Modulationen


.marcus.
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Hallo,

da ich am Montag eine Musikklausur schreibe, müsste ich mal langsam einen Durchblick durch die Modulationslehre bekommen :rolleyes:

Ich habe insgesamt 16 Modulationswege vor mir liegen und frage mich, ob es da nicht ein System gibt. Wenn ich z.B. sehe, dass ich von C-Dur nach E-Dur modulieren soll, wie kann ich dann wissen, wie ich modulieren muss??

In dem Fall C -> Fis sagt meine schlaue Liste hier z.B., dass ich über die Mollsubdominante der Zieltonart gehen soll. WARUM gerade über h-Moll???

Ich habe gelernt, dass das wichtigste Kriterium einer guten Modulation ist, dass sie überzeugend ist. Nur wie kann ich eine Modulation überzeugend machen?

Bittet ordnet dieses Chaos mit euer Weisheit ;)

marcus
 
Axel
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Hallo Marcus,

ein System würde ich das nicht nennen. Man müsste eine Gemeinsamkeit der Tonarten suchen.

Eine Gemeinsamkeit von C-Dur und E-Dur ist a-moll. In C ist es Tp, da kommt man leicht hin, gleichzeitig ist es Moll-Subdominante von E. Oder anders: wenn ich in a bin, erreiche ich E als Dominante sehr schnell.

Das Bsp. mit Fis verstehe ich nicht. Wenn schon über einen Subdominantischen Bereich, dann würde ich über den Neapolitaner gehen (Reger hat ein nettes Büchlein dazu geschrieben). Der Sn von Fis wäre G-Dur mit doppelter Terz. Das leitet sich aus h-moll her, allerdings wird die Quinte (fis) durch die Sexte (g) ersetzt, ergibt dann de facto G-Dur. Das wiederum ist von C aus gut zu erreichen.

Eine andere Möglichkeit weit weg zu kommen, sind verminderte Dominantseptakkorde, die enharmonisch umgedeutet werden. Nimm h-d-f-as. Bezogen auf C-Dur ist es ein Septnonenakkord der Dominante ohne Grundton. Da der Akkord nur aus kleinen Terzen besteht, ist es egal wie herum man ihn dreht. Du kannt jeden Ton als Leitton auffassen. Also h geht zu c, dann sind wir in C. Du kannst auch behaupten das f sei ein eis und müsse sich nach fis auflösen. In dieser Interpretation ist es ein Cis-Dur Septnonenakkord. Und schon sind wir mit einem Schritt in Fis-Dur. Jetzt noch eine Kadenz in Fis und du bist zu Hause.

Überzeugend? Na ja, ein D7 oder S56 bezogen auf die Zieltonart macht es eindeutiger. Außerdem sollte die Zieltonart durch eine Kadenz bekräftigt werden.

Viele Grüße
Axel
 
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Zitat von Axel:
Das Bsp. mit Fis verstehe ich nicht. Wenn schon über einen Subdominantischen Bereich, dann würde ich [...]
Oh, da hab ich mich vertan. In der Liste heißt es auch ich solle über den Neapolitaner der Zieltonart gehen. :rolleyes:
Das steht dann nämlich unter der Rubrik "4-6 Vorzeichen aufwärts". Ich habe jetzt dank deiner Erklärung verstanden, dass der Sinn darin liegt, dass der Neapolitaner von Fis-Dur auch eng mit C-Dur zusammenhängt. Also beiden Tonarten gewissermaßen zugehörig ist.

Wie wäre das eigentlich bei C -> H ? Der Neapolitaner von H-Dur ist C-Dur. Aber der Neapolitaner klingt dann wie eine Tonika :confused:

Die Modulation mit dem Dv-Akkord ist mir eigentlich klar, glaub ich.

