Joseph Haydn

C

Christoph

Dabei seit
März 2006
Beiträge
1.148
Reaktionen
0
Hallo,
bin grad dabei, mir Haydns Es-Dur Sonate für eine Aufnahmeprüfung zu erarbeiten. Seine Musik steckt so voller tiefem und ehrlichem Humor und Witz, dass man sie einfach lieben muss. Er soll ja selber auch ein äußerst lebensfroher Mensch gewesen sein.
Ein paar mal hab ich jetzt schon gelesen, auch im Vorwort zu einem Sonatenband, dass "die Beweglichkeit des Haydnschen Geistes [hat] kaum ein Musiker wieder erreicht" hätte, von seiner "heute im vielen noch unübertroffenen Durchführungs-Kunst". Ist das wirklich so? Wie kommt es dann, dass er augenscheinlich immer einen Rang hinter den Klassikkomponisten Mozart und Beethoven stehen muss?

Gruß Christoph
 
Haydnspaß

Haydnspaß

Dabei seit
Feb. 2007
Beiträge
5.134
Reaktionen
100
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
.marcus.

.marcus.

Dabei seit
Apr. 2007
Beiträge
3.715
Reaktionen
1.134
Zitat von Christoph:
Wie kommt es dann, dass er augenscheinlich immer einen Rang hinter den Klassikkomponisten Mozart und Beethoven stehen muss?
Die überzeugendste Erklärung, die ich kenne, liefert Alfred Brendel. Er meint, es fehlt einfach an Dingen, die Mitleid für Haydn erwecken. Er ist nicht früh gestorben wie Mozart, war nicht bettelarm wie Schubert und so weiter. Und der Drachen von Frau ist offenbar nicht Grund genug :D
Originalzitat gefunden: "Liszt und Haydn, diese beiden am häufigsten mißverstandenen unter den bedeutenden Musikern, gleichen sich bei aller Verschiedenheit darin, daß ihre Biographien dem Mitleid zuwenig Nahrung bieten. (Haydns unausstehlich bigotte Frau und die Senilität seiner letzten Lebenszeit reichen in ihrer Alltäglichkeit als Buße wohl nicht aus.)" ["Über Musik", Alfred Brendel, 2005 Piper Verlag, S.309]

Ich gestehe, dass ich auch zu denen gehöre, die denken: Die Wiener Klassiker waren Beethoven und Mozart. Naja , und Haydn gabs auch noch. :floet:

Welche Werke sollte ich mir anhören, damit sich das ändert?

lg marcus
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
DonBos

DonBos

Dabei seit
Sep. 2007
Beiträge
2.246
Reaktionen
1.009
Haydn ist meiner Meinung nach auch zu Unrecht unterschätzt. Ich mag ihn sehr gern (persönlich lieber als den guten Mozart, in dessen Schatten Haydn recht gern gerät.).

@ marcus: Werke, die man von Haydn hören müsste, um Gefallen an ihm zu finden, kann ich nicht empfehlen, da Haydn doch viele ganz unterschiedliche Sachen komponiert hat und da ja jeder einen ganz anderen persönlichen Geschmack hat, was ihm denn nun liegt und was nicht.
Ich kann nur empfehlen, nicht ausschließlich Klavierwerke zu hören, da Haydns Chorwerke (z.B. die Nelson-Messe oder "Die Schöpfung") meiner Meinung nach z.B. auch nicht zu verachten sind, aber doch etwas ganz anderes sind als seine Klaviermusik.
 
violapiano

violapiano

Dabei seit
Aug. 2008
Beiträge
3.964
Reaktionen
10
Ich bin auch bekennender Haydn-Fan.
Ich finde, man muss auch zwischen den frühen Kompositionen und den Spätwerken Haydns unterscheiden, da gibt es wahrhaft Risenunterschiede.

