Wie komme ich vom zwangsläufigen Auswendigspielen weg???

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Debbie digitalis

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Hallo miteinander,

ich hatte heute nachmittag wieder mal Klavierstunde (und auf diese freue ich mich ehrlich gesagt auch immer) - doch heute war es ziemlich frustrierend. Ich war zwar gut vorbereitet, hatte meine Stücke (ein längeres, anspruchsvolleres (Klassik) und ein kürzeres, leichteres (Pop) gut geübt und habe beide auch fließend vorgespielt. Eigentlich dachte ich, dass der Vortrag gut gewesen wäre :D
Was war jedoch der Kommentar meiner KLin: "Musst denn immer alles auswendig spielen??" Ich hatte zwar offenbar nicht schlecht vorgespielt, jedoch irgendwo mal eine Pause nicht richtig ausgehalten und auch an einer Stelle mal ein d statt eines f gespielt (was harmonisch aber nicht störte). Sicher, so soll es nicht sein! Aber sollte ich deswegen meine gesamte Lerntechnik umkrempeln?

Meine KLin antwortete auf die Frage, dass ich es lernen müsste, zwar auswendig zu spielen, aber dennoch dabei die Noten mitverfolgen zu können, so dass man immer weiss, an welcher Stelle im Notentext man sich gerade befindet und man sich dann dort orientieren kann.

Bei mir ist das leider ganz anders. Wenn ich ein neues Stück erarbeite, schaue ich auf die Noten und versuche, die richtigen Tasten blind zu finden. Da dies dann natürlich zu langsam und stockend ist, schaue ich mir die einzelnen Takte dann genauer an, übe sie einzeln und schaue dabei auf die Tasten. Am Ende des Lernprozesses kann ich das ganze Stück auswendig, allerdings muss ich dabei auf die Tasten schauen, denn der Fortgang des Stücks hängt bei mir von den Griffbildern ab. Auch wenn ich Stücke, die ich schon kann und memorieren kann , sehe ich die Griffbilder und nicht die Noten.

Meine KLin meint, dass man es insbesondere für umfangreichere Stücke beherrschen müsste, sich von der Tastenaufsicht zu entfernen. Man soll eben auf die Noten schauen und ab und zu (bei schwierigeren Stellen) einen Blick auf die Tasten werfen. Für mich würde das ein völliges Umlernen für alle Stücke die ich bereits kann bedeuten und natürlich auf für das Erlernen neuer Stücke.

Andererseits leuchtet mir die Sache natürlich ein. Ich habe in jungen Jahren die Zehn-Finger-Blindschrift gelernt und bin darin auch heute noch superschnell. Auch habe ich in der Jugend Konzertgitarre spielen gelernt und habe nie dabei weder auf die rechte noch auf die linke Hand schauen müssen.

Vielleicht ist diese "Sichtkontrolle" beim Klavierspielen ein Spätanfängerproblem??? - manchmal denke ich, dass es genauso unmöglich ist, wie beim Tanzen auf die Füße zu schauen?:rolleyes:

LG

Debbie digitalis
 
K

kristian

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Hallo Debbie,

ein denkbarer Ansatzpunkt könnte sein, das vom-Blatt Spiel (natürlich unbekannter Stücke) möglichst viel zu praktizieren. Da bleibt Dir nichts anderes übrig, als auf die Noten zu schauen. Dabei spielt es meiner Meinung keine Rolle, ob Dein Tempo dem jeweils angedachten Vortrag des gewählten Stückes entspricht, sondern dass Du sicher im richtigen Rhythmus und mit korrekten Noten durchkommst. Vielleicht kann Dir Deine KL entsprechende Literatur empfehlen, die Deinen Möglichkeiten entsprechen.