Laut meiner Liste kann man von C-Dur auch mit einer chromatischen Rückung nach Fis-Dur kommen. Dann stellt man also einfach C-Dur und Cis-Dur nebeneinander und schon hat man die Dominante zu Fis-Dur. Wahrscheinlich am besten als Dominantsept.
Jetzt gibt es aber auch Beispiele bei denen nicht der ganze Akkord um einen Halbton rückt, sondern nur einzelne Töne :confused: Z.B. Von C-Dur nach D-Dur über die Akkorde: C A B g A D. Von den Tönen c-e-g rückt also nur das c ins cis. Muss also nur der Sopranton rücken?

lg marcus
 
Axel
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Wie wäre das eigentlich bei C -> H ? Der Neapolitaner von H-Dur ist C-Dur. Aber der Neapolitaner klingt dann wie eine Tonika :confused:

Laut meiner Liste kann man von C-Dur auch mit einer chromatischen Rückung nach Fis-Dur kommen. Dann stellt man also einfach C-Dur und Cis-Dur nebeneinander und schon hat man die Dominante zu Fis-Dur. Wahrscheinlich am besten als Dominantsept.
Jetzt gibt es aber auch Beispiele bei denen nicht der ganze Akkord um einen Halbton rückt, sondern nur einzelne Töne :confused: Z.B. Von C-Dur nach D-Dur über die Akkorde: C A B g A D. Von den Tönen c-e-g rückt also nur das c ins cis. Muss also nur der Sopranton rücken?

lg marcus


Hallo marcus,

von C nach H ist völlig richtig gedacht. Natürlich klingt das erst mal nach T. Der Hörer kann ja nicht ahnen, dass du modulieren willst. Das ist aber bei jeder Modulation so, du hörst den sog. Modulationsakkord erst mal im alten Tonarten-Kontext. Wenn du dann in der neuen Tonart bist, hört man quasi rückwirkend wie es funktioniert hat. Ich würde auch in zwei Ebenen beziffern. Ich versuche das mal, hoffentlich wird das auch richtig untereinander angezeigt (hoch- und tiefgestellt bekomme ich nicht hin?!):


Akkord: C - G (tief)87 - C(tief)3 - Fis(hoch)7 - H - E - Fis - H
in C: T - D (tief) 87 - T3
in H: Sn - D (hoch)7 - T - S - D- T


Der Modulationsakkord lässt sich eben in beiden Tonarten beziffern.

Von C über Cis nach Fis? Halte ich nicht für genial. Hört sich nach Hau-Ruck-Modulation an. Außerdem muss man da höllisch tricksen um keine Parallelen zu bauen oder andere satztechnische Hunde einzubauen. Letzlich geht es immer mit roher Gewalt: einfach die D zur Zieltonart reinsetzen uns gut ist's.

Das Bsp. von C nach D ist auch stimmführungstechnisch nicht ohne. Der B müsste eine doppelte Terz haben. Das geht ja auch einfacher. Der Punkt ist einfach, wenn du in einem C-Dur das C nach Cis änderst, erhälst du einen verkürzten A-Dur Septakkord, der nach D-Dur aufgelöst werden kann.

Hoffe, das verwirrt nicht noch mehr.

Viele Grüße
Axel
 
Axel
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Verflixt, es geht nicht. Du musst meine Bezifferung so lesen, dass unter dem C (tief) 3 einmal T3 und in der Zeile darunter Sn steht.
 
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J. Gedan
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Am überzeugendsten gerät eine Modulation, indem man die Zieltonart -- wie Axel bereits erwähnte -- durch eine Schlußkadenz bestätigt. Und noch besser gelingt's, indem man einige Töne der Zieltonart bereits vorwegnimmt.
Bspw. kann man in C-dur, die Tp (a-moll), die in E-dur die Moll-Subdominante ist, sogleich und nicht erst rückwirkend als Moll-Subdominante hörbar machen, indem man die charakteristische Dissonanz hinzufügt, also statt a-c-e besser a-c-e-fis erklingen läßt. Hier ein mögliche Akkordfolge 4stimmig:
c-e'-g'-c''
H-e'-g'-c'' (Baßdurchgang)
A-e'-g'-c'' (Tp7 in C-dur, s7 in E-dur oder e-moll)
A-e'-fis'-c'' (s56 in E-dur oder e-moll)
H-dis'-fis'-h' (Dominante von E-dur)
H-dis'-fis'-a' (Septdurchgang)
e-h-e'-gis' (neue Tonika)

Über den s56 (S56) oder s6 (S6) zu gehen, ist eine von möglichen überzeugenden Lösungen, eine andere, ganz einfache, über den D46 der Zieltonart. Stellt man dem auch noch die Doppeldominante voran, landet man sicher im Hafen der Zieltonart:
c-e'-g'-g'
c-e'-g'-a' (a'=Durchgangsnote)
c-e'-g'-b' (scheinbar Zwischendominante zur Subdominante in C-dur, aber mit b umgedeutet zu ais ist das Doppeldominante von E-dur mit tiefalterierter Quinte im Baß)
H-e'-gis'-h' (Dominant46 von E-dur)
H-dis'-fis'-a (Dominant7 von E-dur)
e-h-e'-gis' (neue Tonika)

