Vor Publikum spielen

G

Gilels

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Warum ist dann auf einmal nichts mehr wie vorher?
Was passiert da mit einem?
Wie verändert sich die Gesamteinstellung?
Was ist allgemein die richtige Einstellung?

Intoleranz gegenüber sich selbst, Aufmerksamkeitsverlust, Frust, Selbstverurteilung, Unwohlsein, Ablenkung, gelähmt sein, Verkrampfung, Abschweifende Gedanken, Verzerrte Wahrnehmung, realitätsferne Annahmen bezüglich des Publikums, Stress...​


... Aber auch gegenteilige Erfahrungen der Freude, des Einklangs mit sich selbst und der Musik, Lob und Anerkennung.​


Widersprüchlichkeit, Zusammenhänge, Blockaden (!), falsche Vorbereitung (?), ungewohnte Außenbedingungen, falsche Herangehensweise, Beeinflussung durch Denken, sich selbst gerecht sein, der Musik Platz lassen, der goldene Mittelweg...

Das sind Gedanken zu Erfahrungen, die ich bisher selbst gemacht habe.


Auf der Suche nach hilfreichen Anregungen wollte ich euch nach euren Erfahrungen fragen und auch danach, wie ihr damit umgeht.

(Möglich, dass es schon einige Threads zu diesem Thema gibt, aber ich wollte nicht in einem dieser Threads untergehen. Hoffe, das ist in Ordnung)


Liebe Grüße,
Annette
 
rolf

rolf

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Hallo,

ich empfehle absolute Konzentration auf die Musik, so sehr, dass nahezu alles andere ausgeblendet ist.

Gruß, Rolf
 
Axel

Axel

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Hmm, ganz viele Fragen auf einmal. Vieles kann sicher durch eine gute Vorbereitung erreicht werden. Oft sind es die "leichten" Stellen, die man nicht wirklich geübt hat. Oder der Gedanke an eine "schwere" Stelle, die eben doch nicht 100% geht. Die Vorbereitung kann da oft perfektioniert werden.

Und natürlich die Einstellung...Dahinter steht immer die Angst, man könnte nicht gefallen, nicht ankommen etc. Es wird immer einen im Publikum geben, dem es nicht gefällt, damit muss man leben. Letztlich sind es solche Gedanken, die von der Musik ablenken und dann Fehler entstehen lassen.

Insgesamt ist es ein weites Kapitel, über das es auch Literatur gibt, z.B. ein ganz gutes Buch von G. Mantel.

Viele Grüße
Axel
 
ubik

ubik

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Was ist eigentlich mit Hände zittern?

Habe ich oft.

Aber nur wenn ich vor mehr als ein Dutzend Leute vorspiele, ansonsten irgendwie nicht.

Was kann man dagegen tun?
 
P

Pilschen

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Am besten ist es, diese Vorspielsituationen zu üben und sich auf alle eventuellen fehler rüsten ;D
Mir hilft es immer wenn im beim spielen mein Klavíerspiel objektiv zu hören und nicht viel darüber nachzudenken ob,... hilfe jetzt kommt aber gleich die schwierige Stelle... und hm meine finger sehen ganz anders bei diesem akkord aus als sonst... oder da war ein Fehler!!! hat ihn jemand gehört?
Dann bin ich wahnsinnig aufgeregt vor dem Spiel aber wenn ich spiele bin ich immer noch aufgeregt aber meine konzentration richtet sich zu 100% auf das Stück! zwischen den einzelnen Stücken zittern meine Hände aber trotzdem noch ;D
Mein Problem ist vorallem immer wenn ich zittere und anfange zu spielen, das ich mich dann zu schnell spiele... deshalb denke ich mir immer alles eine nummer langsamer... weil somit spiele ich es dann in dem richtigem Tempo ;D (ich hoffe ihr wisst was ich meine ?)

Immer versuchen sich auf dem Boden bleiben mit der Aufregung auch wenns schwer fällt... und etwas Aufregung schadet nie das bringt uns dazu, dass wir höchstleistungen vollbringen!
 
