Tipps und Tricks die sich bewährt haben

Je sorgfältiger, und sorgsamer, man eine Passage oder ein Stück langsam über die Geschwindigkeit aufbaut, sowohl in technischer, wie auch in musikalischer Hinsicht, desto besser wird man es später spielen:

musikalisch schön, technisch gut, verspielfehlerfrei und sicher, etc.

Man könnte auch sagen: so wie man übt, so spielt man später auch. Mit Fehlern oder ohne, musikalisch oder nicht...

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Zwar kein Tipp, aber eine Erkenntnis: jedes, auch das virtuoseste, Klavierstück, ist bloß eine bestimmte Betätigung von Tasten. Dazu braucht es eine recht überschaubare Anzahl an geistigen Techniken und Lernmethoden.

Man könnte auch sagen: jedes Klavierstück ist prinzipiell erlernbar. Begrenzungen liegen in der schon erworbenen Technik, und in der Zeit, die man dafür aufwenden kann. Und vielleicht noch in dem kaum faßbaren Faktor "Begabung".
 
Man könnte auch sagen: so wie man übt, so spielt man später auch. Mit Fehlern oder ohne, musikalisch oder nicht...
(...)Man könnte auch sagen: jedes Klavierstück ist prinzipiell erlernbar. Begrenzungen liegen in der schon erworbenen Technik, und in der Zeit, die man dafür aufwenden kann. Und vielleicht noch in dem kaum faßbaren Faktor "Begabung".
Das würde ich jederzeit unterschreiben.

Mein ganz persönlicher Tipp ist mentales Üben. Früher habe ich nur mental geübt wenn kein Instrument in der Nähe war, oder kurz vor einem Konzert um alles noch einmal abzusichern. Jetzt übe ich auch schwierige Stellen mental wenn ich am Klavier sitze und das Stück neu ist. Das Gute dabei ist, dass man sich keine falschen Bewegungsabläufe antrainiert und sich viele unnötige Repetitionen zum Erlernen des Notentextes spart. Was ich mir genau vorstellen kann (Klang, Bewegung, wie fühlt es sich an) das kann ich dann auch spielen. Spätestens beim genauen Vorstellen des Spielens mit den passenden Fingersätzen und dem Gefühl von Finger, Hand, Arm, Schulter usw. stößt man nämlich schnell an seine Grenzen. Wenn die genaue Vorstellung klappt, dann klappt auch der Rest. Üben muss man immer noch, man erspart sich nur das unnötige Herumprobieren und zigfache Wiederholen von Stellen, die dann doch nicht klappen.
Aber das ist mein ganz persönlicher Tipp. Es kann gut sein, dass er nicht für jeden funktioniert, da ich mir klanglich alles nur mit (auch unbekannten) Noten gut vorstellen kann.
 
Noch ein Tipp: Nicht zu schnell üben.

Bei leichten Sachen macht das nicht allzu viel aus. Die "mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Methode" (spielen - schwere Stelle, bumms, verhaut, nochmal spielen, verzögern, trotzdem wieder verhaut, wieder von vorne usf....) funzt auch so irgendwann.

Bei schwereren Sachen wird es eine Frage der Effizienz: es dauert halt einfach länger, bis etwas so in den Kopf rein kommt.

"Schwer" und "leicht" immer in Relation zu den eigenen Fähigkeiten gesehen.
(kontrolliert und entspannt langsam halten kann man sich bei Bedarf mit dem elektronischen Ticktack-Gerät mit Tick auf jede zweite Note, bei triolischen Sachen jede dritte)


Und meine folgende Erfahrung wird vielleicht die meisten nicht interessieren oder betreffen:

Bei sehr schweren Sachen wird das ein lästiges Risiko. Dann stellt man irgendwann mal fest: Shit - die schwere Stelle läuft einfach nicht sauber und zuverlässig, und anscheinend wird sie das nie. Dann heißt es, zwei Wochen (oder je nachdem) Übe-Arbeit wegschmeissen, und wieder von ganz langsam beginnen - aber diesmal richtig. Darauf achten, daß man bei einer bestimmten Geschwindigkeitsstufe wenigstens drei oder fünf saubere, auch klanglich einwandfreie Wiederholungen hintereinander hinbekommt. Sonst übt man zu schnell, oder hat bereits etwas falsch oder unzureichend eingelernt.
 
Habe ich noch vergessen:

es gibt eine Geschwindigkeit, bei der man endlos spielend alles immer klanglich sauber und korrekt hinbekommt - meist ist das eine langsame. Ich hab' das mal die "Sicherheitsgeschwindigkeit" genannt.