Viele Grüße,
Kristian
 
Klavirus

Klavirus

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Hi Debbie,

bei dem Thema fühle ich mich angesprochen!
Aber meine KL hat es inzwischen eingesehen, dass ich alles(!) auswendig spiele. Ich gebe ihr auch die Noten, da sie mich mit dem Umblättern immer nervös macht (ich blättere nie um, das nervt, wenn Du z.B. wegen einer Wiederholung hin- und zurück und wieder hinter blättern musst, da komme ich manchmal raus, wenn das die KL tut :lol:)

Hast Du mal ein Video einer Unterrichtseinheit, z.B. Meisterklasse, gesehen? Dort hat nur der Lehrer die Noten, denn der kann und muss nicht alle Stücke seiner Schüler auswendig parat haben- auch wenn viele das doch können.

Das "Vom-Blatt-Spielen" gehört meiner Meinung nach in eine andere Kategorie und würde mir nur helfen, das Stück schneller auswendig zu lernen!

Richtige Vom-Blatt-Stücke, die ich von Anfang an nur mit Noten durchübe, kann ich nie auswendig.

Ich finde, man sollte es als eine besondere Fertigkeit betrachten, schnell auswendig zu lernen und das auch ausbauen. Auch sollte man sich fragen, was man am Klavier erreichen will (Korrepetition studieren?). Ist das Vom-Blatt-Spielen natürlich ein Ziel von Dir, dann würde ich es gesondert üben. Aber Stücke, die inwendig gespielt werden sollen, gehören auswendig gelernt!

Vielleicht solltest Du zum Lernen der Griffbilder noch andere Auswendiglern-Praktiken anwenden, wie das harmonische Verständnis des Stückes usw. aber prinzipiell finde ich nichts verwerfliches daran. Und meistens kann auch ein Nur-Vom-Blatt-Spieler schlecht auswendiglernen...

Mit dem Schreibmaschineschreiben bzw. an der PC-Tastatur hat das wohl wenig zu tun. Denn Du musst doch den Text nicht so oft abschreiben, bis er in Ordnung ist, sondern nur ein mal. Und genau das ist für mich der Sinn des Vom Blatt-Spiels: das Stück einmal spielen... (damit gehe ich mit Kristian konform)

Klavirus
 
hasenbein

hasenbein

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Also, erstens: Das geht nicht, daß Dir Deine Klavierlehrerin nur sagt, was Du ihrer Meinung nach können solltest, aber Dich nicht konkret anleitet, wie Du dorthin kommst. Insofern schon mal Fehler der Lehrerin.

Zweitens: Grundsätzlich ist am Auswendigspielen, wie Du es schilderst, doch nichts Verkehrtes. Wolltest Du Berufsmusikerin werden oder so, dann wäre es ungünstig. Aber so? Ist doch egal! Und beim Auswenigspielen hat man mehr von seiner Aufmerksamkeit übrig, um das Entscheidende - den Klang - wahrzunehmen, beim An-den-Noten-Kleben aber nicht!

Wie ist es denn genau bei Dir? Wenn Du auswendig spielst und irgendwo rauskommst und nicht weiterweißt, weißt Du dann gleich, an welcher Stelle in den Noten du gucken mußt? Oder mußt Du ganz lange suchen? Letzteres wäre natürlich ungünstig.

Drittens: Um nach Noten ohne Auf-die-Tasten-Gucken spielen zu können (was für Profis in der Tat wichtig ist, auch zum Blattspielen unabdingbar), muß man ja überhaupt erstmal wissen, wie Ohne-auf-die-Tasten-gucken-Spiel überhaupt funktionieren kann. Dazu gibt es zumindestens 2 Kriterien:

1) Man muß sich das Griffbild geistig vorstellen können.
2) Man muß das Gucken durch Fühlen der Tasten (Orientierung erfolgt an den schwarzen Tasten, die ja charakteristisch gruppiert sind) plus geistiger Vorstellung des Griffbildes ersetzen.

