Linke und Rechte Hand bei schnellen Stücken


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derbalz1
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Hallo Leute :)

mir ist schon öfters aufgefallen dass ich zum Teil Stücke, welche eigentlich langsam gespielt werden ohne weiteres in ner extremen Geschwindigkeit runterleiern kann (wohl nichts besonderes).
Nun was wenn das Stück schnell gespielt werden MUSS?

Dann übt man es halt langsam und erhöht das Tempo. Doch schon hier gibt es Widersprüche; manche sagen man sollte es immer mit beiden Händen üben, andere meinen man sollte die Hände voneinander trennen weil eine Hand immer langsamer ist.


Ich habe jetzt bei mehreren Stücken die Hände voneinander getrennt geübt und bin nun am Punkt der Verzweiflung weil es mir überhaupt nichts bringt weil ich um alles zusammen zu spielen das Tempo so runterschrauben muss, dass ich beide Hände koordiniert zueinander spielen kann.
Und eine Steigerung des Tempos sehe ich nach 2 Wochen üben auch nicht wirklich :-?

Nun würde ich gerne fragen wie ihr persönlich das anstellt extrem schnelle Stücke auf das (vom Komponisten) gewünschte Tempo zu bekommen :D

Ich freue mich jetzt schon auf Antworten :)

Greez
 
Stilblüte
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Hallo,

wenn du meine persönliche Meinung und Vorgehensweise hören möchtest:

Bis auf wenige Ausnahmen übe ich bei jedem Stück die Hände erst einzeln, bis ich sie in etwa im Tempo kann (auch das ist vom Stück abhängig). Anschließend füge ich die Hände zusammen - und dabei sollte man aber unbedingt langsam beginnen!! Das ist ganz natürlich, normal und sogar wichtig.
Vielleicht hast du den Eindruck, dass es Zeitverschwendung ist, die Hände erst einzeln auf Tempo zu trainieren, um schließlich beidhändig doch wieder in Zeitlupe zu beginnen; dem ist aber überhaupt nicht so. Auch wenn du am Anfang so große Koordinationsschwierigkeiten hast, wirst du sie doch überwinden, und spätestens wenn die Hände sich aneinander gewöhnt haben, zahlt es sich aus, wenn sie ihre Stimme einzeln bereits können (auch was z.B. komplizierte Fingersätze angeht).

Du kannst dich doch vom Gegenteil überzeugen, indem du ein Stück auf anhieb beidhändig übst. Es wird vermutlich länger dauern, bis du es im gewünschten Tempo schaffst, als wenn du die Hände vorher einzeln geübt hast.
Außerdem hat man "vertieft" geübt, wenn man die Hände einzeln beherrscht (am besten einzeln, auswendig, im Tempo).

Natürlich gibt es auch Stücke, die man, je nach Schwierigkeitsgrad und/oder Aufbau sofort zusammen übt.
z.B. das c-dur-Präludium von Bach.

Vielleicht meldet Haydnspaß sich mal zu Wort, der hat da glaub ich eine ganz andre Meinung als ich :D
 
Mikifan
Mikifan
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...Das ist eine gute Frage.....:)

Also ich habe bis jetzt immer zuerst beide Hände gut getrennt geübt, so dass diese einzeln perfekt klappen. Um erst einmal dies zu erlangen sind folgenden Übemöglichkeiten eigentlich immer gut (zumindest klappen die bei mir;):

- übe langsam mit viel Gewicht und höre allen Tönen zu. Höre sie alles als eine schöne Melodie, in der alle Töne wichtig sind.

- punktiert, mit den beiden Möglichkeiten die es gibt

- auch eine ganz nützliche Technik: übe von hinten, d.h. beginne mit den letzen paar Tönen in einem Abschnitt und nimm dann nach und nach immer mehr von vorne dran dazu

- staccato. Mit Überzeugung jede einzelne Tast drücken und sofort wieder loslassen

- mit Haltestationen. Teile dir das Stück in kleinere Phasen ein (1-2 Takte). Spiele immer eine Phase und ende auf dem ersten Ton der neuen Phase. Nun spiele diesen Ton noch einmal und dann die nächste Phase ...etc.