P

pomurla

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Hallo Gilels,

ich bin im Klavierspiel ein Greenhorn, tapse mich blind von einer Note zur anderen, spiele ab und zu vor Familienpublikum und rufe oft "Falsch!" ;)
und empfinde dein Problem bei vielen Menschen, mich eingeschlossen, sichtbar in sovielen anderen Tätigkeiten. Nicht nur im Klavierspiel.
Und ich wüde dir und auch mir oft denselben Rat geben wie Rolf ihn dir gab.
In dem Moment, nicht nur beim Klavierspiel, all dort - wo es unter anderem vielleicht für einen selbst auch gilt einen - selbstgebastelten - Schein zu wahren - zwackt die Aufmerksamkeit, die Konzentration vom Objekt - beim Klavierspiel der Klang, die Musik - ab und verteilt und verzettelt sich in hundert und tausend Seitengassen. Unter anderem vielleicht auch in das Scheinen wollen. Sich selbst mit den Augen von anderen betrachten. Und noch einiges mehr.
In diese und andere Seitengassen fliesst die Energie. Die in der Konzentration und im Aufgehen auf das einem eigentlich am Herzen liegende (Authentische) dann fehlt.
Konzentration auf ... Drinnen sein im.... von mir weg zu hin
würde ich auch empfehlen.


Liebe Grüße
Pomurla
 
C

chiarina

Guest
Warum ist dann auf einmal nichts mehr wie vorher?
Was passiert da mit einem?
Wie verändert sich die Gesamteinstellung?
Was ist allgemein die richtige Einstellung?

Intoleranz gegenüber sich selbst, Aufmerksamkeitsverlust, Frust, Selbstverurteilung, Unwohlsein, Ablenkung, gelähmt sein, Verkrampfung, Abschweifende Gedanken, Verzerrte Wahrnehmung, realitätsferne Annahmen bezüglich des Publikums, Stress...​


... Aber auch gegenteilige Erfahrungen der Freude, des Einklangs mit sich selbst und der Musik, Lob und Anerkennung.​


Widersprüchlichkeit, Zusammenhänge, Blockaden (!), falsche Vorbereitung (?), ungewohnte Außenbedingungen, falsche Herangehensweise, Beeinflussung durch Denken, sich selbst gerecht sein, der Musik Platz lassen, der goldene Mittelweg...

Das sind Gedanken zu Erfahrungen, die ich bisher selbst gemacht habe.


Auf der Suche nach hilfreichen Anregungen wollte ich euch nach euren Erfahrungen fragen und auch danach, wie ihr damit umgeht.

(Möglich, dass es schon einige Threads zu diesem Thema gibt, aber ich wollte nicht in einem dieser Threads untergehen. Hoffe, das ist in Ordnung)


Liebe Grüße,
Annette

Hallo Gilels,

wichtig finde ich auch, einfach zu akzeptieren, dass eine Vorspielsituation immer und bei jedem anders ist als das Spielen am heimischen Instrument. Wenn man immer hadert a la "Zu Hause konnte ich diese Stelle", "eigentlich kann ich das besser", "zu Hause fühle ich mich viel ruhiger" verbaut man sich, glaube ich, einen Weg, kreativ und zum eigenen Vorteil mit Auftritten umzugehen. Ein erhöhter Adrenalinspiegel kann auch zu erhöhter Konzentration führen und zu ganz anderem, besseren Spiel als zu Hause.

Es ist also völlig normal, Angst zu haben, weil plötzlich die Aufmerksamkeit vieler Leute auf einen selbst gerichtet ist. Aber bedenke, du bist nicht allein auf der Bühne! Du hast ein Instrument und vor allem - du hast ein Stück, du hast Musik!!! Die sind deine Partner! Versuche doch mal, wie Rolf und andere es auch empfohlen haben, deine eigene Aufmerksamkeit von dir weg auf das Stück und das Instrument zu lenken. Höre deinem Spiel, dem Verlauf der Komposition intensiv zu. Akzeptiere, dass Verspieler passieren, die dir zu Hause vermutlich nicht passieren. Aber was soll's? Wen interessieren ein paar Fehler/Verspieler, wenn du interessant und spannend interpretierst? (Andersrum ist für das Publikum viel öder :p)

Eine Erfahrung meiner Unterrichtstätigkeit ist, dass sogenannte Verspieler von Schülern, besonders Erwachsenen, vollkommen überbewertet werden. Dabei dauern sie im Verhältnis zur Länge des Stücks nur ganz kurz und sind oft schnell wieder vergessen. Wenn das Publikum sie überhaupt bemerkt :D ! Die Energie, die auf das Vermeiden von irgendwelchen Verspielern verwendet wird, sollte man lieber auf eine schöne musikalische Gestaltung verwenden! Wie Rubinstein sinngemäß schon sagte:"Wenn ich mich verspielt habe, versuche ich danach so schön zu spielen, dass die Leute den Fehler schnell wieder vergessen." Oder "Meine Fehler sind die schönsten."

