Kinder zum Üben motivieren

  • Ersteller des Themas Chrisvont
  • Erstellungsdatum


Rheinkultur
Rheinkultur
Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
10.495
Reaktionen
9.993
das, was du da beschreibst wäre für mich eher kein Indiz für einen guten Klavierpädagogen. Ich würde vielmehr denken, der verzettelt sich ja heillos, wie will der den Unterricht an meinem Kind anständig vorbereiten und durchführen.Man hat es doch schon oft gesehen: hier noch ne Mugge, da noch eine - im Endeffekt bleibt das meiste halb und unfertig, und als erstes leidet der Unterricht, weil die Kinder es nicht sofort merken und sich nicht wehren.
Halt - natürlich war nicht die Rede davon, dass der Lehrer aktuell den gesamten Fragenkatalog mit Ja beantworten kann, weil er vor lauter Nebentätigkeiten zu keiner Haupttätigkeit mehr käme! Das würde ihn in der Tat als reinen Aktionisten ausweisen, der vermutlich überall einmal und nie wieder engagiert wird, weil er alles nur mittelmäßig und nichts als Spezialist beherrscht.

Das Optimum wäre der pädagogische Experte, der die eine oder andere der von mir aufgezählten zusätzlichen Qualifikationen auch noch besitzt und sich mit weiteren Disziplinen zumindest fundiert auseinandergesetzt hat - vergleichbar mit einem Sportlehrer, der sich ja auch mit Geräteturnen, Leichtathletik, Ballsportarten und weiteren Bereichen zumindest auf einem gewissen grundlegenden Leistungsniveau befasst haben muss, auch wenn er nicht auf allen Gebieten Spezialist sein kann.

Sicher kein guter Klavierpädagoge ist jemand, der alle Schüler durch dieselben Klavierschulen hindurch schleift, ein begrenztes Repertoire mit sich stets wiederholenden Standardstücken spielen lässt und auf weitergehende Fragen keine Antwort geben kann oder will. Das spüren schon bald sogar ambitionierte Schüler, dass hier das Gleichgewicht zwischen Fordern und Fördern nicht mehr stimmt.

LG von Rheinkultur
 
C
Chrisvont
Dabei seit
23. Juli 2014
Beiträge
2
Reaktionen
2
Vorweg möchte ich mich für die vielen Anstöße, Meinungen und Vorschläge bedanken! Es sind schon jetzt viele Ideen entstanden, doch zuerst möchte ich die „fehlenden Informationen“ nachliefern:


@ Rheinkultur: Der Kleine spielt mir und seinen Großeltern ab und zu etwas vor, in seinem Freundeskreis gibt es leider keine Kinder, die Klavierspielen. Vielleicht sollte ich mal zu den anderen Eltern der Klavierschule Kontakt aufnehmen, um neuen Freundschaften einen Impuls zu geben.

Irgendwann möchte er auch mal schwerere klassische Stücke spielen, das Ziel ist jedoch noch weit entfernt. Am Anfang hat er schnell Fortschritte gemacht zur Zeit stagniert der Fortschritt erstmalig. Im Moment ist es so, dass er das langfristige Ziel hat, es aber noch nicht verinnerlicht hat, dass er das tägliche trainieren dafür braucht. Wie gesagt hört er gern mit Klassik und Kindermusik. Charts oder das Radio bekommt er noch nicht so mit. Ich selbst bin total Unerfahren, was die Unterrichtsmethoden angehen, werde mich damit wohl mal befassen müssen!

Gefühlt haben wir aber Glück mit der Lehrerin. Ich würde sagen, dass er durchschnittlich begabt ist, wobei ich auch keine Vergleiche habe. Wobei er schon sehr motiviert ist Klavier zu spielen.


