Warum sind manche Stücke so bekannt?

Stilblüte

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Es ist doch bemerkenswert und merkwürdig, dass gewisse Stücke eine so große Popularität erlangen, dass sie wirklich jeder kennt (z.B. eben Für Elise, Flohwalzer, Mondscheinsonate usw., auch einige Orchesterstücke), obwohl es tausend andere Stücke gibt, die (mindestens) genauso schön sind.
Zufall?
Kein Zufall?
Falls das auch anderen auffällt und anderen dazu etwas einfällt, schreibt doch mal.

Stilblüte
 
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Die unbekannten Stücken sind ja meistens besser :cool:

Die bekannten sind eben leichter verständlich, haben ein prägnantes Anfangsmotiv oder es sind Stücke, die jeder selber mal in der Klavierstunde gespielt hat (Fröhlicher Landmann, Bach Menuett - das garnicht von Bach ist - etc.)
 
Findest du dass sie leichter sind als unbekannte?

Ich meine jetzt nicht unbedingt "Klavier-Stunden-Stücke" wie z.B. den "wilden Reiter", den bestimmt 50% aller Klavierspieler schonmal gespielt haben oder spielen werden.
Das (nicht-)Bachsche Orgelstück (d-moll Toccata glaube ich ist das), welches in jedem Film gespielt wird, in dem eine Orgel als Grusel-Atmosphäre schaffendes Werkzeug benutzt wird (was ist an Orgeln gruselig?? Der nicht vorhandene Friedhof um das Gebäude außenrum, in dem die Kirche steht?), kennt auch jeder. Und ich würde nicht behaupten, dass es so einfach ist. Oder der Entertainer! Der ist auch kein leichtes Stück, zumindest nicht die Orginalfassung.
Die Vereinfachten Fassungen (fuchtbar sowas...) entstehen ja aber auch nur aufgrund der Bekanntheit ihrer "großen Brüder"...

Stilblüte
 

Zur Ehrenrettung von Bach: die berühmte Orgeltoccata in d-moll ist natürlich von Bach. Ich meinte das Petzold-Menuett in G-dur aus dem Notenbüchlein.

Ich denke, es gibt unterschiedliche Gründe, warum ein Stück berühmt wird. Manche sind eben als Klavierstunden-Hit bekannt geworden, andere durch einen bekannten Film und wieder andere durch die Fernsehwerbung :p
 
Zur Ehrenrettung von Bach: die berühmte Orgeltoccata in d-moll ist natürlich von Bach.

Ich habe da schon sehr gegenteiliges gehört und gerade mal nachgeschaut: http://de.wikipedia.org/wiki/Toccata_und_Fuge_d-Moll_BWV_565
Wiki ist auch eher dagegen. Ich kenne mich in der Theorie nicht so aus, aber es gibt wohl einige Schwachstellen und "Fehler" in diesem Werk (bspw. Quintparallelen) die Bach niemals gemacht und so geschrieben hätte.
Vielleicht stammt das Stück aus der Feder eines Schülers oder ist ein sehr frühes Werk von Bach?
Womit wir übrigens schon wieder ein neues Thema im neuen Thema hätten :D

Stilblüte
 
um wieder auf die eigentliche Frage zurückzukommen......

hallo Stilblüte,

ich denke, es ist mit den klassischen Stücken so, wie heute mit den "Popsongs". Warum schafft es der eine auf Platz 1 der Hitparade und ein anderer, vielleicht viel schönerer (ist natürlich immer Geschmacksache), kommt überhaupt nicht rein?

Vielleicht wurden früher gewisse Stücke (für Elise) einfach ständig gespielt und jeder hatte es irgendwann gehört, so dass es zu einem Ohrwurm wurde.

Und das hat sich dann teilweise bis heute gehalten.

Wie wäre es mit diese Theorie?

