Noten heraushören


Mildi
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Hallo ihr Lieben,
Ich bin neu hier. Ich spiele seit einigen Jahren Klavier aber habe was Musiktheorie betrifft leider nie wirklich eine Ausbildung gehabt und immer nur "so" gespielt.
Ich möchte jetzt von einem Lied eine Klavierversion spielen. Von diesem Lied gibt es allerdings keine Noten - zumindest nirgends verfügbar.
Hat jemand Tipps, wie ich vorgehen kann, um die Noten herauszuhören oder es dann irgendwie aufzubauen. Ich habe grade so gar keinen Anfang.

LG
 
Demian
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Hallo Mildi,

willkommen im Forum!

Zunächst mal: Es ist schwierig, dir bei fehlender Kenntnis deines Levels und ohne den speziellen Song zu kennen Tipps zu geben.

Ich versuche es mal:

Am wichtigsten sind zunächst die Basstöne. Versuche mal, die Töne zu erkennen, die im Bass zu hören sind.

Daraus ergibt sich als nächstes die Frage nach den Akkorden. Sind die Töne im Bass Akkord-Grundtöne oder handelt es sich um Terz, Quinte oder (seltener vorkommend) Septime des Akkords? Wenn du das herausgefunden hast, lassen sich nämlich die Dreiklänge bzw. Vierklänge des jeweiligen Takts oder des Taktteils erschließen.

An dieser Stelle des Heraushörens hilft auch ein Wissen über Grundlagen der Harmonielehre: Hörst du Haupt- und Nebenfunktionen, z.B. Tonika, Tonikaparallele, Dominante usw., Nebenfunktionen, Zwischendominanten usw.


Auf der Basis des bisher Ermittelten kannst du dann die Melodie heraushören, da sie meist auf den Akkordtönen basiert (zumindest als Stützpfeiler), die du bereits herausgefunden hast.

So würde ich vorgehen. Diese Methode setzt natürlich ein paar Kenntnisse voraus, die es dir jedoch leichter machen, als wenn du alles mit viel Mühe, Ton für Ton, quasi buchstabierend heraushörst.

Gutes Gelingen dabei! Und frage bei Bedarf gerne nach.
 
Mildi
Mildi
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Danke @Demian.
Solche Kenntnisse habe ich leider nicht. 🙈🙈 Schon schlimm, wenn man überlegt, wie lange ich spiele.

Ich habe jetzt die Gitarrenakkorde im Internet gefunden. Das Lied ist relativ unbekannt daher habe ich es nicht direkt gesagt (Au Revoir von Engst). Kann ich die Gitarrenakkorde irgendwie für die Klavierversion nutzen?
 
Rheinkultur
Rheinkultur
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Hat jemand Tipps, wie ich vorgehen kann, um die Noten herauszuhören oder es dann irgendwie aufzubauen.
Herzlich willkommen bei uns.

Habe den Faden verschoben, da es hier ja weniger um das Spielen des Stücks geht. Vielmehr wird ein nach Gehör notierter Satz benötigt, um für das "Klavierspielen & Klavierüben" eine Vorlage zu haben. Dieser muss entweder durch eine fachkundige Person geschrieben werden oder man eignet sich die erforderlichen Fertigkeiten selbst an. Tipp: Schaue Dich mal im neuen Bereich "Theorie, Arrangement & Komposition" auch unter den vorhandenen Fäden um - neben Denkanstößen zum eigenhändigen Notenschreiben gibt es auch Informationen zu Grundlagen der Harmonielehre (Lehrwerke etc.), die Du in anderen Lebenslagen immer wieder brauchen wirst.

Frohes Schaffen und gutes Gelingen!

LG von Rheinkultur
 
Demian
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@Mildi
Die Gitarrenakkorde kannst du fürs Klavierspiel verwenden. Der Grundton links dazu passt prinzipiell auch.

