schlechter Steinway oder nicht

Dieses Thema im Forum "Klavier/Digitalpiano/Keyboard kaufen, reparieren.." wurde erstellt von MinimalPiano, 11. Feb. 2018.

  1. MinimalPiano
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    MinimalPiano

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    Liebe Clavio Gemeinde

    Ich lese jetzt sicher zwei Jahre hier fleissig mit und habe dank euch viel Piano Wissen anhäufen dürfen. Nun weiss ich aber nicht weiter und wende mich nun an dieses Forum.
    Ich werde dieses Jahr 40:cry:, spiele seit zwei Jahren begeistert Klavier. Spielte vorher aber noch nie ein Instrument. Und eigentlich kaufte ich ein EPianonur für meine ältere Tochter, klimperte dann aber auch selber etwas drauf rum und kam auf den Geschmack. Durch die Videos von Forschbach (ja ist verpönt hier, ich weiss) konnte ich sogar eine einfache Version von Für Elise spielen. Meldete mich aber trotzdem bei einer Klavierlehrerin an und spiele seitdem sicher eine Stunde täglich.
    Ich besitze ein Konzertklavier aus meiner schweizer Heimat und bin mit dem sehr zufrieden, ein wunderbar frischer glockiger Klang. Leider ausgebremst durch die etwas schwerfällige Flemming Mechanik (1926). Wurde aber durch die vielen Pro Flügel Beiträge überzeugt, mir auch ein Flügel zu gönnen. So kam es auch. Klavier ausgeleiht und einen Flügel gemietet.
    Es wurde nach einem Besuch in einem Pianohaus ein Steinway A. Aber nur ein alter (1901), bin eben nicht reich. Und weil er nur 85 Tasten besitzt, das Sostenuto fehlt und der Flügel Furnierlook hat, ist er für ein Steinway noch erschwinglicher für mich. Ok, es gab noch ein günstigeres Modell in Nussabaum, aber das gefiel mir und vorallem meiner Frau gar nicht. Dunkles Palisander hat für mich etwas Ästhetisches und passt hervorragend in mein Haus.
    Wie schon viele vor mir geschrieben haben, zwischen dem Klavier und dem Flügel liegen bei der Mechanik Welten. Ich konnte Sachen spielen, bei denen ich vorher Mühe hatte.
    Die Mechanik spielt sich wirklich butterweich, dass es eine Freude ist.
    Aber leider war ich, an den glockigen Ton des Klaviers gewöhnt, mit dem Klang noch nicht zufrieden. Im Laden hatte er noch gut geklungen, aber Zuhause war der Klang ganz anders. Im Diskant klingt es noch passabel, aber im Bassbereich kling er... wie soll ich sagen, er klingt etwas dreckig. Manche Tasten sind klar, manche Dumpf. Aber Kraft hat der Bass und der ist gewaltig. Ich habe danach im Fachgeschäft noch etliche Flügel getestet, aber in der Grösse haben nur wenige solchen Bass gehabt.:coolguy:
    Es wurde dann ein externer Klavierbauer für eine Expertise engagiert. Der war auch beindruckt von dem Palisander und hat alles schön angeguckt. Mechnik ist gut reguliert und sieht gut aus. Die Hämmerköpfe müssten aber in ein paar Jahren ausgewechselt werden, weil der Filz nicht mehr abgezogen werden kann. Bei der Akkustik ist alles gut. Resonanzboden wurde ausgespant, hat aber viele Risse gehabt. Bei den Saiten wurden die Basssaiten nicht ausgewechselt sondern nur gewaschen und dann wieder die alten aufgezogen. Als er dann spielte, sagte auch er, dass er nicht gut klänge. Man könnte mal einmal intonieren, um eine gleichmässigkeit zu erreichen. Aber ob das den viel helfen wird?