Das sind meiner Meinung nach einmal die wichtigsten Übetechniken. Wenn dann beide Hände getrennt gut klappen kannst du es zusammen wagen. Ich würde immer zuerst langsam anfangen. Wichtig immer den gleichen Fingersatz benützen, damit habe ich noch ab und zu Probleme:D Dann das Tempo allmählich steigern. Evtl. noch einmal eine der Methoden von oben benützen mit beiden Händen zusammen.
Und dann müsste eigentlich alles klappen.

Viel Spaß beim Ausprobieren, hoffe dass ich dir mit meinem kleinen Wissen helfen konnte;)

Mikifan
 
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derbalz1
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Nungut ich kam mir nur ein bisschen blöd vor als ich die Klaviersonate Nr. 14 von Beethoven (3. Satz) halbwegs drauf hatte, dass ich die über 3 Wochen täglich etwa 30 Minuten lang nur den ersten Teil geübt habe... Es lag einfach an der Koordination beider Hände; ich habs einfach nie wirklich schnell hinbekommen.
Die Noten verstauben jetzt irgendwo :S

Und jetzt habe ich zum Teil wieder dasselbe Problem bei Chopin's Stücken, wobei ich nicht finde dass der Zeitaufwand den ich in diese Stücke stecke sich überhaupt lohnt.

Wie lange habt ihr denn so bis solche Stücke/Abschnitte sitzen?
 
T
Tastenläufer
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Hallo derbalz1,

ein häufiger Grund dafür, warum das Zusammenspiel beider Hände trotz Lernen in Einzelstimmen nicht richtig vorangeht, sind rhythmische Ungenauigkeiten.
Wichtig ist in jeder Stimme die Taktschwerpunkte deutlich wahrzunehmen und zu zählen (bei sehr schnellen Stücken in größeren Einheiten)
Wenn jede Hand "weiß" was sie bei 1, 2, 3, 4, zu spielen hat, gelingt auch das Zusammenspiel der Hände schneller und einfacher.
Wie in den meisten Fällen sind auch hier kleine Abschnitte als Übungseinheiten sinnvoller.
Sich dem Tempo anzunähern, dass die Hände einzeln hatten, kann Schrittweise erfolgen, in dem du zunächst nur die Taktschwerpunkte zusammen spielst und dann nach und nach ergänzt.

Deine Frage wie lange es dauern sollte bis solche Abschnitte sitzen lässt sich natürlich nicht allgemeingültig beantworten, aber...

Ich erlebe immer wieder, dass man beim sinnvollen Üben deutlich merkt, wie es Schritt für Schritt vorangeht.
Wenn man aber den Eindruck von viel investierter Energie und wenig bis keinen Fortschritt hat, liegt oft ein nicht lokalisierter Fehler beim Lernen vor. (Grundvoraussetzung, dass Stück ist dem eigenen Können und dem musiktheoretischen Verständnis angemessen)

Gruß
Tastenläufer
 
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Bachopin
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Hi,

falls es nur noch um das Synchronisieren der Hände geht, gibt es auch noch folgende Methode:

Erstmal sucht man sich einen kurzen musikalisch sinnvollen Abschnitt heraus.
Dann spielt man diesen Abschnitt mit einer Hand komplett (das kann man ja schon), in mehreren Durchgängen immer wieder von vorne. Typischerweise benützt man dazu die linke Hand.

Jetzt kann man die andere Hand in kleinen Einheiten bei jedem Durchgang dazu spielen.
Zuerst spielt man mit der anderen Hand vom Anfang des Abschnitts nur so viele Noten, mit denen im Moment die Synchronisierung klappt. Im extremsten Fall nur die ersten 2 Noten.
Immer wenn ein Durchgang klappt, nimmt man dann eine oder mehrere Noten dazu. Bis man den Abschnitt komplett spielen kann.

