Überraschende Interpretation

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Alissia

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Hallo liebe Musikliebhaber,

ich habe zufällig ein Video bei Youtube entdeckt und fand die Interpretation ganz außergewöhnlich, und wirklich gut. Was meint Ihr? Die Pianistin ist Dejana Pejkovic, das Stück von Mozart KV 570.
 

Ich denke, es geht um folgendes Video:



Es wäre schon interessant zu wissen, welche Stellen für die TE ganz außergewöhnlich waren. Ich habe keine wahrgenommen.
 
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Ich würde mal sagen: durchschnittliches Konservatoriums-Niveau. Außergewöhnlich gut ist das sicher nicht - es gibt schon noch einiges, was nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv verbesserungswürdig ist.

Außergewöhnlich gut finde ich z.B. diese Interpretation:
 
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Singender Ton, durchdachte Phrasierung, erstaunliche Leichtigkeit, etc- bei Pejkovic. Dynamisch raffiniert.
Bei Haebler: lahme Sechzehntel, flache Dynamik, Ton-Endungen nicht unter Kontrolle...
 
Singender Ton, durchdachte Phrasierung, erstaunliche Leichtigkeit, etc- bei Pejkovic. Dynamisch raffiniert.
Bei Haebler: lahme Sechzehntel, flache Dynamik, Ton-Endungen nicht unter Kontrolle...
Steile Thesen.

Ich werde mir sicherlich nicht die Mühe machen, die Mängel an Frau Pejkovics Darbietung Takt für Takt zu sezieren. Nur ein paar Beispiele:
  • Wieso ist der zweite Takt schwerer als der erste? Der erste wirkt dadurch wie ein Auftakt. Das zerstört die klassische Symmetrie des Beginns.
  • Die ersten beiden Achtel zu Beginn kommen deutlich zu früh.
  • Sie sind außerdem zu laut - schließlich stehen sie auf unbetonter Taktzeit und sind nur Auftakt zur folgenden, dissonanten Dominante.
  • Das Ritardando in Takt 11/12 ergibt keinen Sinn, weil der charmante, neckische Nachsatz des gesanglichen Themas dadurch wie ein Neuanfang wirkt.
  • Die 16tel in Takt 12 ff sind zu schwer - sie stehen ebenfalls auf unbetonter Zeit und sind nur ein flüchtiges, verspieltes Gruppetto. Der Auftakt zum Gruppetto hat außerdem einen Staccato-Punkt. Hört man leider nicht.
  • Die Forte-Akkorde in Takt 21 kommen fast einen ganzen Schlag zu früh. Das spätestens ist dann die Stelle, an der ich als Zuhörer aussteige.
Und nun vergleiche einmal mit Ingrid Haeblers Interpretation. Vielleicht erkennst du, dass Frau Pejkovic noch Welten von solch einer Qualität entfernt ist.
 
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Wenn man eine überraschende Version (nicht zwingend gut!) von KV 570 sucht, dann kann man es ja mal damit versuchen!
 
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Es ist toll, wenn weniger bekannte Pianisten und Pianistinnen wie Pejkovic frischer, ideenreicher und sehr originell, ausdrucksstark spielen im Gegensatz zu vielen trocken-mechanisch -unmusikalisch spielenden Stars!
 
  • #10
Dazu müssten zum einen die Stars trocken, mechanisch und unmusikalisch spielen - das tun sie aber nicht, denn sonst wären sie keine Stars.

Zum anderen kann jemand wie Frau Pejkovic noch so originell und ideenreich sein *) - die technisch-musikalischen Mängel ihres Spiels heilt das leider nicht.

*) Ich kann das allerdings überhaupt nicht erkennen - woran machst du das eigentlich konkret fest?
 
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  • #11
Pejkovic spielt musikalisch, denn sie berührt Herzen in Ihren Konzerten. Immer wieder sagt das Publikum wie wunderschön ihr Klang ist, wie natürlich ihre Agogik, wie unglaublich die Dynamik, die Leichtigkeit ihres Spiels ist. Wer das auch in diesem kurzen Mozart - Video von ihr nicht hört, dann sorry, dem ist nicht zu helfen.
 
  • #12
Wer viele Klassik-Stars über einen Kamm schert und ihnen trocken-mechanisch-unmusikalisches Spiel unterstellt, der ist evtl. auch "nicht mehr zu helfen"... Aber eigentlich ist ja alles gesagt. Du wolltest uns auf ein Video und eine Pianistin aufmerksam machen und deine (woher auch immer rührende) Bewunderung zum Ausdruck bringen. Das hast du getan, leider sind die Reaktionen nicht ganz zu deiner Zufriedenheit ausgefallen. Und nun lassen wirs gut sein.
 
