S. Bernstein - Klavier-Choreographie: nicht empfehlenswerte Tipps oder Ratschläge darin enthalten?

Dieses Thema im Forum "Klavierspielen & Klavierüben" wurde erstellt von brennbaer, 12. Sep. 2018.

  1. brennbaer
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    brennbaer

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    Hallo zusammen,

    habe mir, "reBuy" sei Dank, kürzlich für ganz schmalen Taler ein paar Bücher ergattert.
    Unter anderem "Technik des Klavierspiels" von Rudolf Kratzert sowie "Mit eigenen Händen" und "Klavier-Choreographie" von Seymour Bernstein. (Vielleicht eröffne ich bei Bedarf und/oder Gelegenheit einen gesonderten "Rudolf Kratzert & Seymour Bernstein"-Thread, in dem ich (mit Sicherheit aufkommende) Fragen zu den Büchern der beiden Autoren stellen werde.)

    Hier an dieser Stelle geht es mir erst mal nur darum, zu eruieren, ob es in der "Klavier-Choreographie" irgendwelche größeren Patzer gibt, deren Einübung dem geneigten Lernenden nicht zu empfehlen wären, um das eventuelle Einprägen fehlerhafter Technik von vorneherein zu vermeiden.

    So ganz viel falsch wird er wohl nicht machen, falls er seine eigenen Ratschläge befolgt, denn wenn ich mir Videos seiner Einspielungen anschaue, bilde ich mir ein, heraushören zu können, dass er ein sehr musikalisches Spiel mit wundervoll nuanciertem Anschlag, vor allem in den leiseren Passagen, pflegt.
    @rolf hat ja vor längerem sein Buch "Mit eigenen Händen" als aus seiner Sicht eines der besten über das Klavierspiel bezeichnet.
    Da die Klavier-Choreographie danach geschrieben wurde, nachdem Bernstein also noch mehr Erfahrung gesammelt hatte, gehe ich davon aus, dass auch dieses nicht zu schlechtesten zählen dürfte.

    Meine Frage richtet sich also an diejenigen unter euch, die das Buch gelesen haben und aufgrund ihrer Erfahrung, sei es als KL oder als erfahrene Spieler, einschätzen können, ob es im Buch Sachen gibt, über die Ihr Euch gewundert oder den Kopf geschüttelt habt und die man nur mit Vorsicht oder sogar gar nicht genießen sollte.

    danke schon mal :)
     
  2. rolf
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    rolf

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    ...Kratzert schrieb in unserer Muttersprache, was für uns von Vorteil ist - Bernstein müsste man im engl. Original lesen, falls die Übersetzung ... heikel sein sollte (denk nur an "fixiert" in einem kurzweiligen Faden) :-D
    Wenn dir danach ist, dann investiere weiter: P.P.Werners neue Klavierdidaktik ist lesenswert.
    Du wirst weder bei Kratzert, noch bei Bernstein und Werner groben Unsinn finden.
     
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  3. brennbaer
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    brennbaer

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    ja, der Faden ist ja fast schon legendär :-D

    den "20-Lessons-Bernstein" hatte ich tatsächlich in der Originalfassung gesucht, allerdings scheint er neu (50$ plus Versand 50$ :blöd:) nur noch in den USA erhältlich zu sein. Und gebraucht werden die anscheinend mit Gold aufgewogen. Wobei auch da anscheinend aktuell nur in USA erhältlich.
    Da habe ich mich dann doch lieber für die "paar Euro fuffzich" für die deutsche Version entschieden und nehme eventuelle Unsauberkeiten in der Übersetzung in Kauf.
    Muss man halt bißchen nachdenken, wenn einem etwas komisch vorkommt.

    Da steht übrigens tatsächlich auch etwas von fixierten Fingern drin.
    Wobei fixiert in Gänsefüßchen steht.
    Dazu nimmt er Bezug auf ein Experiment in den ein, zwei Seiten vorher und schreibt:
    "...tritt folgendes Ergebnis ein: Die Finger sind leicht gestreckt (Anmerkung von mir: aufgrund des genannten Experiments ist dem geneigten Leser klar, dass "leicht gestreckt" eine Krümmung, einen natürlichen, stabilen Bogen in den Fingern beinhaltet). Dies nennen wir von nun an "fixiert". Fixierte Finger sind natürlich genau das Gegenteil von losen, schlaffen Fingern. ...."
     
  4. mberghoefer
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    mberghoefer

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    in seinem "mit eigenen Händen" nennt er diese "losen, schlaffen Finger" "weich gekochte Nudeln", ich finde man versteht eigentlich ganz gut, was er so meint (bin mit diesem Buch aber erst ungefähr zur Hälfte durch, muss manches zweimal lesen und mich ab und zu mal zwingen, etwas auszuprobieren)
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Sep. 2018
  5. Tastatula
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    Tastatula

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    Seymour Bernstein ist mein Lehrer. Er ist bald 92 Jahre alt und noch immer in bester Verfassung. Niemals verlasse ich ihn, ohne etwas Erstaunliches mit nach Hause zu nehmen.
    Ich kenne niemanden, der so gut, so umfassend und so auf den Punkt Sachverhalte erklären kann und immer, ich betone: immer ist Klavierspielen mit seinen Empfehlungen leichter.
    Es gibt eine fantastische Doku über ihn, die Ethan Hawke vor ein paar Jahren gedreht hat. Am Ende dieser DVD (auf deutschen DVDs vielleicht nicht abspielbar, wohl aber im PC) ist ein wunderbares Konzert zu hören aus dem Showroom des ehemaligen Steinwayhaupthauses an der 57. Straße in New York. Die Weisheit des Lebens in den Fingern...
    Sehr empfehlenswert.
    Der Name des Films - bekommt man bei Amazon - :
    "Seymour: An Introduction"

    Zum Thema: Ich habe die Keyboard choreography auf Englisch. Wenn Ihr wissen wollt, wo die deutsche Übersetzung vielleicht hapert, vielleicht kann ich helfen.
     
