Klavierunterricht für Flüchtlinge

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Ich muss gestehen, dass ich bei der Schließung dieses Fadens zu schnell geschossen habe. Nicht, weil ich das Vorhaben für gut befinde, sondern weil ich in diesem Faden die Möglichkeit hätte geben sollen, dagegen zu Argumentieren und die Problematik aufzuzeigen. Vielleicht ergeben sich daraus ja auch sinnvollere Anregungen, um Menschen in Not zu helfen.



Ich finde diese Idee in höchstem Maße problematisch. Man kann doch nicht jedem beliebigen Klavierbesitzer nahe legen loszuziehen, die Flüchtlingskinder in der Gegend einzusammeln und dann in den eigenen vier Wänden am Klavier klimpern zu lassen. Um solchen Kindern, die häufig schwer traumatisiert sind, überhaupt umgehen zu können, erfordert es ein hohes Maß an pädagogischen, sozialen und kulturellen Fähigkeiten, Wissen und Können. Hat man das nicht halte ich es für naiv zu glauben, dass man so wirklich sinnvoll helfen kann und nicht vielleicht am Ende noch Schaden anrichtet. Dazu ist einfach nicht jeder geeignet und es sollte auch nicht jeder dazu ermutigt werden. Ein anderer Ansatz ist, mit Fachkräften zusammenzuarbeiten, wie hier vorgeschlagen wurde. Das geht schon eher in eine brauchbare Richtung und wenn da etwas rauskommt, was wirklich weiterhilft, begrüße ich das natürlich.

Wer wirklich helfen möchte, findet dazu auch Wege. Man kann sich mühelos erkundigen, was wirklich gebraucht wird und wie man wirklich Flüchtlinge unterstützen kann, wenn man das möchte.

Im Übrigen bitte ich darum, mir hier keine politischen Motivationen zu unterstellen. Jeder der mich kennt weiß, dass das absurd ist.

Danke!

Viele Grüße!
Ich hoffe und wünsche mir, dass die von Dir als erforderlich angesehenen, höchstqualifizierten und interkulturell erfahrenen, am besten noch mit arabischen Sprachkenntnissen und einer abgeschlossenen Psychotherapeutenausbildung versehenen Kräfte dann auch in jedem kleinen Ort, wo Flüchtlinge ihre längerfristige Bleibe finden, zur Verfügung stehen. Und natürlich, dass die dortigen Einwohner die Kinder nicht etwa versehentlich ansprechen, oder zum Mitmachen im Sportverein, im Chor oder einfach beim nachmittäglichen Herumtollen mit anderen, unbelasteten Kindern des Ortes einladen. Die entstehenden Schäden könnten sogar noch schlimmer sein, als wenn sie bei Romeo zu Hause am Klavier eingeladen sind.
 
@Rubato bei deinem Zynismus wird der Thread gleich wieder dichtgemacht.

Natürlich sollen Flüchtlinge nicht ausgegrenzt werden, aber ein Sportverein ist einfach etwas anderes als eine Klavierstunde.
 
I
  1. Kann jeder helfen wenn er will - Nur sollte man sich immer zuvor ein paar Gedanken machen: Kann ich einigermaßen Englisch, komme ich mit fremden Kulturen zurecht? Habe ich überhaupt Zeit und Energie, mich mit den Menschen auseinanderzusetzen?


Ich halte die Alternative mit Kindern zu singen und sie dabei am Klavier zu begleiten für sinnvoller.

Um deine erste Frage zu beantworten: du musst keine andere Sprache beherrschen , das geht mit Händen und Füßen mit Pantomime hervorragend und bringt zusätzlich alle zum Lachen.
Meines Erachtens spielt die Kultur in diesem Fall eine deutliche Nebenrolle , was natürlich auch in Anbetracht des Alters differenziert werden muss.

