Pedal benutzen??

  • #81
Der style luthé ist nicht nur nicht genau das gleiche, sondern meint etwas völlig anderes (was man etwas später auf der Laute style brisé nannte). Mit Fingerpedal hat das nicht das Geringste zu tun; es handelt sich dabei um irreguläre Akkordbrechungen, wobei Akkordtöne rhythmisch nach vorne oder hinten verschoben werden. Hier ist ein Beispiel für diesen style luthé:

Anhang anzeigen 80491


Fingerpedal bedeutet genau das, was der Name vermuten lässt: Man hält Tasten mit den Fingern über ihre notierte Dauer aus gedrückt und verhindert damit, dass der Dämpfer auf die Saite zurück fällt. Exakt so, als würden diese Töne im Pedal liegen.

Selten haben Komponisten das Fingerpedal auch notiert - meist mit instruktiver Intention. Z.B. hier:

Anhang anzeigen 80492

Da diese Notation aber sehr aufwändig ist und zudem nicht sonderlich lesefreundlich, wird in aller Regel darauf verzichtet.
Die von Dir beschriebenen irregulären Akkordbrechungen (nach vorne, nach hinten) laufen unter inegalem Spiel. nicht unter style luthé.

Bei beiden Beispielen (Rondeau und Beethoven) ist dieses *Fingerpedal (horribile scriptu) nun wirklich augenfällig. Beethoven hat diese Spielweise häufiger ausnotiert (nicht nur im Mondschein-Finale), Bach ebenso (z.B. in der (Cembalo-)Toccata D-Dur). Solche Bögenanhäufungen sind jetzt nun wirklich nichts Besonderes.
 
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  • #82
Klavier und Cembalo sind sehr verschiedene Instrumente. Man kann selbstverständlich versuchen, am Klavier ein Cembalo zu imitieren; das Ergebnis wird in den allermeisten Fällen ziemlich bescheiden klingen. Ganz besonders bescheiden klingen wird es, wenn Bach den Klang anderer Instrumente auf das Cembalo übertragen hat - z.B. prominent eine Solovioline im Mittelsatz des Italienischen Konzertes.

Spielt man sowas auf dem Klavier - soll man sich dann das Klangbild einer Violine vorstellen oder den Klang eines Cembalos?

Auch abseits dieses Beispiels - es gibt Fugen im Stil der Vokalpolyphonie (BWV 878), Präludien, die lauter Violinfiguren aneinander reihen (BWV 884), Präludien, die eine Laute imitieren (BWV 872), oder Werke, die ganz typische Elemente der Orgel-Literatur aufweisen (BWV 904). Soll man die auf dem Klavier alle mit den begrenzten Möglichkeiten des Cembalos spielen? Fragen über Fragen...
Verquere Argumentation... wogegen eigentlich?

Ich habe nicht geschrieben, dass auf dem Klavier ein Cembalo zu imitieren sei, wenn es "Bach" ist. Schon zwei, die mir das reinwürgen wollen.

Diese Wortwahl: "begrenzten" Möglichkeiten eines Cembalos?!? ich glaub's ja nicht... das Klavier ist auch nur ein Schlagzeug.

Bach war doof genug, eine Violine auf dem Cembalo zu imitieren. Wie auch Liszt sich nicht zu doof war, die großen Orgelwerke von Bach auf Klavier zu übertragen?

(...ich glaube es echt nicht, was ich hier lesen soll...)
 
  • #83
Selbstverständlich. Mozart hatte zwar noch kein Pedal, aber kannte und schätzte die damals oft verbauten Kniehebel zur Aufhebung der Dämpfung:


Ja, nun. Hätte ich jetzt so überhaupt gaar nich gewusst.

Und auf einem sog. modernen Konzertflügel? Und welche Stellen so ganz markant?

Soll ich mal helfen? Den Anfang der c-Moll-Fantasie habe ich schon benannt... wie ist es später in dieser gleichen Fantasie? da gibt einige Stellen, die Profis sicher mit Kniehebel aufpeppen könnten? ganz heiß auch die Presto(?)-Stelle mit den etwas unbequemen 32steln in beiden Händen...

Anfang der d-Moll-Fantasie: wieviel Pedal?