Liebe Grüsse
Astrid
 
Ich denke Astrids Vergleich mit "Popsongs" bringt es auf den Punkt. Warum ist der ganze Kram von Brittney Spears (oder wie die heißt) so popoulär, es gibt hunderte fantastische Pop/Rockbands, in denen die Musiker ihre Instrumente wahrlich VIRTUOS beherrschen, aber keine Sau interessiert das, von einer kleinen Fangemeinde mal abgesehen. Oder die große Zahl von Studiomusikern, die wirklich was können, warum verdienen die kein Geld?
Ich denke, es liegt, wie bereits erwähnt, an der Komplexität der Themen und ihrer Verarbeitung. Es muß eingängig sein, also nicht zu kompliziert, und sich ein paarmal wiederholen ohne zu abstrakt verarbeitet worden zu sein. Dann geht es der Masse ins Ohr, genau dieser Masse, die garnicht wirklich hinhört. Wer HÖRT schon Musik? In der Regel lassen sich die Leute davon so ganz nebenbei berieseln. Die die genau hinhören und das auch gewohnt sind, sind die, die in diesem Forum (und anderen Foren) schreiben. Aber man sollte sich klar machen, daß das die Minderheit ist. Musik ist sonst nur zum Beschallen beim Autofahren, während der Arbeit oder sonstwas gut. So frustrierend das klingen mag, so isses. Und genau dafür muß es eben einfach sein. Habt Ihr schonmal nen Arbeiter gesehen, der Brahms Op. 116 auf der Baustelle gehört hat? Die d-moll-Tocatta würde er schon eher hinnehmen, weil die ist eingäggig, genau deswegen wird sie auch immer wieder von Regiseuren für Gruselfilme gewählt. Ähnliches gilt für die Elise, für Schumanns Träumerei, für.......
Mit diesen Stücken wären die Komponisten wohl auch heute noch zu respektablem Wohlstand gekommen.
Hier sagte ja schon mal jemand: die Unbekannteren sind die schöneren. Stimmt! Aber Ihr alle könnt eben hören!!! Die anderen schlafen dabei ein, weils zu komplex ist.


Cheers,

Wolf
 
Zur Ehrenrettung von Bach: die berühmte Orgeltoccata in d-moll ist natürlich von Bach....
Der Meinung schließen sich aber immer weniger an. Siehe zum Beispiel hier.


Wie so oft sind es auch beim Historischen-Ohrwurm-Phänomen sicher verschiedene Zusammenhänge, die für deren epidemisches und generationenübergreifendes Auftreten verantwortlich sind. Zum einen sind es die inneren ästhetischen Prinzipien wie Einfachheit, Eingängigkeit etc. die für schnelles Wohlgefallen und leichtes Behalten sorgen; zum andern müsste man aber auch über die äußeren nachdenken, also welche Verbreitungsmechanismen für Musik in der jeweiligen Epoche gewirkt haben, wie Musik allgemein kommuniziert wurde. Wenn ein solches Stück es erst einmal in die einschlägigen Klavierschulen der Höheren Töchter geschafft hatte, war sein Siegeszug durch die guten Stuben schon mit guten Aussichten versehen.
 
  • #10
Ich denke, alle bekannten Stücke sind einfach gut (Betonung liegt dabei auch auf "einfach").
 
  • #11
Nicht zu vergessen:
Das Gebet einer Jungfrau.
Paradestück jeder höheren Tochter...... lach

Gruß Chief
 
  • #12
hm,
aber oft sind auch nur Teile aus den Stücken bekannt.

Fängt man bei "Für Elise" mal in der Mitte an, erkennt es nicht jeder.
Und bei der "Mondscheinsonate" ist eigentlich auch nur der erste Satz bekannt.
 
  • #13
Ich kannte fast mein ganzes Leben lang die Melodie vom Walkyrenritt, der auch Verwendung in der Werbung findet. (-->Red Bull)

Aber erst vor kurzem habe ich herrausgefunden, dass diese Melodie eines klassischen Stückes eines Komponisten, mit dem ich persönlich nicht klar komme und nicht mag, entspringt.
 