    Ich besitze den Flügel jetzt zwei Wochen und habe dem Pianohaus mitgeteilt, dass ich mit dem Klang nicht warm werde. Sie sagten, ich könne jederzeit wechseln, solange der nächste Flügel teurer wäre.
    Das habe ich dann gemacht und zwei Stunden lang alles getestet (die haben 40 Flügel) was ich dort in die Finger kriegte.
    Aber keiner gefiel mir zu 100%, bei jedem passte mir etwas nicht. Am besten war der Yamaha CX 3, aber leider zu schmaler Bass und der Shigeru Kawai hatte etwas metallische Obertöne. Ein 200er Bösendorfer ist in einem anderen Laden ausgestellt und konnte leider nicht getestet werden( oder noch nicht). Bechsteins waren leider nur Totalrevisionen mit Polyester vorhanden.

    Nun meine Frage an die Profis hier.
    Eigentlich macht der Flügel spass. Mechanik spielt sich sehr gut, Bass ist über jeden Zweifel erhaben und das Palisander macht eine gute Figur. Akkustik scheint nach Expertise gut in Schuss zu sein.
    Müssste also nur Basssaiten und Hämmerköpfe gewechselt werden.
    Aber da liegt ja mein Dilemma. Wie klingt der dann? Klar kann ich dann nach meinem Geschmack intonieren lassen. Aber reicht das?
    Der Boden wurde zwar geflickt, aber hatte viele Risse. Wie lange hält so ein gespanter Boden?

    Danke für eure Antworten.

    MFG

    Jonny
     

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  2. Barratt
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    Barratt Lernend Mod

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    Ein herrliches Instrument hast Du da. :herz: Was auch immer daran zu optimieren ist – ein guter Klavierbauer wird es richten können.

    Vielleicht teilst Du einfach mal mit, in welcher Gegend Du ansässig bist. Dann wird Dir hier vielleicht jemand empfohlen, der sich Deines Schätzchens liebevoll annimmt. :-)
     
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  3. agraffentoni
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    agraffentoni

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    Wenn das ein Spezialist macht, hast Du ein tolles Instrument mit Charakter.
     
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  4. Drahtkommode
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    Drahtkommode

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    Dann kommen ja langsam die guten Jahre! :coolguy:

    Aus meiner Erfahrung kann ich mich den Vorrednern nur anschließen. Neue Bassaiten bringen einfach sehr viel im Klang, da hat man möglicherweise beim Herrichten am falschen Ende gespart.

    Um den Resonanzboden mach dir mal nicht die geringsten Sorgen, wenn er erst mal 100 Jahre abgelagert und dann ausgespant ist, ist er fit für die nächsten 300 Jahre.
    Hammerköpfe würde ich tatsächlich erst mal gut intonieren lassen, aber natürlich nachdem neue Bassaiten drauf sind.

    Und noch eine Erfahrung: Nachdem mein Flügel zu Haus war, hab ich zwei Jahre und zwei Intonierungen gebraucht, bis ich rundum zufrieden war – jetzt ist er ein Traum!

    EDIT: Geiles Teil!
     
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  5. MinimalPiano
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    MinimalPiano

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    Danke für die Blumen.:super: Gehören tut er mir (noch) nicht.
    Ich komme aus der Region Bern in der Schweiz und bin sicher dankbar über einen guten Tip.
    Mein Klavierbauer des Vetrauens ist leider nie erreichbar, weshalb ich jemand anderes die Expertise machen liess. Leider war meine Frau dabei und sagt mir nun dauernd, ich solle ein anderes Instrument nehmen, da meines ja Schrott sei. :dizzy:
    Der Klavierbauer sagte, er gebe mir keine Kaufempfehlung für die gefordeten 13k. Für 8k würde er ihn kaufen. Naja, einen Steinway unter 10k habe ich noch nie gesehen.:konfus:

    Daran werde ich auch nicht vorbeikommen mit meinem Plattenboden. Habe jetzt schon zwei Teppiche hingestellt, ein dicker sogar unter den Flügel, aber es hallt immer noch ein bisschen.
     
