Interpretation- Was genießt höhere Priorität?

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viennapianoplayer94

viennapianoplayer94

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Einen guten Abend und hoffentlich noch viele weitere,

Hier einmal wieder eine Frage oder besser: Diskussionsstoff. (Hoffentlich vollkommen abseits aller Missbrauchgedanken)

Worauf ist bei der Interpretation eher zu achten; der Idee des Komponisten möglichst nahe zu kommen oder doch primär, das Schönste aus dem Stück herauszuholen? Gewiss, das Eine schließt das Andere nicht aus. Jedoch erläutere ich nun anhand eines Beispiels genauer, was ich von Euch wissen möchte.

Horowitz: Seine Mozart-Sonaten sind stilistisch betrachtet schlicht unmöglich, aber von einer solch grenzenlosen Schönheit, dass ich sie mir immer wieder anhören könnte. Auch der "typisch Mozart" Mozart gefällt mir sehr und da haben wir's wieder: Das Eine schließ das Andere nicht aus!

Oder Bach: Was tun, wenn ein Stück von Bach mit Pedal so viel besser als ohne klingt? (Dies ist ein theoretisches Beispiel und ich bin nicht sicher, ob solch ein Bach-Werk überhaupt existiert...)

und so weiter und so fort...

Und nun, lasset den Senf aus der Tube raus!

mit freundlichen Grüßen,
vienna
 
ubik

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Ist das Schönste nicht bereits die Idee des Komponisten?
 
viennapianoplayer94

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Ist das Schönste nicht bereits die Idee des Komponisten?
Darum gehts ja unter anderem bzw. wie im Beispiel, entsrprechen Horowitz' Mozartsonaten überhaupt nicht dem Stil Mozarts. Er spielt eben den "russischen Mozart":D welcher aber-meiner Meinung nach- traumhaft klingt, so auch der "österreichische Mozart".

Genauso können auch in anderen Fällen zwei grundlegend unterschiedliche Interpretationen wundervoll klingen.

LG
 
Guendola

Guendola

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Erlaubt ist, was gefällt.

Aber ich glaube, daß eine gute Komposition einen mehr oder weniger auf den richtigen Weg bringt. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wieviel Einigkeit (bei allem Streit) über die Tempi von alter Musik herrscht. Zwar gibt es eine Bandbreite aber über vage Tempoangaben wie "ziemlich schnell", "moderat" oder "sehr langsam" scheint eine gewisse Einigkeit zu herrschen. Und das ist ja nur ein winziger Teil der Interpretation.

Meine These lautet also: Man sollte so spielen, wie man ein Stück versteht. Den Komponisten kann man bei klassischer Musik in den seltensten Fällen fragen und 99% aller Pianisten können sich täuschen. Eine Ausnahme gilt auf jeden Fall für Prüfungen etc. da muß man davon ausgehen, daß sich 99% der Prüfer nie täuschen, also anpassen.

Mit "99% aller Pianisten können sich täuschen" meine ich übrigens nicht, daß man darauf achten sollte, anders zu spielen. Ich meine einfach, daß man auf sich selbst hören sollte und sich eine Meinung bilden muß, wenn man noch keine hat. Pianisten sind Künstler, wie alle anderen Musiker auch, und wer andere nachäfft, ist kein Künstler.

Voraussetzung ist natürlich eine gewisse musikalische Bildung, das darf man nicht vergessen! Als ich in meinem jugendlichen Leichtsinn das erste mal den ersten Satz von Mozarts Sonate in A-Dur - KV 331 gespielt hatte, gefielen mir die begleitenden Triolen, die dort öfters vorkommen, manchmal so gut, daß ich sie auf keinen Fall leise spielen wollte. :D
 
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Stilblüte

Stilblüte

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Meine Meinung:
Bevor man Regeln bricht, muss man wissen, wie man sie einhält.