  • #14
Ich denke zuerst muß das Stück gut klingen bevor es populär wird. Einfach ist keine Bedingung. Besonders wichtig sind vermutlich die ersten Takte, z.B. Beethovens 5. oder Smoke on the Water.

Oder machen es die ersten Takte nur leichter den Namen zu merken?

Kurz: den Zusammenhang zwischen einfach und Ohrwurm bezweifle ich. Oder doch nicht? Viele Lieder die jeder mitsingen kann sind ja meist auch einfach zu spielen. z.B. Alle meine Entchen oder Tatütata.
 
  • #15
den Zusammenhang zwischen einfach und Ohrwurm bezweifle ich.
Den Zusammenhang gibt es ganz sicher: Wenn ein Stück zu kompliziert ist, kann es kein Ohrwurm sein - außer bei Genies, aber die finden dann dieses komplizierte Stück auch als relativ einfach.

Natürlich ist nicht jedes einfache Stück ein Ohrwurm. Notwendig vs. hinreichend...

Um Ohrwürmer geht es in diesem (20 Jahre alten) Thread aber gar nicht. Ohrwürmer sind Stücke / Melodien, die einem nicht aus dem Kopf gehen. Also nicht Stücke, die man singen kann, sondern Stücke, die man (geistig) nicht nicht singen kann.
 
  • #16
Den Zusammenhang gibt es ganz sicher: Wenn ein Stück zu kompliziert ist, kann es kein Ohrwurm sein - außer bei Genies
Kannst du spontan den (ganzen) Peter aus Peter und der Wolf singen? Ich finde, das ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein Ohrwurm durchaus relativ komplexe Musik (bzw. Melodie) enthalten kann. Ansonsten kommt es auch auf die Anzahl des Hörens an. Ich hatte auch schon Ohrwürmer von Neuer Musik :004:
 
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  • #17
Kannst du spontan den (ganzen) Peter aus Peter und der Wolf singen?
Nein, aber ich hatte ihn auch noch nie als Ohrwurm.

Ich finde, das ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein Ohrwurm durchaus relativ komplexe Musik (bzw. Melodie) enthalten kann. Ansonsten kommt es auch auf die Anzahl des Hörens an. Ich hatte auch schon Ohrwürmer von Neuer Musik :004:
Der Ohrwurm muss einfach genug für das Hirn sein, das er befällt. Bzw. musst du das Stück schon so stark verinnerlicht haben, dass es für dich einfach genug ist.
Ein Ohrwurm ist dazu da, ein unterbeschäftigtes Hirn zu beschäftigen - aber nicht auf einem ermüdenden Hochleistungsniveau, sondern "um es auf Betriebstemperatur zu halten." Welche Stücke dafür geeignet sind, ist individuell verschieden. Aber da die meisten Menschen Laien sind, funktionieren für die meisten Menschen auch die selben Stücke.
 
  • #18
Ein einfaches Thema ist notwendig für einen Ohrwurm. Das Stück als Ganzes kann primitiv, aber durchaus komplex sein, das beste Beispiel ist Beethovens 5. Sinfonie.
 
  • #19
Das Stück als Ganzes kann primitiv, aber durchaus komplex sein, das beste Beispiel ist Beethovens 5. Sinfonie.
Ich würde Beethovens Fünfte nie als „primitiv“ bezeichnen. Der erste Satz ist eher genial, was man aus einem viertönigen Motiv musikalisch entwickeln kann. Da sollten sich TEY mal eine Scheibe abschneiden.
 
  • #20
Ich würde Beethovens Fünfte nie als „primitiv“ bezeichnen. Der erste Satz ist eher genial, was man aus einem viertönigen Motiv musikalisch entwickeln kann. Da sollten sich TEY mal eine Scheibe abschneiden.
Klar ist der komplex und genial, aber aus einer eingängigen primitiven Keimzelle entwickelt und deshalb ein Ohrwurm.

Meiner Meinung nach ist das mit das beste Beispiel für ein großes, komplexes Meisterwerk, das auch ein Ohrwurm ist.
 

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