  6. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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  7. xentis
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    xentis

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    Das Resultat kann man nie genau vorher sagen. Kann sein, dass er mit einem neuen Bassbezug toll klingt, genauso ist es aber möglich, dass das Klangproblem so ist wie zuvor. Auch neue Hammerköpfe sind kein Wundermittel das jeden Klangwunsch möglich macht.
     
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  8. OE1FEU
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    OE1FEU

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    Wenn der Boden bereits einmal repariert wurde und wenn er nicht scheppert, dann laß jeglichen Gedanken daran fallen, noch irgend etwas an dem Boden zu machen. Als besten Kompromiß zwischen Investition und zu erwartendem Ergebnis dürfte die Wahl eines Klavierbauers Deines Vertrauens sein. Jemand, der schon über einen möglichen Ankaufspreis bei der Begutachtung spricht, würde ich sofort hochkant rauswerfen. Der hat wohl eher Interesse daran, mit ein paar Reparaturen eine erhebliche Marge aus einem späteren Verkauf zu erzielen.

    Neue Hammerköpfe kosten nicht die Welt, vor allem aber bieten sie Dir Gewähr, dass ein guter Techniker die Köpfe grundsätzlich intonieren und dann an Deine Wünsche und Erfordernisse anpassen kann. Und auch das reine Material für die Baßsaiten ist nicht teuer. Den Löwenanteil an Kosten wird der Klaviertechniker in seiner Arbeitszeit sein.

    Vielleicht solltest Du noch folgende Sachen überprüfen lassen, auch, um eine grundsätzliche Kaufentscheidung treffen zu können:

    * Scheppert der Resonanzboden?
    * Gibt es Saiten, die sich nicht sauber im Chor stimmen lassen?
    * Dämpft die Dämpfung noch sauber genug?
    * Macht die Mechanik auffälige Geräusche (Hebeglieder, Piloten, Auslösepüppchen)?
    * Läßt sich die Mechanik noch sauber regulieren?
    * Wie gut hält er noch die Stimmung?
    * Rutschen die Saiten beim Stimmen noch sauber durch die Agraffen oder knackst es?
    * Ist die Anschlagslinie noch gerade, oder müßte die mit neuen Hammerköpfen neu ausgerichtet werden?

    Ein vernünftiger Klaviertechniker wird sich ausreichend Zeit nehmen, um das Instrument auf genau diese Fragen hin zu überprüfen und Dir dann recht schnell sagen können, welcher Zeit- und Materialaufwand zu erwarten ist, vor allem aber mit Dir klären, was die beste Balance zwischen Investition und zu erwartendem Ergebnis ist. Bei der Auswahl eines geeigneten Technikers ist diese Fragestellung wohl die wichtigste. Einen Techniker, der sich alles anschaut und dann ohne Rückfrage sagt, was da gemacht werden muß und was es kostet, würde ich nicht beauftragen.

    Du solltest auch klären, ob die dann geplanten Arbeiten auch vor Ort gemacht werden können, also nur die Mechanik in die Werkstatt muß. Sonst hast Du nachher plötzlich nochmal erhebliche Kosten für Transport.

    Viel Erfolg - und nichts übers Knie brechen. Wenn Du unsicher bist, noch einmal einen weiteren Techniker fragen. Dieser hier macht mir übrigens einen sehr guten Eindruck:

    http://www.klavier-becker.ch/

    Der ist wohl auch regelmäßig in Bern.

    Welche Seriennummer hat der Flügel eigentlich? Der müßte ja wohl ähnliches Baujahr sein wie mein B von 1887.
     
