Zusatztakte im verlorenen Groschen

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Dircules

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Weiß eigentlich jemand, was es mit den zusätzlichen Takten (Wiederholung des ersten Couplet, T32ff) in Beethovens Rondo op129 auf sich hat, die in manchen Ausgaben erscheinen und in anderen nicht? Wurden die nachträglich eingefügt (wenn ja, von wem?) oder in anderen Ausgaben entfernt, oder entstammen die einer Arbeitsfassung Beethovens? Täte mich mal interessieren, danke.
 
mick

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Die Takte 32-39 sind in Beethovens Manuskript enthalten, aber nicht in der von Diabelli herausgegeben Erstausgabe. So steht es jedenfalls im Vorwort meiner Henle-Ausgabe.

LG, Mick
 
Dircules

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Hey danke, das ging ja flott :super:
 
LMG

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Die Takte 32-39 sind in Beethovens Manuskript enthalten, aber nicht in der von Diabelli herausgegeben Erstausgabe. So steht es jedenfalls im Vorwort meiner Henle-Ausgabe.

LG, Mick
Ergänzend / bestätigend meine Wiener Urtext-Ausgabe, UT 50020 / Brendel:

Zitat aus Noten an der Stelle: Fußnote:

Die Original-Ausgabe hat die Takte 32-39 des Ms. versehentlich weggelassen. Siehe Kritische Anmerkungen.
Zitat aus Kritische Anmerkungen hinten:

T 32-39 : Diese Takte fehlten vor der Auffindung des Ms. in allen Ausgaben. Die 3. und 4. Zeile des Ms. enden mit den fast gleichlautenden Takten 31 bzw. 39; der Bearbeiter hat aus Versehen eine Zeile übersprungen. Die parallelen Oktaven bzw. verdeckten Quinten der T. 32 / 33 erfordern eine Korrektur: es ist im 2. Viertel der l.H. T. 32 das h zu ergänzen oder aber in den folgenden beiden e-Moll-Akkorden das h zu streichen.
LG, Olli
 
Dircules

Dircules

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@Dircules:
Hast ja ein ähnliches Profilfoto, wie @xXanonymXx :-)
Stimmt, die beiden Typen auf den Fotos sehen sich verblüffend ähnlich.:konfus:

Ergänzend / bestätigend meine Wiener Urtext-Ausgabe, UT 50020 / Brendel:
LG, Olli
Danke, sehr interessante Zusatzinfos. Bei den meisten Interpretationen, die ich kenne, wird der Teil auch weggelassen. Dabei ist das so eine schöne Fingerübung mit dem ganzen Beimviertenfingerübergesetze.
 
LMG

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Danke, sehr interessante Zusatzinfos. Bei den meisten Interpretationen, die ich kenne, wird der Teil auch weggelassen. Dabei ist das so eine schöne Fingerübung mit dem ganzen Beimviertenfingerübergesetze.
Tjaa - wie's bei Fingersätzen so ist: Einer machts so, Brendel machts wieder anders, ich machs noch wieder anders - da gibts sicher zahlreiche Herangehensweisen. :-)

Ich glaube allerdings, dass die "Wut" für die meisten, die schon länger spielen oder gar Profis sind, nicht sooo schwierig ist, dass sie es - oder Teile daraus - als spezielle Übung für egal welche Fingersatzaktivitäten nehmen würden, ich glaube, denen ist es aus dieser Sichtweise egal, ob die Takte drin sind oder nicht.

Wichtig ist die Frage: Gehören sie - gemäß Beethoven - hinein?

Wenn diese Frage eindeutig beantwortet sein sollte mit der Aussage "sie wurden aus Versehen weggelassen / überlesen" , und dieses BEWIESEN sein sollte, dann sind die Takte zum Werk gehörig und die Ausgaben, die sie nicht enthalten, sind falsch.

