Klavierlehrerin perfektionistisch

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sonnenblume58

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8. Jan. 2023
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Hallo,

meine KL findet immer neue Details, die sie fordert. Ich habe ein für mich leichteres Stück ihr vorgelegt und auch gelernt. Aber sie hat es zusätzlich erschwert. Es sind Akkorde vorgekommen und sie hat gesagt, dass die Oberstimme lauter sein muss. Das habe ich aber nicht können, also hat sie das nächste Stück ausgesucht. Irgendwie hat es mich frustriert, dass es dadurch nicht fertig geworden ist.
Was meint Ihr?

lg
sonnenblume
 
Es sind Akkorde vorgekommen und sie hat gesagt, dass die Oberstimme lauter sein muss.
da hat sie recht!
indem die Akkorde besser (mit hervortretender Oberstimme, d.h. mit Binnendifferenzierung) gespielt werden sollen, hat sie es nicht erschwert.
wie das geht, hätte sie dir zeigen und erklären und mit dir üben sollen.
 
Wenn man Unterricht nimmt, egal welches Fach, tut man zunächst gut daran, wieder Kind zu werden und mit der Einstellung eines Achtjährigen dorthin zu gehen.
Kinder sind es gewöhnt, dass ihnen immer irgendwie etwas beigebracht wird, weil sie die Welt ja noch nicht kennen. Deshalb sind sie offen für anderer Leuts Ideen. Je erwachsener wir werden, desto mehr glauben wir unseren eigenen Erfahrungen. Das ist der Lauf der Dinge.

Begibt man sich aber in eine Unterrichtssituation, dann sollte man ohne Erwartungen hinein gehen, das ist das Wichtigste. Gut präpariert, mit offenen Ohren und Geist, nur dann kann man lernen. Und sich völlig einlassen auf das Angebot der Lehrperson. (das gilt auf jeden Fall zunächst für den Anfänger)
Nur so kann es funktionieren.

Frustration erreicht das Gegenteil.
 
Irgendwie hat es mich frustriert, dass es dadurch nicht fertig geworden ist.

Vielleicht hat Deine Lehrerin ein Stück ausgesucht, bei dem es Dir leichter fallen wird, die Begleitung leiser zu spielen?

Und was meinst Du, wenn Du sagst, das Stück wäre nicht "fertig" geworden?

Stücke müssen nicht unbedingt bis zur Vortragsreife eingeübt werden, manchmal lässt die sich auch mit dem aktuellen Kenntnisstand nicht erreichen. Wichtig ist, dass Du das wesentliche Lernziel erreicht hast. Wenn Du das Stück magst, merke es Dir, und probiere es in ein paar Wochen nochmal, dann klingt es vielleicht schon ganz anders.

Wenn Du Dich überfordert fühlst, solltest Du unbedingt mit Deiner Lehrerin sprechen und sie bitten, die Anforderungen etwas zurückzuschrauben.
 
@sonnenblume58 - hat dir die Lehrerin gezeigt, wie man in Akkorden bestimmte Stimmen betont und das mir dir geübt?
Sollte die KL das mit dir nicht geübt haben, und das einfach übergehen, liegt das Problem zu 100% nicht bei dir. Und Dein Frust ist zu 100% berechtigt.

Ansonsten gilt: miteinander reden ist wichtig. Du musst sagen, was du möchtest, oder auch, wenn du irgendwie frustriert bist. Für eine KL ist es schwierig, auf manche Probleme einzugehen, wenn der Schüler das nicht formuliert. Wenn ich nicht weiß, was ein Erwachsener erwartet, und er nicht mit mir darüber spricht, kann es für beide Seiten schwierig werden.
 