Willst du dazu singen? Dann brauchst du die Melodie nicht herauszuhören, weil du sie ja intuitiv singst.

Die Frage ist noch, in welcher Lage und in welchem Rhythmus du die Akkorde spielen willst, das erfordert ein paar Überlegungen.
 
Mildi
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@Demian

Okay dann wäre das ja zumindest ein Anfang. Genau, es soll nur die Begleitung sein und ich möchte dazu singen. Ich dachte als erstes Stück, in dieser Hinsicht, ist es vielleicht nicht allzu schwer.
Aber...offenbar struggle ich jetzt ja schon.

Mhhhmmm...ich hab mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Ich dachte vielleicht entsteht es einfach - aber schwierig, ich weiß.
 
Demian
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Du kannst es ja erstmal probieren und dich dann für eventuelle Tipps nochmal melden. Alles Gute dafür!
 
Demian
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Ich habe gerade gesehen, dass es auf YouTube auch eine Pianoversion des Songs mit Gesang gibt. Diese ist im Grundgestus (Tempo, Rhythmus, Begleitpatterns) vermutlich so beabsichtigt wie gespielt, aber die einzelnen Töne, also z.B. die Akkordlagen, sind mehr oder weniger zufällig, aus einer improvisatorischen Haltung heraus entstanden. Diese Freiheit solltest du dir beim Erkunden der Begleitung auch unbedingt lassen. Du musst Popmusik grundsätzlich nicht so nachspielen wie im Original, sondern darfst immer viel Eigenes einbringen.
 
cwtoons
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Kann ich die Gitarrenakkorde irgendwie für die Klavierversion nutzen?
NATÜRLICH kann man die Gitarrenakkorde für Klavier nutzen. Ein Akkord wird durch seine Töne definiert, nicht durch das spielende Instrument. Wenn dort steht "F-Dur", dann kann dieser F-Dur-Akkord von einem Klaviet, von einer Gitarre, von einem Akkordeon, von einer Orgel, von einer Harfe, von drei Blockflöten oder auch von drei Dudelsäcken gespielt werden - er passt immer. Er muss halt die Töne f, a und c enthalten. Welches Instrument die piepst, ist wurscht.

Such' Dir einen Klavierlehrer. Alles andere führt zu nix.

CW
 
M
Marlén
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Ich mach dir mal den Anfang. Aber nur, weil Weihnachten ist...

Ausschnitt-1.PNG
...und weil der Sänger so sexy ist.
 
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G
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An dieser Stelle des Heraushörens hilft auch ein Wissen über Grundlagen der Harmonielehre: Hörst du Haupt- und Nebenfunktionen, z.B. Tonika, Tonikaparallele, Dominante usw., Nebenfunktionen, Zwischendominanten usw.


Auf der Basis des bisher Ermittelten kannst du dann die Melodie heraushören, da sie meist auf den Akkordtönen basiert (zumindest als Stützpfeiler), die du bereits herausgefunden hast.

Je ne comprends que gare.

"Wenn du ein schickes Auto siehst und es nachzeichnen willst, MUSST du Motortechnik studiert haben."

Wenn du kochen willst, musst du wissen, wie die chemischen Vorgänge und zusammenhänge in der Gesamtgemengelage sind.

Ja, der Vergleich mag hinken, weil man ja auf der anderen Seite auch "in der Musik" auf klangphänomenologisch - auditive Ebene gehen müsste.

Aber mal ernsthaft. Hörst du wirklich so Musik? Das wäre (für mich) schrecklich. "Ah und jetzt die Budapester Beinschere" ... ähm, ja.

Und wäre "für den Anfang" nicht ein "ok es geht irgendwie 5 Töne hoch" und es erklingt unten noch ein Ton und die sind dann so und so weit auseinander und erzeugen zusammen Klang x, der in mir y, oder z, auslöst? Den probiere ich nachzuspielen. Singe es mit probiere eine eigene Begleitung dazu aus. Teile das Stück in Abschnitte ein.