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  9. MinimalPiano
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    MinimalPiano

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    Leider ist mir noch nie ein Förster Flügel unter die Finger gekommen. Klavier habe ich dann und wann in Anzeigen gesehen. Scheint in der Schweiz nicht so verbreitet zu sein.
    Ich habe gar nicht erwähnt, dass er mir einen gebrauchten C3 angeboten hat.:rauchen:
    Danke für die Liste, ich werde das beherzigen, wenn ein anderer Techniker kommt.
    Die Seriennummer ist 100947.
    Ich hatte bei Steinway mal nachgefragt und folgende Anmtwort erhalten:


    Die Seriennummer 100947 steht für einen in Hamburg gebauten Modell O Flügel in Palisander Ausführung, den wir im Dezember 1901 an unser Haus in London verschickt haben. Mehr Informationen liegen uns leider nicht vor.


    Das lustige daran ist, dass meiner ein A ist.:konfus:
    Tippfehler oder umgebaut?
    Der Resonanzboden ist sicher Sitkaholz und nicht mehr Weissfichte.

    Aber: Hauptsache ein Hamburger.
     
  10. OE1FEU
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    OE1FEU

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    Da kann etwas nicht stimmen. Die Seriennummer 100947 ist definitiv nicht diejenige Deines Flügels. Es gab nur eine Version des A-Flügels mit 85 Tasten und die wurde zwischen den Seriennummern 38726 und 76040 gefertigt, also zwischen 1878 und 1893 ausgeliefert. Es gab auch nie einen O-Flügel mit nur 85 Tasten.

    Jetzt ist also Detektivarbeit angesagt, um die tatsächliche Seriennummer herauszufinden, wobei das letztendlich eine akademische Frage ist. Die Hamburger Fabrik wurde erst 1880 eröffnet und hat in den ersten Jahren zu 100% amerikanische Teile bekommen, es war also eine reine Endfertigungsstätte in Hamburg. Erst im Laufe der Jahre sind dort tatsächliche Produktionseinrichtungen entstanden für Einzelteile, die dann eben nicht mehr aus Amerika kamen. Noch bis weit ins 20. Jahrhundert kamen die Gußrahmen aus den USA.

    Das gute ist: Du kannst jetzt mal entspannt mit Deinem Händler reden und ihm sagen, dass der Flügel deutlich älter ist, als von ihm angegeben. Vermutlich hat derjenige, der den Resonanzboden repariert hat, dann eben auch den Rahmen neu lackiert und dabei dann Modellbezeichnung und Seriennummer 'angepasst'.

    Würde mich nicht wundern, wenn Dein A und mein B Brüder sind.

    Oh, Du kannst auch vom begutachtenden Techniker mal checken lassen, ob Deine Mechanik nicht schon für 3 Pedale ausgelegt ist. Meiner hat auch nur 2 Pedale, aber die Lyra wurde irgendwann ausgewechselt und die originale muß eine mit 3 Pedalen gewesen sein, weil die Mechanik alles hat, um das Sostenuto-Pedal zu nutzen.
     
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  11. Bassplayer
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    Bassplayer

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    Die Gussrahmen der Hamburg Flügel immer noch aus den USA (lt. Steinway-Händler), weshalb dort auch "New York" drauf steht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Feb. 2018
  12. MinimalPiano
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    MinimalPiano

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    Ich habe das mit der Seriennummer noch genauer angeschaut und noch eine Nummer gefunden unter der Klaviatur. Siehe Foto
    Ein A müsste meiner schon sein, denn er hat die Glocke am Gussrahmen.
    Irgendwo habe ich mal hier gelesen, dass man um 1900 noch auf Wunsch 85 Tasten haben konnte. Finde den Beitrag aber gerade nicht.
     

