Klavierkonzert, Orchesterpart

pianovirus

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Liebe clavios,

Anfang des kommenden Jahres habe ich zum ersten Mal die Gelegenheit, ein Konzert (K. 414) mit einem Amateurorchester spielen zu dürfen. Nun wollte ich diejenigen, die etwas mehr Erfahrung mit Konzerten haben, fragen:

Wie intensiv beschäftigt Ihr Euch mit dem Orchesterpart? Meine Einsätze weiß ich natürlich auswendig, aber der Rest ist bisher eher so "vertraut vom Hören", also ich könnte im Moment oft nicht sicher sagen, was das Orchester an einer Stelle gerade macht bzw. wie es von dort aus mit dem Orchester weitergeht. Mein Lehrer spielt am zweiten Klavier und kann dabei wohl leichter auffangen, wenn etwas schiefgeht, als das ein Orchester im Ernstfall könnte.

Bleibt es bei Euch auf dieser Ebene oder beschäftigt Ihr Euch detailliert (und wenn ja, wie?) mit dem Orchesterpart, wenn Ihr ein Konzert studiert? Ein Extrem wäre ja, auch den Klavierauszug auswendig zu lernen. Andererseits habe ich auch so genug zu tun und möchte es nicht unnötigerweise übertreiben, daher die Frage nach Euren Erfahrungen...

Am vergangenen Wochenende habe ich erlebt, wie ein Dirigent K. 415 abbrechen und die (ansonsten wunderbar spielende) Pianistin wieder "reinbringen" musste. So ein kleiner Blackout kann natürlich jedem mal passieren, aber ich frage mich, ob die Gefahr, dass es wirklich so sehr auseinander geht, nicht weitaus geringer ist, wenn man den Orchesterpart auch wirklich im Detail kennt?

Liebe Grüße,
pianovirus
 
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rolf

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Taschenpartituren sind nicht sehr kostspielig... Natürlich Klavierauszug und komplette Partitur sehr genau kennen (durcharbeiten!!)
((überhaupt ist sinnvoll, in solchen Konzerten melodisch-thematische Verläufe genauestens zu kennen...))
 
pianovirus

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Danke, rolf! Wenn es sonst noch irgendwelche Tipps geben sollte, würde ich mich freuen... vielleicht etwa @Stilblüte ?

LG,
pianovirus
 
pianovirus

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:angst::angst::angst:
Morgen besser nochmal beim Dirigenten anrufen und fragen, welches Konzert er zu dirigieren gedenkt.... ;-)

Erfahrungen/Tipps zum Studium des Orchesterparts wären weiterhin willkommen...
 
mick

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:angst::angst::angst:
Morgen besser nochmal beim Dirigenten anrufen und fragen, welches Konzert er zu dirigieren gedenkt....

Es gibt doch nur 21 Mozart-Konzerte. Lern' einfach alle, dann bist du auf der sicheren Seite!

Ernsthaft: Ich würde den Orchesterpart supergenau studieren! Nicht, um die Einsätze zu finden – das ist sicher das geringste Problem. Aber in den Stellen, die man mit dem Orchester gemeinsam hat, muss man z.B. wissen, wo man als Solist führen muss, wo man vielleicht dialogisch mit einem Bläser zusammenspielt oder wo man eher im Hintergrund etwas begleiten muss. Nichts ist schlimmer als ein Solist, der entweder stur seinen Stiefel herunterspielt oder einer, der sich nur abwartend ans Orchester dranhängt. Du solltest das Konzert als ein groß besetztes Kammermusikwerk auffassen. Und da muss man in jedem Augenblick wissen, was alle anderen zu tun haben.

Und bei einem Amateurorchester ist es noch schwieriger – es kann ja gut sein, dass du dem einen oder anderen Bläsersolisten mal rhythmisch helfen muss (z.B. durch einen überdeutlichen Akzent), damit ihr nicht auseinander fliegt. Und wehe, du weißt dann nicht genau, was der im Moment zu spielen hat ...

LG, Mick
 
pianovirus

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Es gibt doch nur 21 Mozart-Konzerte. Lern' einfach alle, dann bist du auf der sicheren Seite!

:-D

Ernsthaft: Ich würde den Orchesterpart supergenau studieren! Nicht, um die Einsätze zu finden – das ist sicher das geringste Problem. Aber in den Stellen, die man mit dem Orchester gemeinsam hat, muss man z.B. wissen, wo man als Solist führen muss, wo man vielleicht dialogisch mit einem Bläser zusammenspielt oder wo man eher im Hintergrund etwas begleiten muss. Nichts ist schlimmer als ein Solist, der entweder stur seinen Stiefel herunterspielt oder einer, der sich nur abwartend ans Orchester dranhängt. Du solltest das Konzert als ein groß besetztes Kammermusikwerk auffassen. Und da muss man in jedem Augenblick wissen, was alle anderen zu tun haben.

