Rondo A Capriccio- Die Wuth über den verlorenen Groschen

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niklas93

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Hallo zusammen,
ich versuche mich derzeit an Beethovens Rondo A Capriccio. Es läuft für meine Verhältnisse auch gar nicht so schlecht, ich habe nur ungeheure Probleme mit den 16tel Begleitfiguren nach dem E-Dur Teil (da, wo das Hauptthema wieder beginnt). Meine Finger wollen es einfach nicht im Tempo hinkriegen. Hier gibt es ja bestimmt den ein oder anderen, der Erfahrung mit dem Stück hat. Ich hoffe auf ein paar nützliche Tipps, mit denen sich speziell diese Stelle üben lässt. Das Problem besteht darin, dass ich viel zu ungenau und zu laut spiele, wenn ich dort ein bestimmtes Tempo erreiche. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit macht meine linke Hand einfach "zu". Danke schon mal im Voraus.
Niklas
 
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Locker bleiben, Dynamisierungmaßnahmen einbringen (Bewegung Arm/Handgelenge) und die Bewegungen auch mal ganz langsam durchzuführen und dabei bewusst zu beobachten könnte helfen.
 
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jannis

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Lieber @niklas93 ,
wie Du siehst, ist es schwierig, Dir in diesem Falle etwas zu raten. Das Problem ist, dasz niemand sehen kann, wie Du diese Stelle spielst. Ein Fehler waere hier das "Festhalten" der Tasten und ein starrer Arm. Du hast gleich nach der E-Dur Stelle z.B. G-h-d-h-g-h-d-h-G-h-d-h-g-h-d-h usw. in sehr schnellem Tempo zu spielen. D.h. G-d-g-d-G muessen mit 5-3-2-3-5 z.B. gespielt werden, dazwischen aber jeweils ein h mit 1. Das geht nur mit einer Art Schaukelbewegung der aber noch aus dem Oberarm gesteuert die groeszere Bewegung fuer G-d-g-d-G ueberlagert ist. Je nach dem wie stark Du Tasten faelschlicherweise festhaeltst, koenntest Du z.B. zuerst nur g-h-g-h mit 2-1-2-1 usw. ueben. Dabei aber keine Tasten festhalten und dies nicht aus den Fingern anschlagen, sondern als leichte Pendelbewegung. Dann das Gleiche mit d-h-d-h usw. mit 3-1-3-1 usw., dann mit 5-1-5-1 usw. G-h-G-h. Das Ganze bis ins hohe Tempo. Vor allem bei letzterem die Hand nicht uebermaeszig dehnen und nicht mit groszer Fingeraktivitaet arbeiten sondern den Arm pendeln lassen. Dann z.B. d-h-g-h-d-h-g-h usw. und erst dann G-h-d-h-g-h mit Stehenbleiben auf dem letzten h. Dabei ist jetzt wichtig, dasz Du die Figur als eine(!) Bewegung und nicht als 5 Spruenge fuehlst. D.h. schon das "Abspringen" vom untersten G soll eine natuerlich Pendelbewegung in Gang setzen, so dasz Du die Toene "wie von selbst" abspielst. Das muszt Du schon bei den Einzelintervallen geprobt haben.
Wenn das alles gar nicht funktioniert, dann beginne mit einem einzelnen "Sprung": g-h, bzw. d-h, bzw. G-h: Stell Dir vor, die zwei Toene praktisch in einer "Wischbewegung aus dem Arm" nur "mitzunehmen". Reduziere die "Wischbewegung" und wandele sie in eine Pendelbewegung fuer g-h-g um (auf dem letzten g stehenbleiben!). Dann g-h-g-h (auf dem letzten h stehen bleiben) usw. Wichtig ist immer, dasz Du keine Tasten festhaeltst. Wichtig ist auch, dasz Basznoten, also G-d-g kraeftiger klingen als das h. Das "Gewicht der Hand" liegt also eher auf den Basznoten, waehrend das h nur leicht beruehrt wird.
Irgendwie kann ich es nur schlecht beschreiben. "Weitgriffige Albertibaesse" kommen bei Beethoven oefter vor.
Viel Erfolg
Jannis
 
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niklas93

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Danke erstmal für den wirklich hilfreichen Kommentar. Ich fürchte aber, dass mein Problem weniger in der technischen Ausführung, als in der Psyche liegt. :konfus: Ich kriege es so lange auf die Reihe, bis ich wirklich versuche, ans Originaltempo zu kommen, das heißt, bis ich mich auf die Rechte Hand und die Melodie konzentriere. Dann vergisst meine Linke anscheinend, wie sie sich zu bewegen hat. Ich habe das Gefühl, dass ich mich da an einem bestimmten Punkt befinde, den es zu überbrücken gilt, um die nötige Dynamik und Gleichmäßigkeit zu erreichen. Und da das ärgerliche darin besteht, dass es so ziemlich die einzige Stelle des Rondos ist, die nicht funktioniert, hoffte ich, dass es ein verbreitetes Problem ist, das eine ganz spezielle Lösung benötigt. Aber so wies aussieht, scheint es doch was individuelles zu sein :-D
 
mick

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Ich fürchte aber, dass mein Problem weniger in der technischen Ausführung, als in der Psyche liegt. :konfus: Ich kriege es so lange auf die Reihe, bis ich wirklich versuche, ans Originaltempo zu kommen.
Genau so würde ich den Begriff "technisches Problem" definieren. Langsam kann ich beispielsweise die Sprungstelle im Mephisto-Walzer prima spielen. Ich habe jetzt die Wahl: übe ich die Stelle solange, bis ich sie im geforderten Tempo kann (mühsam und langwierig) oder gehe ich zum Psychologen und hoffe, dass der das Problem für mich löst?

