Warum sind manche Stücke so bekannt?

Dieses Thema im Forum "Klavierspielen & Klavierüben" wurde erstellt von Stilblüte, 24. März 2007.

  1. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Es ist doch bemerkenswert und merkwürdig, dass gewisse Stücke eine so große Popularität erlangen, dass sie wirklich jeder kennt (z.B. eben Für Elise, Flohwalzer, Mondscheinsonate usw., auch einige Orchesterstücke), obwohl es tausend andere Stücke gibt, die (mindestens) genauso schön sind.
    Zufall?
    Kein Zufall?
    Falls das auch anderen auffällt und anderen dazu etwas einfällt, schreibt doch mal.

    Stilblüte
     
  2. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    Die unbekannten Stücken sind ja meistens besser :cool:

    Die bekannten sind eben leichter verständlich, haben ein prägnantes Anfangsmotiv oder es sind Stücke, die jeder selber mal in der Klavierstunde gespielt hat (Fröhlicher Landmann, Bach Menuett - das garnicht von Bach ist - etc.)
     
  3. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Findest du dass sie leichter sind als unbekannte?

    Ich meine jetzt nicht unbedingt "Klavier-Stunden-Stücke" wie z.B. den "wilden Reiter", den bestimmt 50% aller Klavierspieler schonmal gespielt haben oder spielen werden.
    Das (nicht-)Bachsche Orgelstück (d-moll Toccata glaube ich ist das), welches in jedem Film gespielt wird, in dem eine Orgel als Grusel-Atmosphäre schaffendes Werkzeug benutzt wird (was ist an Orgeln gruselig?? Der nicht vorhandene Friedhof um das Gebäude außenrum, in dem die Kirche steht?), kennt auch jeder. Und ich würde nicht behaupten, dass es so einfach ist. Oder der Entertainer! Der ist auch kein leichtes Stück, zumindest nicht die Orginalfassung.
    Die Vereinfachten Fassungen (fuchtbar sowas...) entstehen ja aber auch nur aufgrund der Bekanntheit ihrer "großen Brüder"...

    Stilblüte
     
  4. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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    Zur Ehrenrettung von Bach: die berühmte Orgeltoccata in d-moll ist natürlich von Bach. Ich meinte das Petzold-Menuett in G-dur aus dem Notenbüchlein.

    Ich denke, es gibt unterschiedliche Gründe, warum ein Stück berühmt wird. Manche sind eben als Klavierstunden-Hit bekannt geworden, andere durch einen bekannten Film und wieder andere durch die Fernsehwerbung :p
     
  5. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Ich habe da schon sehr gegenteiliges gehört und gerade mal nachgeschaut: http://de.wikipedia.org/wiki/Toccata_und_Fuge_d-Moll_BWV_565
    Wiki ist auch eher dagegen. Ich kenne mich in der Theorie nicht so aus, aber es gibt wohl einige Schwachstellen und "Fehler" in diesem Werk (bspw. Quintparallelen) die Bach niemals gemacht und so geschrieben hätte.
    Vielleicht stammt das Stück aus der Feder eines Schülers oder ist ein sehr frühes Werk von Bach?
    Womit wir übrigens schon wieder ein neues Thema im neuen Thema hätten :D

    Stilblüte
     
  6. Haydnspaß
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    Haydnspaß

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  7. Astrid
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    Astrid

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    um wieder auf die eigentliche Frage zurückzukommen......

    hallo Stilblüte,

    ich denke, es ist mit den klassischen Stücken so, wie heute mit den "Popsongs". Warum schafft es der eine auf Platz 1 der Hitparade und ein anderer, vielleicht viel schönerer (ist natürlich immer Geschmacksache), kommt überhaupt nicht rein?

    Vielleicht wurden früher gewisse Stücke (für Elise) einfach ständig gespielt und jeder hatte es irgendwann gehört, so dass es zu einem Ohrwurm wurde.

    Und das hat sich dann teilweise bis heute gehalten.

    Wie wäre es mit diese Theorie?