Gruß
 
rolf
rolf
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Zuerst spielt man mit der anderen Hand vom Anfang des Abschnitts nur so viele Noten, mit denen im Moment die Synchronisierung klappt. Im extremsten Fall nur die ersten 2 Noten.
Immer wenn ein Durchgang klappt, nimmt man dann eine oder mehrere Noten dazu. Bis man den Abschnitt komplett spielen kann.

hallo,

ich fürchte, dass diese Metode so ähnlich wirkt, wie immer vom Anfang bis zum ersten Steckenbleiben spielen (falls ich das richtig verstanden habe)

mir scheint eine andere Vorgehensweise effizienter: nachdem man sicher gestellt hat, dass die Hände es einzeln können, sollte man in kleinen Abschnitten (z.B. von einem Viertel ins nächste, wenn 1/16tel zu spielen sind) mit beiden Händen in eine Zielnote hineinspielen. Auf dieser (am besten eignet sich ein Taktschlag) macht man eine Fermate. Hilfreich ist, die Finger für das Zusammenspiel von 4 16teln zu einer Zielnote hin auf die erforderlichen Tasten zu legen (also berühren). So kann man alles üben und dann in größeren Teilungen zusammensetzen.
(irgendwo hab ich das mal als Stationenübung beschrieben)

also wenn es z.B. 16tel sind:
- erst Fermate auf jedem Viertel
- dann Fermate auf jeder Halben
--- und das so oft, bis es einem langweilig ist, weil es mühelos klappt - dann alles zusammen. Normalerweise müsste diese "Bewegungsprogrammierung" funktionieren (aber anfangs setzt das Geduld voraus - die muss man haben)

leider weiss ich nicht, um welche Stücke bzw Passagen es hier geht, sodass ich nur diesen allgemeinen Tipp geben kann.

was ansonsten "Gesamtübungszeiten" für irgendwelche Stücke betrifft: je größer und schwieriger das Stück, umso aufwändiger ist das Erarbeiten - für vieles muss man Geduld und Durchhaltevermögen haben.

Gruß, Rolf
 
B
Bachopin
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Hi Rolf,

...
ich fürchte, dass diese Metode so ähnlich wirkt, wie immer vom Anfang bis zum ersten Steckenbleiben spielen (falls ich das richtig verstanden habe)
...

guter Einwand.

Dann ist natürlich der Abschnitt falsch gewählt. Man muss die Stelle, wo man steckenbleibt, als neuen Übe-Abschnitt benützen.

Die Methodik der Einteilung einer zu grossen nicht handhabbaren Aufgabe (Synchronisation der Hände eines ganzen Stückes) in kleine handhabbare Einheiten (musikalische Abschnitte) und dann wieder Zusammensetzen der Untereinheiten hatte ich vorausgesetzt.

Gruß
 
Peter
Peter
Bechsteinfan
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Ich spiele auf einem wohl sicher wesentlich niedrigerem Level, aber die Schwierigkeiten sind ja irgendwie die gleichen.
Was mir besonders gut hilft neben oben genannten Vorschlägen ("Stationenüben" finde ich auch sehr hilfreich) ist das Lernen im Schlaf. Ich habe das mal (wahrscheinlich sogar hier) gelesen und daran gezweifelt, aber es funktioniert.
Man spielt das Stück am Ende der Lernerei extrem langsam mit beiden Händen, dafür perfekt synchron, ein- oder zweimal. Danach geht man einfach ins Bett. Unser Gehirn ist einfach genial: Am nächsten Tag klappt´s viel besser.
Für mich hat sich herausgestellt, dass das oft effizienter ist als stundenlange Quälerei. Jeder kennt das sicher: Es macht irgendwann einfach klick.
 
D
derbalz1
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Okay ich hab meinen Fehler gefunden :D

Ich hab einfach immer zu grosse stücke genommen... Ich hab jetzt mal immer nur nen halben Takt auf Tempo geübt und jetzt kommt das ganze langsam :)

Danke vielmals für die schnellen Antworten ;)
 
 

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