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  6. brennbaer
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    brennbaer

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    Ist etwa spät geworden. Wollte vorm Schlafengehen noch ein wenig üben, daraus wurden 1 1/2 Stunden Computernothilfe per Whatsapp-Videophonie für meinen Bruder.. :dizzy:
    Für's Piano ist's nun zu spät:-(, das Bett ruft. :müde::schlafen:, aber soviel Zeit muss noch sein:
    Seymour Bernstein als Lehrer: das nenne ich mal cool... :super:
    Wollte gerade fragen, ob Du Untericht per Skype oder so nimmst.
    Aber die Aussage, das Du ihn niemals verlässt, ohne etwas Erstaunliches mitzunehmen, lässt mich annehmen, das Du in den USA lebst.

    Dein Angebot mit der Übersetzungshilfe nehme ich bei Bedarf gerne an.
    Danke schon mal im voraus :-)


    Und wenn es Dir recht ist, würde ich hin und wieder auch ein paar Fragen zur Ausführung mancher Übungen stellen wollen.

    Hätte da auch schon direkt eine :-D: in Lektion 10, sie nennt sich "Das federnde Handgelenk", legt er das linke Handgelenk auf der rechten Hand ab und lässt die linke Hand herunterbaumeln.
    Ich vermute, bin mir aber nicht ganz sicher, dass die folgenden Übungen ("der kleine Elefant auf Zehenspitzen" & "die zierliche Tänzerin") mit auf der anderen Hand abgestütztem Handgelenk ausgeführt werden. Sehe ich das richtig?
     
  7. Tastatula
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    Tastatula

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    Zu Beginn kann man das bestimmt machen, aber das Ziel ist eigentlich, die Bewegung frei ausführen zu können.
    Übrigens finde ich die Übersetzung der Stücktitel nicht so glücklich, denn die Titel helfen bei der Bewegungsausübung. Es ist der Babyelefant auf Zehenspitzen und die anmutige Ballerina. Aber das nur nebenbei.
     
  8. brennbaer
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    brennbaer

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    Danke :-)
    ja, ich denke, es geht dabei darum, dass man beim Baumeln lassen der Hände an den abgestützten Handgelenken ein bewusstes Gefühl für die Freiheit der Hände bekommt.
    Habe es bei mir selber beobachtet.
    Das rechte Handgelenk kann ich ohne weiteres komplett "loslassen", so dass es sich sehr frei anfühlt. Wenn ich im abgestützten Zustand ein Handgelenk-Staccato ausübe, spüre ich überhaupt keine Anspannung.
    Im linken Handgelenk ist es anders, das fühlt sich "blockierter", fester, angespannter an.
    In der freien Ausführung, wenn die Handgelenke nicht von der jeweils anderen Hand abgestützt werden, spüre ich das unterschiedliche "Festigkeits-Niveau" weniger stark.
     
  9. Alter Tastendrücker
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    Alter Tastendrücker

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    Ich mag die Bücher von ( und mit) S. Bernstein auch gerne und finde sowohl die Person, als auch seine Sprache sehr kenntnisreich und sympathisch!
    Die Choreographie ist ein extrem ambitioniertes Unterfangen, welches aus zwei Gründen problematisch ist:
    1. Die Terminologie ist zu kompliziert, viele unterschiedliche Zeichen, die Ähnliches bedeuten und zum Einzeichnen in den Text irre aufwändig sind.
    2. Die Terminologie ist zu begrenzt, da gutes Klavierspiel ein derart komplexes Zusammen Wirken der einzelnen Glieder verlangt, dass auch eine noch wesentlich kompliziertere Terminologie nicht annähernd ausreichend ist.

    Dennoch, wenn man das Klavierspiel überhaupt so beschreiben will ist das Buch bislang der beste Versuch, den ich kenne.

    Mit eigenen Händen war mir letztlich sympatischer!
     
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  10. brennbaer
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    brennbaer

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    ja, das Problem ist, dass ohne bewegtes Anschauungsmaterial, sei es per Video oder natürlich besser live und „in echt", so einiges Potential an Missverständnissen vorhanden ist. Da ist es sehr hilfreich, wenn man zumindest das Forum fragen kann.
    Und auch YouTube, stichwortartig durchforstet (z.B. wrist-staccato, rotation in piano, etc), kann eine große Hilfe sein, wenn es darum geht, sich vorzustellen, was Bernstein mit diesem und jenem Begriff meint.
    Man muss dabei das (hoffentlich) richtige Gefühl dafür entwickeln, welche Tutorials gut und sinnvoll sind und welche nicht, welche nachvollziehbar Bernsteins Übungen darstellen und welche nicht.

    Richtig cool wäre es natürlich, wenn Mr. Bernstein auf seine alten Tage noch ein paar Videos produzieren würde, in denen er die Ausführung seiner Übungen kurz und knapp veranschaulichen würde.