Ich denke, es ist wichtig, verstanden zu haben, wie eine mozart'sche Sonate im "Mozart-Stil" der Wiener Klassik gespielt wird. Ich bin überzeugt, dass Horowitz dies konnte und absichtlich nicht tat.
Im Studium lernt man, stilecht zu musizieren, um zu verstehen, was die Musik überhaupt bedeutet. "Stilecht" bedeutet in diesem Fall aber trotzdem noch ein riesiges weites Feld an Möglichkeiten, zu Interpretieren.
Wenn man später der Überzeugung ist, man habe eine neue, ansprechende Sichtweise auf eine Musik gefunden, die offenbar stark von der Intention des Komponisten abweicht, aber trotzdem auf die Bühne gehört, kann man absichtlich anders spielen.

Das gilt natürlich nur, wenn man mit einem gewissen Ernst oder höheren Zielen an die Sache herangeht. Wer das Klavierspielen hauptsächlich als Hobby betreibt und das spielt, was ihm Spaß macht, kann selbstverständlich tun und lassen, was er will, Bach voller Pedal, Mozart auf der Orgel, Chopin mit Metronom...:D
 
hasenbein

hasenbein

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Du hast natürlich recht, Stilblüte.

Dennoch muß hinzugefügt werden, daß oft niemand wirklich weiß, was wirklich "stilecht" ist.

Früher z.B. dachte man, Bach müsse irgendwie gleichförmig und eher "mechanisch" gespielt werden. Dies ist heute überholt, weil klargeworden ist, daß es auch in der Barockzeit Dynamik und Rubato gab, diese Dinge nur meist nicht aufgeschrieben oder überliefert wurden.

Oder in den 50er Jahren waren die Anhänger der historischen Aufführungspraxis überzeugt, sie würden wirklich so klingen wie früher die Musik geklungen hatte. Dies hat man schon lange als Irrtum erkannt, und viele ältere Aufnahmen der HIP wirken heute eher kurios und übertrieben.

Ich bin mir auch sicher, wenn durch ein Wunder eine Audio-Aufnahme Mozarts entdeckt würde, wären alle äußerst erstaunt, und viele Interpretations-Glaubenssätze müßten über den Haufen geworfen werden...

LG,
Hasenbein
 
R

Raskolnikow

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Stilblüte, ich kann mich deinem Post uneingeschränkt anschliessen.

Es gibt auch irgendwo einen kleinen Monolog von Glenn Gould, der eine ähnliche Fragestellung aufgreift. Dort beschreibt er jene Klavierspieler, welche das manuelle Können zur Schau stellen, bzw. versuchen das meist mögliche aus dem Instrument zu holen und jene, die versuchen das Stück möglichst rein und unverfälscht wiederzugeben. Richter zählte er zu letzteren beispielsweise.

Auf jedenfall ist bei der Interpretation immer der geschichtliche Hintergrund wichtig, meiner Meinung nach. Unter welchen Umständen wurde das Stück geschrieben? Was hatte den Komponisten bewegt? etc.
Musik ist zwar zeitlos. Hat aber immer eine individuelle Geschichte (im historischen Sinn)

schönen Gruß, Raskoknikow
 
.marcus.

.marcus.

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Da man sich seine Interpretation auf professionellem Niveau wohl kaum "aussuchen" kann, im Sinne von "ich spiel das jetzt mal schnell, alle anderen spielen ja langsam", hat man ja kaum eine Wahl.

Mit der Erarbeitung entsteht ein bestimmtes Verständnis des Stückes und wie sollte man es anders vortragen, als nach dieser Vorstellung?!

Die Crux liegt freilich darin sein Verständnis möglichst gut zu schulen. Dann wird man z.B. davon absehen, das polyphone Stimmengeflecht bei Bach durch das Pedal zu trüben. Und da hat Chopin sicher recht, wenn er fordert, man müsse unendlich viel studieren.

lg marcus, just my 2 Cents :tuba:
 
C

chiarina

Guest
Hallo,

ich sehe es ähnlich wie Stilblüte. Meinen Schülern macht es viel Spaß, Stücke auch mal ganz anders zu spielen, d.h. bestimmte Parameter wie Tempo, Charakter, Dynamik etc. zu verändern. Diese veränderten Stücke klingen (manchmal :p ) wirklich schön, entsprechen aber absolut nicht den Intentionen der Komponisten. Insofern finde ich die sog. Texttreue sehr wichtig. Nur: was ist ein Allegretto, was ist ein forte? Nichts ist absolut, vieles bezieht sich aufeinander. Da beginnt die Arbeit des Interpreten: wie gestalte ich dynamische Abläufe, was unter den vielen Dingen hebe ich hervor, wie setzte ich meine Prioritäten? Welche Stimme finde ich am Wichtigsten, wie sehe ich Charakter und Entwicklung des Stücks? Und wie ist das Ganze stilistisch einzuordnen, wo setzte ich mich über historisch bedingte Gegebenheiten hinweg, welche Balance finde ich zwischen eigener Gestaltung und eben der Texttreue?