    Liebe Grüsse
    Astrid
     
  8. pille
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    pille

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    Ich denke Astrids Vergleich mit "Popsongs" bringt es auf den Punkt. Warum ist der ganze Kram von Brittney Spears (oder wie die heißt) so popoulär, es gibt hunderte fantastische Pop/Rockbands, in denen die Musiker ihre Instrumente wahrlich VIRTUOS beherrschen, aber keine Sau interessiert das, von einer kleinen Fangemeinde mal abgesehen. Oder die große Zahl von Studiomusikern, die wirklich was können, warum verdienen die kein Geld?
    Ich denke, es liegt, wie bereits erwähnt, an der Komplexität der Themen und ihrer Verarbeitung. Es muß eingängig sein, also nicht zu kompliziert, und sich ein paarmal wiederholen ohne zu abstrakt verarbeitet worden zu sein. Dann geht es der Masse ins Ohr, genau dieser Masse, die garnicht wirklich hinhört. Wer HÖRT schon Musik? In der Regel lassen sich die Leute davon so ganz nebenbei berieseln. Die die genau hinhören und das auch gewohnt sind, sind die, die in diesem Forum (und anderen Foren) schreiben. Aber man sollte sich klar machen, daß das die Minderheit ist. Musik ist sonst nur zum Beschallen beim Autofahren, während der Arbeit oder sonstwas gut. So frustrierend das klingen mag, so isses. Und genau dafür muß es eben einfach sein. Habt Ihr schonmal nen Arbeiter gesehen, der Brahms Op. 116 auf der Baustelle gehört hat? Die d-moll-Tocatta würde er schon eher hinnehmen, weil die ist eingäggig, genau deswegen wird sie auch immer wieder von Regiseuren für Gruselfilme gewählt. Ähnliches gilt für die Elise, für Schumanns Träumerei, für.......
    Mit diesen Stücken wären die Komponisten wohl auch heute noch zu respektablem Wohlstand gekommen.
    Hier sagte ja schon mal jemand: die Unbekannteren sind die schöneren. Stimmt! Aber Ihr alle könnt eben hören!!! Die anderen schlafen dabei ein, weils zu komplex ist.


    Cheers,

    Wolf
     
  9. Wu Wei
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    Wu Wei

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    Der Meinung schließen sich aber immer weniger an. Siehe zum Beispiel hier.


    Wie so oft sind es auch beim Historischen-Ohrwurm-Phänomen sicher verschiedene Zusammenhänge, die für deren epidemisches und generationenübergreifendes Auftreten verantwortlich sind. Zum einen sind es die inneren ästhetischen Prinzipien wie Einfachheit, Eingängigkeit etc. die für schnelles Wohlgefallen und leichtes Behalten sorgen; zum andern müsste man aber auch über die äußeren nachdenken, also welche Verbreitungsmechanismen für Musik in der jeweiligen Epoche gewirkt haben, wie Musik allgemein kommuniziert wurde. Wenn ein solches Stück es erst einmal in die einschlägigen Klavierschulen der Höheren Töchter geschafft hatte, war sein Siegeszug durch die guten Stuben schon mit guten Aussichten versehen.
     
  10. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    Ich denke, alle bekannten Stücke sind einfach gut (Betonung liegt dabei auch auf "einfach").
     
  11. chief
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    chief Guest

    Nicht zu vergessen:
    Das Gebet einer Jungfrau.
    Paradestück jeder höheren Tochter...... lach

    Gruß Chief
     
  12. Sabri
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    Sabri

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    hm,
    aber oft sind auch nur Teile aus den Stücken bekannt.

    Fängt man bei "Für Elise" mal in der Mitte an, erkennt es nicht jeder.
    Und bei der "Mondscheinsonate" ist eigentlich auch nur der erste Satz bekannt.
     
  13. Jonas
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    Jonas

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    Ich kannte fast mein ganzes Leben lang die Melodie vom Walkyrenritt, der auch Verwendung in der Werbung findet. (-->Red Bull)

    Aber erst vor kurzem habe ich herrausgefunden, dass diese Melodie eines klassischen Stückes eines Komponisten, mit dem ich persönlich nicht klar komme und nicht mag, entspringt.