Warum ist Steinway so beliebt?

Wiemalte

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Hallo,
warum ist Steinway eigentlich so beliebt, obwohl es doch genug andere Firmen gibt, die sicher auch so gut sind?
MfG,
Wiemalte
 
Dreiklang

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Als "beliebt" würde ich es nicht bezeichnen. Eher als "bekannt"; auch bei der breiten Masse. S. ist wohl so etwas wie der Inbegriff für "Qualitätsflügel" geworden, bei der Allgemeinheit.

Mag auch daran liegen, daß man in unzähligen Konzertaufnahmen eben auf den Instrumenten diesen Schriftzug zu sehen bekommt.
 
Ambros_Langleb

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Hallo,
warum ist Steinway eigentlich so beliebt, obwohl es doch genug andere Firmen gibt, die sicher auch so gut sind?
MfG,
Wiemalte

Steinway war der große Kriegsgewinner, weil sie ungeachtet der Kriegsschäden in Hamburg von NY aus kontinuierlich weiterliefern konnten, während z.B. der alte Rivale Bechstein sein ganzes Holzlager verloren hatte und wegen der entente cordiale zwischen Madame Bechstein und Herrn Adolf ****** auch politisch diskreditiert war.
Auch Blüthner hatte unter Kriegsschäden und den Wirtschaftsbedingungen der DDR zu leiden.
So entstand ein Quasi-Monopol Steinways, das sich im Lauf der Zeit einfach verselbstständigt hat.
 
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Jonathan

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Das liegt auch daran, dass Steinway nicht nur als Flügelhersteller fungiert, sondern auch als eine Art Künstler-Agentur, natürlich mit dem Ziel, den eigenen Namen mit dem Künstler zu verbinden. Beispiel: Lang Lang...
Die resultierende Denkweise ist dann häufig so: Pianist xy finde ich toll. xy spielt auf Steinway Flügeln, also sind diese bestimmt auch toll...

Grüße Jonathan
 
Wiemalte

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Nur warum spielen die Pianisten ausgerechnet auf Steinway?
 
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Ouviexclassical

Guest
1. Ist Steinway überhaupt so beliebt? Hier im Forum gibt es einige, die das anders sehen (ich auch).
2. Ein Grund ist, dass Steinway
war, was dazu führte, dass an vielen Orten, auch in Musikhochschulen, ein Steinway steht. Dadurch werden die angehenden Pianisten oder Lehrer mit dem Namen und dem Steinway-Spielgefühl vertraut gemacht. Viele trauen sich dann wohl nicht, etwas anderes auszuprobieren, wo sie doch immer nur Steinways spielten in der Ausbildung.
3. Das Marketing von Steinway ist sehr gut. Auch gibt es einen Vertrag zwischen Pianisten und Steinway (Steinway artist), der dazu führt, dass die Pianisten die Flügel wesentlich günstiger bekommen. Diese lehnen das Angebot (150000€ fast geschenkt) natürlich nicht ab und machen dann sozusagen für Steinway mit ihrem Spiel Werbung.

Ouviex.
 
Dreiklang

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Das liegt auch daran, dass Steinway nicht nur als Flügelhersteller fungiert, sondern auch als eine Art Künstler-Agentur, natürlich mit dem Ziel, den eigenen Namen mit dem Künstler zu verbinden. Beispiel: Lang Lang...

Woher stammt diese Information, bezüglich Lang Lang? Ich habe das noch nie gehört. Kannst Du das auch wirklich belegen...?
 
Dreiklang

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Jonathan

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@ Dreiklang:

[...] Lang Lang ist das Gesicht zahlreicher weltweiter Kampagnen. Aufgrund seiner außerordentlichen Beliebtheit bei Kindern entwickelte Steinway unter dem Namen "Lang Lang™ Steinway" ein Klavier für die musikalische Früherziehung in fünf verschiedenen Varianten. Zum ersten Mal in der 150jährigen Firmengeschichte verwendet Steinway damit den Namen eines Künstlers bei der Produktion von Instrumenten. [...]