Und die schönste Modulation, die ich kenne, rückt von e-moll nach dis-moll mit einem einzigen Halbtonschritt:
H-dis-fis (Dominante von e-moll)
Ais-dis-fis (Dominant46 von dis-moll, der im folgenden nach dis-moll aufgelöst wird)
Sie stammt von Schubert und findet sich in der "Winterrreise" (Nr. 7, "Auf dem Flusse").

Und wenn einem gar nix mehr einfällt, ja, dann nimmt man einen verminderten Septakkord. Mit dem kommt man von Irgendwo immer Überall hin.
Und ausgerechnet den einfachsten Weg vergißt man oft: die Unisono-Modulation, für die es zahlreiche Beispiele in der Klassik gibt.

Der Weg über den Neapolitaner überrascht eher, als daß er überzeugt. Welchen Weg man wählt, hängt also auch davon ab, ob die Modulation fast unbemerkt vonstatten gehen soll oder überraschen.

"Muss also nur der Sopranton rücken?"
Ja. Aber bei der Akkordfolge C A B g A D geht man von C-dur nach A-dur besser über einen Baßdurchgang:
c-e'-g'-c''
B-e'-g'-c''
A-e'-g'-cis''
Ansonsten ist die Akkordfolge ein typisches Beispiel dafür, wie man die Zieltonart bekräftigt, indem man A-dur nicht sofort nach D-dur auflöst, sondern einen Trugschluß einschiebt, um eine vollständige Kadenz in der Zieltonart folgen zu lassen.

"Das Bsp. von C nach D ist auch stimmführungstechnisch nicht ohne. Der B müsste eine doppelte Terz haben. Das geht ja auch einfacher. Der Punkt ist einfach, wenn du in einem C-Dur das C nach Cis änderst, erhältst du einen verkürzten A-Dur Septakkord, der nach D-Dur aufgelöst werden kann." (Axel)
Habe ich nicht verstanden. Natürlich muß der B-dur-Akkord als Trugschluß eine verdoppelte Terz haben, aber das birgt doch keinerlei Probleme. Das "Problem" liegt eher in der Rückung von C-dur nach A-dur, wenn in C-dur der Grundton verdoppelt ist, denn es können ja nicht einfach beide Stimmen von c nach cis rücken, und im Baß von c nach a zu springen und im Sopran von c nach cis zu rücken, wäre ein etwas unglücklicher Querstand. Der oben skizzierte Baßdurchgang wäre eine Möglichkeit, eine andere, im C-dur-Akkord nicht den Grundton zu verdoppeln. Dann erhält man durch die Rückung c-cis die verkürzte Dominante von D-dur, aber die kann man nicht in den Trugschluß münden lassen.
 
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@Axel:

Vielen Dank für deine Erklärungen!

Wenn dir das nicht zu viel Arbeit macht, würde ich mich sehr freuen, wenn du dir zwei meiner Modulationen mal anschauen würdest:

1) H -> F

H - e - Dv - A7 - d - b6 - C9-8 - F
T - Tp- DV - (D7) -Tp- s65- D9-8 - T

(Der Dv hat die Töne e,g,b,des)

2) F -> Ges

F - b - C - F - Des8-7 - es - Ces - Des4-3 - Ges
T - s - D - T - D8-7 - Tp - S - D4-3 - T

Das soll eine "tonzentrale Modulation" sein. Voraussetzung dafür ist, dass die Ausgangstonart den Leitton der Zieltonart enthält. Das f in F-Dur ist ja Dominantterz von Des. Ist das so richtig?

lg marcus
 
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@J.Gedan:
Erstmal herzlichen Dank für deine Unterstützung in diesen Fragen

Die zweite Modulation, die du vorgestellt hast, ist doch im Grunde eine Modulation über einen verminderten Septakkord, oder? Denn der Zusammenklang c-e'-g'-b' ist ja der verkürzte Dominantseptnon mit tiefalterierter Quint bezogen auf E-Dur. Also (fis-)-ais-c-e-g.