Und wie wir aus den Informationen entnehmen können, befinden sich die Takte zumindest in einem ( 1 ) Manuskript, das 1945 aufgefunden wurde. Trotzdem ist auch bei Manuskripten Vorsicht geboten aus folgenden Gründen:

a ) Es könnten womöglich in ähnlich gelagerten Fällen MEHRERE Manuskriptversionen existieren ( wie nun, wenn weitere aufgefunden würden, die sich unterscheiden ? ) ,

und

b ) Manuskripte könnten selber sehr ungenau sein.

Wie hier.

Zitat Brendel:

"Veröffentlicht nach Beethovens Tode ( 1828 ) als Rondo a capriccio "Die Wuth über den verlorenen Groschen ausgetobt in einer Kaprize" . Erst ab 1832 wurde das Stück mit der offengebliebenen Opuszahl 129 versehen. Noch Bülow hatte - im Gegensatz zu Czerny, Lenz, u.a. - das Rondo lautstark zum Spätwerk erklärt und jeden Zweifel daran als "Blasphemie, würdig des Kalmücken Oulibicheff" zurückgewiesen". Das 1945 aufgefundene Manuskript widerlegt Bülows und Riemanns Ansicht: Es enthält auch Skizzen zu Werken der Jahre 1795 / 98 . Aus dem Ms. geht hervor, daß es für die von unbekannter Hand ( Czerny ? Schindler ? ) , jedoch gewiß nicht von Beethoven hergestellte Fassung der Originalausgabe ( OA ) als Grundlage gedient hat.

Der Titel "Die Wuth..." ist dem Ms. in fremder Handschrift hinzugefügt. Von Beethoven stammt die Überschrift "Alla ingharese quasi un capriccio" und der Titel auf dem Vorsatzblatt "Leichte Kaprice".

Das Ms. zeigt alle Eigenschaften einer flüchtigen ersten Niederschrift: unausgefüllte Stellen, Irrtümer in der Stimmführung, das gänzliche Fehlen von dynamischen Vorschriften und Artikulationszeichen. Ergänzungen und Korrekturen des Herausgebers sind durch kleinen Stich kenntlich gemacht. Wo Lösungen der OA benützt sind, wird dies vermerkt. Nicht übernommen wurden Dynamik und Artikulation der OA, die nur zum Teil brauchbar scheinen. Hier hat der Herausgeber von Zusätzen abgesehen.

Das von Otto E. Albrecht entdeckte Ms. ist im Besitze von Mrs. Eugene Allen Noble, Providence, R.I., USA. Erich Hertzmann hat es gründlich untersucht ( " The newly discovered autograph of Beethoven's Rondo a capriccio", Musical Quarterly, Vol. XXXII, 1946 ) . Seiner Vermutung, das Ms. hätte Beethoven als Vorbereitung für eine Improvisation gedient, kann ich mich allerdings nicht anschließen. In seiner AUsgabe des Rondos ( Schirmer, New York ) sind Hertzmanns Zusätze nicht immer deutlich vom Originaltext abgegrenzt.

Der Ausgabe des Henle-Verlags liegt mehr die OA als das Ms. zugrunde: Es wurde dort gar nicht versucht, die Handschrift neu und sinnvoll zu ergänzen. Wo die Wiedergabe des Ms.-Textes der hier vorgelegten AUsgabe sich wesentlich von jener bei Henle unterscheidet, hat der Herausgeber dies angemerkt. Er kennt nämlich aus eigener Erfahrung die Verwirrung des Musikers, der aus mehreren voneinander abweichenden "Urtextausgaben" klug zu werden versucht, und hat sich oft gewünscht, Editoren und Verleger möchten weniger sparsam mit Kommentaren umgehen. Fehler sollten aufgedeckt, Entscheidungen begründet werden.

Für die Überlassung einer Fotokopie des Ms. möchte ich Dr. Sidney Beck, The Lincoln Center Music Library, Special Collection, New York, herzlichst danken, desgleichen Prof. Franz Eibner für einige Anregungen, die vom Herausgeber ( durch Kleinstich kenntlich gemachten ) ergänzten STellen betreffend.

Alfred Brendel

Zitat Ende

LG, Olli
 
 

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