Und bei einem Amateurorchester ist es noch schwieriger – es kann ja gut sein, dass du dem einen oder anderen Bläsersolisten mal rhythmisch helfen muss (z.B. durch einen überdeutlichen Akzent), damit ihr nicht auseinander fliegt. Und wehe, du weißt dann nicht genau, was der im Moment zu spielen hat ...

Vielen Dank für diese Tipps, Mick! Mir ist jetzt nach den Kommentaren von rolf und Dir (und meinem Lehrer) klar, dass ich mit doch weitaus intensiver mit dem Orchesterpart beschäftigen muss und möchte.

Ich vermute, es ist am besten, dabei gleichzeitig Klavierauszug und Partitur zur Hand zu nehmen; das kleine gelbe Eulenburg-Heftchen stand bisher unbenutzt im Schrank rum....

Die Grobstrukturen der Form, also die Sonatensätze I. und II. und das Sonatenrondo III. mit den jeweiligen Themen und Besonderheiten habe ich mir natürlich vergegenwärtigt.

Jetzt geht es dann, wie Du nahelegst, darum, sich wirklich eingehend klarzumachen, was genau das Orchester an jeder Stelle zu tun hat, so dass ich darauf auch eingehen kann (was im Moment nicht passiert, bzw. nur an ganz offensichtlichen Stellen, wie z. B. einer imitatorischen Passage in der Durchführung des 1. Satzes).

Liebe Grüße,
pianovirus
 
E

eifler

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In Zeiten des Internets und der Tablets-;)

Mozart 12. Klavierkonzert KV 414

Die Noten

http://dme.mozarteum.at/DME/nma/nma_cont.php?vsep=149&gen=edition&l=1&p1=3

Kritischer Bericht

http://dme.mozarteum.at/DME/nma/nma_cont.php?vsep=150&l=1&p1=7

Wenn du noch tiefer einsteigen möchstest-;)

http://www.laphil.com/philpedia/music/piano-concerto-no-12-k-414-wolfgang-amadeus-mozart

Uta Titzhoff - Mozart - Seine Klavierkonzerte

http://books.google.de/books?id=bpTKz3MDnKAC&pg=PA40&lpg=PA40&dq=mozart kv414 kadenz&source=bl&ots=EFm1KLf9kW&sig=P077S5kzNvPke55KcXcqGzRfxjE&hl=de&sa=X&ei=KVYfVOK5AcPlPJiOgOgF&ved=0CCwQ6AEwBzgU#v=onepage&q=mozart kv414 kadenz&f=false

oder hier


Titel An Analysis of Mozart's Piano Concerto in A Major, K. 414: Thesis , University of Michigan, School of Music, May 1981
Autor Lisa A. Miller
Mitwirkende Personen University of Michigan. School of Music
Verlag University of Michigan, 1981
Länge 80 Seiten

Hier sieht man schön die Pianistin und das Orchester als eine Einheit

 
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Stilblüte

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Hallo pianovirus,

Dieses Konzert ist im Zusammenspiel kein besonders kompliziertes, ich hab es einmal ohne Dirigent gespielt (was ich ein paar Stunden vorm Konzert erfahren habe :D Da kam irgendjemand zu mir her, und ich fragte, ob er der Dirigent sei. Nein, der erste Cellist. Aha, und wo ist der Dirigent? Oh, der kommt heute nicht. Achso... :D Da brauchts halt einen guten Konzertmeister und einen klaren Pianisten, dann geht das).

Es gibt ja an den meisten Stellen eine sehr eindeutige Rollenverteilung. Entweder das Orchester spielt Tutti, dann schweigt das Klavier, oder das Klavier spielt alleine, dann ists auch klar. Dann gibt es die Möglichkeit, dass das Klavier solistisch auftritt und das Orchester begleitet (in diesem Konzert ist das meistens der Fall), das umgekehrte, dass der Pianist das Orchester "begleitet" (da fällt mir in dem Konzert spontan keine Stelle ein). Und dann etwas komplexere Versionen des Zusammenspiels, z.B.Dialoge mit kurzfristiger Frage-Antwort, kammermusikaliches, solistisches Spiel mit einer Instrumentengruppe (z.B. Holzbläser), oder auch eine derartige "Verzahnung" von Orchester und Solist, dass gar nicht eindeutig gesagt werden kann, wer das Hauptthema oder die Melodie hat oder wer führt, weil alles untrennbar verbunden ist.

Bei diesem Konzert nun: Höre es dir einfach öfter an und lies evtl. mit. Wenn du das Konzert mit Streichensenmle aufführst, musst du ja sowieso keine Instrumente auswendig lernen. Ansonsten, versuche mal in den Zustand zu kommen, dass du während des Spielens so hörst, als würde das Orchester mitspielen. Um das zu trainieren kannst du auch mal zu CD-Aufnahmen dazuspielen, das macht Spaß. Nur nicht zu oft zur gleichen, sonst übernimmst du die Interpretation allzu leicht.

