist ein doppeltes Missgeschick passiert. Erstens hat er mich leider nicht richtig verstanden (ob er ein Hörgerät braucht?) und zweitens ist er einer ungünstigen Programmierung zum Opfer gefallen. Er hat das vorinstallierte Musikprogramm gelöscht (das sollte aber erst beim nächsten Termin passieren) und wusste nicht, dass meine beiden eigenen Musikprogramme damit gekoppelt waren. Also waren alle drei weg und vorhin musste ich die Klänge neu konfigurieren. Das war deutlich schwieriger mit den modifizierten (Schirmchen) Geräten. Denn die Klangunterschiede von A und B waren jetzt nicht mehr so deutlich wie es ohne "Schirmchen" der Fall war.

Diese App - @Tastatula hat sie ja auch begeistert - ist klasse und es erstaunt mich, dass weder die Bernafon, noch die Phonak diese Konfiguration ermöglichen. Preislich dürften diese drei Geräte ziemlich identisch sein.

Mit den "Schirmchen" sind keine Rückkopplungen mehr aufgetreten, die Klangwahrnehmung ist deutlich dezenter, die Obertöne klirren nicht mehr aufdringlich.

Morgen werde ich ein zweites Musikprogramm am Bechstein erstellen und dann werde ich sie mal kreuzen. Also Bösendorfer-Musikprogramm am Bechstein und umgekehrt. Mal sehen ob mir dabei etwas auffällt.

Ich denke, dass es die "Moment" sein werden
und das denke ich nicht nur, ich weiß es. Denn mit den "Schirmchen" konnte es nur noch besser werden und so ist es.
:-)
 
@Universaldilettant, es gibt eine Auffälligkeit bei den Musikprogrammen:

Mit den Schirmchen an den Geräten gibt es - wie bereits erwähnt - klangliche Unterschiede, das Hören ist dezenter, unaufdringlicher, im Normalbereich scheint es mir gedämpfter zu sein als ohne Schirmchen. Aber seltsamerweise "fahren" beide selber konfigurierten (das vorinstallierte ist ja futsch) Musikprogramme beim Spielen das Grundrauschen hoch und es dauert nach wieder eingetretener Ruhe etwa 10-15 Sekunden, bis das Rauschen wieder abgesenkt wird. Das ist mir beim Hören ohne Schirmchen nicht aufgefallen bzw. da ist es nicht vorgekommen. Woran kann das liegen?
 
Nachtrag:

Zwei Akkorde (oder in die Hände klatschen) reichen - wie ich vorhin festgestellt habe nicht aus, um das Hochfahren des Grundrauschens auszulösen, ich muss schon etwas mehr spielen. Aber egal ob Forte oder Piano - das Rauschen kommt und verschwindet wieder, wenn eine Weile Ruhe einkehrt.
 
Aber seltsamerweise "fahren" beide selber konfigurierten (das vorinstallierte ist ja futsch) Musikprogramme beim Spielen das Grundrauschen hoch und es dauert nach wieder eingetretener Ruhe etwa 10-15 Sekunden, bis das Rauschen wieder abgesenkt wird. Das ist mir beim Hören ohne Schirmchen nicht aufgefallen bzw. da ist es nicht vorgekommen. Woran kann das liegen?
An den Schirmchen liegt das mit Sicherheit nicht, sondern wahrscheinlich daran dass jetzt ja anscheinend kein Vorkonfiguriertes Musikprogramm als Grundlage da ist.
In solchen Musikprogrammen ist immer das adaptive Richtmikrofon abgeschaltet.

Das hat nämlich die Eigenschaft nach ein paar Sekunden erhöhten Schallpegel in einen gerichteten Modus zu schalten, der beim Musizieren nicht nur überflüssig ist, sondern auch ein erhöhtes Grundrauschen mit sich bringt (liegt an der Kopplung mehrerer einzelner Mikrofone zu einem Array, wodurch das Grundrauschen der Mikrofone addiert wird)
In geräuschvollen Gesprächssituationen ist das sinnvoll und hilfreich, und das Rauschen geht im Gesamtschallpegel unter.