Langsam frage ich mich, ob diese Auflistung der Modulationswege eher ein Hindernis oder eine Hilfe ist :confused:
Die obige Modulation nennt sich dort "enharmonische Modulation" und laut der kurzen Erklärung auf dem Blatt sollte es ein "übermäßiger Quintsextakkord" sein und er sei geeignet für Modulationen eine kleine Sekunde abwärts".
Beides trifft in deinem Beispiel nicht zu. Oder sehe ich das falsch? Das ist der Grund, warum ich mich von dieser Liste lösen möchte. :rolleyes:

Zitat von J.Gedan:
Und ausgerechnet den einfachsten Weg vergißt man oft: die Unisono-Modulation, für die es zahlreiche Beispiele in der Klassik gibt.
Wie funktioniert die unisono-Modulation?

Danke für die vielen Informationen. Die sind mir sehr wichtig.

lg marcus
 
Axel
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@Axel:

1) H -> F

H - e - Dv - A7 - d - b6 - C9-8 - F
T - Tp- DV - (D7) -Tp- s65- D9-8 - T

(Der Dv hat die Töne e,g,b,des)

lg marcus



Die eine schaffe ich heute abend noch, für mehr b's taugt mein Hirn nicht mehr ;)

Die Tp von H-Dur ist nicht e-moll. Da müsste wohl s als Bezifferung stehen. Ich würde in 2 Ebenen beziffern, das ist klarer. Den Dv könntest du gleich nach d-moll auflösen, ohne A7 dazwischen. Mich irritiert etwas, dass du häufig Mollsubdominanten nimmst, auch wenn du dich in Dur Tonarten bewegst. Die Nachbarschaft von d-moll und b-moll ist schon herb. Warum nicht etwas einfacher: d-C7-F ?

Vergiss die Tabelle. Wer hat das angerichtet? Ein Musiklehrer? Ich will keine Kollegenschelte betreiben, vielleicht ist das gut gemeint gewesen, aber es ist sinnvoll, das Prinzip zu verstehen. Wahrscheinlich hilft es nicht sehr viel, die Tabelle auswendig zu lernen.

@J. Gedan: Du hast natürlich recht. Ich hatte es in einer Schul-Klausur für relativ anspruchsvoll gehalten, einen Tragschluss richtig aufzulösen, dabei ist mir der Querstand völlig entgangen. Das ist das unangenehmere Problem.

Viele Grüße
Axel
 
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Die eine schaffe ich heute abend noch, für mehr b's taugt mein Hirn nicht mehr ;)

Die Tp von H-Dur ist nicht e-moll. Da müsste wohl s als Bezifferung stehen. Ich würde in 2 Ebenen beziffern, das ist klarer.
Bei der Tp hatte mein Gehirn wohl einen Aussetzer...
Zitat von Axel:
Den Dv könntest du gleich nach d-moll auflösen, ohne A7 dazwischen. Mich irritiert etwas, dass du häufig Mollsubdominanten nimmst, auch wenn du dich in Dur Tonarten bewegst. Die Nachbarschaft von d-moll und b-moll ist schon herb. Warum nicht etwas einfacher: d-C7-F ?
Den Dv hätte ich gleich nach d-moll auflösen können, stimmt. Aber mit der Zwischendominante ist das doch kein Problem, oder?
Was die Mollsubdominanten angeht: Ich habe hier b-moll benutzt, weil ich gelernt habe, dass s65 - D7 - T ein üblicher Kadenzschluss ist. :confused:

Zitat von Axel:
Vergiss die Tabelle. Wer hat das angerichtet?[...]es ist sinnvoll, das Prinzip zu verstehen
Deshalb habe ich diesen Thread eröffnet. Das dämmerte mir schon, als ich zum ersten Mal versucht habe, anhand dieser Tabelle zu modulieren.

