Warum dann Quintenzirkel???

Nachdem es hier ja inzwischen mehr um Theorie als um Quintenzirkel allein geht - ich hätte eine Frage:

Habe in der letzten Klavierstunde die Sonatine op36 nr1 von Clementi als neues Stück bekommen. In der Notation, die ich habe, wird im Takt 6 beim Bassschlüssel staccato angegeben, in der Audio-Datei höre ich hier kein staccato. Bei der Google-Recherche konnte ich kein weiteres Blatt finden, auf dem staccato notiert ist.

Gibt es das öfer, dass Stücke unterschiedlich notiert werden (ich meine dabei nicht, vereinfacht; der Rest ist identisch)? Und wie würdet ihr das nun üben - so wie in meiner Notation oder wie sich die Audio-Datei anhört und was mir die google-Recherche liefert?
Das Bild zeigt die Notation, wie ich sie in google finde.
Auszug Sonatine_Clementi.png
 
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Hätte mich ja wirklich interessiert, von Betroffenen eine Antwort zu erhalten.
Ich hatte nie einen Klavierlehrer, daher bin ich nicht betroffen und eigentlich reichen mir die dargestellten paar Takte auch für eine befriedigende Antwort garnicht aus.

Aber wenn ein Schüler mit dieser Stelle zu mir käme, würde ich ihn zunächst bitten, sich die vorhandenen verminderten Klänge genauer anzusehen.
Sind das wirklich zwei verschiedene, oder sehen die nur unterschiedlich aus?
Eventuell weil sie aus unterschiedlichen tonalen Kontexten kommen?

Die beteiligten Tasten bei diesen Klängen sind identisch ... Anfangs wird er jedoch eher von F-Dur/d-Moll aus erklärt (daher das b und das cis) dann aber von H-Dur aus (daher das ais statt dem b) ... die Tonart, in der das Beispiel dann endet (das aufgelöste "a" sagt mir aber, dass die Modulation da noch nicht am Ende angelangt ist ... das geht wohl noch weiter).

Keine Ahnung vom weiteren harmonischen Kontext, aber meine Antwort ginge definitiv über "klappe halten und spielen" hinaus.
Zumindest würde ich versuchen, zu erklären, was es mit enharmonischen Vertauschungen auf sich hat und warum Komponisten/Setzer sowas machen. Und ich würde dem Schüler sagen, dass er bei "unklaren" Stellen schauen soll, was davor und danach passiert.
 
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Die Bässe, als Stütze der - sehr einfachen - Harmonien sollten nicht zu kurz gespielt werden. Besonders das fis im 6. Takt hat einen kleinen Nachdruck verdient, es leitet die 'Modulation' nach G-Dur ein.
 
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Die Bässe, als Stütze der - sehr einfachen - Harmonien sollten nicht zu kurz gespielt werden. Bosonders das fis im 6. Takt hat einen kleinen Nachdruck verdient, es leitet die 'Modulation' nach G-Dur ein.


Sowas sehe ich z.B. nicht. Mir bleibt nur die linke Hand als Phrase zu sehen. Die beginnt auf leichter Zählzeit und ich hätte das fis „auftaktig“ verstanden, hin zum g auf die eins ziehend und auf g einen Takt später endend.
 

Ich würde es vielleicht sogar in Zweierbindungen spielen: fis_g, c_d, d_g. Staccato finde ich auch ok. Nur durchgehend legato fände ich am Langweiligsten und das würde auch dem spiritoso nicht gerecht.
 
Sowas sehe ich z.B. nicht. Mir bleibt nur die linke Hand als Phrase zu sehen. Die beginnt auf leichter Zählzeit und ich hätte das fis „auftaktig“ verstanden, hin zum g auf die eins ziehend und auf g einen Takt später endend.

Auch wenn Du es nicht direkt am Notentext siehst: Hörst Du dann beim Einüben einer solchen oder vergleichbaren Stelle den Vorhalt mit dem Wunsch sich aufzulösen? In dem Fall käme die Erkenntnis, wie man die Stelle phrasiert, dann ja über das Ohr und nicht über die Augen.
 
Hörst Du dann beim Einüben einer solchen oder vergleichbaren Stelle den Vorhalt mit dem Wunsch sich aufzulösen?

Ja natürlich, wenn ich es dann spiele. Das ist das was der ganze „Spaß“ an der Musik ist.

Ich wollte damit nur sagen dass ich mir nicht gar nix denke wenn ich Noten sehe. Ich bin zwar musikalischer Analphabet aber keine Amöbe 🤪
 
Habe in der letzten Klavierstunde die Sonatine op36 nr1 von Clementi als neues Stück bekommen. In der Notation, die ich habe, wird im Takt 6 beim Bassschlüssel staccato angegeben, in der Audio-Datei höre ich hier kein staccato. Bei der Google-Recherche konnte ich kein weiteres Blatt finden, auf dem staccato notiert ist.
Die Ausgabe, die Du benutzt, ist schon eine „Bearbeitung“. Clementi hat im ersten Satz nur ganz spärlich Artikulationshinweise notiert. Die Bögen in den ersten Takten stammen jedenfalls nicht von Clementi, sondern sind Zusätze des Herausgebers (den es offensichtlich nicht kümmert, wie die Musik des frühen 19. Jhs. zu artikulieren ist.). Eine Ausgabe, dien originalen (!) Notentext wiedergibt, findet sich bei Henle oder Ut Orpheus, Könemann gibt die von Clementi erweiterte Fassung der 5. Auflage wider.
 
Die Ausgabe, die Du benutzt, ist schon eine „Bearbeitung“.
Danke, schon wieder dazugelernt. Das war mir nicht bewusst und klärt nun auch meine eigentliche Frage mit dem staccato. Bisher dachte ich, Notationen werden in erster Linie verändert, um Stücke zu vereinfachen und dass dann eben auch komplett andere Noten gespielt werden.

Ich lerne erst seit einem 3/4 Jahr Klavier und habe derzeit nur alle 14 Tage Unterricht - da ist es wohl klar, dass ich mich noch mit sehr einfachen Harmonien beschäftige.
 
Nachdem ich die Noten von meinem Klavierlehrer bekommen habe werde ich sie wie vorgegeben spielen. Ich war nur irritiert, weil ich in der Audio-Aufnahme hier kein staccato hören konnte.

(Der Bildausschnitt stammt nicht aus meinem Notenblatt, ich hatte nur keine Möglichkeit, eine Aufnahme meiner Noten zu machen.)
 
weil ich in der Audio-Aufnahme hier kein staccato hören konnte.

Vielleicht weil der eine andere Ausgabe hatte. Gerade wenn man die Freiheit hat durch wenig Angaben im Originaltext würd ich bissl experimentieren an deiner Stelle.
Z.B. hör dir verschiedene Aufnahmen an und versuche diese Stelle rauszuhören, lies dabei die Noten mit und dann überlege worin die Unterschiede liegen. Spielen manche es trocken, kurz, Legato, ins crescendo, wenn ja wo etc. Und dann experimentiere herum mit Anschlag und Pedal wie das zustande kommt.
Z.b. Staccato spielen und auf jede Note ein kurzes Pedal dazu tupfen. Oder unterschiedlich langes Staccato nach den Taktschwerpunkten zu spielen. Einfach mal nur die linke Hand üben und ausprobieren mit Anschlag, Pedal, kombinieren von allem und gucken was dabei rauskommt.

Macht höllisch Spaß. Und wenn du damit durch bist ist die Stelle mirakulös in deinem Gehirn. Ohne dass du dir extra was merken musstest.
 

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