Dazu würde ich Dir empfehlen, mal blind spielen zu üben. Macht übrigens Spaß, weil der Klang viel lebendiger wirkt, wenn man sich ganz aufs Hören konzentriert. Man kann zwar die Augen einfach zukneifen, effektiver und entspannter ist es aber, sich die Augen zu verbinden (z.B. mit so einer Schlafbrille). Erstmal mit ganz einfachen Stücken anfangen. Nützlicher Nebeneffekt: Man muß gezwungenermaßen lernen, die Finger dabei entspannter zu lassen, da man mit verkrampften Fingern zu wenig fühlt und dauernd daneben greift.

Man kann sich dazu auch mal Videos blinder Pianisten (George Shearing, Ray Charles etc.) angucken, um zu sehen, wie die an die Tasten rangehen (sie sind in viel intimerem Tastenkontakt, was neben der Notwendigkeit für die Treffsicherheit auch noch zu einem angenehmeren Klang führt).

Ich kenne bei manchen meiner Schüler eher ein umgekehrtes Problem als bei Dir: Die spielen nach Noten, glotzen angestrengt in die Noten und langen dauernd daneben. Bei denen hilft stets zu sagen: Du kannst doch sicherlich das meiste bereits auswendig, also guck doch lieber bei den schwierigen Stellen auf die Tasten statt in die Noten! Schon können sie's fehlerfrei spielen.

Weder "in die Noten gucken" noch "auf die Tasten gucken" oder "nicht auf die Tasten gucken" sind festgemeißelte Vorschriften. Im Normalfall ist "intelligentes Blickmanagement" die richtige Devise. Und optimalerweise spielt man auswendig ohne auf die Tasten zu schauen und ist mit seiner Aufmerksamkeit voll im Klang.

Selbst Wilhelm Kempff, der oft beim Spielen einfach "in die Ferne" guckte oder die Augen schloß, hat manchmal zwischendurch auf die Tasten geguckt. Why not!

LG,
Hasenbein
 
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chiarina

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Hallo Debbie digitalis,

ich kann allen Vorgängern nur zustimmen. Hasenbeins Vorschlag, blind zu üben, finde ich klasse. Ebenso ist vom-Blatt-Spielen nicht schlecht.

Auch ich kann dich nur beruhigen: wie man Stücke memoriert, ist sehr unterschiedlich und hängt auch von angeborenen Begabungen ab. Ein Studienkollege von mir z.B. hat sich genau wie du vorwiegend an den Griffbildern der Finger auf den Tasten orientiert und nie Probleme bekommen. Ich dagegen bin der photographische Typ und sehe die Noten beim Auswendigspielen quasi vor mir. Gegen seine Begabung anzulernen, bringt gar nichts. Man kann bei Problemen allerdings versuchen, andere Formen des Memorierens zusätzlich anzuwenden.

Viele Grüße

chiarina
 
Guendola

Guendola

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"Meine KLin antwortete auf die Frage, dass ich es lernen müsste, zwar auswendig zu spielen, aber dennoch dabei die Noten mitverfolgen zu können"

Da steht eigentlich schon eine Anleitung: Da du die Stücke ja anscheinend sehr schnell auswendig kannst, bleibt dir nur noch, mitzulesen. Es geht nicht darum, vom Blatt spielen zu können, das ist wieder eine andere Disziplin. Es geht einfach darum, zu kontrollieren, was du spielst. Wenn du ein Stück perfekt auswendig kannst, sind Noten völlig überflüssig. Aber du sagst ja selbst, daß ein paar Töne falsch waren, Pausen nicht korrekt eingehalten und so weiter. Klassische Musik bietet zwar große Freiheiten in der Interpretation aber der Notentext ist nun mal vorgegeben, damit man sich daran hält. Transkriptionen von Popmusik "vertragen" zwar im Prinzip große künstlerische Freiheiten auch im Umgang mit dem Notentext, manche schreien geradezu danach, aber diese Freiheiten sind ja leider seltenst Bestandteil des Unterrichts.