Die Großeltern überwachen nicht das Üben und wohnen auch nicht im Haus, mein Sohn weiß auch nichts von der Bedingung und es gab auch noch keinen Konflikt, ich sehe Ihn nur kommen und betreibe hier gerade quasi Vorsorge ;)


Ich habe jetzt schon öfter gelesen, dass diese Schwächephasen normal sind, das beruhigt mich sehr. Extrinsische Motivation, also die „Lego Deals“ könnte ich mir auch gut vorstellen, aber ich würde gern etwas finden, was gegen diese Lustlosigkeit beim Üben hilft. Als Ansatz ist mir besonders die richtige Stückauswahl als entscheidender Faktor aufgefallen, sowie die soziale Komponente beim Klavierspielen. Das heißt, wenn er mit seinen Freunden wetteifern kann, ist sofort ein höheres Motivationspotential möglich. Sowie das Vorspielen vor Verwandten etc…

Bin ich richtig in der Annahme, dass der Konsens ist, dass bei so einem komplexen Lernvorhaben, wie beim Klavierspielen, gewisse Erschöpfungserscheinungen (Übungsunlust) über die Zeit völlig normal sind?

@rolf: Ist es wirklich eine Erziehungsaufgabe? Kommt Motivation nicht von innen? Platt gesagt: Muss das nicht jeder für sich selbst herausfinden?

@Stilblüte: Danke für den Vorschlag, mal schauen ob das Gespräch schon die Lösung ist!

Finde den Ansatz auch sehr spannend nach der Wahrnehmung der Situation zu Fragen. Also nimmt mein Sohn die Unlust auch war, was würde er gern machen, damit sich das ändert. Diesen Ansatz finde ich auch sehr klug! Ich denke auch, dass das Probieren die eigene Motivation zu wecken der Schlüssel zum Erfolg ist und genau dafür suche ich jetzt quasi Lösungsansätze ;)

@ french-lesson: Vielleicht hilft es auch dem Sohn zu vermitteln, dass es ganz normal ist, dass es mal nicht weitergeht und das es diese Lerntreppe gibt?

@Gamma:

Auf dem Klavier darf auf jeden Fall Geklimpert werden. Unter "üben" verstehe ich die Hausaufgaben der Klavierlehrerin. Das mit der Kraft zum Motivieren ist auf jeden Fall ein Punkt, deswegen suche ich ja auch nach möglichen Lösungen J Bisher kam der Junge immer recht geübt in den Klavierunterricht und hat auch Fortschritte erzielt. Ich selbst sehe in der Stagnation die „ Gefahr“, dass mein Sohn irgendwann an sich selbst Zweifelt, vielleicht muss man den Sinn des Übens auch einfach nur anders kommunizieren? Ich möchte primär in der Entscheidung dieses Hobby zu beginnen unterstützen, denn ich halte von zu schnellem aufgeben nicht viel.

Morgen werde ich mir mal mehr Zeit nehmen und die ganzen Post noch genauer zu lesen, vielleicht habe ich den einen oder anderen Lösungsansatz, wie man die Motivation von innen fördert, übersehen.

Ich fürchte, ich werde auf kurz oder lang ein Tausch durch „sinnvoller Zeit“ mit „unsinnvoller Zeit“ ansagen. Mein Ipad gibt’s nur noch so lange, wie Klavier geübt wurde. :lol:


Beste Grüße

Chrisvont
 
Zuletzt bearbeitet:
G
Gamma
Dabei seit
24. Juli 2014
Beiträge
84
Reaktionen
14
@Chrisvont

Danke für die Antworten. Weitere Fragen zum Nachdenken:

Wie äußert sich die Unlust?

Ist es eher das Problem des Hinsetzens? z.B.

Vergisst er das Klavierüben, bis Du ihm sagst, dass er jetzt Klavier üben soll?
Oder weiß er grundsätzlich, dass er im Laufe des Tages Klavier üben muss, hofft aber,dass Du vergessen hast, ihn drauf anzusprechen?
Oder will er grundsätzlich Klavier üben, wartet aber drauf, von Dir angesprochen zu werden?
Vielleicht findet er es nett, von Dir motiviert zu werden? (Mama/Papa kümmert sich um mich.)
Alleine ins Kinderzimmer/Wohnzimmer zu gehen ist doof, wenn alle anderen was Netteres machen in der Küche?
Oder umgekehrt, ist es doof, mit dem Elternteil ins Kinderzimmer zum Üben zu gehen, wo man doch alleine sein möchte?