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  13. Wiedereinaussteiger
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    Wiedereinaussteiger

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    Es gibt durchaus A-Flügel mti 85 Tasten und 100.000er Seriennummer. Die wurden noch in Hamburg gebaut, dort brauchte man die älteren Bestände an Klaviaturen und Rahmen aus New York auf. Es gibt in diesem Thread "weiter unten" eine Steinway-Produktions-Chronik. Da stehts drin. MitSeriennummern (New Yorker Bezug). Die Geschichte ist die, dass die Umstellung von 85 auf 88 Tasten bei den A- und B-Flügeln in New York 1892 und 1893 lief. Nach 1893 haben alle New Yorker Flügel 88 Tasten. Aber in Hamburg sollen noch bis ca. 1905/1906 A- und B-Flügel mit nur 85 Tasten gebaut worden sein.

    Man kann diese Flügel (ob Hamburg oder New York) nicht daran erkennen, ob sie die "Sheraton"-Arme haben, denn diese Umstellung kam erst um 1910 herum, dass die New Yorker Kisten an den eckigen Tastenklappen erkannt werden können.

    Wikipedia: "Die Identifikation älterer Steinway-Flügel ist Spezialistensache".
    (Ich weiß, wie dieser Satz da rein kam... hihihi)

    Einen schönen alten A um die vorletze Jahrhundertwende finde ich klasse. Er sollte allerdings relativ preiswert sein, oder in top Zustand. Man muss also ganz genau gucken, ob die "Mängel" echte Mängel sind, oder ob es an der persönlichen Klangpräferenz liegt.

    Wenn der Klang, den ein alter Steinie gibt, nicht der ist, den man will, dann muss !!! man gucken, ob sich ein Steinie darauf hin abwandeln ließe... Auch ein Steinway hat nur eine begrenzte Bandbreite von-bis beim Hart-Brillant-oder-weicher-machen. Man kann was an den Saiten tun, und auch was an den Hämmern. In den USA werden Steinways sogar von wenigen Profis um-skaliert., Neuberechnungen der Saitenanlage, d.h. da kommen auch andere Steg-Positionen heraus, denn man hat ja nur den Bauraum, den man hat...

    Ich gebe mal ein Beispiel. Vor ca. drei vier Jahren besuchte ich den Abverkauf des damals größten Klavierhändlers der BeNeLux-Länder, der seinen Riesen-Standort in Culemborg schloss und sich kleiner setzte. Dessen Werkstatt hat ein unglaublich gutes Händchen zum Sanieren alter Steinways. Die hatten zu jenem Zeitpunkt eine ganze Flotte ca. 100 Jahre alter A und B... , bestimmt fünf oder mehr Flügel. Deren Mechaniken - ein einziger Traum. Heute sitzen die in Den Haag.

    Um nun abzuklären, ob da was gehe, ob sich ein vorhandener guter Steinway so umbauen lasse, wie man es selber dann mag vom Klang, sollte man gucken, mehrere A-Flügel zu spielen zu bekommen - a) bei Steinway-Händlern, b) bei Steinway-A-Besitzern. Ich persönlich kenne leider nur einen, Herrn Forrester in Hannover. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man mit New Yorker Hämmern an einem A einen schön glockigen Klang hinbekommt.

    Ein unglaublich gutes, inspiratives Buch zu diesem Thema Intonieren, Hämmer..., ist (in englisch) für mich mal das Buch vom André Oorebeek gewesen.
     
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  14. Wiedereinaussteiger
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    Wiedereinaussteiger

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    ...zwei Ergänzungen... Auch Steinway selber hat mit dem A recht erheblich "herumgebaut".., es gibt mehrere gravierende Änderungen am Scaling und an den Steg-Ausführungen. Das Buch von Roy Kehl weist das aus.

    Mein eigener Flügel hat mal eminent im Klang gewonnen ... - als der Klaviemacher Michael nach langem Drängeln meinem "bescheuerten" Plan folgte, die relativ neuen deutschen Hämmer rauszumachen und mal probehalber uralte New Yorker Hämmer reinmachte... Unterschied wie Tag und Nacht. Dann haben wir komplett umgebaut, neu raus, alt rein...