Die Anleitung ausformuliert: Stelle die Noten aufs Pult und spiele so langsam, daß du den Notentext während des Spielen verfolgen kannst. Dazu gehören nicht nur die Tonhöhen, Ton- und Pausendauern, Artikulation, Tempo und die übrigen gedruckten Vortragsanweisungen sondern - und das ist besonders interessant - auch deine persönlichen Notizen, z.B. Fingersätze, Atempausen, Eselsbrücken und so weiter. Logischerweise mußt du auch darauf achten, ob du so spielst, wie es im Text steht. Das Mitlesen will geübt sein, dann kann man bald auch im Originaltempo spielen. Es geht auch darum, daß man das Stück so gut wie möglich kennenlernt. Genauso, wie ein Hörer immer wieder Neues in einer Aufnahme des selben Stückes entdecken kann, kann man auch beim Lesen des Notentextes immer wieder fündig werden. Und "fündig werden" bedeutet noch lange nicht, daß man es beim Spielen auch berücksichtigt. Aus diesem Grunde ist das schnelle Auswendig Spielen eben nicht optimal. Selbst, wenn man noch sehr einfache Stücke spielt, schult das Spielen mit Noten auch die Sinne dafür, die Noten genauer zu lesen und umzusetzen. Später wird diese Fähigkeit immer wichtiger und wenn sie dann nicht gut entwickelt ist, hat man viel mehr Arbeit.

PS: Wenn eine Klavierlehrerin "einsieht", daß ein Schüler grundsätzlich auswendig spielen darf, hat sie eigentlich eingesehen, daß ein Bestandteil des Unterrichtes nicht vermittelt werden kann.
 
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Debbie digitalis

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Hallo miteinander,

vielen Dank für all die ausführlichen Antworten zu meiner Frage nach dem Auswendigspielen und Auf-die-Tasten-Schauen.

Wie mir Eure Beiträge - und insbesondere der von Klavirus - zeigen, bin ich ja wohl nicht die einzige, die auswendig spielt ohne dabei in die Noten zu schauen.

Allerdings möchte ich es dennoch lernen, das auswendig Gespielte beim Spielen anhand des Notentextes kontrollieren zu können.

Eure Vorschläge, zu diesem Zwecke Stücke, die man auswendig kann zunächst einmal blind zu spielen bzw. ganz langsam vom Notenblatt abzuspielen erscheinen mir da ganz hilfreich.

Hasenbeins Frage, ob ich, wenn ich beim Auswendigspielen mal rauskomme, weiss, an welcher Stelle ich in den Noten nachschauen muss kann ich folgendermaßen beantworten:
Ich weiss dann schon genau, an welcher Stelle des Notentextes ich rausgeflogen bin. Da ich beim Auswendigspielen aber immer die Griffbilder vor meinem geistigen Auge habe und auch auf die Tasten schaue, hilft es mir eigentlich nichts, dass ich weiss, wo ich im Notentext gerade bin. Das Umschalten vom "Denken in Griffbildern" auf "Noten abspielen" dauert einfach zu lange, um das Spiel dann ohne eine Beeinträchtigung des Spielflusses und des Tempos fortzusetzen.

Übrigens hat mir meine KLin zu diesem Thema erzählt, dass es mittlerweile wohl eine Klavierschule gibt, nach deren Methodik die Tastatur anfangs komplett verdeckt wird, damit der Schüler schon von vorneherein nicht so abhängig von der Tastenansicht wird:rolleyes:.

LG

Debbie digitalis
 
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andreasb

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Ich glaube, dass man hier einfach differenzieren muss.

Das AUSWENDIG spielen ansich ist ja zumindest meiner Meinung nach eine sehr wünschenswerte Sache.

Aber das du immer auf die TASTEN sehen musst, ich denke, das ist kontraproduktiv.

Right?
 