LG
 
Haydnspaß

Haydnspaß

Dabei seit
Feb. 2007
Beiträge
5.134
Reaktionen
100
Ich kann nur empfehlen, nicht ausschließlich Klavierwerke zu hören, da Haydns Chorwerke (z.B. die Nelson-Messe oder "Die Schöpfung") meiner Meinung nach z.B. auch nicht zu verachten sind, aber doch etwas ganz anderes sind als seine Klaviermusik.
Was Haydns Klaviersonaten betrifft, sind diese dem normalen Konzertgänger und Plattenhörer zum allergrößten Teil völlig unbekannt. Bekannt ist zum einen die Sonate Es-dur Hob XVI:52, aus der Richter eine Art vorweggenommenes 5.Beethovenkonzert gemacht hat. Sowie einige C-dur Sonaten, die im Anfängerunterricht gerne als Alternative zu Kuhlau- und Clementi-Sonatinen herangezogen werden.

Es bräuchte also hochwertige Interpretationen, die den Stücken auch gerecht werden. Und die sind leider Mangelware.

In dieser Hinsicht siehts bei den Streichquartetten sehr viel besser aus. Da gibt es sehr gute Aufnahmen.
Also meine Empfehlung: Streichquartette hören!

EDIT

Oh, mir kommt da gerade eine Idee...

2009 ist Haydn-Jahr, 52 Wochen hat das Jahr....:rolleyes: :p ;)
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
.marcus.

.marcus.

Dabei seit
Apr. 2007
Beiträge
3.715
Reaktionen
1.134
Was Haydns Klaviersonaten betrifft, sind diese dem normalen Konzertgänger und Plattenhörer zum allergrößten Teil völlig unbekannt. Bekannt ist zum einen die Sonate Es-dur Hob XVI:52, aus der Richter eine Art vorweggenommenes 5.Beethovenkonzert gemacht hat. Sowie einige C-dur Sonaten, die im Anfängerunterricht gerne als Alternative zu Kuhlau- und Clementi-Sonatinen herangezogen werden.

Es bräuchte also hochwertige Interpretationen, die den Stücken auch gerecht werden. Und die sind leider Mangelware.
Zufällig habe ich gestern eine CD mit Haydns Klaviersonaten gefunden. Ob Glenn Gould darin eine "hochwertige" Interpretation bietet, weiß ich nicht, denn ich kenne kaum Vergleichsaufnahmen. Aber was ich da gehört habe, hat mir gut gefallen. :)

lg marcus
 
Haydnspaß

Haydnspaß

Dabei seit
Feb. 2007
Beiträge
5.134
Reaktionen
100
Zufällig habe ich gestern eine CD mit Haydns Klaviersonaten gefunden. Ob Glenn Gould darin eine "hochwertige" Interpretation bietet, weiß ich nicht, denn ich kenne kaum Vergleichsaufnahmen. Aber was ich da gehört habe, hat mir gut gefallen. :)

lg marcus
Ich wußte garnicht, daß Gould auch Haydn Sonaten aufgenommen hat.
Hab grad mal in die Einspieler bei jpc reingehört. Manches gefällt mir wiklich gut.
Aber an Goulds Nadelspitzenstaccato kann ich mich einfach nicht gewöhnen.
 
C

Christoph

Dabei seit
März 2006
Beiträge
1.148
Reaktionen
0
Grad im Moment, noch frisch dampfend aus der Bibliothek, hör ich Haydnsonaten, gespielt von einem mit bisher unbekannten Ronald Brautigam auf einem "historisch korrektem" Fortepiano(=Hammerklavier?). Klingt quicklebendig, irrisierend, trotzdem sehr charmant mit viel Gefühl. Hab zwar auch kaum Vergleichsinterpretation, aber auf das erste Hören würd ich sagen: so muss das klingen!
Richter & Co. sind durch Liszt, Rachmanninoff etc sicher schon viel zu verdorben für sowas gewesen:D
 
Haydnspaß

Haydnspaß

Dabei seit
Feb. 2007
Beiträge
5.134
Reaktionen
100
Richter & Co. sind durch Liszt, Rachmanninoff etc sicher schon viel zu verdorben für sowas gewesen:D
:D


Hab inzwischen noch weiter bei jpc gestöbert und bin eigentlich erstaunt, wieviele Aufnahmen der Haydn-Sonaten es inzwischen gibt, und zwar meist recht ordentliche. Mein absoluter Favorit ist aber eine CD mit drei Sonaten gespielt von Helene Couvert. Hab den Namen (in dieser Kombination) noch nie gehört.
 
DonBos

DonBos

Dabei seit
Sep. 2007
Beiträge
2.246
Reaktionen
1.009
Oh, mir kommt da gerade eine Idee...