Anfang der a-Moll-Sonate: ja oder nein?

Anfang der F-Dur-Sonate (Dreiklangsthema, l.H. gebrochene Dreiklänge)? in selber Sonate der fulminante Finalsatz: den fetten F-Dur-Akkord (l.H.) mit Pedal, um den genialen Absturz in r.H. zu incitiren?

Den ersten Akkord der (mittelspäten) D-Dur-Sonate: mit (evtl nachgetretenem) Pedal oder nicht?. Wie ist es mit den schnellen 6/8-Sechzehnteln im Finalsatz? Pedal oder lieber leicht ineinander verschwimmen lassen?

Wie ist es in den Dutzenden langsamen Mittelsätzen, die manchmal etwas kargstimmig sind (Mittelsatz G-Dur nämlicher D-Dur-Sonate)?
 
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  • #84
O je, ich habe bei meiner letzten Professorin mit knapp 30 - da hatte ich schon das pädagogische Examen - ein halbes Jahr im Zeitlupentempo und ohne Rhythmus sämtliche Stücke mit Fokus auf die Zusammenklänge gespielt. Jeden Tag 2 - 3 Stunden auf diese Weise. Und das war wirklich ohrenöffnend - ich habe Klang und Musik von einer ganz anderen Seite erlebt. Natürlich habe ich auch vorher Zusammenklänge gehört, aber doch eher oberflächlich.

Das zum Thema Profis. :018: :003:
Ist auch für Amateure gut. Könnten auch Anfänger bei ein paar Stellen machen, z.B. Schlussakkorde ("schön") spielen.

Dieses Aushören habe ich aus der Bläserkammermusik mitgenommen: Bläserquintette & Co. verbringen viel Probenzeit damit, Akkorde in Zeitlupentempo zu spielen und auszuhören.

Man braucht auf dem Klavier auch gar nicht gleich damit anzufangen, in diesen "Fermatenklängen" analytisch herumzuhorchen. Schon der erste Durchgang - einfach mal hinhören, vielleicht noch die Terzen "suchen" - bewirkt Wunder.
 
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  • #85
Matthias Kirschnereit sagte einmal sinngemäß in einem seiner Meisterkurse: Mozart ändert den Charakter einer Passage in einem einzigen Takt oft fünf Mal!

Es gibt keine „neckischen“ Mozartsonaten (nicht gegen dich gerichtet, liebe Carnina, sondern gegen ein solches Verständnis von Mozart).
Ich würde sagen, es hängt auch vom Lebensalter des Komponisten ab - nee, besser gesagt: man merkt es ja auch an der Stilistik.

Die frühen Klavierstücke sind einfach anders (gesetzt) als die späten. Es fällt schon hier in der Diskussion auf, dass man wohl die "späten" Klavierwerke eher in den Kniehebel nimmt als die frühen. Die frühen Sachen würde man wohl eher wie Mozartkugel spielen?

Welche Sonaten spielt man denn "dürr"? wie ist es mit der A-Dur-Sonate? das Variationenthema klingt ja auch immer stimmlich etwas unterbesetzt :-P

oder (wieder) die F-Dur-Sonate mit den dürren Dreiklängen links und rechts? muss man das auch immer irgendwie "hübsch" spielen?

der Zeitgenosse Haÿdn hat doch schon wesentlich zupackender geschrieben...

Das Ding mit dem bestellten Pedalklavier beim d-Moll-Konzert halte ich für eine etwas skurrile Einzelstory, die weiterer Aufklärung bedarf. Ist es sicher, dass die Pedalklaviatur eigene Besaitung hatte? mir ist, dass das Pedal nur angehängt war, also reine Pedalkoppel...
 
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  • #86
Meine Güte, Leute, macht doch einfach die Ohren auf, wenn ihr spielt! Zitat Franz Liszt: "Verständiger Pedalgebrauch wird vorausgesetzt."
Mehr muss man dazu nicht sagen.
 
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  • #87
Die von Dir beschriebenen irregulären Akkordbrechungen (nach vorne, nach hinten) laufen unter inegalem Spiel. nicht unter style luthé.
Nein, da irrst du dich. Ist mir jetzt aber auch zu blöd, weiter gegen Windmühlen zu kämpfen.
 

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