Stilblüte in New York

Danke, wusste ich gar nicht. Wie hast du das denn rausgefunden?
 
Danke, wusste ich gar nicht. Wie hast du das denn rausgefunden?
Namen - google search - videos

Ich dachte zunächst, dass du oder irgendein Bekannter von dir, das hochgeladen hatte, dann sah ich dass das der offizielle Account war.
dasVideo war schon 3 Tage oben , ob die Sendung dasöfter macht? Bei dem Thema bietet sich das ja auch an

Zumindest in deren Datenbank läufts du mit vollständigem Namen ;)
 
Seit kurzem ist ein Video online vom Meisterkurs mit Philippe Entrement im Rahmen des International Keyboard Festival in New York (Hunter College, Manhattan) 2016, bei dem ich als erste gespielt habe. Am Anfang unterrichtet noch mein Lehrer Jerome Rose, weil der Maestro viel zu spät kam. Irgendwo hab ich mich mal verspielt, ich glaube da rümpft er herrlich die Nase.
Und meine Lieblingsstelle ist bei ca. 22:10, wo Entrement auf einem für mich unbrauchbaren Fingersatz besteht und ich nicht so enthusiastisch reagiere, wie er das gerne hätte... Das merkt er wohl und bringt es auch ganz klar zur Sprache :-D

Ich werde mir das nicht nochmal alles angucken, ich war ja dabei und kann mich sowieso schlecht selber sehen. Falls das aber jemand tatsächlich tut, hier noch eine Rückmeldung aus dem Publikum - Entrement wollte, dass ich unglaublich leise spiele. Man sagte mir anschließend, leider hätte man auf den Holzbänken nichts mehr gehört. Das hat mich dann beruhigt, weil mir das selbst zu wenig tragend war. Mit dem Tempo der Toccata habe ich mich auch nicht angefreundet, auf der CD wird es deutlich schneller sein.

Hier das Video:

View: https://www.youtube.com/watch?v=-9wTEHdwsbg
 
Ich gratuliere Dir zum Überstehen dieses Martyriums!
 
Ich gratuliere Dir zum Überstehen dieses Martyriums!
Was genau ist für dich daran das Martyrium? :lol:

Ich weiß übrigens noch, wie ehrfürchtig ich bei meinem ersten Meisterkurs vor fast 10 Jahren (!) bei Feuchtwanger war. Heute hat sich meine Ehrfurcht für fast sämtliche Personen aufgelöst, denn übermäßige Demut (wie sie z.B. im asiatischen Raum teilweise praktiziert wird) geht mir auf die Nerven, egal ob ich die Demütige bin oder die Gedemütigte... äh, ich meine, die Bewunderte... :-D

Also im ernst: Was bleibt, ist Respekt vor dem Menschen und seinem Lebenswerk und auch vor seiner Meinung. Allerdings heißt das für mich nicht, dass ich sie einatmen und bedenkenlos übernehmen muss, und es heißt für mich eigentlich auch nicht, dass ich keine Fragen stellen darf - und zwar echte, bedenkenswerte, keine Verständnisfragen oder Fragen nach dem Fingersatz.

Mit dieser Einstellung überlebt man ziemlich viel einigermaßen unbeschadet. Und es ist ja auch gut zu wissen, was einem nicht so zusagt. Gleichzeitig ist es sehr wohltuend, manchmal sanft dazu gezwungen zu werden, bestimmte Gedanken ernsthaft zu denken, das heißt auch, bestimmte Dinge musikalisch umzusetzen, die man niemals von allein machen würde (z.B. die Toccata so lahm spielen).
 
Was genau ist für dich daran das Martyrium? :lol:

Ich weiß übrigens noch, wie ehrfürchtig ich bei meinem ersten Meisterkurs vor fast 10 Jahren (!) bei Feuchtwanger war. Heute hat sich meine Ehrfurcht für fast sämtliche Personen aufgelöst, denn übermäßige Demut (wie sie z.B. im asiatischen Raum teilweise praktiziert wird) geht mir auf die Nerven, egal ob ich die Demütige bin oder die Gedemütigte... äh, ich meine, die Bewunderte... :-D
Wenn jemand so casual gekleidet (die Schuhe, genial!) in eine Recital Hall kommt und dann so gekonnt spielt. Das sieht man nicht alle Tage. :-D
 