Das Wesen des Klavierunterrichts ist es, dass der Lehrer immer neue Vorschläge, Ideen, Möglichkeiten zur Weiterentwicklung und zur Verbesserung findet. Findet er die nicht mehr, bist du am falschen Ort. Natürlich kann er dir auch nicht vom ersten Moment an sämtliche Inhalte nennen, die dir noch bevorstehen, denn damit könntest du gar nichts anfangen. Deshalb hat man als Schüler das Gefühl, es sei nie gut genug, nie fertig, nie perfekt etc.

Ein Lehrer hätte hier in meinen Augen die Aufgabe, auch aufzuzeigen, wann große und kleine Fortschritte eingetreten sind, wann ein Stück für das aktuelle Niveau lang und weit genug beackert wurde, wann es "vorzeigbar" geworden ist (d.h. ausführlich bearbeitet, hingehört, geübt, verstanden...) und damit eben auch "fertig".

Frag deine Lehrerin doch, warum ihr diesen neuen Aspekt an dem aktuellen Stück nicht weiterverfolgt habt. Was ist denn mit dem neuen Stück, was passiert da, was macht ihr da, was sagt sie dazu?
 
Ich kenne das gut - meine Stücke fühlen sich nie fertig an, weil ich nie zu 100 % umsetzen kann, was meine KL will.
Sie packt immer genau so viele Anforderungen zusätzlich rein, dass ich sie nie ganz erreiche. Das ist zwar etwas frustrierend, aber eigentlich logisch, weil man will/soll ja immer noch was lernen, was man noch nicht kann.
Die Latte wird halt immer höher gehängt mit jedem Schritt, den du schon gegangen bist.

Wenn du bei Akkorden die Aufgabe bekommst, die Oberstimme herauszuarbeiten, dann heißt das doch auch, dass andere Sachen wohl schon klappen, z.B. dass du die Akkorde lesen kannst, findest, entspannt greifst, gleichzeitig anschlägst...

Sei froh, dass deine KL da perfektionistisch den nächsten Schritt geht. Ich hatte bei meiner vorherigen KL das ungute Gefühl, dass sie mich mit zu wenig Zusatzwünschen konfrontiert. Das ist viel blöder, da kommt man nicht so gut voran.
 
Hallo allerseits,
danke für Eure Antworten und Anregungen.
Ja, ich weiß, dass sie Recht hat. Nur ist es immer so, dass bei Akkorden nur die Oberstimme lauter sein soll?

Nein, sie hat es mir nicht gezeigt, wie ich es machen muss. Ich habe ihr auch gesagt, dass ich überfordert bin und ich etwas leichtere Stücke haben möchte. Da hat sie gesagt, dass ich dann sage, dass nichts weitergeht. Ich möchte mich schon weiter entwickeln, aber doch nicht mit Krampf und Frust.

Es ist so, dass sie zwei Klaviere hat. Sie spielt etwas entfernt von mir auf einem Flügel und ich auf einem Piano. Anfangs habe ich mich immer hingestellt zu ihr, wenn sie etwas vorgezeigt hat. Das hat sie aber nicht wollen. Ich sehe praktisch gar nicht ihre Hand, wenn sie etwas spielt.

Aber, wenn ich nie das Gefühl habe, dass ein Stück fertig ist und richtig ist, muss das doch frustrierend sein. Oder liege ich da falsch? Ich möchte doch ein Erfolgserlebnis haben. Sie hat mich schon immer wieder gelobt, wenn ich etwas gut gemacht habe.