Oder ist es eher das Problem des Übens? z.B.

Lehrerin hat gesagt, dass ich die rechte Hand 5 mal spielen soll - ich kann das aber doch schon! (dass ich nicht im Rhythmus bin, höre ich doch nicht, vor allem, da ich jetzt nicht mehr "Hänschen klein" spiele, sondern auch Stücke, die ich gar nicht kenne...)
Lehrerin hat gesagt, dass ich die Fingerübungen Nr. 11 und Nr. 12 machen soll - diese habe ich aber doch schon am Dienstag fertig!
Warum sollte ich heute noch üben?
 
rolf
rolf
Dabei seit
18. Feb. 2008
Beiträge
29.356
Reaktionen
20.302
@rolf: Ist es wirklich eine Erziehungsaufgabe? Kommt Motivation nicht von innen? Platt gesagt: Muss das nicht jeder für sich selbst herausfinden?
interessante Fragen - wenn jeder allezeit die von innen kommende Eigenmotivation hätte, dann hättest du doch gar nicht hier nachfragen müssen... und was das "herausfinden" betrifft, könnte natürlich sein, dass dein Nachwuchs gerade dabei ist, herauszufinden ob er/sie klavierspielen will oder ob und wie man Vati und Mutti manipulieren kann (kleine Machtspielchen etc)
dennoch scheint mir dahinter das grundlegende Problem der Erziehung zur Eigenverantwortung zu liegen, und das ist immer und überall keine leichte Aufgabe und auch keine Angelegenheit von 2-3 Fragen nebst 2-3 Antworten.
 
P
Pusteblume
Guest
Hallo :)

meine Kurze lern Bratsche spielen, liebt Lehrerin und Unterricht auch sehr, muss aber trotzdem ans Üben erinnert werden. Ich weiß nicht wie alt Dein Sohn ist, aber es kann schon ein wenig dauern, bis von allein genug Motivation da ist zu üben.

Bei uns läuft es so, dass meine Tochter den Tag nach dem Unterricht "frei" hat. An dem Tag wird nie gespielt. An den anderen Tagen übt sie, aber nicht immer gleich viel. Je nachdem wie anstrengend die Schule war oder was sonst noch ansteht, kann es sein, dass sie nur ein paar Tonleitern spielt oder auch das sie das ganze Programm durchgeht. Wenn es an einem anderen Tag mal eng wird, dreh ich ihr aber keinen Strick daraus. Dann hat sie eben an zwei Tagen nicht gespielt.

Jetzt in den Ferien hat sie eine ganze Woche nicht gespielt und wenn es in den Urlaub geht, wird sie sogar zwei Wochen nicht spielen - auch das muss mal sein.

Ich gucke nur, dass sie nicht das verlernt, was sie schon erarbeitet hat und während der regulären Zeiten auch in ihrem Tempo vorwärts kommt.

Sie spielt übrigens seit gut 1,5 Jahren, falls das relevant sein sollte.

LG
 
P
Pusteblume
Guest
auf der Schülerseite sollten Begabung, Begeisterungsfähigkeit und Lernbereitschaft gleichermaßen gegeben sein.
LG von Rheinkultur

Nicht mal unbedingt - meine Tochter ist eher unbegabt - Feinmotorisch sogar ungeschickt. Als sie fortwährend den Wunsch äußerte Bratsche lernen zu wollen hat mir das wirklich Bauchweh gemacht, weil die motorischen Probleme mehr oder weniger erfolglos schon längere Zeit behandelt wurden.

Aber es gab enorm viel Begeisterung für's Instrument und einen unbezwingbaren Lernwillen. Also dachte: genug Therapie-Programm, dann soll sie ihren Unterricht haben, dass wird sie ganzheitlicher fördern als die Ergo.

Ihre Unkonzentriertheit und ein Kopf wie ein Sieb machen ihr das Üben oft schwer und sie kommt nur gemächlich vorwärts.