Dann bin ich mal gespannt auf deine Meinung zu meiner tonzentralen Modulation ;) (J.Gedan ist auch herzlich eingeladen meine Modulation zu kommentieren)

marcus
 
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Zitat von J.Gedan:
Das "Problem" liegt eher in der Rückung von C-dur nach A-dur, wenn in C-dur der Grundton verdoppelt ist, denn es können ja nicht einfach beide Stimmen von c nach cis rücken, und im Baß von c nach a zu springen und im Sopran von c nach cis zu rücken, wäre ein etwas unglücklicher Querstand.
Ich habe zu diesen Modulationen auch Notenbeispiele auf der Liste und dort wird genau das gemacht. Der Bass springt vom c ins A und im Sopran geht das c'' ins cis''.
Man müsste also das C-Dur besser als Sextakkord bringen (e-e'-g'-c'') und dann springt der Bass ins A oder a, richtig?

marcus
 

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MaBa
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2) F -> Ges

F - b - C - F - Des8-7 - es - Ces - Des4-3 - Ges
T - s - D - T - D8-7 - Tp - S - D4-3 - T

Das soll eine "tonzentrale Modulation" sein. Voraussetzung dafür ist, dass die Ausgangstonart den Leitton der Zieltonart enthält. Das f in F-Dur ist ja Dominantterz von Des. Ist das so richtig?

Ohne zu wissen, was "tonzentrale Modulation" ist ... , ich finde diese Modulation klanglich nicht überzeugend. Ich würde einfach dein zweites F weglassen. Meine Begründung ist aber nicht studententauglich.

Ich höre so:
Mit F b C kippt das Ohr nach F-moll.
Das nächste F würde zurück nach F-Dur zurück drücken. Das Des stattdessen fügt sich schlüssig ein.
Des7 leitet dann schon nach Ges.
Deine letzten vier Akkorde bestätigen noch einmal die Tonart Ges-Dur.

Das ist die primitive klangliche Analyse eines Nichtstudierten.

Gruß
 
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Ohne zu wissen, was "tonzentrale Modulation" ist ... , ich finde diese Modulation klanglich nicht überzeugend. Ich würde einfach dein zweites F weglassen. Meine Begründung ist aber nicht studententauglich.

Ich höre so:
Mit F b C kippt das Ohr nach F-moll.
Das nächste F würde zurück nach F-Dur zurück drücken. Das Des stattdessen fügt sich schlüssig ein.
Des7 leitet dann schon nach Ges.
Deine letzten vier Akkorde bestätigen noch einmal die Tonart Ges-Dur.

Das ist die primitive klangliche Analyse eines Nichtstudierten.

Gruß
Noch bin ich kein Student, sondern "nur" Oberstufenschüler ;)

Ich finde deinen Vorschlag nicht schlecht. Nur finde ich, dass es leichter ist, statt das F ganz wegzulassen es zum f zu machen. Also statt zu F-Dur geht der C-Dur-Akkord nach f-moll. Das fügt sich dann ganz gut mit dem Des7.

Den F-Dur-Akkord ganz wegzulassen, macht die Stimmführung sehr problematisch. Aber ich denke so würde es gehen:
f-f'-a'-c''
b-f'-b'-des''
c'-e'-g'-c''
des'-des'-f'-as' (das zweite des' müsste dann unter den Bass ins ces gehen)
es-b-es'-ges' (den Septsprung im Bass find ich auch nicht so gut)
ces-ces'-es'-ges'
des-as-f-as (den Quartvorhalt hab ich der Übersichthalber weggelassen)
Ges-b-des'-ges'

Bei dieser Modulation hätte man dann sogar schon Töne der Zieltonart vorweggenommen, wie J.Gedan empfohlen hatte. Nämlich bei der Mollsubdominanten b-moll und bei dem f-moll.

Bleibt nur die Frage: Was sagen die Experten zu dieser Lösung?

marcus
 
M
MaBa
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Um den Septimsprung zu vermeiden, könntest du beim zweiten Akkord den Baß nach unten zum B führen (falls nichts dagegen spricht).

Gruß
 
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J. Gedan
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c'-e'-g'-c''
des'-des'-f'-as'
ist eindeutig ein falsch geführter Trugschluß, es muß
des'-f'-f'-as'
heißen.

Zum vorher diskutierten Querstand: Man kann den Querstand von C nach A in Kauf nehmen, schön ist er hier nicht. Die meisten Lehren empfehlen, Querstände zu vermeiden.