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chiarina

Guest
Ich weiss dann schon genau, an welcher Stelle des Notentextes ich rausgeflogen bin. Da ich beim Auswendigspielen aber immer die Griffbilder vor meinem geistigen Auge habe und auch auf die Tasten schaue, hilft es mir eigentlich nichts, dass ich weiss, wo ich im Notentext gerade bin. Das Umschalten vom "Denken in Griffbildern" auf "Noten abspielen" dauert einfach zu lange, um das Spiel dann ohne eine Beeinträchtigung des Spielflusses und des Tempos fortzusetzen.

Übrigens hat mir meine KLin zu diesem Thema erzählt, dass es mittlerweile wohl eine Klavierschule gibt, nach deren Methodik die Tastatur anfangs komplett verdeckt wird, damit der Schüler schon von vorneherein nicht so abhängig von der Tastenansicht wird:rolleyes:.

LG

Debbie digitalis



Hallo Debbie digitalis,

wahrscheinlich meint deine Klavierlehrerin diese Uraltschule von Schaum , bei der der arme Schüler von Anfang an einen Papierumhang trägt, der die Tasten und Hände verdeckt ....! Ich glaube, der Umhang heißt Tastenfinder o.ä.. :rolleyes:

Neben dem sehr guten Vorschlag von Guendola, langsam nach Noten zu spielen, könntest du auch versuchen, bei allen Phrasenanfängen und Formabschnitten (oder auch bei jedem Takt) nach Noten anfangen zu können. Kreuz und quer durchs Stück, nicht immer von vorn nach hinten.

Dem Versuch, blind zu spielen, würde ich nichtsdestotrotz eine große Priorität einräumen.

Viele Grüße

chiarina
 
Guendola

Guendola

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Neben dem sehr guten Vorschlag von Guendola, langsam nach Noten zu spielen...

Es geht nicht darum, langsam nach Noten zu spielen, sondern darum, das auswendig Gelernte anhand der Noten zu überprüfen, bis man wirklich sicher ist, daß man richtig auswendig gelernt hat. Langsam nur deswegen, weil es anfangs schwer fallen könnte, den Text im Originaltempo mitzulesen.
 
P

pianoboe

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Hast Du mal ein Video einer Unterrichtseinheit, z.B. Meisterklasse, gesehen? Dort hat nur der Lehrer die Noten, denn der kann und muss nicht alle Stücke seiner Schüler auswendig parat haben- auch wenn viele das doch können.

Für mich ist das kein gültiges Argument, um nicht mit Noten spielen zu können. Es wird zwar in aller Regel jeder sein Stück bei einer Meisterklasse auswendig spielen, aber das heißt noch lange nicht, dass die Teilnehmer es nicht mit Noten spielen könnten.

Wie Guendola schon sagte: das Spielen eines auswendiggelernten Stückes mit Noten ist eine sehr gute Kontrolle des eigenen Spiels. Es fallen einem dann oft Kleinigkeiten auf, auf die man vorher gar nicht geachtet hat.
 
D

Debbie digitalis

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Wie Guendola schon sagte: das Spielen eines auswendiggelernten Stückes mit Noten ist eine sehr gute Kontrolle des eigenen Spiels. Es fallen einem dann oft Kleinigkeiten auf, auf die man vorher gar nicht geachtet hat.

Hallo miteinander,

gerade deswegen will ich ja auch lernen das Auswendiggelernte auch mit Noten spielen zu können.

Zitat von chiarina:
Neben dem sehr guten Vorschlag von Guendola, langsam nach Noten zu spielen, könntest du auch versuchen, bei allen Phrasenanfängen und Formabschnitten (oder auch bei jedem Takt) nach Noten anfangen zu können. Kreuz und quer durchs Stück, nicht immer von vorn nach hinten.

Das werde ich auch probieren, erscheint mir auch sehr hilfreich!

Zitat von chiarina:
wahrscheinlich meint deine Klavierlehrerin diese Uraltschule von Schaum , bei der der arme Schüler von Anfang an einen Papierumhang trägt, der die Tasten und Hände verdeckt ....! Ich glaube, der Umhang heißt Tastenfinder o.ä.