Aber sie will mit dem Instrument ja später kein Geld verdienen und einfach nur Freude am Musizieren haben. Darum würde ich sagen: Kein Talent ist das geringere Problem :)

LG
 
Rheinkultur
Rheinkultur
Super-Moderator
Mod
Dabei seit
1. Apr. 2012
Beiträge
10.495
Reaktionen
9.993
Nicht mal unbedingt - meine Tochter ist eher unbegabt - Feinmotorisch sogar ungeschickt. Als sie fortwährend den Wunsch äußerte Bratsche lernen zu wollen hat mir das wirklich Bauchweh gemacht, weil die motorischen Probleme mehr oder weniger erfolglos schon längere Zeit behandelt wurden.
Eine Steilvorlage für den Plan, einen Faden für Bratschenwitze aufzumachen. Bratscher gelten als die Ostfriesen unter den Musikern. Einen gespielten Witzzzz, der nicht auf der oben verlinkten Seite steht, viel Vergnügen!:
Was ist der Unterschied zwischen Geige und Bratsche? Die Bratsche brennt länger (und langsamer)!
smileygarden_happy_309.gif
smileygarden_happy_309.gif
smileygarden_happy_309.gif
smileygarden_happy_309.gif


LG von Rheinkultur

P.S.: In der Realität sieht es ganz anders aus, es gibt großartige solistische und kammermusikalische Literatur - und die konzertanten Werke befinden sich auf Augenhöhe mit den Violin- oder Cellokonzerten.
 
Marlene
Marlene
Dabei seit
4. Aug. 2011
Beiträge
15.286
Reaktionen
13.151
Vor einigen Monaten habe ich eine Freundin besucht, wir hatten uns eine Weile nicht gesehen. Ihre Tochter, 10 Jahre alt, hatte das gleiche Problem, das Üben fiel ihr schwer weil die Motivation eher dürftig war. Auf einmal hat sich meine Freundin an ihre Tochter gewandt: „Du, Sabine, die Marlene spielt übrigens auch Klavier!“. Sabine wollte dann, dass ich etwas vorspiele. Ich habe aber gesagt, dass ich das nicht kann und noch viel zu lernen hätte, ich würde ja nichtmal eine Tonleiter richtig auf die Reihe bekommen. Meine Freundin hat mich erstaunt angeschaut denn ihr war klar, dass ich geflunkert habe. Sabine hat mich gefragt mit welcher Tonleiter ich denn Probleme habe. Och, ja, D-Dur und E-Dur wollen nicht so richtig. Das war mächtig geflunkert denn D-Dur und E-Dur liegen mir gut in der Hand. Meine Freundin schaut mich weiter verwundert an. Sabine hat mich dann bei der Hand genommen und zum Klavier geführt. „Schau mal Marlene, das musst Du so machen!“. Sie erklärt mir also wie ich die Tonleitern zu spielen habe und sie hat mir dann auch gleich erklärt was ich machen muss damit es mit dem Daumenuntersatz klappt (der wegen physiologisch beeinträchtigter Daumen nicht sauber läuft). Und sie rät mir noch immer schön locker zu bleiben in den Händen.

Einige Wochen später hat meine Freundin mich angerufen und gesagt, dass Sabine ihr immer mal wieder etwas am Klavier zeigen oder ihr vorspielen will und so wieder zum Üben gefunden hat. Ich denke, dass sie sich durch ihre recht dominante Mutter (Führungsposition in einer größeren Firma mit zahlreichen "Untergebenen") ein wenig zurückgesetzt gefühlt hat und als ihre Mutter ihr gegenüber dann die „Schwäche“ offenbart hat keine Ahnung von den Tasten zu haben, hat Sabine vermutlich das Gefühl gut getan etwas besser zu können als ihre Mutter.

Meine Begegnung mit Sabine hat möglicherweise nichts mit Deiner Situation zu tun. Aber Deine Bemerkung „Seine Großeltern sind leider auch vom „alten Schlag“ hat mich ein wenig nachdenklich gemacht. Vielleicht hilft es, wenn Du Dich mehr für das Üben Deines Sohnes interessierst. Du schreibst, dass Du keine Erfahrung damit hast und auch nicht mit den Unterrichtsmethoden. Ein Gespräch mit der KL kann einiges (er)klären.
 
Zuletzt bearbeitet:
 

Top Bottom