Pedal benutzen??

  • #42
Hier habe ich endlich mal eine Aufnahme gefunden die meiner Tempovorstellung entspricht.
Wieder der Kanal eines Klavierlehrers. Mit professionellem Klavierspiel hat auch das wenig zu tun. Fantasielos und an der Musik vorbei, so bescheiden sie auch ist. Nichts darin atmet, als würde er ständig mit Metronom üben.

So würde ich spielen, wenn ich aus Spaß einen mittelmäßigen Schüler imitieren sollte. Warum lädt man sowas hoch? Ich verstehe es einfach nicht.
 
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  • #43
So würde ich spielen, wenn ich aus Spaß einen mittelmäßigen Schüler imitieren sollte. Warum lädt man sowas hoch? Ich verstehe es einfach nicht.
Dahinter steckt mal wieder der leider sehr verbreitete Glaube, der Schüler müsse erstmal lernen, das Stück "genau" (in einem mechanischen Sinne) zu spielen. Und die Absicht des KL ist vermutlich, das vorzumachen, wie "genaues" Spiel aussähe, "natürlich auch mit ein bisschen Ausdruck".

Ist Blödsinn, klar.
 

  • #45
Mein Lehrer führte mich dann dahin, auch die linke Hand aktiv zu hören/mitzugestalten, anstatt sie bloß mitlaufen zu lassen.
Noch schöner ist die linke Hand allein zu üben und auszugestalten und die rechte nur dazu zu hören ohne sie zu spielen. Man spielt sie dann deutlich plastischer und mehr als Partner der rechten statt sie ständig unterzuordnen. Ich liebe es linke Hand alleine zu üben. Der ganze Motor für die Musik liegt in der linken. Nichts schlimmer als wenn die linke Hand (musikalisch und/oder technisch) nachschleppt als voran zu treiben.
 
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  • #46
Bei Mozart wäre die Rechte oft die erste Geige im Streichquartett, während die Linke 3 Instrumente (2. Geige, Viola und Cello) bedienen muss!
 
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  • #47
Ich habe das Beispiel nur hochgeladen, weil es beim schnell mal durch Youtube scrollen eins war, welches mal einen kleinen Tick schneller gespielt wird.
Wer erwartet denn bitte, dass diese Köhler-Sonatine in der Philharmonie gespielt wird?
Natürlich sind das irgendwelche Klavierlehrer die das hochladen. Vielleicht wollte er viele Klicks generieren, weil viele Schüler danach suchen.
Ich wollte mich auch nicht mit seiner Interpretation identifizieren.

Und um auf die Frage zurück zu kommen, warum ich es ohne Pedal unterrichtet habe: Ich fand das stimmiger, abgesehen davon, dass meine Schülerin Schwierigkeiten gehabt hätte, das Pedal wirklich gezielt einzusetzen.
Man kann hier natürlich darauf herumreiten, dass das irgendwelche historischen Gründe hätte.
Hasenbein, unterrichte es doch mit Pedal, Peng Aus.
Gründe , warum mit oder ohne, gibt es viele.
Man darf auch Bach mit oder ohne Pedal spielen.

Normalerweise bin ich ein Freund von Pedal, und ich hasse zu trockene Vorträge, nur wegen der historischen Korrektheit, was ja völliger Quatsch ist, da wir auch Bach nicht auf historischen Instrumenten spielen, und es sowieso alles völlig abders klingt-genauso Mozart oder auch Beethoven.
Also hat man künstlerische Freiheiten.

Ich war letzte Woche auf einem Jugend Musiziert Vorspiel Altersgruppe 5.
Da hat ein Mädchen einen Chopin Walzer fast ohne Pedal gespielt.
Ich fand das schrecklich.
Ich frage mich, wie die Jury das sieht. Es gibt eben oft keine einheitliche Meinung. Aber bei Chopin finde ich es dann wirklich grenzwertig, den so super trocken zu spielen.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #48
Das ist ein Schüler-Stück, ein Übungsstück.
Musikalisch ist es leider ziemlich langweilig. Ich würde das nicht im Unterricht verwenden wollen. Hab es gerade mal angespielt und selbst fürs Vom-Blatt-Spiel finde ich es nicht besonders tauglich.
Gut, da es im ABRSM Plan auftaucht, sehen andere das wohl anders
;-)
 
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  • #49
Genau das dachte ich auch. Das Stück ist einfach langweilig. Ich hab es nur einmal unterrichtet.
 
  • #51
Das ist absolute unverzichtbare BASIS jedes Klavierunterrichts, dass dem Schüler immer wieder eingebläut wird, dass ALLES wahrgenommen werden muss und KEINESFALLS, unter keinen Umständen (!!), so gespielt werden darf, dass man einen Teil wahrnimmt (z.B. das was die rechte Hand spielt) und ein anderer Teil sozusagen aus einer "Fingerautomatik" heraus abgespult wird!

Jeder KL, der dies nicht eindringlich vermittelt, ist ein KKL, peng, aus.

Ist aber eigentlich auch einfach, wenn man stets den Gesamtklang (also in obigem Beispiel zu jedem Zeitpunkt den Zweiklang aus rechts und links) wahrnimmt. Dann spielt man immer EINE Sache mit den beiden Händen, statt fälschlicherweise 2 unabhängige Sachen irgendwie loslaufen zu lassen und zu hoffen, dass die a) timingmäßig zusammen bleiben und b) nicht eine Hand, weil zu wenig in der Wahrnehmung, irgendwie Quatsch macht.