Ich werde mal nachfragen, ob es diese ist, oder eine andere neuere. Jedenfalls hat meine KLIn so etwas nicht im Programm, fand sie auch zu übertrieben.:D

LG

Debbie digitalis
 
H

HotBird93

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Hallo Debbie,
du scheinst ja ein richtiger Clon von mir zu sein :D
damals als ich mit gitarre angefangen hab musste ich auch immer auf meine beiden hände kucken, schon beim akkorde spielen. Tabs konnte ich dann also vergessen :D (is heute aber zum glück anders)
Beim klavier war ich genau so wie du. Ich hab auch sämtlcihe stücke auswendig gelernt, weil ich beides gleichzeitig nicht konnte.
Meine Rechtfertigung "Ich bin ein Mann und kann nicht beides gleichzeitig"
wurde dann durch meinen Klavierlehrer widerlegt der ohne probleme stücke für die ich tage oder sogar wochen(!) brauchte komplett fehlerfrei, sauber und schnell beim ersten mal vom blatt spielte.
auch ihn hat es generft adss ich auswendig spiele, deswegen hat er dann
eine "sichtblende" hingehalten und ich musste mich so durchquälen.
Aber ich muss sagen, es hat EINE MENGE geholfen. Ich kann zwar nicht schnell vom blatt spielen aber es geht.
Du musst einfach nur ein besseres gefühl für die tasten kriegen.
Wenn du viel spielst, weißt du automatisch wo welche taste liegt und musst nicht überlegen oder hingucken. genau so wie am pc.
Sonst wird dir das so wie mir zum verhängnis. Bei Bachs Toccata und Fuge (auf der Orgel) fehlt mir nur noch die letzte von 17 seiten und teilweise die pedalisierung der fuge, ich verusch schon seit wochen sie mir einzuprägen aber es ist aus - die maximale speicherkapazität ist voll ^^
 
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hasenbein

hasenbein

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Das stimmt, HotBird.

Mit dem Ohne-Hingucken-Spielen ist es in der Tat wie beim Blindschreiben am PC. Man hat zwar eine größere Fläche, wodurch das Treffen schwieriger ist, aber das Prinzip ist genau das gleiche.

Leute, die tippen lernen, beschweren sich ja auch nicht, sondern üben so lange, bis es geht. Da schafft es jeder, der eine kann's dann ein bißchen schneller, der andere ein bißchen langsamer, aber jeder kann's.

Das meiste an Blindspiel-Problemen oder auch Notenleseproblemen ist reine Faulheit. Leute, die das wirklich aufgrund irgendwelcher körperlich-geistiger Voraussetzungen nicht richtig lernen können, sind sehr selten.

Mal ehrlich, die allermeisten üben Blindspielen / Notenlesen nicht (bzw. nicht genug), weil es ihnen einfach keinen Spaß macht. Sie wollen einfach möglichst schnell ein paar nette Töne erzeugen, deswegen haben sie mit Musik angefangen. Auf so "trockenen" oder "theoretischen" Kram haben sie keinen Bock. Und dann behaupten sie irgendwann, sie seien "einfach nicht talentiert zum Notenlesen" oder so was.

LG,
Hasenbein
 
Klavirus

Klavirus

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PS: Wenn eine Klavierlehrerin "einsieht", daß ein Schüler grundsätzlich auswendig spielen darf, hat sie eigentlich eingesehen, daß ein Bestandteil des Unterrichtes nicht vermittelt werden kann.