    Seither erfreue ich mich an echtem New Yorker Wohlklang aus Hämmern, die min. 70, eher 90 Jahre alt sind.

    Meiner ist allerdings kein A-Flügel.
     
  15. OE1FEU
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    OE1FEU

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    Ich habe diesen einen Satz überlesen: "The 85-note A¹ was continued for Hamburg until 1905."

    Dann hat sich also wohl lediglich bei Steinway ein Fehler eingeschlichen, indem sie ihn als O-Flügel in ihrer Liste führen.
     
  16. MinimalPiano
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    Danke Wiedereinaussteiger für den informativen Beitrag. Ich habe auch schon in anderen Fäden von deinem Steinway Wissen gelesen.:super:

    Das wäre das Ziel.:love:

    Also Mängel hat er nicht. Vielleicht leicht optische: Eine Elfeinbeintaste wurde ersetzt und ist etwas kürzer, Bronzierung der Platte hat unten ein paar schwarze Flecken, Gehäuse auf der einen Seite leicht heller usw
    Aber laut Expertise ist die Mechanik und die Akkustik sehr gut in Schuss. Einzig die wieder aufgezogenen Bassaiten und die Hämmerköpfe gibt es zu bemängeln.
    Der Klavierbauer meinte, die Revision wurde gut gemacht (ausser den Bassaiten).
    Die Mechanik ist wie oben geschrieben ein Traum. :herz:

    Edit: Er reklamierte noch die kleinen Hämmer beim Bass.
    Ich weiss nicht, machen die kleinen Hämmer nicht gerade den leichten Anschlag aus?


    Ich lasse wohl bei der anstehenden Stimmung mal Intonieren.
    Oder ich wechsle im Geschäft zB zu einem Bechstein
    https://www.ricardo.ch/kaufen/musik...-bechstein-mod-203-cm-occasion/v/an912820686/
    da ist alles gemacht und man hat 30 Jahre Ruhe.

    Das habe ich schon von anderen gehört, da war sogar ein A als M eingetragen.
     

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  17. J. S. Schwach
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    J. S. Schwach

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    Da wäre ich mir nicht so sicher. Holz arbeitet immer.
     
  18. Wiedereinaussteiger
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    Wiedereinaussteiger

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    Identifikationsproblem in den Seriennummern ca. 80.000 bis 120.000 ist oftmals, dass damals die A noch kürzer waren als die heutigen 188... Wenn da wer misst, misst er oft Mist. ... (So geschehen auch mal einem KLavierbaumeister am Bayrischen Walde... einen O-Flügel mit Seriennummer aus 1896..., na das konnte er vergessen...es war ein alter A..., denn O gab es erst ab 1900.) Dann denkt er u.U., er hätte einen O-180 am Wickel, den es aber erst ab 1900 gab..., und hat statt dessen einen der kürzeren älteren A am Wickl, die nur um 182 lang sind. Dann werfäxelt er das mit den ersten O, die wie auch heute noch schon mit 180 Länge rauskamen.

    = = =

    Ich verrate mal, wie ich an meine alten New Yorker Hämmer kam. ... Bei Steinway werden die Klaviaturen komplett rausgerissen bei einer Generalsanierung... Der Krams landet auf dem Hof in der Tonne. Jetzt gibt es in NYC (min. dort...) schmitzekatzige Mitarbeiter oder oder.., die sich diese Klaviaturen aus der Tonne trecken. Die dann den Krams bei ihh pähh verhökern.

    Ich hatte ein Riesenglück, dass ich von einem "Berliner Protzhaushalt" (oder New Yorker) offenbar die Hammersätze bekam... Vertigris drin, also Grünspan an den verkupferten Achsen, aber die Hämmer gar nicht abgespielt. Steinway achst nicht aus bei Grünspan und macht alte Hämmer wieder gängig, sondern macht neue rein. Kunde zahlt.