Da es so ungeheuer viele Fragen gibt, gibt es auch (Gott sei Dank) so viele Möglichkeiten der Interpretation bei gleichzeitigem Versuch, den Intentionen des Komponisten so nahe wie möglich zu kommen.

Das ist jedenfalls meine Devise. Wenn man nun wie Horowitz Mozart ganz unstilistisch wunderschön spielt, ist man eben Horowitz und nicht chiarina. Ich glaube, nur wahre Genies können ein Stück so neu erfinden, dass es auch wirklich stimmig ist, aber selbst bei dieser Aussage bin ich mir nicht sicher.

Viele Grüße

chiarina
 
rolf

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Darum gehts ja unter anderem bzw. wie im Beispiel, entsrprechen Horowitz' Mozartsonaten überhaupt nicht dem Stil Mozarts. Er spielt eben den "russischen Mozart":D
als der alte Horowitz in Moskau die Sonate KV 330 spielte, hat er eine maßstabsetzende Darstellung geboten: wärmer, liebevoller und darin musikalischer, als so mancher so genannte Mozartspezialist (der klangliche und dynamische Reduktion für Stilreinheit hält) - - da stellt sich mir die Frage, was daran russisch sein könnte (abgesehen vom Moskauer Publikum)... ...

glücklicherweise hat sich durchgesetzt, beim Mozartspiel nicht mehr zu versuchen, den Konzertflügel in eine Spieldose umzuwandeln - und das schon seit längerem, man muss sich ja nur mal anhören, wie Mozart bei Lipatti, Foldes, Anda klang. Und dieser durchaus emotionale Klangstil setzt sich fort bei Horowitz, Uchida u.a.

kurzum: stilistisch unmöglich ist Horowitz´ Mozartspiel nicht.

zur Frage, was denn Interpretation in einem Konzert ist: wenn man nicht eine durchschnittlich ordentliche Darstellung hört, sondern wenn man etwas über das Musikstück beim Hören gelernt/erfahren hat, was man so noch nicht kannte - im letzteren Fall hat man eine Interpretation gehört.

so genannte "Stilreinheit", die 100%ig verifizierbar und zugleich eindeutig wäre, ist eher illusorisch - selbstredend gibt es "Interprettionsstile" (z.B. sachlich oder sentimentalisch usw.), welche einen klanglichen/darstellerischen Aspekt von vielen hervorheben - - nun sind diese aber nicht ganz so einfach in wahr oder falsch zu trennen.

(ich meine das übrigens bezogen auf Konzertniveau - abseits davon wird man nur selten finden, was den Begriff Interpretation verdient)
 
R

Razo

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Das gilt natürlich nur, wenn man mit einem gewissen Ernst oder höheren Zielen an die Sache herangeht. Wer das Klavierspielen hauptsächlich als Hobby betreibt und das spielt, was ihm Spaß macht, kann selbstverständlich tun und lassen, was er will, Bach voller Pedal, Mozart auf der Orgel, Chopin mit Metronom...:D
Na, na! (zwinker) Bei aller Fachkompetenz, die durch das Studium erworben wird - Auch als Hobbymusiker gibt es Grenzen, die man (besser) einhält (schon im eigenen Interesse, denn sonst hat man ja gar nichts von seinem Spiel). Das ist schon ziemlich schmerzfrei (z. B. Bach mit vollem Pedal). Da kann man sein Hobby auch gleich sein lassen.