Bereite dich also gut vor, versuche auch Tage vor dem Auftritt dich nervös zu machen und wie in einer Vorspielsituation zu fühlen, wenn du übst. Spiele Freunden etc. vorher vor. Erinnere dich vor allem an Situationen, wo dein Vorspiel gut geklappt hat und versuche, die dabei empfundenen Gefühle und das entsprechende Bewusstsein in dir wachzurufen.

Übung macht den Meister! Je mehr du vorspielst, desto mehr Erfahrungen wirst du haben, auf die du zurückgreifen kannst.

Übrigens ist vorher tief und ruhig in den Bauch zu atmen nicht verkehrt. Manche machen auch autogenes Training o.ä..

Viel Erfolg und viele Grüße

chiarina
 
N

Nuri

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Ubik, das hatte ich auch schon (natürlich nicht beim Klaviervorspiel ;) ), und kann mich da Rolf nur anschließen. Ignorieren! In dem Moment, wo du denkst "wie peinlich ist das denn", "hoffentlich merkt das keiner", "Herrgott, Ubik", oder, oder, machst du das nur noch schlimmer.

Lass zittern, was zittern will, und konzentrier dich voll auf die Sache. Nur darauf. Meistens hört's dann auf. Aber wenn du wirklich alles ausblendest, registrierst du das eh nicht mehr.

Liebe Grüße,
Nuri
 
Guendola

Guendola

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Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber vielleicht ist es ein gutes Training, beim Klavierspielen einen Popradiosender laut laufen zu lassen und sich trotzdem nur auf die eigene Musik zu konzentrieren. Noch besser ist möglicherweise eine interessante Sendung (kann trotzdem Popmusik sein, das ist ja Geschmacksache).

Natürlich darf man beim Konzert nicht ganz abschalten, ein wenig muß man auch die Atmosphäre im Saal wahrnehmen, aber in erster Linie in den Spielpausen. Aber theoretisch soll beim Konzert das Lampenfieber die Rolle des Radios übernehmen. ;)

Davon abgesehen ist es natürlich immer noch am besten, für viel Erfahrung zu sorgen.
 
rolf

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scherzando!!

Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber vielleicht ist es ein gutes Training, beim Klavierspielen einen Popradiosender laut laufen zu lassen und sich trotzdem nur auf die eigene Musik zu konzentrieren..
...das erinnert mich an Glenn Goulds Bericht, wie er eine widerborstige Sextenpassage in op.109 übte, während ein lauter Staubsauger reinemachte - - was mich wiederum daran erinnert, wie diese rührende Szene von Harald Schmidt parodiert wurde :D :D :D
 

A

andrea85

Guest
ich spiele regelmäßig in gottesdiensten orgel und bin nun beim üben in den späteren phasen der stücke auch dazu übergegangen, ablenkungen einzubauen - z.b. eingeschaltener fernseher. ich habe kürzlich die positive auswirkung davon gemerkt - während es mich früher sehr irritierte, wenn leute tratschten oder kinder anfingen herumzuquängeln hat mich das leicht rausgebracht, jetzt läuft es schon wesentlich besser und das kann mich fast nicht mehr aus der ruhe bringen.
 
klavigen

klavigen

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Poldi Mildner- die berühmte argentinische Pianistin - spielte in der Frankfurter Sparkasse (Förderer des Konzertlebens in Frankfurt), als plötzlich mitten im Vortrag im ganzen Saal das Licht ausging. Ein leichtes Raunen ging durch den Saal aber Poldi Mildner spielte im Dunkeln absolut unbeirrt weiter.

Vielleicht auch ein gutes Training, sich mal wirklich die Augen zuzubinden und dann das Programm zu spielen.
 
X

xXpianOmanXx

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diese thematik wurde hier eigentlich schon zig mal durchgekaut aber trotzdem: das einzige was gegen aufregung hilft, ist gute vorbereitung und sicherheit in dem zu spielendem stück.

unfertige stücke spielt man lieber seinen wellensittichen vor.
soweit meine erfahrung :)
 
hasenbein

hasenbein

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Pianoman, ganz so einfach ist das nicht.