Sie ist eine recht gute Ausgangsbasis für das Üben. Ziel wäre es (theoretisch), diese "Sicherheitsgeschwindigkeit" bis zur "Zielgeschwindigkeit" hochzubringen.
 
Ziel wäre es (theoretisch), diese "Sicherheitsgeschwindigkeit" bis zur "Zielgeschwindigkeit" hochzubringen.
...das ist eine sehr idealistische Vorstellung, die sich bei richtig schwierigen Sachen leider (!) bei niemandem einstellt ;):)

was du als Sicherheitstempo bezeichnest, das würde ich lieber gelangweilte Ausgangsbasis nennen:
- gelangweilt, weil nichts passieren kann, alles ist immer richtig (das ist immens wichtig)
- wenn das in die Nähe des Zieltempos kommt, dann ist alles in Butter :)

bei mir, für zwei extreme Beispiele:
allegro Tannhäuser Ouvertüre
gelangweilte Ausgangsbasis Halbe ca. 72
Zieltempo, das immer wieder extra trainiert werden muss Halbe = 80
op.111 allegro von brio ed appassionato
gelangweilte Ausgangsbasis Viertel = 120-136
Zieltempo Viertel ca. 144 (muss ich bei ein paar Stellen immer wieder üben)

allgemein bei schwierigen Sachen, also an der jeweils individuellen Leistungsgrenze, wäre um ein Drittel langsamer für jeden eigentlich prima - z.B. bei einem Chopin Scherzo alles mühelos mit Takt = 90, auch wenn Takt = 120 ungefähr das eigentlich Tempo sein sollte

bei dieser gelangweilten Ausgangsbasis sollte es meiner unmaßgeblichen Ansicht nach möglich sein, 100&ig richtig mit dem richtigen Klang mühelos und ohne nachzudenken spielen zu können, d.h. sich dabei unterhalten können oder an was anderes denken (und sei es, dabei nebenbei glotzen oder lesen)

und es sollte möglich sein, jeden (!!!) Takt ad hoc ohne zu suchen in Zeitlupe spielen zu können (gerne auch aufschreiben zu können)

hierbei allerdings sollten radikal anspruchsvolle Details (z.B. Oktavrepetitionen, Tremoli, üble Doppelgriffpassagen) immer wieder ins Tempo gebracht werden, d.h. den Motor immer wieder aufheulen lassen (((denn durch nur und ausschließlich langsamer spielen lernt man nicht, schneller zu spielen)))

eine weitere sinnvolle Praxis ist, mal Abschnitte der rechten Hand mit der linken zu spielen (ja, auch sauschwierige Passagen: schon allein, um sicherzustellen, dass man alle Töne en detail weiß) ---- wie? was? sollte man das Campanella-Thema mit den Hüpfern auch mal links spielen?? - jepp, sollte man, kann nicht schaden

und noch was kurioses: man sollte r. und l.H. gleichzeitig "trommeln" oder "klopfen" können (also die simultane Reihenfolge der Anschläge rein rhythmisch drauf haben)

(((hähä und für Campanella-Freaks: fis-Moll, g-Moll und a-Moll sowie b-Moll sind auch schöne Tonarten für allerlei Abschnitte -- also transponieren schadet dort, wo es machbar, nur selten)))
 
Hallo rolf,

danke für Deinen schönen Experten-Beitrag! Ich hoffe, es kommt von niemandem Buhu, nur weil dieser Faden zufällig im Anfängerbereich liegt. Und wenn jetzt wieder Nerds wegen Deiner hohen pianistischen Fertigkeiten hier herumnölen (wie in der Vergangenheit schon geschehen), dann gibt's Haue von mir :cool:

was du als Sicherheitstempo bezeichnest, das würde ich lieber gelangweilte Ausgangsbasis nennen

Nennen kann man es sicher auch anders, aber ich fühle mich dabei nicht gelangweilt, und unterhalten oder sonstwas könnte ich mich dabei auch nicht (ich spreche jetzt nur von meinen persönlichen Erfahrungen).

Ich bin vielmehr ganz bei der Sache, kucke daß eben alles immer gelingt, das tut es dann ja auch, und vielleicht ein Tipp dazu: immer nach vorne schauen - Zeit genug hat man dann ja dafür, sowohl was die Noten oder auch die Zieltasten angeht.