Gruß
 

Frédéric Chopin

Frédéric Chopin

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Hallo Vienna...,

wie sagt Vladimir Horowitz in einem Interview: "Wenn ich ein sehr schönes Stück eines Komponisten spiele, hören die Leute nur mich, bewundern mich und loben mich! In Wirklichkeit ist es aber der Komponist, der spielt. Wir beuten sozusagen den Komponisten aus. Aber der Komponist hätte sich sehr darüber gefreut, so hat er es gewollt!"

Und schließt mit dem Satz ab: "Bei einem Vortrag eines Stückes sind Komponist und der Interpret eins".

Beide tragen dazu bei, ob es ankommt, oder nicht: Der Komponist mit der Notenvorlage, der Interpret, was er daraus macht!

Ein schlechter Interpret kann die beste Komposition verunstalten, und umgekehrt ein wunderbarer Traumpianist kann aus einer nicht genialen, uninteressanten oder emotionslosen Komposition nicht viel rausbringen.

Und wie war es denn bei Sergei Rachmaninoff mit seiner ersten Synphonie, dessen Dirigent bei der Erstaufführung offensichtlich betrunken war?
Ein Reinfall.

Komponist und Pianist sollten beide gelobt werden.

Ein Pianist wäre zu tief verletzt wenn man ihm sagen würde: Ich war gerührt!! Aber das hast ja Du gar nicht komponiert! (Nach dem Motto: Ich bin vom Komponisten gerührt)

Denn ein Pianist muß es erst schaffen, die geschriebene Komposition auf dem Papier auf dem Klavier zum Leben zu bringen: Dazu muß der Pianist das Stück gestalten. Was bringt denn eine gute Komposition von Chopin, wenn der Spieler das Klavier nicht zum Singen bringt und emotionslos spielt?

Ich denke da wie Horowitz: Komponist und Pianist sind eins: Nur wenn beide (Komponist und Pianist) ihre Aufgabe gut lösen, führt das Stück zum Erfolg.

Vergleicht man Mozart jetzt gespielt von Vladimir Horowitz und Clara Haskil, so ist es doch schön, dass es neben Mozart's schönen Kompositionen dazu unterschiedliche Interpretationen gibt. Die für sich schönste Interpretation kann man sich dann aussuchen: Ich finde z. B. Vladmir Askenazy mit seinen Chopin- Nocturnes am Schönsten. Einem anderen gefallen sie z. B. von Barenboim oder Rubinstein besser (obwohl sie mir von Barenboim und Rubinstein auch sehr gefallen!)

Ich selbst mache übrigens nie eine Interpretation eines Pianisten nach!
Bin ich noch so großer Fan von Vladimir Horowitz, Chura Cherkassky, Rubinstein, Alfred Brendel oder Anna Gourari, um nur ein paar meiner Favoriten zu nennen, ich spiele immer meine eigene Version!

Und solange man Kompositionen nicht verändert (Notengetreu spielt), sondern interpretiert, gibt es nichts auszusetzen.

Es leben die unterschiedlichen Interpretationen!



Liebe Grüße, Mario
 
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hasenbein

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Bestimmt hat er es verwendet, ja.

Aber ausschließlich dazu, vor dem Spielen festzustellen, wie schnell das von ihm angegebene Tempo ist.

Mit Sicherheit nicht zum Dazu-Mitspielen, diese unmusikalische Methode wurde erst später zur Unsitte (wer war eigentlich der Erste, der auf die Idee gekommen ist, zum Metronom zu üben? Würde mich mal interessieren...).

LG,
Hasenbein
 
ubik

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Mit Sicherheit nicht zum Dazu-Mitspielen, diese unmusikalische Methode wurde erst später zur Unsitte (wer war eigentlich der Erste, der auf die Idee gekommen ist, zum Metronom zu üben? Würde mich mal interessieren...).
Hm. Ich bekomme von meinem Lehrer gelegentlich die Übung mit Metronom zu spielen. Aber nur kleinere Abschnitte und auch nur bei Werken des Barocks und der Wiener Klassik.
 
rolf

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off-topic - poco a poco on topic :) :)

...auch wenn es zu Grimm und Unbill führt: der große Meister des Rubato, Frederic Chopin, verwendetet das vielgeschmähte Metronom ständig in seinem Unterricht! Und - Oh Graus! - er präzisierte seine Tempovorgaben doch recht oft mit zusätzlichen Metronomzahlen...