Ich kenne ja weder die Geräte noch die App genau, ob man das selbst raus konfigurieren kann.

Sobald aber wieder ein Musikprogramm für deine Modifikationen zur Verfügung steht, sollte sich das erledigt haben.
 

Danke für die Rückmeldung, das bestätigt meine Vermutung. Denn ich hatte dem Akustiker bereits mitgeteilt, dass etwas anders ist und die App anders reagiert, nicht mehr so sensibel. Und ihn gefragt, ob er den Hörgeräten mit der Löschung des vorinstallierten Musikprogramms etwas wichtiges "unter den Füßen weggezogen" hat, das sie für eine adäquate Reaktion brauchen. Anscheinend gibt es nur wenige Kunden, die diese App nutzen. Denn er wusste nicht, dass meine beiden konfigurierten Musikprogramme auch verschwinden würden, wenn er das installierte Musikprogramm löscht.

Sobald aber wieder ein Musikprogramm für deine Modifikationen zur Verfügung steht, sollte sich das erledigt haben.

Das ist - laut seiner Aussage - anscheinend nicht so einfach, warum hat er nicht gesagt. Ich habe aber auch nicht gefragt, weil mir das Wissen darum bis zum nächsten Termin eh nichts bringt. Und erneut sage ich: Es kann nur besser werden, denke ich.

PS
Dank Marlene habe ich nun zumindest zwei Modelle/Marken, an dem man sich orientieren kann...die Safari geht weiter.

@Phoenix2021, das hast Du vor über zwei Monaten geschrieben. Hast Du inzwischen auch etwas passendes gefunden?
 
Zuletzt bearbeitet:
Aber einen "lose" im Gehörgang liegenden Hörer? Nicht wirklich ein gute Idee...

aber ich werde wahrscheinlich damit leben müssen, meine Ohren reagieren leider nicht nur sehr zickig auf die Ohrpassstücke, sondern auch auf die Schirmchen.

Die Widex Moment habe ich nach wie vor, anfangs habe ich sie ohne Schirmchen getestet, aber die Rückkopplungen waren recht häufig. Mit Schirmchen sind sie kaum noch vorgekommen, aber trotzdem kam es immer wieder - besonders beim Schreiben mit der Apple-Tastatur - zu seltsamen "gläsern" klingenden Klangphänomenen. Noch weniger Rückkopplungen gab es, nachdem der Rückkopplungstest durchgeführt wurde. Dieser wurde beim ersten Besuch nicht gemacht, weil ich mich davor gefürchtet habe. Denn der Test bei einem der Akustiker in meiner Heimatstadt war so laut, dass ich das Gesicht schmerzverzerrt verzogen habe. Zum Glück war der Rückkopplungstest für die Widex-Geräte (und die neuen Testgeräte von Signia) recht dezent.

Aber: Die Schirmchen reizen - obwohl sie weich sind - meine Gehörgänge.

Man sollte dabei nur bedenken, das ein gewachsenes Vertrauensverhältnis zum Akustiker vor Ort für jeden Hörgeräteträger langfristig deutlich mehr wert ist als das letzte Prozent Skonto (siehe hier auch die Fäden über Qualität und Preis von Stimmungen...) Akustiker sind auch nur Menschen, und wenn mir jemand am Ende einer schwierigen, langdauerenden aber erfolgreichen Anpassung dann mitteilt, das meine Arbeit ja eigentlich doch nur 10% weniger wert ist, und er andernfalls zum Mitbewerber geht, ist das mit dem Vertrauen so eine Sache...

Gestern war ich wieder beim Akustiker und ich war erneut beeindruckt über die umfangreiche Betreuung. Auf die Idee um den Preis der Hörgeräte zu feilschen käme ich deshalb gar nicht.