2009 ist Haydn-Jahr, 52 Wochen hat das Jahr....:rolleyes: :p ;)
Dürfen wir etwa im kommenden Jahr eine Kompletteinspielung der Haydnsonaten von dir erwarten? Wöchentlich eine (das wäre dann aber eine Hammerleistung)?
Falls ja, wäre das etwas, worauf man sich freuen könnte und wobei man Haydn garantiert allein durchs Zuhören besser kennenlernen könnte.

Der Thread hat mich dazu ermutigt nach Weihnachten endlich mal die Haydn-Sonate fertigzustellen, die ich irgendwann dieses Jahr unvollständig geübt mal zur Seite gelegt habe.
 

Haydnspaß

Haydnspaß

Dabei seit
Feb. 2007
Beiträge
5.134
Reaktionen
100
das wäre dann aber eine Hammerleistung)?
Bitte keine Vorschußlorbeeren. Mal sehen, wie weit ich komme 8)


Mit den frühen Sonaten wird es allerdings recht verzwickt. Manche der Sonaten mit Hoboken-Nummer sind vermutlich garnicht von Haydn, einige der in der Henle-Ausgabe abgedruckten Sonaten haben keine Hoboken-Nummer (und auch sonst keine Quellenangabe). Von den diversen Einzelsätzen garnicht zu reden.
 
M

manaus

Guest
Wow...gefällt mir sehr gut!!!;)

Wusstet ihr, dass Haydn 52!!! Sonaten komponiert hat, aber erst mit knapp dreißig damit angefangen hat!!
 
C

classican

Dabei seit
Okt. 2008
Beiträge
311
Reaktionen
0
Erst einmal nachträglich allen ein hoffentlich schönes Weihnachtsfest sowie angenehme und entspannte Feiertage.
Nun zum Thema:
Auch ich habe von meinem LK-Lehrer eine Haydnsonate aufbekommen, welche ich dermaßen tückisch beim ersten Spielen fand: Es handelt sich um die 24. im Hob 16 , Sonate in D-Dur, in der Haydn, wie es mir scheint, den Hörer etwas foppen will. Die Zieltöne werden umgangen, die Leittontendenzen missachtet und die dramatischen Teile scheinen völlig unpassend eingesetzt.Anfangs fluchte ich andauernd darüber das ein gewisser Lauf doch mit d enden sollte statt mit e und d zur Durchgangsnote degradiert wird :D.
Aber daran gwöhn ich mich wohl noch...
Nachdem dies auch mein erstes Haydnstück ist (nicht dass ich ihn grob vernachlässigt hätte, es ist ohnehin erst mein ca. 10. Stück außerhalb von "Filmmusik für Anfänger" und co :rolleyes:) bitte ich euch um Hilfe, wie Haydn eigentlich zu interpretieren ist.
Ob ich die Teile des 1. Satzes einfach aneinander fügen sollte oder darauf hinarbeiten, etc...
Am Montag kann ich wieder Klavierüben, und ich hoffe ich kann nach 3 Tagen eine erste Fassung einstellen.
Ich hoffe ihr könnt mir ein paar Ratschläge geben.
Daher ein großes Danke im Vorraus und ein schönes Wochenende,
classican
 
Pitt

Pitt

Dabei seit
Aug. 2006
Beiträge
981
Reaktionen
0
Hab mir soeben das aller erste Mal Haydns Schöpfung angehört...

...und musste den Teil mit dem "Licht" bestimmt 5 Mal hintereinander abspielen lassen.

Wahnsinn! Echt unbeschreibliche Musik... Bin gerade hin und weg!
 
Haydnspaß

Haydnspaß

Dabei seit
Feb. 2007
Beiträge
5.134
Reaktionen
100
So, das Haydn-Jahr ist eröffnet :D

Meine Haydn Videos kann man dann hier aufrufen.
 
DonBos

DonBos

Dabei seit
Sep. 2007
Beiträge
2.246
Reaktionen
1.009
haydnspaß, mir gefällt zwar diese Sonate Nr. 1 als Komposition nicht wirklich, aber interpretiert hast du sie schön. Weiter so im Haydnjahr!
 
 

Top Bottom