"Wie funktioniert die unisono-Modulation?"
Man läßt einen einzigen Ton der Ausgangstonart stehen, läßt alle anderen Stimmen schweigen oder unisono mitspielen und geht nach einigen Tonrepetitionen oder chromatischen Verschiebungen wieder zur Mehrstimmigkeit über, indem man diesen einen Ton umdeutet. Dazu zwei Beispiele aus allbekannter klassischer Klaviermusik, nämlich erstens Mozarts c-moll-Fantasie KV 475, Takt 25:
Die Stelle endet auf einem Fis-dur-Akkord als Dominante von h-moll. Das Fis im Sopran wird repetiert, während alle anderen Stimmen pausieren, und wird im folgenden Takt einfach zur Durterz von D-dur, und ohne langwierige Überlegungen ("wie komme ich von x nach y?") und ohne bestätigende Kadenzformel oder künstlich konstruierte Akkordfolgen macht Mozart ganz natürlich in D-dur weiter.
Zweitens ein ebenfalls vielen Klavierschülern bekanntes Beispiel aus Beethovens C-dur-Rondo op. 51,1:
Takt 72 endet auf C als Grundton von c-moll. Das C rückt im folgenden einstimmig nach Des, D, Es, um nachfolgend das Rondothema in As-dur erklingen zu lassen, wiederum ohne bestätigende Kadenzformel oder künstlich konstruierte Akkordfolgen.

Der kürzeste Weg von F nach H, der mir auf die Schnelle einfällt, führt über nur drei Akkorde, nämlich Zwischendominante zu e-moll, e-moll-56 und Dominante zu H:
f-c'-f'-a'
fis-c'-es'(dis')-a'
g-h-e'-g'
e-h-cis'-g' (s56 von H-dur)
fis-h-cis'-fis' (D4)
Fis-ais-cis'-fis'
H-h-dis'-fis'

Der kürzeste Weg von F nach Ges, der mir auf die Schnelle einfällt, führt über Ges-dur als Trugschluß:
f-a-c'-f'
f-a-c'-es' (Zwischendominante zur Subdominante)
ges-b-b-des' (Trugschluß)
Danach Bestätigung durch S, D, T von Ges-dur.

Über die Mollsubdominante der Zieltonart zu gehen, funktioniert recht gut, wenn man im Quintenzirkel aufwärts moduliert, abwärts bedeutet es einen riesigen Umweg. Aufwärts ist der Denkweg z.B. von F nach A: F-dur, d-moll, A-dur. Abwärts von A nach F aber würde man nicht A-dur, b-moll, F-dur denken.

"Ich hatte es in einer Schul-Klausur für relativ anspruchsvoll gehalten..." (Axel)
Die Frage wäre dann aber, ob nicht Modulationsaufgaben zu anspruchsvoll sind, den Trugschluß wird man normalerweise ja vor der Modulation behandeln.
Modulationswege zu ersinnen, ist ansonsten eine nützliche Übung in harmonischer Kombinatorik. Aber Komponisten haben offensichtlich nicht gefragt: "Wie komme ich von x nach y", wenn sie in sehr entlegene Tonarten auswichen, sondern wollten mit der Verbindung zwischen weit entfernten Tonarten überraschen und nicht zu einem bestimmten Ziel gelangen. Viel öfter findet man deswegen schnelle chromatische Rückungen und Umdeutungen und nicht langwierige Akkordfolgen, die nur den Zweck haben, von x nach y zu kommen. Bspw. schaue man sich mal an, wie Mozart am Anfang der c-moll-Fantasie im Tonartengestrüpp umherspringt, wobei bis Takt 18 keine Dominante ihr Ziel erreicht.
 
Axel
Axel
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Was die Mollsubdominanten angeht: Ich habe hier b-moll benutzt, weil ich gelernt habe, dass s65 - D7 - T ein üblicher Kadenzschluss ist. :confused:

marcus


Hallo marcus,

das ist eher die Ausnahme. Bei einer Dur-Tonika würde ich erst mal auch eine Dur-Subdominante nehmen, gerne mit 56. In Moll ist das natürlich anders. Aber diese unvermittelten Moll-Subdominanten klingen schon strange. Spiel das doch mal schnell durch. Oft erinnert es (um es ganz negativ zu sagen) an leicht kitschige Spätromantik.

Die 2. Modulation ist soweit ok., am Anfang würde ich lieber S statt s nehmen. Übrigens: durch 56 wird die Wirkung eines Akkordes als S verstärkt. Ist die Frage, ob du das am Anfang einer Modulation willst, eigentlich willst du ja weg von der alten T und diese nicht unbedingt verstärken. Gegeignet sind diese charakteristishen Dissonanzen eher um die Zieltonart zu bestätigen.
Ein bisschen kompliziert finde ich, dass die D der Zieltonart diese erst mal nicht erreicht, sondern in einen Trugschluss geht. Das mindert natürlich die Eindeutigkeit, wobei es sicher dafür Beispiele gibt (und wenn's bei Brahms oder Reger ist).

