Ich hatte gestern die wundervolle Gelegenheit bei Steingraeber in Bayreuth vorbeizufahren (war in der Nähe im Urlaub) und die dortigen Instrumente anzuspielen. Erst einmal gab es in interessanter Optik in hellem Holz mit dunklen Zeichnungen von Wagner auf dem gesamten Instrument einen B-192, ein 138K und ein 130T. Musikalisch gute Instrumente, was mir an diesen und auch einigen anderen Klavieren, A-170 und B-192 aufgefallen war, ist eine erstaunlich schnelle Abnahme der Klangkraft in den höchsten paar Diskanttönen. Ich habe mich noch durch zwei weitere 138K und das gesamte Flügelsortiment von A bis E gespielt, wobei von allen Flügelmodellen mindestens drei vorhanden waren, außer vom C-212 gab es nur ein Modell.
Meine Highlights waren dabei folgende. Eins der optisch gewöhnlichen 138K war musikalisch für mich ein herausragendes Pianino. Das hat wirklich Spaß gemacht und mich zum Spielen angeregt. Dann ein A-170 mit Carbon-Reso und Stegagraffen. Die Lautstärke des Instruments war im Vergleich zu den beiden direkt daneben stehenden A-170 deutlich leiser, aber gleichmäßig über den gesamten Dynamikbereich. Der Klang war dafür sehr klar und es war eine sehr intime Klangentfaltung, was ich sehr interessant fand und in mir Lust am klanglichen Experimentieren weckte. Wenn ich richtig in die Tasten gehauen habe, hat mir allerdings für den großen Ausstellungsraum ein wenig der klangliche Wums gefehlt. Optisch war es eine interessante Sondergestaltung mit weißen Zeichnungen auf dem gesamten schwarzen Instrument. Die wirklich sehr nette und mir den ganzen Laden in beiden Gebäudeteilen zeigende Verkäuferin meinte zu mir, dass dieser A-170 bei Open-Air-Konzerten in Bayreuth zum Einsatz kommt und da die robustere Ausführung bei der Stimmhaltung zum Tragen kommt.
Mein absolutes Trauminstrument war allerdings der einzig verfügbare C-212. Er ließ sich traumhaft leicht und präzise spielen, konnte sehr zart klingen, aber auch mit ordentlich Power, vom tiefen Bass bis in den höchsten Diskant. An dem Instrument habe ich mich oft dabei ertappt, mich im Klang zu verlieren und gar nicht mehr wirklich bewusst darauf zu achten, was ich spiele. Da konnten für mich die drei D-232 im selben Raum und die drei E-275 im etwas größeren Kammerkonzertsaal nebenan nicht mithalten. Der Funke wollte nach diesem Instrument nicht mehr so richtig überspringen.
Insgesamt war ich ca. 1,5 Stunden dort, es war eine wundervolle Erfahrung.