Als "entspannt, aber konzentriert" würde ich es beschreiben. Und als "sehr angenehm", bzw. stressfrei. Es macht Spaß.

und es sollte möglich sein, jeden (!!!) Takt ad hoc ohne zu suchen in Zeitlupe spielen zu können (gerne auch aufschreiben zu können)

Ich persönlich verzichte beim Üben auf alles, das nicht direkt dem Ziel dient: zur Sicherheit in der Zielgeschwindigkeit zu kommen. So z.B. auch Transponieren, Händetauschen etc. Vielleicht ist das ein wenig kurzsichtig - aber sei's drum.

Das ist auch einer der Gründe, warum ich so gern davon rede, daß "Klavierspielen nur Tastendrücken" ist - ich will das notwendige Tastendrücken für ein Stück X lernen, und dann kann ich das Stück halt (oder sollte es können). Daß dabei schon ein Haufen "Tastenbilder", Schemata, Ziel-Muster etc. vor dem geistigen Auge ablaufen, steht auf einem anderen Blatt. (Und daß man die Tasten auf vielerlei Arten "drückt", anstößt etc. um an die gewünschten Zielklänge zu kommen, ist sowieso klar.)

(((denn durch nur und ausschließlich langsamer spielen lernt man nicht, schneller zu spielen)))

Jepp - dadurch lernt man gar nichts... sobald es mit einer Geschwindigkeit funktioniert, gehe ich ein kleines Schrittchen nach oben (allermeistens 10 Ticks, in ganz schwierigen Fällen auch nur fünf). Mit den Metronomticks bewege ich mich ca. im Bereich 60 - 160, schwerpunktmäßig etwa in der Mitte davon.

Zu der "Zweidrittel"-Sache bei der Metronomeinstellung: ich muß manchmal mit einer sehr niedrigen "Anfangsgeschwindigkeit" anfangen bei einer Passage. Und man kommt sich nicht selten sehr blöd vor ("andere könnten das doch gleich viel schneller" - "wie soll das jemals klappen" etc.). Von solchen Gedanken mache ich mich mittlerweile frei. Und man muß einfach bei einer Geschwindigkeit beginnen, wo man eine Passage wirklich sauber und klangschön hinbekommt. Alles andere bringt nur Scherereien. Und der Lohn folgt sowieso auf dem Fuß.

und noch was kurioses: man sollte r. und l.H. gleichzeitig "trommeln" oder "klopfen" können (also die simultane Reihenfolge der Anschläge rein rhythmisch drauf haben)

Das klingt interessant ;)

Viele Grüße
Dreiklang
 
Mir ist noch aufgefallen, daß rolf und ich vermutlich von zwei leicht unterschiedlichen Dingen geredet haben: rolf spricht glaube ich davon, Stücke im Repertoire zu halten bzw. wieder aufzufrischen (d.h. der Lernprozeß wurde schon mal durchlaufen), ich rede hauptsächlich vom neu Einlernen von Stücken.

Interessant ist, daß in beiden Fällen von dieser "sicheren Ausgangsbasis" geredet wird (Sicherheitsgeschwindigkeit, bzw. gelangweilte Ausgangsbasis).

Ich denke, jeder, der an sein Klavierspiel besondere Ansprüche stellt (das muß man nicht tun, aber kann man tun) sollte sich diese Sache mit der sicheren Ausgangsbasis einmal durch den Kopf gehen lassen.
 
daß "Klavierspielen nur Tastendrücken" ist

Es ist mehr:

Zitat von Alexander Skrjabin:
Sie müssen die Tasten liebevoll berühren. Drücken Sie sie nicht, als ob sie das Klavier haßten.

Sehr schön ist auch:

Zitat von Alexander Skrjabin:
Spielen Sie doch nicht so, als ob Sie die Wäsche machen würden.

Oder noch besser:

Zitat von Alexander Skrjabin:
Spielen Sie so, als ob Sie benebelt wären.

:D
 
Theatralik und ausladende Armbewegungen waren auch nicht gern gesehen:

Zitat von Liszt:

Üben sollte man zuhause, und nicht im Unterricht:

Zitat von Liszt:
Ihre schmutzige Wäsche waschen Sie bitte zuhause

Und zum Schluß ein paar deutliche Worte vom "Altmeister von B."

