kein Verständnis für kompliziertere Stücke im Bekanntenkreis

  • Ersteller des Themas Mathias
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Guendola
Guendola
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Um nochmal zum ursprünglichen Thema zurückzukommen: Wenn ich jemandem etwas vorspiele (sei es nun selbst oder aus der Konserve) und er tut das lapidar ab ("nicht mein Geschmack" oder so), mache ich mir im Geiste eine Notiz und spiele ihm nie wieder was vor, danach vergesse ich die Angelegenheit. Wenn ich zu enttäuscht bin, beschimpfe ich ihn vielleicht noch als Banause, um mir Luft zu machen. Im Freundeskreis kann ich jeden einzelnen einschätzen und werde nicht mehr enttäuscht. Außerdem spiele ich da nur was vor, wenn ich davon ausgehen kann, daß sie aufnahmebereit sind und sich wenigstens auf die Musik einlassen. Wenn es dann nicht gefällt, muß man das hinnehmen, Geschmack ist ja keine Mathematik.
 
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Saulus
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>Wenn ich zu enttäuscht bin, beschimpfe ich ihn vielleicht noch

Ich finde Leute beschimpfen sehr unfein, Guenn.
 
stephen
stephen
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Sich im Forum anmelden, äußern, und dann wieder abmelden (oder wie soll ich das "Beiträge: n/a" deuten) steht auch nicht gerade im Knigge.
 
Walter
Walter
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komplizierte Stücke

Mal nur ein paar Stichworte:
Liszts Sonate (30 Min.), Schuberts große Sonaten (30-45 Min.), Chopin Balladen (ca. 10 Min.), Schumanns Zyklen (Carneval, Faschingsschwank, Symph.Etüden, ...20-35 Min.), Chopins Nocturnes (4-8 Min.) ...
So lange dauern komplizierte Stücke.

Nichtklavierspieler-Nichtselbermusikmacher-Viva-Generation:
"Lied" (3 Min.), Applaus/Jubel (2 Min.),"Lied" (3 Min.), Applaus/Jubel (2 Min.),"Lied" (3 Min.), Applaus/Jubel/Publikumssurfing (5 Min.),"Lied" (3 Min.), Applaus/Jubel (2 Min.), ... Das war dann ein Konzert!! Mega-geil!!
Das zu verstehen ist nicht kompliziert!!

Kann auch nicht bei der Viva-Generation landen!

Walter
 
Guendola
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Walter, willkommen im Medienzeitalter! Was im Fernsehen, Internet und Zeitungen so geschrieben wird, ist mindestens genauso konsumorientiert, wie Popmusik und mit Durchschnitt halten die sich selten auf (nur bei Statistiken). Popmusik besteht nun mal zu 99,9% aus Liedern und die sind nun mal kürzer als Sonaten oder Konzerte. Genauso gibt es aber auch eine Unzahl klassischer Stücke, die gerade mal auf 2 Minuten kommen, also noch kürzer als die übliche Länge eines kommerziellen Popstücks - Radiostandard liegt glaube ich bei 2:30 bis 3:00 Minuten. In den Popkonzerten, die ich gesehen habe, wurden die Stücke nacheinander gespielt, häufig in den Applaus rein, was im übrigen die Stimmung noch anheizt (was ja da auch dazu gehört). Wenn man zwischen den einzelnen Sätzen eines Konzertes applaudieren dürfte, wäre das Verhältnis Musik zu Applaus in beiden Sparten ziemlich gleich.

Im übrigen ist es nach meinen Erfahrungen wesentlich schwerer, einem eingeschworenen Klassikfan drei Minuten ungewohnter Popmusik vorzuspielen als einem eingeschworenen Popfan drei Minuten ungewohnter Klassik. Aber man muß natürlich klein anfangen, wenn man etwas komplett Neues vermitteln will.
 
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HaKuNa
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Nichtklavierspieler-Nichtselbermusikmacher-Viva-Generation:
"Lied" (3 Min.), Applaus/Jubel (2 Min.),"Lied" (3 Min.), Applaus/Jubel (2 Min.),"Lied" (3 Min.), Applaus/Jubel/Publikumssurfing (5 Min.),"Lied" (3 Min.), Applaus/Jubel (2 Min.), ... Das war dann ein Konzert!! Mega-geil!!
Das zu verstehen ist nicht kompliziert!!