Apropos Beispiele: Ich finde das Verfahren, das J. Gedan immer wieder andeutet klasse: einfach Noten aufschlagen, vom Bltt zimbeln und schauen wie die Modulationen dort gemacht sind. Da findet sich in fast jedem Stück etwas Spannendes. Das ist doch spaßiger als eine theoretische Tabelle.

Viele Grüße
Axel
 
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Apropos Beispiele: Ich finde das Verfahren, das J. Gedan immer wieder andeutet klasse: einfach Noten aufschlagen, vom Bltt zimbeln und schauen wie die Modulationen dort gemacht sind. Da findet sich in fast jedem Stück etwas Spannendes. Das ist doch spaßiger als eine theoretische Tabelle.
Werd ich mal probieren :) vlt nicht gleich die c-Moll Fantasie, aber mal schauen.

Mir kommt es jetzt so vor, als würde viel häufiger moduliert werden als ich dachte. Um immer in einer Tonart zu bleiben, dürfte man ja nur die Funktionen der entsprechenden Tonleiter verwenden. Und selbst mit denen kann man woanders landen.

Ich werde euch auf jeden Fall wissen lassen, wie meine Modulationen bewertet wurden ;)

lg marcus
 
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Fred
Guest
...frage mich, ob es da nicht ein System gibt.

... Bittet ordnet dieses Chaos mit euer Weisheit ;)

Hallo Markus,

J.Gedan und Axel haben ja schon einiges konkretes zur Modulation von a nach b gesagt.
Hier ein Überblick der verschiedenen "Wege" die man von a nach b gehen kann.


Diatonische Modulation

Einfache diatonische Modulation:
Entfernung bis zu 2 Quinten.

Diatonisch-variantische Modulation:
Entfernung über 3 bis 6 Quinten.



Enharmonische Modulation

1.) Enharmonische Modulation über einen Dv
über Dv Dv
Entfernung: b3, #4, 6

über Dv DDv
Entfernung: 2, b6, M7


über DDv Dv
Entfernung: b2, 4, b7

Alle Entfernungen außer einfacher Quintabstand sind möglich.


2.) Enharmonische Modulation über den alterierten DDv


D7 alterierter DDv Entfernung M7
S<-(D7) alterierter DDv Entfernung M3
DD7 alterierter DDv Entfernung #4
Sp<-(D7) alterierter DDv Entfernung b2
Tp<-(D7) alterierter DDv Entfernung b6
Dp<-(D7) alterierter DDv Entfernung b3


3.) Enharmonische Modulation über einen alterierten DDv der Ausgangstonart

Dp<-(alt.D7 mit Terz im Bass) D7 mit Sept im Bass: Entfernung b7
Tp<-(alt.D7 mit Terz im Bass) D7 mit Sept im Bass: Entfernung b3
Sp<-(alt.D7 mit Terz im Bass) D7 mit Sept im Bass: Entfernung b6
alt.DD7 mit Terz im Bass D7 mit Sept im Bass: Entfernung b2
T <-(alt.D7 mit Terz im Bass) D7 mit Sept im Bass: Entfernung #4
S <-(alt.D7 mit Terz im Bass) D7 mit Sept im Bass: Entfernung M7

(Diese Tabelle wurde korrigiert)



Chromatische Modulation

1.) Mit chromatischer Leittoneinführung

Ob mit Terz oder Septime, es sind Modulationen in sämtliche Entfernungen möglich.

2.) Rückung


Rückung Dv -> D7

In den 3 Dv's von Dominante, Doppeldominante und Dominante der Subdominante sind alle 12 enharmonischen Töne enthalten. Somit sind Modulationen in alle Entfernungen möglich.


Rückung D7 -> D7

D7 als Ausgangsakkord: Entfernung 6, b3, #4
DD7 als Ausgangsakkord: Entfernungb7, b2, 3
(D7) zu S als Ausgangsakkord: Entfernung 2, 4, b6
Alle Entfernungen außer den einfachen Quintabständen sind möglich.