Nach dem einstündigen Termin bin ich um etwa EUR 14.000,00 wertvoller dort hinausspaziert. Er hat mir wieder die Widex mitgegeben und zusätzlich zwei Signia (Styletto und AX 5). Grund dafür war meine Bitte sie ausprobieren zu dürfen. Denn von einer KL habe ich erfahren, wie begeistert ihr Schüler von seinen neuen Signia ist. Er musste zur Anpassung allerdings eine vierwöchigen Hörschulung machen und dabei ein Hörtagebuch führen. Der Sinn dieser Gehörübungen erschließt sich mir nicht, auch nicht nachdem ich recherchiert habe.

Das Styletto ist eigentlich schon aus dem Rennen, denn es hat keine Einstellmöglichkeiten am Gerät selbst. Falls der Akku des Smartphones leer sein sollte, kann ich die Hörgeräte nicht mehr über die App bedienen.

Beide Signia (ich teste das AX derzeit ohne Schirmchen) haben das gleiche seltsame Phänomen wie die Bernafon: Der Flügelklang "schwabbelt", es ist als hingen die Klänge an einem Gummiband an dem man von der Seite etwas zieht und loslässt. Die Klänge kommen dabei in "Bewegung". Aber abseits des seltsamen Flügelklanges (beim Bechstein ist es weniger) finde ich die Signia sehr angenehm und dezent, es kommt sogar dann nicht zu Rückkopplungen, wenn ich die Hände über die Ohren halte. Auch meine Haare rascheln bei Kopfbewegungen nicht auf dem TV-Sessel aus Leder, bei den Widex ist das sehr unangenehm (auch mit Schirmchen).

Lange Rede, kurzer Sinn: Was hat es mit diesem terzo Hörtraining auf sich? Hat jemand von Euch so etwas gemacht? Laut Aussage der KL hat ihr Schüler ihr von diesen seltsamen Klängen berichtet und gesagt, dass er deshalb diese vierwöchige Trainingszeit absolvieren sollte. Danach konnte er eine Einstellung finden bei der es ganz weg war, weil das Ohr trainiert worden sei.

Als Laie kann ich das nicht nachvollziehen, denn diese Hörwahrnehmung kommt nicht von meinen Ohren, sondern von den Hörgeräten. Denn das gab es weder bei den Geers-Geräten, noch bei den Widex. Die Ohren an etwas zu gewöhnen, das von den Hörgeräten erzeugt wird, kann doch nicht richtig sein.

@Universaldilettant, es würde mich freuen wenn Du Zeit und Lust hättest, mich zu erhellen.
 
Hast du auch schon die Klänge an deinem Digitalpiano ausprobiert ?
Ich brauche noch kein Hörgerät aber ich höre an akustischen Klavieren auch manchesmal so seltsame rätselhafte Tonänderungen.
 
Hast du auch schon die Klänge an deinem Digitalpiano ausprobiert ?

Bisher nicht, weil ich daran immer ohne Hörgeräte und mit Kopfhörer zugange bin. Aber Dein Gedanke ist gut, ich habe es ausprobiert: Auch mit Hörgeräten (oder gerade deshalb) finde ich den Klang des Klaviers ohne Kopfhörer unangenehm. Aber mit Kopfhörer und Hörgeräten ist er besser, aber auch dabei gibt es, wenn ich lauter stelle, diesen "schwabbelige" Klavierklang.

Dieses terzo hat anscheinend etwas mit der Verarbeitung der Höreindrücke im Gehirn zu tun. Erst nach diesem vierwöchigen Training werden - laut Information der KL des betreffenden Schülers - die Geräte ausgesucht. Das Hirn scheint nicht genutzte Frequenzen nicht (mehr) verarbeiten zu können. Das Training soll diese ungenutzten Frequenzen wieder hörbar machen. Laut Wahrnehmung des Schülers habe sich das Hören sehr zum Positiven verändert. Laut Aussage der KL hat sich dadurch auch seine Stimme verändert und seine Körperhaltung sei jetzt sehr entspannt. Meine Vermutung ist aber eher, dass es am besseren Hören liegt. Denn damals war es für mich eine Offenbarung, als ich direkt am ersten Tag mit Hörgeräten einem Klavierabend beigewohnt habe.
 
Könnte mir vorstellen dass du Resonanzen aus dem Haus wahrnimmst, ansonsten müsste es mit Kopfhörer ja auch hörbar sein.
 