Die Frage nach Zeit und Energie desjenigen , der helfen will, ist völlig berechtigt und , das muss jeder für sich entscheiden.
Viele Grüße Marion
 
Warum wurde der Thread geschlossen, warum wurde sogar von manchen (z.B. @rolf , @40er , @LankaDivore , @Styx , @Rheinkultur ) gefordert, ihn zu schließen ? Kaltherzigkeit ? Ausländerfeindlichkeit ? Angst, professionellen Klavierlehrern wird etwas weggenommen (lächerlich!) ?
Entschiedener Widerspruch meinerseits - ich habe niemals jemanden zur Schließung des Fadens aufgefordert, sondern lediglich meine Zustimmung zu kritischen Beiträgen kundgetan, deren Argumentation ich teile.

Ich bin gleich wieder unterwegs zu zwei Auftritten mit von mir geleiteten Chören, deshalb in aller Kürze ein Impuls eines erfahrenen Berufschorleiters, der auch viel Projektarbeit macht. Das elementare Instrument des Menschen, das es nirgendwo zu kaufen gibt, ist seine Stimme. Mit ihr verstellt man keinen knappen Wohnraum und sie ist grundsätzlich immer verfügbar, sofern sie gesund und intakt ist. Denkbar wäre es, Interessenten über regionale, kulturelle und religiöse Grenzen hinweg zu einem multikulturellen Vokalensemble oder Chor zusammen zu fügen. In den letzten Jahren gab es vielerorts Initiativen, Chorsänger aus Milieus zu rekrutieren, zu denen bestehende kirchliche und weltliche Vereinigungen keine persönlichen Beziehungen (mehr) haben. Da gibt es Seniorenchöre, da gibt es Chorprojekte für soziale Randgruppen ("Straßenchor")... - durchaus realisierbar, sofern entsprechend geschultes Führungspersonal für musikalische und organisatorische Aufgaben zur Verfügung steht. Im Falle von multikulturellen Chorprojekten müsste die Leitung sich eben auf unterschiedliche Mentalitäten einstellen und daraus ein chorisches Miteinander formen können. Diese Aufgabe ist anspruchsvoll - bei Instrumentalunterricht kämen stattliche Kosten, Platzbedarf und weitere organisatorische Komplikationen dazu. Wenn schon ein Musikprojekt, dann eines, das noch gewisse Chancen bietet, auch mit Erfolg in die Tat umgesetzt zu werden.

LG von Rheinkultur
 
@ohnezahn ich kann dir keine wissenschafzliche Begründung dazu liefern, es ist lediglich meine Meinung. Flüchtlinge wollen nicht unbedingt Klavierspielen lernen, manche wissen vielleicht gar nicht, was ein Klavier ist (immer davon abhängig, woher sie kommen). Auf das Klavier muss man sich konzentrieren. Mit 5 Leuten ein Lied zu spielen, dass jeder einen Akkord spielt, das ist für mich kein Klavierunterricht. Viele Kinder verstehen die Sprache hier auch nicht und kónnen auch kein Englisch. Aber, ganz ohne Sprache kann man keinem Kind das Klavierspielen vermitteln. Anders sieht das bei Schlaghölzern, Rasseln etc. aus. Von daher finde ich sportliche Aktivitäten weitaus sinnvoller. Fußball z.B wird beinah überall gespielt. Auch andere Sportarten können durch "vormachen-nachmachen" gelehrt werden. Außerdem wird bei so einem Teamsport etwas "gemeinsam" gemacht, was beim Klavier ja eher nicht der Fall ist.
 
Ich halte die Alternative mit Kindern zu singen und sie dabei am Klavier zu begleiten für sinnvoller.

Genau das geschieht bei uns in der Nachbarstadt, wo die örtliche Musikschule einen Kinderchor anbietet. Wie das Angebot angenommen wird, weiß ich aktuell leider nicht, da es schon einige Wochen her ist, dass der Leiter es mir erzählte. Geleitet wird der Chor übrigens von einer Hobby-Musikerin.

In der Tat ist es mehr als sinnvoll, nach dem örtlichen BEDARF zu schauen. Da sind Flüchtlinge angemeldet - die Leute machen sich dran, Babysachen zu stricken - und dann kommen lauter junge Männer .... Hm, nicht sehr nützlich.