Was genau ist für dich daran das Martyrium? :lol:

Ich weiß übrigens noch, wie ehrfürchtig ich bei meinem ersten Meisterkurs vor fast 10 Jahren (!) bei Feuchtwanger war. Heute hat sich meine Ehrfurcht für fast sämtliche Personen aufgelöst, denn übermäßige Demut (wie sie z.B. im asiatischen Raum teilweise praktiziert wird) geht mir auf die Nerven, egal ob ich die Demütige bin oder die Gedemütigte... äh, ich meine, die Bewunderte... :-D

Also im ernst: Was bleibt, ist Respekt vor dem Menschen und seinem Lebenswerk und auch vor seiner Meinung. Allerdings heißt das für mich nicht, dass ich sie einatmen und bedenkenlos übernehmen muss, und es heißt für mich eigentlich auch nicht, dass ich keine Fragen stellen darf - und zwar echte, bedenkenswerte, keine Verständnisfragen oder Fragen nach dem Fingersatz.

Mit dieser Einstellung überlebt man ziemlich viel einigermaßen unbeschadet. Und es ist ja auch gut zu wissen, was einem nicht so zusagt. Gleichzeitig ist es sehr wohltuend, manchmal sanft dazu gezwungen zu werden, bestimmte Gedanken ernsthaft zu denken, das heißt auch, bestimmte Dinge musikalisch umzusetzen, die man niemals von allein machen würde (z.B. die Toccata so lahm spielen).
Das sieht man übrigens auch an deiner Körpersprache und dem Verhalten während des Kurses. Du stehst z.B auf gehst zur Hoheit rüber, schaust aufs Notenblatt, gehst wieder zurück. Das habe ich noch in keinem anderen Meisterkursvideo gesehen.
Normal sitzen die alle zitternd, völlig verkrampft vor dem Klavier.
Schau mal Barenboim - Lang Lang.
Da bist du doch noch gut weggehommen ;)

Seine Hoheit tanzte doch fast am Ende.
 

Sehr spannend zu schauen und ich finde du hast dich sehr gut gehalten!

Entremont singt/brummt häufig mit wenn er etwas demonstriert, aber was für Silben nimmt er da?
Das klingt teilweise etwas abgedreht, sind das Silben aus der letztens in einem anderen Faden diskutierten Solmisation?

In den Meisterkursen von Andras Schiff, (die einzigen, die ich auf youtube bisher gesehen habe) kommt das mitsingen/brummen auch vor, klingt aber - anders.
 
Danke für den tollen Mitschnitt. Da sieht man mal wie weit einen viel Talent + Zielstrebigkeit + harte Arbeit bringen, ich bin beeindruckt und drücke alle Daumen für das Quäntchen Glück :)

Ich finde es als Anfänger/Nichtmusiker immer sehr verblüffend, wie flott die Künstler die Verbesserungsvorschläge umsetzen und einbauen können. Oftmals höre ich sogar als Laie deutliche und unmittelbare Verbesserungen.

Er ist echt 82? Wenn ich so alt werden sollte, dann möchte ich auch gern noch so aktiv sein :)
 
Was genau ist für dich daran das Martyrium?

Mich würde es narrisch machen, wenn da neben mir einer rumpelstilzchengleich herumfuhrwerkt und ich mich neben dem Musizieren auch noch auf sein englisch angestrichenes Gallisch konzentrieren soll; an irgendeinem Punkt der Verhandlung wär ich dem bestimmt an die Gurgel gegangen. Also: Glückwunsch zu Deiner Nervenstärke, zum Spiel sowieso. Hoffentlich läßt Du Dir jetzt nicht auf Dauer die Toccata zum Trauermarsch machen.
 
Mich würde es narrisch machen, wenn da neben mir einer rumpelstilzchengleich herumfuhrwerkt und ich mich neben dem Musizieren auch noch auf sein englisch angestrichenes Gallisch konzentrieren soll; an irgendeinem Punkt der Verhandlung wär ich dem bestimmt an die Gurgel gegangen. Also: Glückwunsch zu Deiner Nervenstärke, zum Spiel sowieso. Hoffentlich läßt Du Dir jetzt nicht auf Dauer die Toccata zum Trauermarsch machen.
Das ist doch Teil der bezahlten Show. Soll er stumm daneben sitzen und höchstens 3 mal vorsichtig etwas ansprechen. "Wären Sie so freundlich in Betracht zu ziehen in Takt..." Die Zuschauer müssen doch etwas geboten bekommen ;)
 