Der Ball ging wohl an mich?
Mit einsehen meinte ich, dass meine KL nun gemerkt hat, dass ich wirklich jedes Stück, welches ich üben soll, beim nächsten Mal auswendigspiele und nicht von den Noten "abstoppele". Und dabei weiß ich sehr wohl, wo ich gerade bin! Denn die Noten habe ich ja vor der Nase! Das "Nicht-mehr-wissen-wo-man-ist" kommt leider auch manchmal, wenn man versäumt, ab und zu in die Noten zu schauen...:floet: Dem lässt sich aber abhelfen, und bisher hatte ich noch nie ein Blackout beim Vorspielen, Verspieler allerdings massenhaft, die aber nicht vom mangelndem Auswendiglernen stammen sondern eher eine Konzentrationslücke darstellen.

Das Vom-Blatt-Spielen ist für mich wirklich eine ganz andere Disziplin. Ich bemühe mich wirklich, durch das einmalige Anspielen vieler verschiedener Stücke das zu erlernen und merke auch Fortschritte. Aber Stücke, die ich für Vorspiel-wertvoll halte, lerne ich strikt von Anfang an auswendig (ohne Gnade).

Und die ganze Diskussion ist sowieso 1. schon 100 Mal abgehandelt und 2. als wenn man die vielzitierten Äpfel mit Birnen vergleicht...

Klavirus
 
Guendola

Guendola

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Und dabei weiß ich sehr wohl, wo ich gerade bin! Denn die Noten habe ich ja vor der Nase! Das "Nicht-mehr-wissen-wo-man-ist" kommt leider auch manchmal, wenn man versäumt, ab und zu in die Noten zu schauen...
Das Vom-Blatt-Spielen ist für mich wirklich eine ganz andere Disziplin...

Wie gesagt, ich propagiere nicht, das Auswendigspielen zu verdammen, ich propagiere lediglich zu lernen, seinem eigenen Spiel anhand der Noten zu folgen. Eine ähnliche Disziplin besteht darin, sich selbst zuzuhören ;)
 
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Debbie digitalis

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Hallo Debbie,
du scheinst ja ein richtiger Clon von mir zu sein :D
damals als ich mit gitarre angefangen hab musste ich auch immer auf meine beiden hände kucken, schon beim akkorde spielen. Tabs konnte ich dann also vergessen :D (is heute aber zum glück anders)
Beim klavier war ich genau so wie du. Ich hab auch sämtlcihe stücke auswendig gelernt, weil ich beides gleichzeitig nicht konnte.

Wenn du viel spielst, weißt du automatisch wo welche taste liegt und musst nicht überlegen oder hingucken. genau so wie am pc.
Sonst wird dir das so wie mir zum verhängnis. Bei Bachs Toccata und Fuge (auf der Orgel) fehlt mir nur noch die letzte von 17 seiten und teilweise die pedalisierung der fuge, ich verusch schon seit wochen sie mir einzuprägen aber es ist aus - die maximale speicherkapazität ist voll ^^


Halo Hotbird,

danke für deine Antwort!
Allerdings glaube ich nicht, dass ich ein Clon von dir bin. Beim Gitarrelernen in der Jugend ging es mir nämlich anders. Ich musste gar nicht auf die Hände schauen. Das kam erst später als ich im Erwachsenenalter angefangen habe, Klavierspielen zu lernen. Nun lerne ich meine Stücke beim Einstudieren quasi automatisch auswendig und befreie (???) mich damit von den Noten - was ich allerdings langfristig etwas ungünstig finde.

Ich staune, wenn ich höre, dass du von 17 Seiten Bach Toccata und Fuge 16 Seiten auf der O r g e l auswendig spielen kannst und dann an der letzten Seite scheiterst. Ich wäre beim Orgelspielen höchstwahrscheinlich schon viel früher gescheitert!:D

Ich bin der Ansicht, dass man bei den Auswendigspielern auch differenzieren muss. Solche, die von frühester Jugend an auswendig spielen können, sind wahrscheinlich von Anfang an an das "multitasking" gewöhnt. Das heisst, dass sie zwar auswendig spielen, aber kein Problem haben, dabei auch den Notentext zu verfolgen.