Ein Blick in die örtliche Tageszeitung hilft oft weiter: Wer ist angekommen und wer braucht was? Welche Organisation benötigt noch welche Hilfe?
 
Ich wäre in der Schule so dankbar, wenn jemand der Klavier spielen kann, da mit uns ehrenamtlich kooperieren würde! Leider kann ich noch nicht ansatzweise so gut Klavier spielen, dass ich das angehen könnte. Insofern finde ich es auch nicht so verwerflich, dass im öffentlichen Forum anzusprechen, denn dadurch werden Kontakte geknüpft und die Organisation könnte gemeinsam angegangen werden. Ich hätte die Vermittlung mit der Schule gerne übernommen, hätte sich hier im Raum jemand gefunden, der das übernehmen würde.

Gibt es an Eurer Schule Musikmentoren (d.h., SchülerInnen, die so was übernehmen könnten)? Oder hat eine andere Schule an Deinem Wohnort Musikmentoren? Die würden sich vielleicht sogar freuen, aktiv werden zu können!
 

Vielleicht weil es dem Anschein nach breiter in der Bevölkerung vertreten ist und es so erstmal auf nonverbaler Ebene mehr zum Vertrauenszuwachs kommt. Wobei ne Rasselbande aus irgendeinem -stan sicherlich aufgrund vieler Volksmusikelemente dann wohl eher auf Musik bock hätte. Pauschalisieren geht hier gar nicht. Mir persönlich geht die ganze Flüchtlingsdebatte aufm Sack. Hier in Berlin fürchte ich persönlich das wohl mehr kriminelle Energien freigesetzt werden.... denn so lange ein Flüchtling nicht Asyl hat und sich keine Basis schaffen kann, ist er auch abhängig von unbequemeren Zwängen. Da haben es gewisse Machenschaften sicher leicht den einen oder anderen zu "rekrutieren". Immerhin nimmt der Taschendiebstahl in berlin erheblich zu. Und auch die Raubüberfalle nachts in der bahn. Auch ich wurde schon geweckt. Und die wollten nicht wissen ob es mir gut geht. Es soll kein Pauschalisieren sein, einfach nur ein Eindruck. Ich bewundere jeden der was leistet.

Lg lustknabe
 
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Dies ist ein Aufruf ! Ich trage mich mit dem Gedanken, ehrenamtlich Klavierunterricht für Flüchtlinge zu organisieren?
(2)
1. Für die Threadschließer sind Flüchtlinge vielleicht wie Tiere, zusammengepfercht in Massenunterkünften und auf die Grundfunktionen Essen und Schlafen reduziert.

also dann ganz deutlich:
(1)...aha... organisieren will man (ist ja auch bequemer, als selber was tun...)
(2)...das ist eine widerwärtige Unterstellung

Im idiotischen Fadentitel wie in den auszugsweise zitierten Pseudobegründungen kann man nur eines erkennen: eine Trollerei der schäbigen Sorte! Die alles andere als erfreuliche Situation der Asylbewerber wird missbraucht, um pseudomoralisch ein gekünsteltes Gutmenschenblabla abzusondern.

...es fehlt nur noch, dass bei der nächsten Naturkatastrophe oder dem nächsten Flugzeugunglück derselbe Spaßvogel anregt, die Hinterbliebenen mit portablem Digiunterricht in Notunterkünften zu beglücken...
 
Zuletzt bearbeitet:

Hi LankaDivore,

Auf das Klavier muss man sich konzentrieren. Mit 5 Leuten ein Lied zu spielen, dass jeder einen Akkord spielt, das ist für mich kein Klavierunterricht.

Irgendwo meine ich gelesen zu haben, dass Du Schulmusik studieren willst. Da wirst Du u.a. mit Boomwhackers konfrontiert werden, und die Aufführung mit Schülern wirst Du Konzert nennen.