@Marlene

Mit Terzo habe ich mich nicht näher auseinander gesetzt.. Grundsätzlich ist aber jede Art von Hörtraining in Verbindung mit Hörgeräten dazu gedacht, das "Mehr" an akustischer Information durch die technische Unterstützung auch sinnvoll auditiv verarbeiten zu können. Insbesondere bei den typischen "Alters"-Schwerhörigkeiten hat ja eine oft jahrelange Hörentwöhnung statt gefunden, bei der gewisse Gehirn Areale im Bereich Verarbeitung und Wahrnehmung schon abgebaut haben.
Durch das Hörtraining werden diese Areale wird gezielt stimuliert um insbesondere das Sprachverstehen in schwieriger Akustik und die Toleranz gegenüber manchmal auch nervigen akustischen Realität zu trainieren.
Deine Wahrnehmung von Klaviertönen ist aller Wahrscheinlichkeit eher nicht durch ein Trainung zu kompensieren, sondern hat technische Ursachen (Zusammenspiel von Mikrofon, Verstärkungsstrategie und Hörertechnoligie).
Da hattest du ja schon gemerkt, dass verschiedene HG da völlig unterschiedlich mit umgehen.
 
Könnte mir vorstellen dass du Resonanzen aus dem Haus wahrnimmst, ansonsten müsste es mit Kopfhörer ja auch hörbar sein.

Ist es doch…

(…) aber auch dabei gibt es, wenn ich lauter stelle, diesen "schwabbelige" Klavierklang.

Grundsätzlich ist aber jede Art von Hörtraining in Verbindung mit Hörgeräten dazu gedacht, das "Mehr" an akustischer Information durch die technische Unterstützung auch sinnvoll auditiv verarbeiten zu können. Insbesondere bei den typischen "Alters"-Schwerhörigkeiten hat ja eine oft jahrelange Hörentwöhnung statt gefunden, bei der gewisse Gehirn Areale im Bereich Verarbeitung und Wahrnehmung schon abgebaut haben.

Eine Hörentwöhnung hat insbesondere in meiner neuen Heimat stattgefunden. Denn die Hörgeräte habe ich - bis zum Beginn der aktuellen Testphase - nur noch beim Klavierspielen angelegt. Hier ist es sehr ruhig, es gibt kaum Verkehr, am PC höre ich meist Klassik. Die Musik und das Klackern der PC-Tastatur sind die Hauptgeräusche. Und - immer pünktlich zu hören - das Signalhorn der Hunsrückbahn. Deren Fahrer sind angehalten, vor dem die Gleise kreuzenden Wanderweg auf sich aufmerksam zu machen. Die sich nähernde Bahn ist ein guter Hörtest, anfangs nur ganz leise zu hören. Fährt er in Doppeltraktion? Den Unterschied konnte ich bisher nicht hören. In welcher Richtung ist er unterwegs? Auch das ist nicht ganz einfach herauszuhören. Er wird wieder leiser und lauter, weil er im kurzen Tunnel verschwindet, dann ab und zu das Geräusch der Räder auf den Schienen, der Dieselmotor und dann Pfeife oder Signalhorn - je nach dem wie der Fahrer aufgelegt ist oder was sich neben den Gleisen am Wanderweg tut. Dass diese Warnung auch noch am späten Abend zu hören ist entlockt mir immer wieder ein Schmunzeln. Aber Pflicht ist Pflicht: Das Schild mit dem P steht neben den Gleisen und dann muss die Pfeife erklingen (oder das Signalhorn, je nach Bedarf). Morgens um kurz vor halb sechs geht es wieder los, aber ich mag die "knuffige" Bahn.

Den Sinn einer Hörschulung kann ich nachvollziehen aber nicht, dass es die HNO-Ärzte und Hörgeräte-Akustiker nicht erwähnen. Weder mein HNO-Arzt in Köln, noch der hiesige haben die Gehörschulung erwähnt. Das gleiche gilt für die beiden Akustiker (Phonak, Bernafon) in meiner Nähe. Und der aktuelle (Widex, Signia) hat dazu nichts weiter gesagt (außer, dass dieses Training nichts mit der Auswahl eines bestimmten Hörgerätes zu tun habe).