Hallo Stilblüte,

das ist doch prima gelaufen :) ich habe jetzt anhand der Kommentare hier ein viel langsameres Tempo bei der Toccata erwartet. Ich finde seinen Vorschlag gar nicht so übel. Vielleicht sind seine Tempi aber generell einfach dadurch limitiert, dass er in Prestissimo die Solmisationssilben nicht mehr mitsprechen kann :denken:

lg marcus
 
Das ist doch Teil der bezahlten Show. Soll er stumm daneben sitzen und höchstens 3 mal vorsichtig etwas ansprechen. "Wären Sie so freundlich in Betracht zu ziehen in Takt..." Die Zuschauer müssen doch etwas geboten bekommen ;)

Nun, ich kenne mich mit den Konventionen bei solchen Veranstaltungen nicht aus. Wenn ich mich aber an die Werkwochen für Kirchenmusiker meiner jungen Jahre zurückerinnere, ging es da durchaus anders zu. Die Mentoren (darunter waren durchaus auch bekannte Leute wie H. Rilling) ließen die Probanden erstmal spielen, machten sich dabei Notizen, um erst anschließend den Delinquenten in aller Gemütsruhe und mit analytischer Ausführlichkeit zur Schnecke zu machen. Ich persönlich hätte bei der Art von Mentoring, wie es Anne hier zuteil geworden ist, sicher garnichts gelernt.
 
Vielleicht ist es an dieser Stelle passend, einen kleinen Auszug aus meinem Blog zu dieser Unterrichtsstunde zu kopieren, die auch eine Anekdote über meine Kleidung enthält:

Am nächsten Tag kam ich in Alltagskleidung zum Meisterkurs und traf im Flur den Aufnahmeleiter Jo, der mich begrüßte mit den Worten "Willst du so spielen? Find ich gut." Ich: "Äh... Ist doch nur eine Unterrichtsstunde, oder?" Ich kam in den Saal und sah, dass alles gefilmt und aufgenommen werden sollte und lief meinem Lehrer J.R. in die Arme. "Das kommt ins Fernsehn! Hast du nichts anderes zum Anziehen?" Ich: "???!" Warum hat mir das keiner gesagt?"
Schließlich stellte sich heraus, ins Fernsehen kommt gar nichts, sondern nur auf YouTube, vielleicht, und ein blauer Kaschmir-Pullover aus dem Rucksack war auch gut genug. Wenn denn der Meister mal kommen würde.
Wir warteten und warteten, fünf Minuten, zehn, fünfzehn, er kam nicht. Angesichts seines fortgeschrittenen Alters stellten sich langsam Sorgen ein. J.R. beschloss schließlich, dass er selbst unterrichten würde, da man ja die Aufnahme bezahlt hatte und das Publikum wartete. Als ich gerade ein bisschen gespielt hatte und Rose zu Sprechen beginnen wollte, kam der Meister ohne ein Wort der Entschuldigung zur Tür herein mit 45 Minuten Verspätung, und unterrichtete doch selbst. Obwohl meine Unterrichtszeit faktisch schon vorüber war, ließ er mich den gesamten Tombeau de Couperin von Ravel spielen (allein die Spielzeit beträgt schon fast 30 Minuten). Seine spärlichen Kommentare allerdings beschränkten sich auf ein paar komische Fingersätze, Dynamik- und Tempohinweise. Er verlangte von mir ein so leises Piano, dass ich hinterher aus dem Publikum die Rückmeldung erhielt, man hätte nichts mehr gehört. Die furiose Toccata sollte ich im halben Tempo spielen (dem, was für den Meister noch machbar wäre?). Meine Abneigung gegen seine Fingersätze schien er zu spüren, denn nach zehn Minuten fragte er "You don't like me, eh?" Ich konnte schlecht sagen, dass ich seinen blöden Fingersatz schon vor drei Jahren verworfen hatte.
Für den Rest der Zeit ließ er mich damit zum Glück auch in Ruhe und sprach nur noch über Gestaltungsdinge, die interessant waren, wenn auch nicht livechanging. Als er merkte, dass ich spielen kann war er sehr freundlich, und ich spürte durchaus den großen Geist der musikalischen Weisheit zu mir herüberwehen -
 
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