lg
sonnenblume
 
Es ist so, dass sie zwei Klaviere hat. Sie spielt etwas entfernt von mir auf einem Flügel und ich auf einem Piano. Anfangs habe ich mich immer hingestellt zu ihr, wenn sie etwas vorgezeigt hat. Das hat sie aber nicht wollen. Ich sehe praktisch gar nicht ihre Hand, wenn sie etwas spielt.
Das ist allerdings nicht toll. Gerade beim Beobachten kann man sehr viel lernen. Es gibt Menschen, die automatisch Bewegungsabläufe imitieren können, aber diese Fähigkeit ist natürlich nicht bei jedem gleich ausgeprägt. Helfen tut es aber auf jeden Fall sehr.
Eigentlich sollte einem Lehrer sehr daran gelegen sein, dass der Schüler ihn genauestens beobachten kann.
Ja, ich weiß, dass sie Recht hat. Nur ist es immer so, dass bei Akkorden nur die Oberstimme lauter sein soll?
Meistens ist es tatsächlich so. Wenn man sich einen vierstimmigen Satz als Streichquartett vorstellt, dann strahlt auch meist die oberste Stimme (Violine 1) heraus. Aber ich drücke es mal so aus: du solltest im Grunde genommen irgendwann in der Lage sein, jede einzelne Stimme in den Vordergrund stellen zu können.
 
Hallo Nachtmusikerin,
Ja, das denke ich auch.
 

Es ist so, dass sie zwei Klaviere hat. Sie spielt etwas entfernt von mir auf einem Flügel und ich auf einem Piano. Anfangs habe ich mich immer hingestellt zu ihr, wenn sie etwas vorgezeigt hat. Das hat sie aber nicht wollen. Ich sehe praktisch gar nicht ihre Hand, wenn sie etwas spielt.
Ich kenne das auch, dass mein Lehrer dann, wenn ich endlich mal heil durch das Stück komme, mit allen möglichen Sachen ankommt, wie man es noch besser machen kann.

Und ich war doch schon so froh, dass ich soweit gekommen bin.

Aber da muss man einfach realistisch sein, natürlich findet der Lehrer immer noch etwas, das man noch verbessern kann. Und... die Voraussetzung dafür, dass man an Details arbeiten kann, ist halt, dass man erst mal einigermaßen unfallfrei durch kommt.

Also ja, besser geht immer. Man kann und will nicht jedes Stück konzertreif bringen, das ist aber auch ok.

Nachdenklich macht mich allerdings, dass sie so etwas nicht mit dir übt. Siehst du denn nie ihre Handhaltung oder nur dann nicht, wenn sie ein ganzes Stück spielt? Ich finde die Hinweise "hier müssen die Finger schräg und nach vorne rücken, schau so sieht das aus " sehr hilfreich.

Ich würde auch erwarten, dass der Lehrer mal ein leichteres Stück anbietet, wenn der Schüler extra darum bittet. Wenn der Schüler aber extrem perfektionistisch ist, ist es vielleicht ganz gut, wenn der Lehrer da ein wenig gegensteuert.
 
Ja, ich weiß, dass sie Recht hat. Nur ist es immer so, dass bei Akkorden nur die Oberstimme lauter sein soll?
Lass dir von deiner KL das mal mit nicht gewichteten/differenzierten Akkorden Vorspielen und dann mit hervorgehober Oberstimme und gefolgt Unterstimme. Dann frag dich was davon stimmiger/schöner/gesanglicher klingt. Du musst kapieren wozu die Anweisung dient, nur dann findest du die Situationen in denen du es eigenständig umsetzen würdest. Und es kein „blinder Gehorsam“ mehr ist.