Ein Zitat aus diesem Artikel hier: Biografie

Außerdem wird es offensichtlich, welchen Hype man um den "Horowitz"-Flügel macht...
Dabei hat Horowitz' Stimmer Franz Mohr selbst gesagt, dass 314 503 ein D-Flügel ist, wie jeder andere auch...

Grüße Jonathan
 
O

Ouviexclassical

Guest
Meinst Du nicht, daß ein Klavierstudent in der Lage sein muß, auch auf anderen Instrumenten ordentlich zu spielen...? Sonst ist da doch irgendwas falsch gelaufen...?
Im Grunde schon, aber da er mit dem Steinwaygefühl vertraut ist, und vielleicht einige ihm als positiv im Gedächtnis gebliebene Konzerte auf einem Steinway spielte, wieso umgewöhnen?
So meinte ich das, und es kommt so auch leider (!) vor.

Ouviex.
 
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klaviermacher

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Hmmm...

Hab da eine völlig andere Theorie, aber Mr. Steinway ala Weas hat ja noch nichts zu dem Thema geschrieben, daher hole ich mal aus. ;-)

Steinway hatte als Erster die Bedeutung von Patenten erkannt und sich von sehr guten Ideen inspirieren lassen, die andere hatten - diese noch etwas modifiziert und Patente machen lassen. Man kann sagen Steinway hatte von verschiedensten Herstellern geklaut. Heute wäre das ein Riesengebiet für Rechtsstreit (siehe Apple versus Samsung) .

Zweifelsohne hatte die Dynastie Steinway gute Konstrukteure in ihren Reihen und kluge Geschäftsleute. Sie hatten aber etwas Glück in der Wahl des Geschäftsfeldes. Konzertbühnen um 1860 herum war nur ein winziger Teil des Marktes für ein noch winzigeres Publikum. Ungefähr so, als würde man heute alle Kraft eines mittelgroßen Familienbetriebs stecken um die besten Smartphones zu produzieren mit denen man zum Mond telefonieren kann.

Es gab damals keine Tonträger als Werbemittel, und sich privat ein Instrument zu kaufen, dass man mal in einem Konzert hörte, wäre ungefähr so, sich heute einen Formel 1 Boliden zu kaufen, welcher nur für den Stadtbetrieb verwendet wird. Und wenn mir nun jemand sagt, das gibts aber! Damals gab es nicht annähernd so viele Verrückte, die das tatsächlich getan hätten...

Sie hatten ihr Instrument so konzipiert, dass man daraus die größtmögliche Lautstärke heraus holt die physikalisch möglich ist. Diese Konstruktion ergab einen speziellen Klang, der nicht unbedingt "schön" war aber laut genug. Ein Instrument, welches nicht untergeht in einem Orchester mit 100 anderen Instrumenten und somit nicht für die breite Masse gedacht, stattdessen den Fuß in allen Konzertbühnen der Welt gesetzt.

Dies war zweifelsohne ein gute Idee - aber erst so 50 Jahre später kamen die ersten Tonträger, die diesen Charakter wirklich in die Köpfe der Menschen brannte... Die Moderne hatte begonnen und nun schwebte Steinway getragen von millionenfachen Werbeträgern mit diesem Klangkonzept unweigerlich in schwindelerregende Höhen. Man hätte schon müssen SEHR ungeschickt sein, einen Karren, der von selbst bergauf fährt kaputt zu kriegen.

LG
Michael
 
Dreiklang

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@Jonathan

Aufgrund seiner außerordentlichen Beliebtheit bei Kindern entwickelte Steinway unter dem Namen "Lang Lang™ Steinway" ein Klavier für die musikalische Früherziehung in fünf verschiedenen Varianten. Zum ersten Mal in der 150jährigen Firmengeschichte verwendet Steinway damit den Namen eines Künstlers bei der Produktion von Instrumenten.

Ja... und mehr steht da auch nicht (!) In anderen Worten: Steinway hat - aus eigenem Antrieb - ein spezielles "Produkt" (Klavier) entwickelt. Irgendeine darüberhinaus gehende "Verbandelung" wird nicht belegt.