Was nützt es da irgend ne Konvention drüber zu ballern? Nur weil sich spezielle Leute in speziellem Forum dann "besser verstehen?"

Also ich würde es gerne echt verstehen.

Wie gesagt, alles unentwegt mittels Fachterminologie zu entmystifizieren finde ich fragwürdig. Unwissen ist wesentlicher Bestandteil des Wissens, Triebfeder der Fantasie und "Renderengine" der eigenen Wirklichkeit.

Brrr...
 
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Demian
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@Gefallener
Klar, Ausprobieren, Herumtüfteln geht immer. Das Wissen über wiederkehrende Muster KANN dabei helfen.
"Wenn du ein schickes Auto siehst und es nachzeichnen willst, MUSST du Motortechnik studiert haben."
Von Müssen habe ich nichts geschrieben.

Ich höre Musik sehr unterschiedlich. Wenn ich etwas heraushören will, greife ich auf mein vorhandenes musiktheoretisches Wissen zurück, um mir die Arbeit zu erleichtern. Wenn ich mich von Musik mitreißen lassen will, höre ich natürlich nicht analytisch.
 
Dromeus
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Aber mal ernsthaft. Hörst du wirklich so Musik? Das wäre (für mich) schrecklich.
Was soll denn daran schrecklich sein? Natürlich kann man - entsprechende Übung vorausgesetzt - bei jedem dahergelaufenen Pop-Song genau diese Funktionen ohne Probleme hören, Tonika, Subdominante, Dominante, Tonikaparallele. Wenn du dann noch die Klänge von Septakkord, Minor-7 Major-7, Sextakkord, Sus-4 im Ohr hast, kannst du im Handumdrehen die allermeisten Pop-Songs raushören, mehr passiert da nämlich nicht. Und ja, ich hab in meinem Leben soviele transkribiert, dass diese Analyse oft automatisch im Hinterkopf abläuft, auch wenn ich das gar nicht konkret brauche.
 
Häretiker
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Aber mal ernsthaft. Hörst du wirklich so Musik?

Ich kann das mal für mich beantworten:
Ja. Der Analysator läuft als Background-Task. Üblicherweise muss ich noch nicht einmal genau hinhören, um bei hinreichend einfach harmonisch gestrickter Musik zu wissen, wo sie ist, wie sie dahin gekommen ist und wie es weitergehen könnte.

Das wäre (für mich) schrecklich. "Ah und jetzt die Budapester Beinschere" ... ähm, ja.

Ein weit verbreitetes Misverständnis. Nur, weil ich weiß, wie ein Regenbogen entsteht, ist er für mich nicht weniger schön.

Und wäre "für den Anfang" nicht ein "ok es geht irgendwie 5 Töne hoch" und es erklingt unten noch ein Ton und die sind dann so und so weit auseinander und erzeugen zusammen Klang x, der in mir y, oder z, auslöst? Den probiere ich nachzuspielen. Singe es mit probiere eine eigene Begleitung dazu aus. Teile das Stück in Abschnitte ein.

Ja, für den Anfang. Aber damit man nicht jedesmal mit 'irgendwie' und 'so und so weit' hantieren muss, hilft, es, nach und nach die Muster zu erkennen und zu lernen.

Ich überlege ja auch nicht beim Spielen Tonleiter jedes mal "Ah, Moment, ist das jetzt ein großer oder ein kleiner Schritt?" oder beim Spielen eines Akkords "Ah, welche Töne waren das nochmal!?"

Was nützt es da irgend ne Konvention drüber zu ballern? Nur weil sich spezielle Leute in speziellem Forum dann "besser verstehen?"

Es hilft auch, wenn diese speziellen Leute mit anderen speziellen Leuten zusammen musizieren wollen. Es gibt ja tatsächlich Leute, die nicht nur alleine musizieren!