Anders ist es natürlich, wenn man das Klavierspielen erst im Erwachsenenalter lernt - dann ist man bereits viel vorbelasteter und hinterfragt ständig, ob das, was man gerade spielt, auch allen musikalischen Anforderungen entspricht. Und das gilt nicht nur für die Klavierstunde und Vorspiele, sondern auch für das Üben allein daheim. Daher verkürzt man den Lernprozess unbewusst, prägt sich das Stück (was mir und dir und vielen anderen offenbar auch leicht fällt) schnell auswendig ein und übt dann mit dieser auswendigen, vom Notentext abgelösten Struktur weiter. Aber das bedeutet natürlich auch einen Kontrollverlust - umso komplexer die Stücke werden, um so mehr kann verloren gehen.

Daher meine ich: So gänzlich dürfen wir uns vom Notentext nicht verabschieden. Wir müssen immer noch in der Lage sein
(beim V o r t r a g) eines Stücks mithilfe der Noten, sofern es Aussetzer geben sollte, weiterzukommen.

LG

Debbie digitalis
 
rolf

rolf

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Wie gesagt, ich propagiere nicht, das Auswendigspielen zu verdammen, ich propagiere lediglich zu lernen, seinem eigenen Spiel anhand der Noten zu folgen. Eine ähnliche Disziplin besteht darin, sich selbst zuzuhören ;)

Und da hast Du recht.

Allerdings gibt es für das den Noten beim spielen folgen eine Grenze: sehr schnelle und dabei schwierige Abschnitte.

Das ist wie mit Fahrradfahren: man glotzt ja nicht permanent stur auf die Straße ;) - aber wehe, man läßt sich ablenken, schaut ganz woanders hin und bemerkt die Schlaglöcher nicht... :D

...und je genauer man die Noten verinnerlicht hat, umso weniger muss man sie sich auf dem Papier anschauen! Ich finde es sehr begrüßenswert, wenn man wie von allein sehr rasch sein Pensum ohne Noten ausführen kann - in diesem Sinn ist mir die Eingangsfrage dieses Fadens ehrlich gesagt völlig unverständlich!

Gruß, Rolf
 
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Debbie digitalis

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Und da hast Du recht.

Allerdings gibt es für das den Noten beim spielen folgen eine Grenze: sehr schnelle und dabei schwierige Abschnitte.

Das ist wie mit Fahrradfahren: man glotzt ja nicht permanent stur auf die Straße ;) - aber wehe, man läßt sich ablenken, schaut ganz woanders hin und bemerkt die Schlaglöcher nicht... :D

...und je genauer man die Noten verinnerlicht hat, umso weniger muss man sie sich auf dem Papier anschauen! Ich finde es sehr begrüßenswert, wenn man wie von allein sehr rasch sein Pensum ohne Noten ausführen kann - in diesem Sinn ist mir die Eingangsfrage dieses Fadens ehrlich gesagt völlig unverständlich!

Gruß, Rolf

Hallo Rolf,

naja, dir mag das unverständlich sein. Allerdings stehen in den Noten schon jede Menge Informationen und wenn man sehr schnell auswendig spielt und übt, dann gehen auch sehr schnell Informationen z.B. zur Dynamik oder auch zur exakten rhytmischen Gestaltung an schwierigen Stellen verloren!

LG

Debbie digitalis
 
rolf

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Allerdings stehen in den Noten schon jede Menge Informationen und wenn man sehr schnell auswendig spielt und übt, dann gehen auch sehr schnell Informationen z.B. zur Dynamik oder auch zur exakten rhytmischen Gestaltung an schwierigen Stellen verloren!

hallo,

spricht was dagegen, abwechselnd zu spielen und zu lesen? Mit der Zeit wirst Du gewiß aufnahmefähiger für die vielen im Notentext vorhandenen Informationen! Und das, also abwechselnd, schult auch das Gehör und das Vorstellungsvermögen.

Gruß, Rolf
 
 

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