Deine Wahrnehmung von Klaviertönen ist aller Wahrscheinlichkeit eher nicht durch ein Trainung zu kompensieren, sondern hat technische Ursachen (Zusammenspiel von Mikrofon, Verstärkungsstrategie und Hörertechnoligie).
Da hattest du ja schon gemerkt, dass verschiedene HG da völlig unterschiedlich mit umgehen.

Interessant ist, dass es dem Akustiker vor Ort nicht gelungen ist, die Bernafon anzupassen. Leider gibt es für diese Geräte keine App um die Klänge - wie bei den Widex - anzupassen.

Zurück zu den "Schwabbelklängen". Gestern Abend wurden bei einem Musikdinner Werke der letzten 500 Jahre auf einer Konzertharfe dargeboten. Während die Musik erklang sind die Unterhaltungen verstummt. Das etwa zehn Meter entfernt stehende Instrument habe ich als so laut wahrgenommen, dass ich die Lautstärke reduzieren musste (obwohl noch die am Flügel verwendete eingestellt war). Aber: Die Klänge waren absolut rein, unverfälscht und klar zu hören.

Jetzt wäre es interessant, wenn jemand anderes bei mir spielte. Denn dieses "Schwabbeln" der Klänge habe ich nicht wahrgenommen, als bei meinem Herbsttreffen andere gespielt haben. Dies war auch nicht der Fall, als ich fast den Kopf unter den leicht geöffneten Deckel gesteckt habe, während z.B. Robert Skrjabins op. 9 gespielt hat.

Es ist doch seltsam: Schwabbelnde Klänge der Bernafon-Hörgeräte wenn ich selber gespielt habe, klare Klänge wenn diese jemand anderes erzeugt hat. Es wäre interessant herauszufinden, ob sich die Signia genauso verhalten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Den Sinn einer Hörschulung kann ich nachvollziehen aber nicht, dass es die HNO-Ärzte und Hörgeräte-Akustiker nicht erwähnen. Weder mein HNO-Arzt in Köln, noch der hiesige haben die Gehörschulung erwähnt. Das gleiche gilt für die beiden Akustiker (Phonak, Bernafon) in meiner Nähe. Und der aktuelle (Widex, Signia) hat dazu nichts weiter gesagt (außer, dass dieses Training nichts mit der Auswahl eines bestimmten Hörgerätes zu tun habe).
Falls man nicht sein ganzes Beratungssystem darauf aufbaut (wie bei Terzo), dann ist ein Hörtraining immer nur eine zusätzliche Option, welche bei speziellem Bedarf(z.B. Sprachverstehen trotz ausgereizter hochwertiger Technik nicht zufriedenstellend) angeboten werden kann.

Ansonsten würde man den Hörgerätekauf unnötig kompliziert, zeitaufwendig und damit auch teurer machen, wenn der Bedarf überhaupt nicht da ist... und da hat keiner (weder Akustiker noch HG Träger) dann so richtig was davon.

Deshalb kann man sich beruhigt auch eine Hörgeräteversorgung anschaffen, ohne jemals was von Hörtraining, Gehörtraining, Hörschulung, Hörstrategie etc... gehört zu haben.
 
Nach dem einstündigen Termin bin ich um etwa EUR 14.000,00 wertvoller dort hinausspaziert. Er hat mir wieder die Widex mitgegeben und zusätzlich zwei Signia (Styletto und AX 5). Grund dafür war meine Bitte sie ausprobieren zu dürfen.

Heidewitzka: 14000€ :dizzy:
Ist das der Wert aller Geräte, die du zum Ausprobieren mitbekommen hast, oder handelt es sich um ein einziges System?

Da werde ich wohl von nun an die Lautstärke des DPs auf max. 20 % drehen, um die eventuelle Notwendigkeit eines einigermaßen "klavierkonformes" Hörgerät in der Zukunft soweit wie möglich abzuwenden.
 

Zurück
Top Bottom