    (NB OT Rund Berlin sollen in den teuren Grünlagen-Villen an die 500 arme Steinways stehen..., die stehen und stehen..., nur so, werden auch gestimmt, es könnte ja mal wer prominenter Tastentäter vorbeikommen, und oder den anderen führt man einen kultivierten Haushalt vor, i.e. mit Flügel... , doch keiner spielt mit ihnen. Das ist böse ist das.., denn ein Steinway hat eine Seele. Ist wie mit den alten Violinen. Spielt man sie nicht, werden sie seelentraurig.)

    Es gibt aber seriösere Methodologien, als uralte Hämmer aus dem Schrott zu fischen, oder wie ich ehedem verschrottete Hämmer aus eBay abzufischern... , dann einen gnädigen eesterräächischen Klaviermacker zu suchen, der einem die wieder fit fummelt...
    Man suche nach "Ronsen USA" z.B. Oder unterhalte sich mal mit dem Herrn Abel oder Renner. Oder bestelle durchaus in Hamburg die Hämmer, die Kollegen helfen gerne - aber aus New Yorker Fertigung, wenn denn man gut 5 Mille locker sitzen hat, für einen Komplettsatz Hämmer mit Stielen und allem.

    (OT - Hier liegt noch ein Hammersatz für einen C oder D, mit fast neuen Abel-Hämmern. Ist für weit weniger Talers verfügbar, da drei Basshämmer "umgewinkelt" werden müssen, d.h. Hakö abziehen, Bohrungen stopfen, verschleifen, in anderem Winkel der moderneren C - D neu bohren, und die drei Köpfe wieder anleimen. Mit der Winkel-Bohrvorrichtung kann ich aushelfen.)

    Bei alten New Yorker Hämmern, so denn man sich sowas traue..., beachte man bitteschee noch, dass der Abstand des Hammerröllchens von der Achse über Jahrzehnte nur 16mm war, bei deutschen Steinies 17. Die neueren aus NYC haben nun auch 17mm. Das ist bei sehr empfindsamen Fingern schon zu spüren. Entweder lässt man das so, stellt nur den "Jack" / Stößel anders unter das Röllchen, oder man kann an die New Yorker Hammerköpfe deutsche Stiele machen... , die Varianten und Möglichkeiten sind enorm.

    Wenn es also nur an etwas "Glockigkeit" fehlt, na dann ran an den guten A, und ihn bei Gelegenheit entsprechend auffitten. Sonst kaufe man Blüthner, Förster, oder oder.

    Aber die Crew der Steinie-Füchse ist schon was Besonderes. ;-) (pro domo posauniert.) Meist hat man im Leben nicht oft die Wahl, eigentlich nur einmal.., in diese Liga. ... Ich konnte das auch nur einmal wählen. Musste mein klein Herzeken in alle Hände nehmen. Was habe ich gebibbert... Fünfstellig Talers. Und das für eine uralte Karre...

    U.v.a dank des Zuspruchs vom Klaviermacher Michael S selig (<winkewinke> auf Wolke 17) habe ich die Traute gefunden - und es ward der allerbeste Kauf meines ganzen Lebens. Besser als 20 Motorräder, als 50 Autos, 40 Kameras, 140 Modellbahnloks, 1300 Modellautos, und zwei Häuser. Steht alles zurück gegen das Glück, das einem ein (OK, fitter) Steinway-Flügel spendiert. Und sei er auch uralt.

    Oder gerade das - uralt....

    Nun verrate ich ein kleines Geheimnis - des arroganten alten Onkels Dagobert, der mit den Talers im Pool... Lange ist es her. Den einen ist ein umso neuerer Flügel umso besser. Das erzählen sie uns auch immerdar aus New York udn aus Hamburg. Kann man ja so sehen... Die aber, die ihr Ohr "richtig" , na OK, anders ... gepolt haben, sehen das 180° anders... Gerade wenn man nicht auf Jazz, mal gar nicht auf Yamaha-Klang, sondern auf "glockig" steht...
     