2.) Tonzentrale Rückung

Ein beliebiger tonarteigener Dreiklang wird in einen übermäßigen Dreiklang gerückt, der dann als Dominante mit hochalterierter Quinte der Zieltonart umgedeutet wird.
Alle Entfernungen sind möglich.

Ein beliebiger tonarteigener Dreiklang wird in den DDv der Zieltonart gerückt.
Fast alle Entfernungen sind möglich.



Modulation durch Sequenz

Modulation durch tonale oder reale Sequenz.
Alle Entfernungen sind möglich.
 
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Wow, ein dickes Dankeschön für diesen Beitrag :)

Es wird noch etwas dauern, bis ich die ganzen Informationen darin verdaut habe, aber ein paar Fragen hab ich jetzt schon:

1) Was genau meint der Begriff "diatonisch-variantische Modulation"?

Zitat von Fred:
1.) Mit chromatischer Leittoneinführung

Ob mit Terz oder Septime, es sind Modulationen in sämtliche Entfernungen möglich.
2) Kannst du mir dazu ein Beispiel aufschreiben? Den Begriff "Leittoneinführung" verstehe ich so, dass der Leitton in der Ausgangstonart noch nicht vorhanden ist. Bspw. wenn man von C nach D will, hat man das cis noch nicht. Wie wird es eingeführt?

Zitat von Fred:
2.) Tonzentrale Rückung

Ein beliebiger tonarteigener Dreiklang wird in einen übermäßigen Dreiklang gerückt, der dann als Dominante mit hochalterierter Quinte der Zieltonart umgedeutet wird.
Alle Entfernungen sind möglich.
3) Ich habe in Beitrag #7 eine tonzentrale Modulation aufgeschrieben. Ist die so korrekt?
Ich kann darin keine Rückung in einen übermäßigen Dreiklang erkennen :confused:

lg marcus
 
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J. Gedan
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Ich halte nicht viel von solchen Systematisierungen, außerdem sind die Begriffe bei jedem Theoretiker ein wenig anders. Malers Einteilung sieht z.B. so aus:
A Akkordumdeutung (funktionale Modulation)
B Haltetonprinzip (tonzentrale Modulation, ein Begriff, der von Alois Hába stammt)
C Alterationstechnik (chromatische und enharmonische Dominantmodulation).

"Eine Systematik der Überraschungen wäre ein Widerspruch in sich", schreibt de la Motte. (Den Begriff "diatonische Modulation" könnte man übrigens auch als Widerspruch in sich ansehen.) Anstelle solch vergeblicher Systematisierungsversuche sollte man sich lieber wirkliche Kompositionen angucken und die Einzelfälle beschreiben. Außerdem ist manche Modulationswendung auch nicht eindeutig einzuordnen, denn z.B. ist die Folge
c-e'-ges'-b' (= c-e'-fis'-ais')
H-dis'-fis'-h'
erstens einen Akkordumdeutung (C7/5- wird zur Dominante von H), zweitens eine chromatisch-enharmonische Modulation und drittens auch tonzentral, denn der Ton fis' bleibt liegen und erhält im zweiten Akkord eine neue Funktion, während die restlichen Stimmen chromatisch weiterrücken (das ist das, was man tonzentral nennt; Freds Beschreibung mit dem übermäßigen Dreiklang ist als Erklärung zumindest mißverständlich).
Modulation bedeutet immer Umdeutung, manchmal einer Funktion (Tp von C-dur wird Sp von G-dur), manchmal eines einzelnen Tons (Grundton fis von Fis-dur wird Terz von D-dur), manchmal durch enharmonische Verwechslung, oder sie bedeutet tonale Ausweitung durch unvermittelte Zwischendominanten. Und meistens werden von diesen Möglichkeiten mehrere gleichzeitig benutzt.

Zum Schluß werden solche Begriffe nur erfunden, damit Lehrer Prüfungsstoff für Schüler haben. Zudem beschreiben sie etwas, was längst da ist, weil Komponisten es angewendet haben, bevor die Theoretiker die Begriffe dafür erfanden. Schubert hat sich mit Sicherheit nicht vors Notenpapier gesetzt und gesagt: "Ich moduliere jetzt mal tonzentral", sondern hat seinem Kombinationsvermögen und seiner Klangvorstellung gehorcht.
 
 

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