Zitat von L. v. Beethoven:
Wer's nicht greifen kann, soll es eben lassen

:D


p.s. das mit dem benebelt sein ist ein schlechter Tipp - Alkohol und Klavierspiel vertragen sich nicht besonders - wurde schon mal angesprochen hier ;)
 
Zitat von rolf;287275bei dieser [I:
gelangweilten Ausgangsbasis[/I] sollte es meiner unmaßgeblichen Ansicht nach möglich sein, 100&ig richtig mit dem richtigen Klang mühelos und ohne nachzudenken spielen zu können, d.h. sich dabei unterhalten können oder an was anderes denken (und sei es, dabei nebenbei glotzen oder lesen)

)

:confused:

DAS hat sich bei mir aber als ruinös erwiesen, hab ich da was falsch verstanden?

wenn ich nicht - gerade beim langsamen Wiederholen "alter Hüte"- genauestens aufpasse und jede Bewegung BEWUSST beobachte und mitdenke, was in dem Takt als nächstes kommt, beginnt das derart wiedergekäute Stück noch während des Spielens unmerklich in die Vergessenheit zu rutschen und nur mehr im Fingergedächtnis zu laufen, ein paar mal so "wiederholt" und schon geht's nicht mehr, da paradoxerweise während des Spielens vergessen!

Vielleicht isses bei mir aber auch der Alzheimer....
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo kreisleriana,

rolf spricht davon, daß es eine Spielgeschwindigkeit gibt, bei der immer alles wiederholt sicher gelingt, und bei der man eben nur noch einen kleinen Teil (!) seiner Konzentration benötigt, um dieses "endlose sichere Gelingen" zu gewährleisten.

Das heißt aber nicht, daß man gänzlich unkonzentriert ist. Und genau das was Du beschreibst

schon geht's nicht mehr, da paradoxerweise während des Spielens vergessen!

passiert nicht, weil ja davon die Rede ist, daß immer vollkommen korrekt gespielt wird. Ich erinnere daran, was rolf schrieb, und was in diesem Zusammenhang sehr wichtig ist:

gelangweilt, weil nichts passieren kann, alles ist immer richtig (das ist immens wichtig)

Bei mir rutscht nichts ins "Fingergedächtnis", wenn ich in meiner "Sicherheitsgeschwindigkeit" übe. Das verhindert allein schon die Konzentration.

Probleme mit dem Fingergedächtnis habe ich genau dann, wenn ich eine Passage nicht von Grund auf gründlich schauend und bewußt einlerne - dann steckt ein viel zu großer Teil vom Gelernten im Fingergedächtnis, und befindet sich nicht unter bewußter Kontrolle. Das macht dann einen Haufen Probleme (zum Beispiel beim Steigern der Geschwindigkeit, und durch das schnelle wieder-Vergessen), und ist deshalb ein Vabanquespiel.

Ich weiß nicht, ob rolf auch noch antworten wird, aber grundsätzlich gilt ja immer: wenn rolf etwas aus seiner (Experten-) Erfahrung berichtet, bedeutet das ja nicht zwingend, daß es jeder nachmachen muß. Für mich ist das aber zumindest ein Anlaß, sehr sehr gründlich über das gesagte nachzudenken.

Viele Grüße
Dreiklang
 

Generell nochmal ein Wort zum "Entspannten Üben", weil es mir so wichtig erscheint:

Wenn man vor einer heiklen Stelle verkrampft, anspannt, ja sogar vielleicht die Zähne zusammenbeißt und sich denkt: "so jetzt kommt das, das muß ich jetzt hinkriegen" dann ist schon etwas falsch. Das ist schon kein "Entspanntes Üben" mehr.

Runter mit der Übegeschwindigkeit - solange, bis man locker-flockig durch die Stelle spielen kann. Das kann, wie gesagt, sehr langsam sein.

Man darf ja niemals vergessen: Klavierspielen ist kein Kraftakt (wie etwa das Gewichtheben) sondern vordringlich eine Koordinationssache, genauer gesagt: ein Spiel der Muskeln und deren Antagonisten, gegen die Masseträgheit und den Bewegungswiderstand von Finger und Tasten - und diese Dinge sind ja recht klein bzw. gering.
 