Vermutlich brauchte Steinway zur Verwendung des Künstlernamens sogar das Einverständnis des Interpreten. Und diese mag er gegeben haben aufgrund seines hohen Engagements für Kinder und Nachwuchs, wie dort zu lesen ist.

Zurück zum eigentlichen Fadenthema...
 
Wiemalte

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Steinway hatte als Erster die Bedeutung von Patenten erkannt und sich von sehr guten Ideen inspirieren lassen, die andere hatten - diese noch etwas modifiziert und Patente machen lassen. Man kann sagen Steinway hatte von verschiedensten Herstellern geklaut. Heute wäre das ein Riesengebiet für Rechtsstreit (siehe Apple versus Samsung)
Soll das heißen, dass Steinway auch durch Korruption so bekannt wurde?
 
klaviermacher

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Soll das heißen, dass Steinway auch durch Korruption so bekannt wurde?
Nein! Das habe ich so nicht geschrieben. In Europa, wo die Elite der Klaviererzeuger beheimatet war gab es zwischen 1830 und 1860 viele pfiffige Ideen und Konstrukteure. Sich ein Patent auf Ideen zu machen stand da nicht im Vordergrund bzw. hatten diese Leute keine Ahnung von...

LG
Michael
 
O

Ouviexclassical

Guest
Ich könnte mir auch dies vorstellen:
Das Spiel von Pianist XY klingt toll, auf was für einem Instrument spielt er denn? Steinway, also klingt ein Steinway toll...
 
Dreiklang

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Hallo Michael,

Diese Konstruktion ergab einen speziellen Klang, der nicht unbedingt "schön" war aber laut genug.

ich hab' schon viele "sehr schön" klingende Aufnahmen mit Steinways gehört... Alten, und Neuen... es kommt zum großen Teil auch darauf an, wie gekonnt ein Instrument intoniert und auch gestimmt wird (das ist meine persönliche Erfahrung bzw. Ansicht), und ein klein bisschen kommt es auch darauf an, ob ein Pianist mit dem Instrument nun "zaubern" kann, oder nicht.

Man hätte schon müssen SEHR ungeschickt sein, einen Karren, der von selbst bergauf fährt kaputt zu kriegen.

Ach, das hätte man wahrscheinlich schon hinkriegen können. Schlechte Qualität und Materialien zum Beispiel... zumindest in diesen Dingen läßt sich S&S heute nicht unbedingt lumpen.

Viele Grüße
Dreiklang
 
R

Rubato

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...sich privat ein Instrument zu kaufen, dass man mal in einem Konzert hörte, wäre ungefähr so, sich heute einen Formel 1 Boliden zu kaufen, welcher nur für den Stadtbetrieb verwendet wird. Und wenn mir nun jemand sagt, das gibts aber! Damals gab es nicht annähernd so viele Verrückte, die das tatsächlich getan hätten...

LG
Michael

Anwesende eingeschlossen ? :D

Gruß
Rubato
 
Dreiklang

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Vielleicht noch etwas, das in Richtung "Anekdote" geht...

In einer großen S&S-Vertretung hängt, neben vielen vielen anderen Bildern berühmter Pianisten mit selbstgeschriebenen Texten, auch das Konterfei Lang Lang's, mit dem Text darunter:

When I'm about to play my best - there is no way but Steinway

Er hat's sogar auf Chinesisch dazugepinselt :D;)

Die Interpretation dieses Satzes überlasse ich jedem nach seinem Gusto.
 
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Heute haben sich fast alle Firmen dem Klangideal von Steinway angenähert. Dabei geht es nebst Stabilitätskriterien bezgl. Stimmhaltung etc. klanglich um den Anschlagspunkt des Hammers an der Saite, an welcher der lauteste Ton erzeugt wird. Der gesamte Bauplan (Tonübertrageung etc.) wird danach ausgerichtet. Es blieb praktisch eine einzige Art Klavierton übrig, welcher sich "durchgesetzt" hat .. ähnlich der optischen Erscheinung bei Autos. Diese sind im Windkanal optimiert und daher kommt man auf sehr übereinstimmende Formen - egal welche Marke.

LG
Michael
 
 

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