Genial ausgedrückt :D doch leider wahr. Naja, die Geschmäker sind verschieden... und unserer ist der Beste. :p

Kann ebenfalls nur mit technischen Kunststückchen landen, wo man halt sieht, dass Arbeit dahinter ist. Mozart hingegen z.B. wird von vielen als "schrecklich" bezeichnet und dann noch als leicht, für jeden spielbar... Dass da genausoviel Arbeit dahinterstecken kann, ist nicht allgemein bekannt.
 
ubik
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Nichtklavierspieler-Nichtselbermusikmacher-Viva-Generation:
"Lied" (3 Min.), Applaus/Jubel (2 Min.),"Lied" (3 Min.), Applaus/Jubel (2 Min.),"Lied" (3 Min.), Applaus/Jubel/Publikumssurfing (5 Min.),"Lied" (3 Min.), Applaus/Jubel (2 Min.), ... Das war dann ein Konzert!! Mega-geil!!

Hey, moment. Es gibt auch Popmusik, die dauert länger als 3 Minuten und ist auch durchdacht. Aber es ist halt keine reine Instrumentalmusik, sondern auf den Sänger gerichtet, als Begleitung gedacht.

http://youtube.com/watch?v=slvPMU-7OyI

Da zum Beispiel, nicht unbedingt "musikalisch wertvoll", aber ihr könnt mir nicht sagen, dass dieser Song nicht durchdacht ist.

Es ist auch interessant, dass die Musik von den Doors in klassische umgewandelt werden kann. Hört euch zunächst das an:

http://youtube.com/watch?v=uZ-f73FsUPs (ok, die aufführung wirkt etwas überzogen)

und dann die Umwandlung in sinfonische Musik:

http://youtube.com/watch?v=5CHayV-V32E

Aber gerade diese Pop-Musik ist doch etwas, was die klassische Musik nicht bietet, zumindest nicht die ernste klassische Musik: Sie ist tanzbar.
 
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Henry IV
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Ich blick da nicht durch.

Was hast Du für Probleme? Liegt es am Klavierspiel?

Henry IV
 
iLLumination
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mir ist schonmal aufgefallen, dass kompliziertere musik sowieso recht unbeliebt ist. in mienem freundekreis bin ihc der einzige, der intensiv klassische musik hört und wenn die anderen was aus dem bereich hören, dann ist es für elise oder ähnliches und das sind ja auch nicht grad komplexe stücke - nach dem motto: hauptsache eingängig und das beim allerersten anhören
 

Guendola
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Oh ja, tanz uns mal einen Chopin-Walzer vor, und bitte mit viel Rubato :D
Klassische Musik wird heute praktisch nicht mehr getanzt, nur im Ballett. Die Tänze stammen ja auch aus der Volksmusik, deren Rolle heute von der Popmusik größtenteils übernommen wurde.
 
ubik
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Gerade Musik zum Tanzen bedarf an Primitivität :D Dieses Gefühl von Freiheit und absolute Entspanntheit kann nur von so einer primitiven Musik kommen.

Aber wie bereits gesagt: Ernste, klassische Musik ist mehr für die Seele, Pop-Musik mehr für den Körper.

Ich finde ersteres zum Hören interessanter. Fordert auch mehr Intelligenz. Aber jeder hat seine eigene Meinung.
 
mad83
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Also ich höre einfach die Musik, die mir gefällt und damit basta. Ich verstehe einfach nicht, warum manche Menschen permanent andere an ihren extravaganten Interessen teilhaben lassen möchten. Mir würde es auch tierisch auf den Sack gehen, wenn jemand versuchen würde, mir die "Amigos" näherzubringen. Nicht, weil mir die Musik zu primitiv wäre, sondern weil ich es absolut arrogant finde, anderen "neue Horizonte" eröffnen zu wollen. Wir leben zum Glück in einer Gesellschaft, in der jeder selbst bestimmen kann, was er hören möchte und was nicht, ohne dafür als primitiv oder hochintellektuell eingestuft werden zu müssen. Zumindest sieht das der Großteil der Gesellschaft so, aber irgendwo gibt's ja immer noch die Musikerpolizei, Gott sei Dank!
Außerdem: Wir reden hier doch wohl alle noch über Musik, oder?!
Es ist doch nur Musik!!!
 