Deshalb ist im Übrigen auch zu viel Hände-einzeln-Üben kontraproduktiv bis schädlich. Obiges Burgmüller-Stück beispielsweise sollte sofort beidhändig geübt werden. Erscheint einem das zu schwer, ist man noch nicht so weit für das Stück.
Lieber hasenbein,

du weißt aber auch, dass es - besonders für Laien, aber durchaus auch für Profis -, unmöglich ist, bei der Erarbeitung eines Stücks ALLES wahrzunehmen. Daher gibt es das Prinzip der rotierenden Aufmerksamkeit von G. Mantel, auch bestätigt von E. Altenmüller, das den Scheinwerfer der Aufmerksamkeit immer auf EIN Prinzip/EINEN Parameter lenkt.

Rhythmus, Dynamik, Phrasierung, Tempo, Artikulation u.v.a. gehören dazu. So wird nicht zu viel gefordert vom Schüler und er kann sich immer noch auf das Hören und Fühlen konzentrieren. So viele versuchen, ALLES wahrzunehmen und schalten vor lauter Stress das Ohr und das Körperempfindung aus. Und machen dann Fehler, die sie gar nicht bemerken.

Den Gesamtklang wahrzunehmen, wie du ihn beschreibst, ist nur EIN Teil der rotierenden Aufmerksamkeit, den ich vertikales Hören nenne. Das ist sehr wichtig, keine Frage, aber das horizontale Hören von Stimmen, Phrasen inkl. Phrasierung u.v.a. gehört genauso dazu. Dann das harmonische Gerüst, die Klangbalance und dynamische Gestaltung - jedes dieser Ziele erfordert eine andere Übestrategie. Und jede dieser vielen verschiedenen Übestrategien lässt das Stück von vielen verschiedenen Seiten - ich sage gern Hörperspektiven - erleben und dann spielt man ganz anders als hier schon gehört!

Liebe Grüße

chiarina
 
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  • #52
Lieber hasenbein,

du weißt aber auch, dass es - besonders für Laien, aber durchaus auch für Profis -, unmöglich ist, bei der Erarbeitung eines Stücks ALLES wahrzunehmen. Daher gibt es das Prinzip der rotierenden Aufmerksamkeit von G. Mantel, auch bestätigt von E. Altenmüller, das den Scheinwerfer der Aufmerksamkeit immer auf EIN Prinzip/EINEN Parameter lenkt.

Rhythmus, Dynamik, Phrasierung, Tempo, Artikulation u.v.a. gehören dazu. So wird nicht zu viel gefordert vom Schüler und er kann sich immer noch auf das Hören und Fühlen konzentrieren. So viele versuchen, ALLES wahrzunehmen und schalten vor lauter Stress das Ohr und das Körperempfindung aus. Und machen dann Fehler, die sie gar nicht bemerken.

Den Gesamtklang wahrzunehmen, wie du ihn beschreibst, ist nur EIN Teil der rotierenden Aufmerksamkeit, den ich vertikales Hören nenne. Das ist sehr wichtig, keine Frage, aber das horizontale Hören von Stimmen, Phrasen inkl. Phrasierung u.v.a. gehört genauso dazu. Dann das harmonische Gerüst, die Klangbalance und dynamische Gestaltung - jedes dieser Ziele erfordert eine andere Übestrategie. Und jede dieser vielen verschiedenen Übestrategien lässt das Stück von vielen verschiedenen Seiten - ich sage gern Hörperspektiven - erleben und dann spielt man ganz anders als hier schon gehört!

Liebe Grüße

chiarina
Das ist natürlich richtig - aber für die typischen Amateur-Einsteiger-Schüler ist IMHO das "vertikale Hören", also das, wie ich es gerne nenne, "Zusammenhören" der verschiedenen gleichzeitig passierenden Dinge zu EINER Sache, eine ganz entscheidende Angelegenheit, die im Fall des Falles zu priorisieren ist. Das führt nämlich dann eben gerade nicht dazu, dass man "überwältigt" ist von den vielen Dingen, die man gleichzeitig beachten soll, sondern es sogleich einfacher und klarer wird.

Fortgeschrittenere haben es dann nicht mehr nötig, darauf zu achten - das passiert quasi von selbst, so dass sie auf andere Dinge achten können.
 
  • #53
Das ist natürlich richtig - aber für die typischen Amateur-Einsteiger-Schüler ist IMHO das "vertikale Hören", also das, wie ich es gerne nenne, "Zusammenhören" der verschiedenen gleichzeitig passierenden Dinge zu EINER Sache, eine ganz entscheidende Angelegenheit, die im Fall des Falles zu priorisieren ist. Das führt nämlich dann eben gerade nicht dazu, dass man "überwältigt" ist von den vielen Dingen, die man gleichzeitig beachten soll, sondern es sogleich einfacher und klarer wird.
Das stimmt, aber das ist dann auch nicht ALLES ("Das ist absolute unverzichtbare BASIS jedes Klavierunterrichts, dass dem Schüler immer wieder eingebläut wird, dass ALLES wahrgenommen werden muss"). Nur darauf wollte ich hinaus.
Fortgeschrittenere haben es dann nicht mehr nötig, darauf zu achten - das passiert quasi von selbst, so dass sie auf andere Dinge achten können.
O je, ich habe bei meiner letzten Professorin mit knapp 30 - da hatte ich schon das pädagogische Examen - ein halbes Jahr im Zeitlupentempo und ohne Rhythmus sämtliche Stücke mit Fokus auf die Zusammenklänge gespielt. Jeden Tag 2 - 3 Stunden auf diese Weise. Und das war wirklich ohrenöffnend - ich habe Klang und Musik von einer ganz anderen Seite erlebt. Natürlich habe ich auch vorher Zusammenklänge gehört, aber doch eher oberflächlich.

Das zum Thema Profis. :018: :003:
 
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