Ansonsten brauchst du für ein Klavierkonzert eine etwas andere Art zu spielen als beim Solo. Man kann nicht immer jede Phrase mit einem Decrescendo enden lassen zum Beispiel, so wie man es evtl. als Solist machen würde, sondern führt manchmal auch zum Orchester hin. Der Ton ist auch ein anderer, ein Pianissimo mit Orchester ist u.U. lauter als beim Solo, man braucht einen selbstbewussten Ton und Führung und muss den schmalen Grat erwischen, flexibel zu sein und auf die anderen zu hören und einzugehen, aber trotzdem nicht "jeden Scheiß" mitzumachen, denn man ist ja der Solist, und eigentlich sollte der Dirigent das Orchester im Griff haben, so dass du im angemessenen Rahmen tun kannst, was du willst.
 
Rheinkultur

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Dieses Konzert ist im Zusammenspiel kein besonders kompliziertes, ich hab es einmal ohne Dirigent gespielt (was ich ein paar Stunden vorm Konzert erfahren habe :D Da kam irgendjemand zu mir her, und ich fragte, ob er der Dirigent sei. Nein, der erste Cellist. Aha, und wo ist der Dirigent? Oh, der kommt heute nicht. Achso... :D Da brauchts halt einen guten Konzertmeister und einen klaren Pianisten, dann geht das).
Dirigent und Solist in Personalunion ist bei klassischen Solokonzerten nicht selten, prominentes Beispiel:


Kann man so machen bei professionellen Orchestern mit viel Erfahrung im Zusammenspiel mit Instrumental- und Vokalsolisten: Mit dem Solisten atmen und ein Tempo organisch im Verbund führen, das sollte da kein Problem darstellen und ein paar kleine Impulse vom Konzertmeister genügen. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Ensemblemitglieder agiert übrigens selbst mehr oder minder regelmäßig als Solist vor Orchestern und Ensembles oder besitzt selbst Erfahrung als Ensembleleiter - die wissen alle genau, was einen ein paar Schritte vor ihnen auf dem Podium erwartet.

Bei zusammengewürfelten Formationen oder Laienorchestern ist das nicht so selbstverständlich und man muss dann auch schon mal auf Unstimmigkeiten und Irritationen unaufgeregt reagieren können. Da haben meine Vorredner schon recht: Wer mit allen Details im Orchesterapparat ebenso vertraut ist wie mit dem eigenen Solopart, hat gute Aussichten, mit dieser Situation fertig zu werden. Immer wieder kann gerade bei Amateurformationen auch der Dirigent selbst zum Unsicherheitsfaktor werden: Ist er erfahren mit der Solistenbegleitung? Hat er sein Ensemble gut im Griff? Ist seine Zeichengebung präzise und unmissverständlich oder schwimmt des öfteren so einiges?

Wenn man nicht so optimale Bedingungen vorfindet, empfiehlt sich der Verzicht auf Experimente: Klare Impulse geben, Tempoveränderungen mit Bedacht vornehmen und möglichst guten Augenkontakt mit Dirigent und/oder Konzertmeister; präzises Hinhören ist sowieso unverzichtbar. Solokonzerte des (vor-)klassischen Zeitalters sind zumeist kammermusikalisch angelegt und zu ihrer Entstehungszeit im Regelfall nicht von einem eigenständigen Dirigenten geleitet worden - "Dirigent" im heutigen Sinne ist ein verhältnismäßig junges Berufsbild, das sich erst im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts (also nach Mozarts Ableben) etabliert hat. Wer in der Lage ist, den Orchesterapparat so sicher wie seinen Solopart zu beherrschen, dürfte vermutlich die besten Voraussetzungen für eine gute Interpretation haben. Dirigiertechnische Kenntnisse (Schlagfiguren, wichtige "Kapellmeisterzeichen" und dergleichen) sind hilfreich - in den meisten Studiengängen ohnehin obligatorisch, aber auch unabhängig von einem Hochschulstudium problemlos verfügbar. In diesem Sinne viel Erfolg und frohes Schaffen!

LG von Rheinkultur
 
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Vielen herzlichen Dank Euch beiden, Stilblüte und Rheinkultur! Das sind wirklich wertvolle Hinweise.

Ein gutes Beispiel für gelungene Kommunikation mit dem Orchester fällt mir gerade ein: ein Konzertabend in Freiburg vom letzten Dezember, in dem Kit Armstrong (eingesprungen für Buchbinder) mit dem Zürcher Kammerorchester Haydn D-Dur, Mozart 467, Beethoven 1 spielte. Das Konzert empfand ich damals schon von einer selten gehörten Lebendigkeit, weil man wirklich immer spüren konnte, wie ungeheuer wach und aufmerksam alle Beteiligten waren und wie sie sich mit Freude gegenseitig zuspielten. Armstrong war dabei mit seinem Blickkontakt auch fast dauernd beim Orchester.
 
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