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HaKuNa
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Und damit eines der wichtigsten Dinge in vieler Leute Leben. Und warum sollte man nicht versuchen, einem Kollegen seine eigene Musikrichtung ein wenig näher zu bringen?
Ich liebe klassische Musik, doch durch Kumpels kenne ich auch in Rock, Pop und sogar Hip-Hop (!) einige Songs, die mir annähernd gefallen; manchmal auch wegen dem Text, der gar nicht immer so dumm ist.
Interessenaustausch gehört m.E. zum menschlichen Sozialleben, also auch Austausch über die Lieblingsmusik. Das einzige, was man wohl nicht sollte, ist zu versuchen, jemandem etwas aufzuzwängen, was er/sie partout nicht will.
 
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rappy
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Wer keine klassische Musik hört, verpasst einiges im Leben. Klassische Musik kann wie keine andere Form von Kunst den Menschen emotional so stark angreifen. Dieses Gefühl wird jener, der dieser Musik gegenüber abgeneigt ist, niemals verspüren können und das ist sehr schade. Deshalb finde ich es wichtig zu versuchen, anderen Leuten Klassik nahezubringen - manchmal klappt es sogar.
 
ubik
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Das einzige, was man wohl nicht sollte, ist zu versuchen, jemandem etwas aufzuzwängen, was er/sie partout nicht will.

Eben. Aber genau das macht die Musikindustrie. Hier, die Schritte ganz schön erklärt:

1.) pre-release: Musiker und Stücke werden ausgesucht
2.) buzz-creation: Propaganda durch Events und Werbung
3.) pre-treshhold: Das Stück wird in den Medien präsentiert
4.) commercial life: Das Leben des Stücks. Beträgt im Durchschnitt 11 Wochen. Hier kaufen die Konsumenten die neue CD.
5.) final decline: Rückzug der Verkaufszahlen

Ich hasse es einfach, was die Musikindustrie macht. Also zahlt es ihr heim, indem ihr möglichst viel Musik aus dem Netz zieht (Spaß!) :D
 
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HaKuNa
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Klar ubik, wer kauft schon CDs (abgesehen von klassischen)? :D
Die haben genügend Kohle, und von mir bekommen sie jedenfalls nicht noch mehr davon nachgeschoben... Nicht weil ich die Musik aus dem Netz sauge, sondern weil ich sie einfach nicht hören will :p
 
Guendola
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Also ich höre einfach die Musik, die mir gefällt und damit basta. Ich verstehe einfach nicht, warum manche Menschen permanent andere an ihren extravaganten Interessen teilhaben lassen möchten. Mir würde es auch tierisch auf den Sack gehen, wenn jemand versuchen würde, mir die "Amigos" näherzubringen. Nicht, weil mir die Musik zu primitiv wäre, sondern weil ich es absolut arrogant finde, anderen "neue Horizonte" eröffnen zu wollen. Wir leben zum Glück in einer Gesellschaft, in der jeder selbst bestimmen kann, was er hören möchte und was nicht, ohne dafür als primitiv oder hochintellektuell eingestuft werden zu müssen. Zumindest sieht das der Großteil der Gesellschaft so, aber irgendwo gibt's ja immer noch die Musikerpolizei, Gott sei Dank!
Außerdem: Wir reden hier doch wohl alle noch über Musik, oder?!
Es ist doch nur Musik!!!

Doch noch einer, der es so sieht wie ich :)
 
Walter
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komplizierte Musik

Wenn dieser Thread nicht abgeschlossen ist, muss ich einfach mal nachschieben, was uns alle provozieren muss:

Liszt konnte sich leisten, sein Spiel zu unterbrechen, wenn der russische Zar währenddessen mit seinen Nachbarn sprach. – Nur: was was Liszt für ein Spieler?
Er war in der Lage, über die aktuellen Themen mit Niveau zu improvisieren. Das war es, was die Leute so begeistert machte, nicht in erster Linie seine eigenen Kompositionen oder die Kompositionen anderer Komponisten.
Sein Publikum wollte die Schlager der damaligen Zeit aus Liszts Klaviergetümmel heraushören. Sie hatten so einerseits „ihre“ Melodien vor Ohren und hatten andererseits das Gefühl, unmittelbar einen Schöpfungsakt zu erleben.
Übertragen auf heute: Spielt doch mal nach dem Erscheinen eines neuen Films dessen Musik in Form einer Lisztschen Paraphrase, Reminiszenz oder Illustration.
Das Publikum wird Euch zu Füßen liegen. Dann könnt Ihr auch mit komplizierter Musik kommen – aber dieses Zugeständnis an den Publikumsgeschmack muss sein!

Ich kann das auch nicht!:(
Gruß! Walter
 
 

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