Ich habe ihr auch gesagt, dass ich überfordert bin und ich etwas leichtere Stücke haben möchte. Da hat sie gesagt, dass ich dann sage, dass nichts weitergeht. Ich möchte mich schon weiter entwickeln, aber doch nicht mit Krampf und Frust.
Man lernt am Besten in geringradiger/ moderater Überforderung. Also außerhalb der Komfortzone. Für Kinder normal, dass ihnen alles was sie anpacken erst mal eine Hausnummer zuviel verlangt ist, sie machen einfach. Und lernen dabei. Frust gehört in Maßen dazu und kann (wenn nicht übermäßig vorhanden) ein guter Motivator sein.“zum Kuckuck es klappt immer noch nicht, ich werde jetzt…xyz versuchen“
Es ist so, dass sie zwei Klaviere hat. Sie spielt etwas entfernt von mir auf einem Flügel und ich auf einem Piano.
solange sie dir auf die Art nicht die mörder Repetitionen verlangt die sie umsetzen kann und du nicht, ist’s zwar nicht schön aber auch kein Beinbruch. Man sollte wenn schon nicht zuhause dann wenigstens im Unterricht ab und an mal an einen Flügel kommen. Wenn du keinen hast, schade dass Sie dir nicht die Gelegenheit bietet.
Aber, wenn ich nie das Gefühl habe, dass ein Stück fertig ist und richtig ist, muss das doch frustrierend sein.
Nein. Du solltest ganz schnell Freude am KLAVIERLERNEN finden und nicht am STÜCKLERNEN. Wenn ersteres, freu dich auf die Fähigkeiten die du erwirbst. Das ist nachhaltiger und leichter dauerhaft zu erhalten.
Ich möchte doch ein Erfolgserlebnis haben. Sie hat mich schon immer wieder gelobt, wenn ich etwas gut gemacht habe.
wenn du einen Lehrer hast der seinen Job gut macht und dem du in seinen Bestrebungen dir etwas beibringen zu wollen vertraust, dann wirst du Erfolgserlebnisse haben, losgelöst von eigenen Vorstellungen was DU als „Erfolgserlebnis“ definieren würdest. Das was du als Erfolgserlebnis bewerten wirst, kannst du jetzt überhaupt nicht abschätzen. Es wird der Tag kommen da platzt du vor Glück Dinge da würdest du jetzt den Kopf schütteln.

Weniger denken, mehr machen. Und das sagt jemand, der das selbst oft nicht auf die Reihe bekommt.

Und sei dankbar für engagierte Lehrer!! Die sind Mangelware!!
 
Klingt, als wäre die Lehrerin überfordert oder wurde nach Methode XYZ unterrichten, die dir wenig nützt. Gibt es evtl. alternative Lehrer, die du kennenlernen könntest?
 
Dafür ist Klavier das falsche Instrument.
Dafür ist Tanz die falsche körperliche Betätigung.
Könnte man auch dogmatisch sagen.
Oder interpretierst du das Wort "Erfolgserlebnis" anders?
Ich habe zu Malen angefangen, und ohne die kleinen Erfolgserlebnisse, dass das, was ich malen will, allmählich so auf der Leinwand erscheint, hätte ich längst aufgehört.


@sonnenblume58 wenn eine KL ihren Klavierunterricht nur nach ihren Vorstellungen gestaltet, ohne Rücksicht auf die Schülerin, ist das schlecht.
Dass sie nicht will, dass du ihre Finger siehst, da fehlen mir ehrlich gesagt die Worte. Schüler lernen u.a. durch Ansehen und Nachahmen.
 
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Anfangs habe ich mich immer hingestellt zu ihr, wenn sie etwas vorgezeigt hat. Das hat sie aber nicht wollen. Ich sehe praktisch gar nicht ihre Hand, wenn sie etwas spielt.
Der Grund dafür könnte sein, dass sie möchte, dass du die Stücke auditorisch erarbeitest und nicht visuell und über das Nachahmen der Fingerbewegungen.
Aber wenn sie so rein gar nix erklärt und demonstriert, ist das ja auch seltsam.
 
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Die gibt es schon, aber nicht so schnell und einfach, wie bei anderen Instrumenten.
Es passt überhaupt nicht in diese Instant Gratification verwöhnte Zeit.
Auch mit dem Klavier kann man schnell kleine Erfolgserlebnisse haben.
Wenn das Erfolgserlebnis an unrealistische Ziele gekoppelt ist, kann man nur enttäuscht werden. In jedem Bereich.
Instant Gratification sucht keiner am Klavier weil es da um sofortige Bedürfnisbefriedigung, meist durch Konsum, geht.
 
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