Man kann ja eigentlich das Stück im Schlaf fehlerfrei spielen können - nur wenn man Angst hat, daß die Art, wie man es spielt, bei Hörenden nicht ankommen könnte, dann ist die Aufregung da! (Oder wenn man im Zweifel ist, ob das Stück an sich überhaupt beim Publikum ankommt!)

(Ich z.B. habe normalerweise überhaupt kein Lampenfieber, aber bei Masterclasses geht mir doch gerne mal die Muffe, weil die Dozenten ja vermutlich jede interpretatorische Unzulänglichkeit erkennen.)

LG,
Hasenbein
 
ubik

ubik

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Poldi Mildner- die berühmte argentinische Pianistin - spielte in der Frankfurter Sparkasse (Förderer des Konzertlebens in Frankfurt), als plötzlich mitten im Vortrag im ganzen Saal das Licht ausging. Ein leichtes Raunen ging durch den Saal aber Poldi Mildner spielte im Dunkeln absolut unbeirrt weiter.

Vielleicht auch ein gutes Training, sich mal wirklich die Augen zuzubinden und dann das Programm zu spielen.
Das erinnert mich daran, als hier mal im Altenheim eine Weihnachtsfeier stattfand. Da habe ich auch Klavier gespielt. Waren allerdings nur simple Weihnachtslieder...

Zwei Zivildienstleistende hatten die Aufgabe, allen Besuchern eine Wunderkerze in die Hand zu geben. Allerdings haben die beiden die ganze Packung Wunderkerzen in die Hand genommen und sie angezündet. Was dann geschah ist ja selbstverständlich... :D Das ganze ging in die Luft hoch und der Feueralarm ging an.

Hab aber trotzdem weitergespielt :D :D
 
K

KBK

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Ich kann nur für mich persönlich sprechen:
(Glaube aber, dir somit helfen zu können. Bei mir funktionierts)

Als Vorbereitung auf ein Konzert, sollte man einfach das Klavierstück in einem einwandfreien Zustand können.
Bereits einige Zeit vorher gehe ich mehrmals am Tag ans Klavier, um das Stück, ohne sich warmzuspielen, auf Abruf zu spielen. Dies simuliert die Situation am Abend des Konzertes.

Zittrige Hände - ignorieren.

Desweiteren MUSST du wissen, dass es nicht darauf ankommt, jede Note richtig zu spielen. Das hat nichts mit Musik zu tun. Wenn du dein Stück gut kannst und dich konzentrierst, wirst du an einer passenden Stelle wieder sofort hineinfinden, sollte wirklich das unerwünschte große Missgeschick auftreten. Ansonten.... ein Ton daneben ist kein Grund zur Panik.


Außerdem kann es helfen, dem ganzen mit einer gesunden (!!!) Arroganz zu begegnen. Alle Leute sitzen nur da, weil sie DICH (!) hören wollen.
Du spielst aber NICHT (!) für sie. Du spielst dort oben auf der Bühne nur für dich alleine, und sie können sich glücklich schätzen, dir lauschen zu dürfen(!).
Du musst mit dir zufrieden sein, und mehr nicht. (niemanden anderen willst du etwas beweisen, wenn du auf der Bühne bist - NUR DIR SELBST)
 
E

eff06

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Ganz allein auf der Bühne ist sicher schwieriger, als (wie ich) mit mehreren anderen oben zu stehen.

Jetzt hagelt es sicher Proteste, ich will aber wirklich niemanden verführen. Denn ich trink vorher einfach ein paar bier (alternativ Wein), um etwas lockerer zu werden.

anschließend genieße ich es, mich unter das Publikum zu mischen und die Schultern klopfen zu lassen.;)
 
K

KBK

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Jetzt hagelt es sicher Proteste, ich will aber wirklich niemanden verführen. Denn ich trink vorher einfach ein paar bier (alternativ Wein), um etwas lockerer zu werden.
Der Trick mit dem Alkohol funktioniert. Bei Big Band - Auftritten, sogar improvisieren lässt sich so besser. Obwohl ich nicht genau weiß, ob man wirklich besser spielt, oder sich einfach mehr traut und mehr aus sich herauslassen kann.

Bei klassischer Musik, und bei klassischer Klaviermusik allerdings ist der Alkohol zu 100% störend. Schon oft festgestellt. Keine Chance. Da muss einfach alles aus dem Hirn kommen, und relativ wenig ausm Bauch wie bei Jazz, und co.
Keine Empfehlung, wird nur übel enden.
 
 

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