(1)
...es fehlt nur noch, dass bei der nächsten Naturkatastrophe ... derselbe Spaßvogel anregt, man solle die Hinterbliebenen mit portablem Digiunterricht in Notunterkünften zu beglücken...

Stell' Dir mal vor, solche Projekte hat es schon gegeben, mit dankbaren Teilnehmern. Die Welt besteht nicht nur aus Deutschland.
 
@Infinity ich war als ich den Beitrag schrieb zunächst am Überlegen, ob ich "Alternativen" aufschreibe. Darunter wären auch die Boomwhackers gefallen (wobei ich die Dinger gehasst habe wie die Pest). Allerdings war ich gerade relativ beschäftigt und es musste schnell gehen. Ich meine irgendwas von wegen Klanghölzer und Co. geschrieben zu haben. Damit zu musizieren macht vielleicht Sinn. Für mich fallen solche Instrumente aber in eine ganz andere Kategorie. Bei diesen geht es eben darum, dass jeder nur 1 Ton spielt. Die Herausforderung ist dann, dass jeder seinen Ton zur richtigen Zeit spielt. Es ist also ein Gruppenerlebnis, es braucht viele Leute um ein Ziel zu erreichen. Genau solche Erlebnisse sollte man Flüchtlingskinderm bieten. Meiner Meinung nach macht es keinen Sinn, aus dem Klavier ein Gruppeninstrument machen zu wollen, weil es dies einfach nicht ist.
 
Ich habe in erster Linie für die Schließung des Fadens plädiert, da so ein Thema schnell ausufern kann, beeinflusst war ich sicher auch durch andere Themen von @Romeo, über die ich zum Teil nur den Kopf schütteln konnte.
Ansonsten spielt sicher auch mit, wie und wo jeder die Situation der Flüchtlinge erlebt, das kann sich in ländlichen Gegenden doch sehr von Großstädten unterscheiden. Die Situation der Flüchtlinge in Hamburg ist eher nach meinem Eindruck von existentieller Natur und da wäre Klavierunterricht das letzte an was ich denken würde, ich fand die Idee irgendwie deplatziert.
 
Ich habe immer noch nicht verstanden, was jetzt genau Schlimmes passiert, wenn Romeo die 3, 4 Kids abholt und einen Nachnittag mit ihnen am Klavier verbringt, meinetwegen auch mit Singen, etc.? Wenn tatsählich ein akutes Trauma dagegen spräche, würden die Eltern wohl darauf hinweisen.
 
Auch wenn ich nur nachkleckere: Man muss sich vor Ort informieren, was gebraucht wird. Erst mal materiell. Dann kann man sich informieren, wie man sich anderweitig engagieren kann. Aber ich fände einen Chor (wie schon erwähnt) für Erwachsene oder Kinder aufgrund verschiedener Aspekte wesentlich sinnvoller als Klavierunterricht.
 
Zitat von Rubato:
Weist Du, es gibt die Sorte Menschen, die nur dumm rumlabern (ganz vorne viele Politiker) und es gibt Menschen, die einfach nur helfen.
@rolf hat es schön auf den Punkt gebracht:
Im idiotischen Fadentitel wie in den auszugsweise zitierten Pseudobegründungen kann man nur eines erkennen: eine Trollerei der schäbigen Sorte! Die alles andere als erfreuliche Situation der Asylbewerber wird missbraucht, um pseudomoralisch ein gekünsteltes Gutmenschenblabla abzusondern.
 
Ich muss gestehen, dass ich bei der Schließung dieses Fadens zu schnell geschossen habe.

Nö! Wie goldrichtig Deine Entscheidung den Faden zu schließen gewesen ist,, wird sich sehr bald herausstellen. Weist, Leute welche fernab vom Geschehen in ihrem Wolkenkukuksheim sitzen und nix mitbekommen, die kommen auf derart absurde Gedanken wie "Kostenloser Klavierunterricht für Flüchtlinge". Des wird hier noch arg polemisch werden - ich für meinen Teil versuche mich zunächst einmal zurück zu halten.

Viele Grüße

Styx
 
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