  19. fisherman
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    fisherman

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    ICH würde hier Step by step vorgehen. Zuerst mal ORDENTLICHE Bassaiten rein, wenn schon klar ist, dass die alten nix taugen.

    DANN ERST - wenn überhaupt noch nötig - das Hammerproblem angehen. Das sehe ich aber nicht soooo eindeutig. Mir scheint da - gerade im Bass/Mitte - noch genüg Filz drauf zu sein. Meine, die unser (hier schon öfter genannter) Micha abgezogen hat, waren weitaus schlimmer! Mit neuen Hämmern ist das nämlich so eine Sache: Du bekommst mehr Masse, der Klang verändert sich, dito die Lautstärke. Hinzu kommt, dass Micha z.B. für so einen Fall auf vorintonierten Originalhämmern bestanden hätte - und die kosten ordentlich!

    Vielleicht ist das Problem mit dem Basssaitentausch beseitigt?

    PS. Für mich klingen übrigens S&S-Bässe fast immer ein wenig "dreckig", was durchaus reizvoll ist. Weiche, runde Bäse hat eher Bösendorfer. Nur dumpf dürfen sie wirklich nicht sein. Wie lange hast Du den Flügel schon? Vielleicht musst Du Dich noch daran gewöhnen (ging mir so!)? Dann blieben nämlich nur die (wenigen?) dumpfen Basstöne und da könnte man dann durchaus erst mal nur mit partieller Intonation starten.
     
  20. Wiedereinaussteiger
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    Wiedereinaussteiger

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    Apropos Fehl-Identifikation rund um die Jahre 1900 etc.

    .... Ist eigentlich ganz leicht. Hat er 26 Basstöne am Stück, dann ist es immer ein "miniature design" - also O-180, L-180, M-170 oder S-155. Nur die "kleineren" Steinway-Flügel haben so viele Basstasten in der ersten Sektion links. Hat der Flügel weniger, dann ist es ein A, B,C oder D.

    Oder noch was Älteres...
    Vor 1886 oder vor 1875...
    Ich scheue mich, nein weigere mich, einen Parlor Grand von 1872 als C-Flügel zu benennen, oder ältere Konzerter als D.... Steinway kann das tun, ich tue das nicht, und es gibt Gründe dafür.

    Die älteren Biester können herrlich sein, super ober grande klasse im Klang.., ich bin ein unendlicher Fan des Klangs der "Henry"-Parlors..., der Siebenfüßer von 220 Länge, die am sorgfältigsten, dicksten, prallsten, aufwendigsten gebauten Flügel, die ich kenne. Private Flaggschiffe der Firma unterhalb der Konzerter-Liga.

    DIE sind mal schön glockig...

    Alle fünfe, die ich mal wann wie wo je zu spielen bekam, waren herrliche Instrumente. Hätte ich nicht schon was obersuperaffenti... dolles hier stehen, ich hätte einen "Henry". Einen weißen Queen-Anne-Semikonzerter von 1871, tituliert as "Mangeot-Steinway", ganz was Spezielles..., der mir sonst für einen unfassbar kleinen Taler zum Abholen mit VW-Bus in Clermond-Ferrand zugelaufen wäre.

    Ich wäre min. genauso glücklich wie jetzt mit meinem kleinen Drachen.

    Aaaber... aber sie haben einen offenen Stimmstock. Das muss man wollen, und die (kleinen) Nachteile kennen: öfter stimmen, und nur 85 Tasten.

    Es sei denn, ein Konzerter nach 1865, die hatten ab dann alle 88 Tasten. Wobei, ein Konzerter hat dann einen anderen dickedicken Nachteil: du darfst niemals mehr noch lustvoll losrennen, dir einen anderen Flügel kaufen zu wollen. Warum nicht? Weil du den dicken Flügel nicht mehr gescheit los wirst....
     
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