;-)
 
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jannis

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Das sehe ich genau wie @mick . Wichtig ist, tatsaechlich die linke Hand zu automatisieren. Das bedarf vieler Uebung. Beim Zusammenspiel kann es auch helfen, zunaechst nicht alle Noten der linken Hand zu spielen, damit Du genau weiszt, was zusammenkommt und was nicht. Dann die zusaetzlichen, z.B. die Noten h mit "1", in langsamem Tempo einfuegen, aber das h in absolutem pianissimo spielen, so dasz Du immer noch das Gefuehl hast, nur die wichtigen genau zusammengehoerenden Noten zu spielen. Ich hoere Dich ja nicht spielen, aber ich koennte mir vorstellen, dasz Du versuchst, die Begleitung total laut und jeden Ton irgendwie "gehaemmert" "richtig" zu bringen. Das fuehrt bei der Stelle sicher nicht zum Erfolg. Da kommst Du irgendwann aus dem Takt, weil Du die Orientierung im Takt verlierst.
Psychologen haben mir noch nie geholfen, ein technisches Problem zu loesen, intelligent ueben aber schon, viel ueben auch nicht immer. :-)
Viele Gruesze
Jannis
 
Bassplayer

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Jetzt, wo du das Problem genauer geschildert hast und meinen Beitrag oben nicht hilfreich fandest, kann ich den nur wiederholen.
Edit: wenn du trotz der psychologischen Komponente deines Problems vielleicht annimmst, Lockerheit sei nicht erforderlich, wenn dir Dynamisierungstechniken (gemeint ist Dynamik in der ganzen notwendigen Bewegung, das hat also nichts mit der Dynamik des Stücks zu tun) nicht bekannt sind und wenn du die langsame Analyse der Beweungsabläufe für nicht hilfreich hältst, kannst du diesen Beitrag natürlich ignorieren, aber er mag anderen im grundsätzlichen Umgang mit technischen Schwierigkeiten helfen, wie ich es schon häufiger gesehen habe.
LG
BP
 
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rolf

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Da schließe ich mich guten Gewissens an!

Wichtig ist, tatsaechlich die linke Hand zu automatisieren. Das bedarf vieler Uebung.
Der erste Satz ist goldrichtig!
Der zweite Satz ist heikel... warum?
Normalerweise hat man einiges spieltechnisches Rüstzeug, bevor man auf Stücke wie dieses G-Dur Rondo oder - um bei Beethoven zu bleiben - das Finale der Mondscheinsonate, die c-Moll Variationen oder die Eroica-Variationen losgelassen wird... Die erwähnte Stelle bzw. Begleitfigur ist gemessen daran, was ansonsten in diesem Rondo verlangt wird, geradezu trivial!!! Mein Verdacht ist: wer diese Begleitfigur nicht hinkriegt, der ist ohnehin von diesem Stück manuell überfordert.
Die Begleitfigur (eine Art Albertibass) zerlegt sich in ein Bass-G und einen G-Dur Quartsextakkord sowie Bass-G und quintlosen Dominantseptakkord - für beide hat Moszkowski den optimalen Fingersatz für ängstliche Spieler (diebefürchten, den Bass nicht zu treffen) in seiner Ausgabe geliefert: 5-1-4-1-2-1-3-1 - - man kann aber problemlos 5-1-4-1-2-1-4-1 für beide Figuren nehmen
Beim Zusammenspiel kann es auch helfen, zunaechst nicht alle Noten der linken Hand zu spielen, damit Du genau weiszt, was zusammenkommt und was nicht.
in diesem Fall: nein! das hilft hier nicht, sondern stiftet nur Verwirrung --- wenn die linke allein ihren Part nicht hinkriegt, dann muss sie halt langwierig geübt werden (aber mir ist schleierhaft, wie man diese triviale Stelle als Problem empfindet, aber mit den großflächigen Arppeggien danach zurecht kommt...)
 
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jannis

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@rolf :
Der erste Satz ist goldrichtig!
Der zweite Satz ist heikel... warum?
Genau deswegen mein Satz, dasz viel ueben nicht immer hilft. Ich weisz ja gar nicht, was und wie der thread-Ersteller die Stelle spielt.
Allerdings bin ich auch sehr verwundert, warum ausgerechnet diese Stelle Probleme bereiten soll. Andere sind wirklich schwieriger. Ich habe das als Kind gelernt, meine Haende waren damals noch ziemlich klein, allerdings hatte ich mit vielen anderen Stellen mehr Muehe als mit dieser.
Ich koennte mir denken, dasz der thread-Ersteller ein Koordinationsproblem hat und tatsaechlich gar nicht weisz, wann welche Achtel, Sechzehntel der rechten Hand mit der Linken zusammenkommen. Und dies meine ich jetzt durchaus rein "intellektuell", obwohl er sagt, dasz er die Stelle in langsamem Tempo kann. Auf jeden Fall kann man, ohne ihn gesehen und gehoert zu haben, wenig sagen, auszerdem scheint er echt nicht gut auf das Stueck vorbereitet zu sein.
Und ja, es ist eine Voraussetzung, dasz die linke Hand diese Stelle allein hinbekommt, sonst ...
Jannis
 
 

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