Aber woher Deine negativen Gefühle? Fühlst Du Dich ausgeschlossen?

Wie gesagt, alles unentwegt mittels Fachterminologie zu entmystifizieren finde ich fragwürdig.

Ich nicht. Vom Mythos zum Logos.

Meine persönliche Erfahrung: Das Wissen um elementare musikalische Zusammenhänge hat meinen Genuss nicht beeinträchtigt. Im Gegenteil.

Wie beim Regenbogen. Vor ein par Monaten gab es einen wunderschönen Haupt- und Nebenregenbogen. ich bin wie ein kleines Kind zum Fenster und habe den Regenbogen bewundert. Obwohl ich weiß, was Dispersion ist und wie die mit Brechungsindex zusammenhängt, weil das Licht immer einen zeitlich extremalen Weg nimmt.

Grüße
Häretiker
 
mick
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"Wenn du ein schickes Auto siehst und es nachzeichnen willst, MUSST du Motortechnik studiert haben."
Nö. Aber wenn du einen Motor zeichnen willst, ist es von Vorteil, wenn du weißt, wie ein Motor funktioniert.

Wenn du kochen willst, musst du wissen, wie die chemischen Vorgänge und zusam
Auch nicht. Aber wenn du ein Gericht, das du im Restaurant gegessen hast, zu Hause nachkochen willst (ohne das Rezept im Detail zu kennen), musst du eine Menge über das Handwerk des Kochens wissen.

Was nützt es da irgend ne Konvention drüber zu ballern
Wenn man viel über Musiktheorie weiß, muss man nur sehr wenige Parameter über das Ohr erfassen und kann das beim ersten Hören nicht Wahrgenommene problemlos aus der Theorie erschließen. Komposition ist zu 90% Handwerk. Wer das Handwerk beherrscht, ist auch beim Hören klar im Vorteil.
 
G
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Gut, danke den Antworten, ich sehe mich weitestgehend entkräftet und gegenargumentiert. Zweck erfüllt ;)
Stimme euch zu.

Ich wollte dennoch aufzeigen, dass ich mir einen besseren Matheunterricht gewünscht hätte, der nicht jede Stunde meine "Lust und Sehnsucht etwas zu begreifen u.a." durch "wtfs" ersetzt hätte.

Und wenn jemand gleich mit abstrakten Begriffen kommt statt mir plausibel und nacherfahrbar die "Würze" und die "Bewandtnis" , "Herkunft und Handelswege" , "Vor- und Nachteile" eines vollständigen Induktionsherds klar macht, schalte ich ab und denke 9 Jahre lang: "Bitte geh rum Mathestunde".

Edit: ich muss es Nutzen können und selbstwirksam, wenn nicht gleich in meine DNA / in Fleisch und Blut übergehend, zumindest nicht als fremden Körper abstoßen.
 
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M
Marlén
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Unwissen ist wesentlicher Bestandteil des Wissens
Vermutlich höheres Philosophie-Semester...

Hier an der Musikschule gab es mal einen "Kompositionskurs für Mädchen". Da wurde mit ähnlichen Begriffen hantiert. Natürlich waren die Ergebnisse haarsträubend dilettantisch, aber solange man sich in seiner Bubble wohlfühlt...
 
G
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Vermutlich höheres Philosophie-Semester...


Hier an der Musikschule gab es mal einen "Kompositionskurs für Mädchen". Da wurde mit ähnlichen Begriffen hantiert. Natürlich waren die Ergebnisse haarsträubend dilettantisch, aber solange man sich in seiner Bubble wohlfühlt...
Vermutlich höhere Gewalt an Sensibilität. ;)

Zur Not hilft Nachfragen, wenngleich es leichter ist zu sagen: der SCHÜLER hat mich zu verstehen, nicht ICH den Schüler und AUF GAR KEINEN FALL wir zwei uns beide.
 
 

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