Und das wundert eigentlich auch nicht sehr, denn bevor man abweicht, muss man ja wissen, wovon man abweicht - ohne diesen Hintergrund ist jede Abweichung nur wahllose Willkür. So wundert wiederum Liszts vielzitiertes Sprachbild, was das Chopinsche Rubato denn bedeutet, in keiner Weise - jenes berühmte Bild vom Baumstamm, dessen Geäst leicht im Wind schaukelt.

Ebensowenig wundert P.P. Werners liebevoller Hinweis auf die unverzichtbaren Utensilien von Monique de la Broucholliere: Puderdose und Metroneom -- -- Eleganz und Disziplin!

Weder beim Üben, noch beim überprüfen ist das Metronom ein teuflisches Danaergeschenk: es hilft beim Üben, sich an das geforderte Tempo zu gewöhnen - es weist beim überprüfen auf die nur zu menschliche Laxheit hin, schwierige Stellen unwillkürlich langsamer zu nehmen.

Ganz im Gegenteil: ein Segen ist das Metronom!!

...ein solcher Segen, dass Prokovev selber seine Suggestion mit hinreisender Wirkung absolut streng im Takt einspielen konnte!!

Übrigens irrt, wer wähnt, die Begriffe Rubato und Interpretation synonym verwenden zu können. Rubato ist ein, je nach Stilwillen mehr oder weniger einsetzbares Mittel - übrigens eines, welches die Komponisten hin und wieder vorschrieben: offenbar also eine gewollte Abweichung, aber eben keine permanente Regel (und das gilt schon seit Mozart, der das will- und unwillkürliche aus dem Takt geraten ebensowenig schätzte wie Chopin)

Interpretation ist das Maximum dessen, was man klavierspielend als Klavierspieler erreichen kann - für den Hörer bedeutet es, ohne krasse Abweichungen dennoch etwas Neues über ein Stück zu lernen bzw. zu erfahren.
 
hyp408

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Früher z.B. dachte man, Bach müsse irgendwie gleichförmig und eher "mechanisch" gespielt werden. Dies ist heute überholt, weil klargeworden ist, daß es auch in der Barockzeit Dynamik und Rubato gab, diese Dinge nur meist nicht aufgeschrieben oder überliefert wurden.
Ich dachte immer, die Klaviermusik des Barock wäre deshalb ohne größere Dynamik, weil ein Laut-Leise-Spielen auf den damals gebräuchlichen Cembali gar nicht möglich ist. Große Cembali waren zwei- oder gar dreimanualig aufgebaut (eben 2 oder 3 Lautstärkestufen -- deshalb "Stufendynamik"). Die Frage geht also weiter: Hätte Bach dynamischer gespielt (und komponiert) wenn er die Möglichkeit dazu gehabt hätte? Und wenn er mehr mit Dynamik hätte machen können, hätte er dann weniger Wert auf den Kontrapunkt gelegt (hätte also vielleicht ganz anders komponiert)? Und dürfen wir heute Bach dynamischer spielen, nur weil wir es können? Der einzige der sich wirklich kompetent dazu äussern könnte, liegt in der Leipziger Thomaskirche und sagt kein Wort mehr .... wahrscheinlich wäre es ihm herzlich egal ....

Gruss

Hyp
 
Guendola

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Große Cembali waren zwei- oder gar dreimanualig aufgebaut...
Das Lieblingsinstrument Bachs soll allerdings das Clavichord gewesen sein, ein Instrument, das durchaus sehr dynamisch ist. Davon abgesehen kann man auch auf Orgeln und Cembalos dynamisch spielen, ohne die Register zu wechseln, das funktioniert mittels Artikulation und ist durchaus wirkungsvoll. Artikulation in diesem Sinne funktioniert einfach so, daß Töne unterschiedlicher Dauer unterschiedlich laut wirken. Ob Bach sich also mit Treppendynamik zufrieden gegeben hätte, kann man bezweifeln.

"Nebenbei" hat Bach ja auch für andere Instrumente und Ensembles komponiert, die ausgezeichnete dynamische Fähigkeiten hatten.
 
 

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