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  • #13
Wer das auch in diesem kurzen Mozart - Video von ihr nicht hört, dann sorry, dem ist nicht zu helfen.
Wenn einer, der mit Mühe kaum
Gekrochen ist auf einen Baum,
Schon glaubt, daß er ein Vogel wär,
So irrt sich der.
(W. Busch)
 
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  • #14
Es ist toll, wenn weniger bekannte Pianisten und Pianistinnen wie Pejkovic frischer, ideenreicher und sehr originell, ausdrucksstark spielen im Gegensatz zu vielen trocken-mechanisch -unmusikalisch spielenden Stars!

In der Tat! Wenn es denn so ist!!

Ich habe die beeindruckendsten pianistischen Konzerterlebnisse meines Lebens aber - leider?? - vor allem bei berühmten arrivierten und durchaus phantasievollen Klavierbedienern erlebt (Horowitz, Michelangeli, Arrau, Sokolov, Trifonov, .... vor einigen Wochen M.-A. Hamelin und gerade gestern in Dresden Boris Giltburg).
Ich folgere daraus, dass - im großen und ganzen!? - diejenigen, die über längere Zeit eine größere Karriere machen normalerweise auch richtig gut spielen!
Einige bittere Enttäuschungen ändern das Bild nicht grundsätzlich!
 
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  • #15
Ausnahmen gibt es dann, wenn Karrieren gekauft bzw. arrangiert werden. Ich habe mal in New York in einem nicht unbedeutenden Haus dermaßen schlechte Debussy- und Rachmaninov-Préludes gehört, dass meine Begleitung sich in der Pause entschuldigt hat und gehen wollte. Mich hat die zweite Hälfte dennoch interessiert, weil ich meinen Ohren nicht glauben wollte - es wurde aber nicht besser. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Pianist durch reines Können auf seinen Stuhl gelangt ist. Aber war in der Tat eine Ausnahme.
 
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  • #16
Ausnahmen gibt es dann, wenn Karrieren gekauft bzw. arrangiert werden. Ich habe mal in New York in einem nicht unbedeutenden Haus dermaßen schlechte Debussy- und Rachmaninov-Préludes gehört, dass meine Begleitung sich in der Pause entschuldigt hat und gehen wollte. Mich hat die zweite Hälfte dennoch interessiert, weil ich meinen Ohren nicht glauben wollte - es wurde aber nicht besser. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Pianist durch reines Können auf seinen Stuhl gelangt ist. Aber war in der Tat eine Ausnahme.
War das Konzert entsprechend schlecht besucht?
Wie waren die Reaktionen des Publikums?
 
  • #17
Daran kann ich mich nicht mehr so genau erinnern. Ausverkauft war es jedenfalls nicht. Aber so groß, dass eine ganze NYer Halle gefüllt würde, war der Name nun auch nicht, war wohl eher eine lokale oder amerikanische Bekanntheit. Der Lebenslauf strotzte jedenfalls nur so vor Erfolgen. An die Reaktionen erinnere ich mich nicht mehr so genau, es war aber mindestens normalbegeisterter Applaus. Dazu muss man auch sagen, dass ein mittelmäßiges Spiel bei Debussy und Rachmaninov weniger direkt auffällt als z.B. bei Mozart oder Schubert. Manche Komponisten klingen auch bereits in der Mittelmäßigkeit gut, andere wirken erst wirklich, wenn sie richtig gekonnt aufgeführt werden. Ich glaube, Schubert ist einer der empfindlichsten.
 
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  • #18
Ich habe mal in New York in einem nicht unbedeutenden Haus dermaßen schlechte Debussy- und Rachmaninov-Préludes gehört,

Eine alte New Yorker Tradition seit Florence Foster Jenkins ;-)
Aber wurde nicht normalerweise das Publikum für das Klatschen bezahlt?
 
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  • #19
Nun habe ich mir den ersten Satz der 3 vorgestellten Aufnahmen in Ruhe angehört. Wenn ich danach gehe, welche mich am meisten anspricht vom Grad der "Originalität" oder "Außergewöhnlichkeit", ist es die von Pletnev. Fängt schon mit dem sehr leisen Anfang an. Pletnev spielt extrem dynamisch und irgendwie extravagant. Ich habe von ihm auch nix anderes erwartet - habe in letzter Zeit alle möglichen Aufnahmen der Kreisleriana (die ich gerade am Wickel habe) angehört, und Pletnev liefert bei seiner Liveaufnahme von 1983 da viele Denkanstöße durch ebenso ungewöhnliche dynamische und auch agogische Akzente. Man muß ja nicht die gleiche Sichtweise haben, aber es hört sich auf jeden Fall sehr interessant an.