Bei mir rutscht nichts ins "Fingergedächtnis", wenn ich in meiner "Sicherheitsgeschwindigkeit" übe. Probleme mit dem Fingergedächtnis habe ich genau dann, wenn ich eine Passage nicht von Grund auf gründlich schauend und bewußt einlerne -

kann ich leider von mir nicht behaupten: auch Passagen , bei denen ich jede Note im Kopf hatte, weil öfters vorgespielt, landeten nach einiger Zeit wieder im Fingergedächtnis, wenn ich zu faul war, mit hinreichender Konzentration zu wiederholen.Passierte mir bei op 10/1, die spielte ich zusammen mit dem Liebestod und was aus den Annees de pelerinage vor recht großem Publikum als ich 18 war und war entsprechend gut mit den Sachen vertraut,klappte auch alles, kannste eh locker, dachte ich mir und ließ die Sachen dann von Zeit zu Zeit gemütlich und sicher laufen als Wiederholung , das nächste mal als ich jemand op10/1 vorspielen wollte machte ich große Augen, was da alles nicht mehr ging sondern ins Fingergedächtnis gerutscht war:shock:

2/3 Geschwindigkeit alleine funktioniert bei mir auch nicht bei jedem Werk, es gibt Passagen, da muß ich auch Methoden, die beim Einstudieren nötig waren, immer wieder auffrischen , damit knifflige Stellen weiterhin funktionieren, zB weite Sprünge in der bekannten Methode von Zeit zu Zeit wieder präzisieren, oder bei op 10/2,da bringt 2/3 Tempo alleine nicht den gewünschten Effekt, einige Stellen wollen auch beim Auffrischen sehr systematisch trainiert werden- (diese Etude ist IMO übrigens ein Paradebeispiel, wo Metronommethoden zum Einlernen versagen)

Wenn ich dann noch an irgend was anderes denke, mit jemand plaudere oder so-- also mit null Konzentration beim Training bin, weiß ich inzwischen schon im vorhinein, dass das schädlicher ist, als das Stück gar nicht zu wiederholen.

Aber wie gesagt, early onset- Alzheimer wahrscheinlich....;)
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Geht mir auch so (wenn auch auf anderem Niveau). Gerade heute wieder festgestellt. :(
 
kann ich leider von mir nicht behaupten: auch Passagen , bei denen ich jede Note im Kopf hatte, weil öfters vorgespielt, landeten nach einiger Zeit wieder im Fingergedächtnis

Zum Fingergedächtnis kann ich nicht allzuviel sagen aus meiner Sicht. Nur: daß man es braucht, wenn die Stücke mal schneller werden, weil man sich nur auf eine bestimmte Anzahl von Sachen in der Sekunde konzentrieren kann. Was "dazwischen" abläuft, müssen die Finger mehr oder weniger "selbst", "von alleine" machen.
Bzw. muß man das denen beibringen (automatisierte Bewegungsgruppen einlernen).

Zu große Teile des Stückes im Fingergedächtnis sind schädlich, weil es nicht besonders zuverlässig ist, etwa unter Stress, und so weiter. Ähnlich wie ein Kutscher seine Kutsche und Zügel, so sollte man beim Klavierspielen immer möglichst alles in der Hand behalten und mit dem "Bewußtsein" machen, und nicht irgendwelchen "Automatismen" überlassen.

Das klappt dann besser. Aber ich denke, das weißt Du auch... Ansonsten, muß man immer wieder gegen das Vergessen, gegen den "Abbau von Erlerntem", ankämpfen - selbst rolf geht das so, wie er ja auch schrieb. Auffrischen, und Wiederholen...
 
Zitat von S.:
Sie müssen die Tasten liebevoll berühren. Drücken Sie sie nicht, als ob sie das Klavier haßten.

So Sachen habe ich auch schon ausprobiert (das Instrument ist mein "Freund" etc. - ja ja, ich weiß, ein Schenkelklatscher... ;)) hat alles nicht wirklich geholfen für mein Klavierspiel. Am besten funzt bei mir immer noch: rational-nüchtern daran arbeiten, die Klänge zu erzeugen, die ich mir vorstelle (besonders, solange ich noch an der Technik arbeite).

Bei der Erarbeitung dieser Ziel-Klänge kann emotionales Erleben (sich in Stimmung zu bringen) mich allerdings durchaus unterstützen.

Da, wo die Technik absolut kein Problem mehr ist, kann ich dann auch in Gefühlen schwelgen.
 
nüchtern daran arbeiten, die Klänge zu erzeugen, die ich mir vorstelle

Na dann sei froh, dass Skrjabin nicht dein Lehrer ist! :D

Dennoch möchte ich dir weitere seiner Weisheiten mit auf den Weg geben.