Wenn ich danach gehe, welche(n) der 3 Interpret(inn)en ich im Konzert hören wollte, wäre Frau Haebler allerdings hinten dran, sorry. Die Spielweise von Pletnev zeigt auch in dieser Aufnahme ein riesiges Kaleidoskop an Klangfarben und dynamische Gestaltungsideen. Bei Pejkovic spricht mich der singenden Klavierton und auch die Leichtigkeit der 16tel-Figuren, wie von Alissia angesprochen, ebenso an. Haeblers Aufnahme klingt mir etwas zu unterkühlt und spricht mich emotional nicht so an - alles nur subjektive, nichtsdestotrotz für mich ausschlaggebende, Faktoren. Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass das eine Studioaufnahme ist im Gegensatz zu den anderen beiden Liveaufnahmen; Studioaufnahmen klingen oft kontrollierter, aber nicht unbedingt schöner als Live - geht jedenfalls mir so.

Ich habe die beeindruckendsten pianistischen Konzerterlebnisse meines Lebens aber - leider?? - vor allem bei berühmten arrivierten und durchaus phantasievollen Klavierbedienern erlebt (Horowitz, Michelangeli, Arrau, Sokolov, Trifonov, .... vor einigen Wochen M.-A. Hamelin und gerade gestern in Dresden Boris Giltburg).
Ich folgere daraus, dass - im großen und ganzen!? - diejenigen, die über längere Zeit eine größere Karriere machen normalerweise auch richtig gut spielen!
Einige bittere Enttäuschungen ändern das Bild nicht grundsätzlich!

Was für eine beeindruckende Liste von Starpianisten, die du da erlebt hattest!

Es ist sicherlich richtig, dass die berühmten Pianisten normalerweise auch richtig gut spielen, sonst wären sie eben nicht berühmt. Mit Mozart hatte mich Fazil Say vor ein paar Jahren in Frankfurt schwer beeindruckt. Und auf Trifonov freue ich mich zum Frühlingsanfang in der ElbPhi mit Brahms 2. Klavierkonzert. Wenn ich schon die Liveaufnahme von Trifonov mit der Kreisleriana in der Carnegie Hall anschaue - völlig entrückt und wunderschön gespielt (man hat den Eindruck, er ist selber zum Kapellmeister Kreisler mutiert)...
 
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  • #20
Die Bandbreite ist bei bekannten, wie bei unbekannten Pianisten breit. Es gibt auf der Bühne sehr viel Erstklassiges, einiges, was verhältnismäßig durchschnittlich ist, und manchmal auch Unterdurchschnittliches. Unter den unbekannteren Pianisten genauso - auch dort zahlreiche Perlen, die wirklich sehr gut spielen können. Hin und wieder (!) kann man an Musihochschulen wahre Sternstunden erleben. Dass nicht jeder sehr gute Musiker auf großen Bühnen spielt, hat viele Gründe. Einer davon ist, dass das nicht jeder will und kann (siehe Chopin!).

Eine Konzertkarriere ist unfassbar viel Arbeit, die abseits vom Instrument stattfindet, dazu hat nicht jeder Lust. Unterrichten und weniger bzw. kleinere Konzerte spielen ist in den Anfängen u.U. viel näher dran am Musizieren, bis die Karriere mal richtig läuft (was fraglich ist!). Dazu kostet sie viel Geld, Zeit und Energie und man ist als Solist ständig allein und fernab von zu Hause unterwegs. Es ist eine Entscheidung ähnlich der, ob man gerne Chefarzt oder Vorstandschef werden möchte, sofern man dazu eine Wahl hat. In einer Position (z.B. beruflich) sehr weit vorne zu sein, bedeutet, an anderer Stelle (z.B. im Privatleben, mit Freizeit oder Hobbys) sehr weit hinten zu sein. Klar gibt's da auch seltene Ausnahmen. Wenn jemand nur 15-20 Konzerte im Jahr spielen muss und davon Leben, Spesen und Rente prima finanzieren kann, dann kann man nur gratulieren. Das passiert aber fast nie - und wenn, dann eher erst in der zweiten Lebenshälfte.
 
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