Zitat von Alexander Skrjabin:
Keine trockenen Passagen! Alles muss leben! - Spielen Sie alles in einem Atemzug! - Über allem eine Atmosphäre des Künstlerischen! - Für Sie scheint das eine Passage zu sein, für Mozart aber war es eine Idee, ein Gedanke! - Sie müssen den Klang aus dem Holz und Metall ziehen, wie ein Bergarbeiter kostbares Erz aus der trockenen Erde herauszieht!

Als ihm mal eine Schülerin die Chopin-Etüde op.25 Nr.7 vorspielte und zu der E-Dur-Stelle kam öffnete er das Fenster und sagte zu ihr: "Und jetzt lassen Sie uns die ganze Frische fühlen, die aus dem duftenden Garten ins Zimmer strömt!"

Generell waren "Duft" und "Fliegen" zwei seiner Lieblingswörter, um das Klavierspielen zu beschreiben.

Jeder so wie er mag...;)
 
Lieber Troubadix,

nicht so schlecht, die Zitate... ;) Mir ist gerade wieder eingefallen, daß wir uns hier ja im "Tipps und Tricks"-Faden befinden. Und viele Sachen, auch von den früheren Zitaten, können Klavierspielern glaube ich schon helfen. Es ist halt immer das gleiche ;) wenn man weiß, daß man selbst nicht (mehr) klavierspielt, so wie andere ihre "Wäsche waschen", dann ist es vielleicht schwer, den Wert solcher Tipps für andere auf den ersten Blick noch zu erkennen.

Tatsächlich stark finde ich aber das hier:

Zitat von A. Skrjabin:
Sie müssen den Klang aus dem Holz und Metall ziehen, wie ein Bergarbeiter kostbares Erz aus der trockenen Erde herauszieht!

An diesem Anspruch kann man wirklich arbeiten. Besonders, wenn man bedenkt, wieviel "Erde" man bisweilen durchsieben muß, um an ein paar Gramm wertvollen Erzes zu gelangen...

Schönen Gruß,
Dreiklang
 
Hallo zusammen,

als Wiedereinsteiger finde ich in diesem Thread einen nützlichen Baukasten für die Übepraxis! Aktuell tobe ich mich am "blind spielen" aus, ganz schön schwierig das.

Ich hoffe es ist OK in dem fortgeschrittenen Zustand des Threads auch eine praktische Frage zu stellen, vielleicht steh nicht nur ich auf dem Schlauch und die Präzisierung nutzt noch anderen Nutzern was:

Zu der Regel "Spielen mit so langsamer Geschwindigkeit, dass man keinen Fehler macht" würde ich gerne wissen wie das gemeint ist. Was wird in dem Zusammenhang genau unter "Fehler" verstanden? Geht es "nur" darum, die richtigen Töne mit dem passenden Fingersatz zu treffen und ggf. noch die Dynamik zu beachten, oder ist hierbei auch der Rhytmus/das Timing gemeint?

Denn beim letzten Punkt habe ich starke praktische Schwierigkeiten: wenn ich wirklich so langsam spiele, dass ich auch die schwierigsten Passagen ohne Timingfehler hinbekomme, dann sind andere Passagen des Stücks ggf. todlangweilig und machen keinen Spaß... außerdem dauern zwei Seiten Partitur dann unter Umständen 5 Stunden :D:D:D

Oder ist es dann besser, die schwierigen Passagen in kleinen Portionen isoliert zu üben und auf das Zusammenspiel des ganzen Stücks erstmal solange zu verzichten, bis alle Passagen auf eine "Spaßgeschwindigkeit" gebracht sind?

Bzw. kann man in die Wichtigkeit der Punkte Treffsicherheit, Fingersatz, Dynamik und Rhytmus eine Prioritätsreihenfolge bringen?

Viele Grüße

KrautundRueben
 
Oder ist es dann besser, die schwierigen Passagen in kleinen Portionen isoliert zu üben und auf das Zusammenspiel des ganzen Stücks erstmal solange zu verzichten, bis alle Passagen auf eine "Spaßgeschwindigkeit" gebracht sind?

Dazu schon mal ein "Ja" - von meiner Seite.

Zu der Regel "Spielen mit so langsamer Geschwindigkeit, dass man keinen Fehler macht" würde ich gerne wissen wie das gemeint ist. Was wird in dem Zusammenhang genau unter "Fehler" verstanden? (...) Bzw. kann man in die Wichtigkeit der Punkte Treffsicherheit, Fingersatz, Dynamik und Rhytmus eine Prioritätsreihenfolge bringen?

Dazu hab' ich ebenfalls eine Meinung, würde aber mit dieser noch warten, bis andere Antworten da sind.
 

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