Habt ihr schon mal so geübt?

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frnci

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Hallo alle miteinander,
Ich habe euer Forum zwar schon vor einer Weile entdeckt habe mich aber erst jetzt entschlossen mich anzumelden um aktiv daran teilnehmen zu können.

Da ich mir nie sicher war ob man sturres Wiederholen der selben Stelle, dass zwar musikalisch - korrekt und auf Genauigkeit aus ist als Üben bezeichnen kann habe ih neulich meine Klavierlehrerin danach gefragt.

Da erzählte sie mir, dass der österreichische Pianist Friedrich Gulda (übrigens mein Lieblingspianist) beim Üben von Stellen die "laufen müssen" eine Zeitung aufgeschlagen haben soll um sie zu lesen.

Martha Argerich soll als Mädchen auch lieber ein Buch gelesen als geübt zu haben was dazu führte das sie las und spielte zur gleichen Zeit. Die Mutter, die während Martha übte in der Küche war soll davon nur mitbekommen haben da Martha bei den wirklich spannenden Stellen so gefesselt war, dass sie zu spielen vergas und die Hände von der Klaviatur nahm.

Auch in Gidon Kremer's Biographie (er is Geiger ich weiß ;) ) schrieb er, dass er während unzähligem Wiederholen von Etüden zu lesen pflegte.

Nach all diesen Geschichten frage ich euch ob ihr mit Lesen und Üben Erfahrung habt, ob das oben erwähnte nur nette Anekdoten sind die man sich halt erzählt da diese Leute alle große Musiker geworden sind, oder ob ihr sie für plausibel haltet.

Ich selber habe Üben und Lesen noch nicht ausprobiert kann mir aber vorstellen dass man dadurch zwangshalber Abstand zu Notentext gewinnen muss, was ja eigentlich ein Vorteil ist.

Danke für eure Antworten, Kommentare, Meinungen :)
 
Z

Zoel

Guest
Allerdings funktioniert es, Charles Rosen zufolge, nicht mit allen Büchern gleich gut:
"Practice is purely mechanical: 'Liszt advised his students to read a book while practicing.'"
"The advantage of reading a book while practicing for pure technique alone is that it enables us to forget the boredom of playing a passage over and over again, a dozen, or fifty or a hundred times until the body has absorbed it. Not all books, however, lend themselves equally well to this employment. Poetry interferes subtly with the rhythm of the music, and so does really admirable prose. The most useful, I have found for myself, are detective stories, sociology and literary criticism. However, any reading matter that distracts the mind without engaging the sense or the emotions too powerfully will work."
Zitat von:
Piano Notes by Charles Rosen (Phil Gyford’s website)

Also beim nächsten Klavierüben einfach den Krimi weiterlesen, den man grade liest... ;)
 
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pianochris66

pianochris66

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Tja, diese Multitaskingfähigkeit habe ich leider nicht. Gibt es hier im Forum einen Gulda, Liszt oder eine Argerich:-)?

Habe neulich einen schönen Ausschnitt aus einem Interview mit Rubinstein gesehen wo er sehr anschaulich erzählt hat, dass er als Kind oft den Anschein des Übens gegenüber seinen Eltern gewahrt hat indem er immer nur mit einer Hand gespielt und mit der anderen gegessen hat (ich glaube links Kirschen und rechts Schokolade), schreibt er auch in seiner Autobiografie. Na ja, Nahrungsaufnahme ist ja auch einfacher als lesen:-).
 
rolf

rolf

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es soll Gerüchten zufolge nicht wenige Zeitgenossen geben, welche einen Blockbuster im Fernsehen anschauen und zugleich dabei schöne Socken stricken können - hierbei gelingen nicht nur die Socken, sondern der Inhalt des filmischen Großereignisses (z.B. Spiderman oder James Bond) wird auch erfasst

:D:D:D:D
 
nispi

nispi

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Sowas in der Richtung hat mein KL letztens erklärt.
Ich spiele gerade die erste Invention und da sollte ich blind ohne Noten-oder Tastaturblick spielen (üben) und mich währenddessen unterhalten. Und was soll ich sagen: es funktioniert, und zwar supergut. Ich kann einige Stellen fast im Schlaf.



Ein Buch lesen während des Übens? Da frage ich mich wie groß die Schrift sein muss damit man genug erkennt....

:-D
 
alfarero

alfarero

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Inzwischen hat die Hirnforschung festgestellt, dass die effizientere Variante doch wohl die ist, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren.

Gut, um festzustellen, ob eine Stück sitzt, warum nicht, aber zum Üben? Sollte man dann nicht lieber etwas üben, was mehr Konzentration fordert?
 
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Anatol Analogon

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Martha Argerich soll als Mädchen auch lieber ein Buch gelesen

[...]

Auch in Gidon Kremer's Biographie (er is Geiger ich weiß ;) ) schrieb er, dass er während unzähligem Wiederholen von Etüden zu lesen pflegte.
Kremers Lehrer (David Oistrach immerhin) hat als Kind das lästige Üben weit wirkungsvoller vermieden, indem er die Saiten seiner Geige zerschnitten hat - vornehmlich Freitags, weil so das ganze Wochenende gerettet war. Das nahm erst ein Ende, als seine Eltern androhten, die geliebten Opernbesuche auszusetzen...
 
G

Gomez de Riquet

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Ich bin noch einen Schritt weitergegangen und habe das Üben komplett durch Lesen ersetzt.
 
hyp408

hyp408

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Da gibt es hier im Forum - so mein Eindruck - zwei verschiedene Auffassungen. Der weitaus größere Teil ist der Auffassung, dass mechanistisches Üben - also reine "Fingerspielerei" wie bei Hanon und z.T. Czerney nichts bringt und der Aufbau der klaviertechnischen Fähigkeiten auf der Basis des Tons, und des musikalischen Erlebens stattfinden soll. Ich denke, diese Schule schliesst "Nebenbeschäftigungen" beim Üben aus - man konzentriere sich auf die Musik!

Wenn man jedoch Sinn in reinen Fingerübungen erkennen kann, so ist es m. E. auch zulässig, sich nebenbei mit anregenderen Dingen die Zeit zu vertreiben (ein eigener Thread mit Vorschlägen hierzu sei ausdrücklich an dieser Stelle angeregt).

Was ich persönlich irgendwie bemerkenswert finde: Über die letzten Jahrhunderet haben beide gegensätzliche Schulen hervorragende Pianisten hervorgebracht ... es spielt anscheinend also keine große Rolle ...

Gruss

Hyp
 
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Caligulaminix

Guest
... Wenn man jedoch Sinn in reinen Fingerübungen erkennen kann, so ist es m. E. auch zulässig, sich nebenbei mit anregenderen Dingen die Zeit zu vertreiben
Wenn dazu kein Ton nötig ist, wäre das eine neue Möglichkeit Klaviere und Flügel mit defekter Akustikanlage sinnvoll zu verwerten. Es bräuchten nur die Tastatur und die Mechanik einwandfrei zu funktionieren. Eine Stoppleiste einbauen, anstatt der Saiten. Sogar das Gehäuse könnte verkleinert werden - Der Platzbedarf wäre geringer. ...
Oder stelle ich mir den Umbau zu einfach vor?

...(ein eigener Thread mit Vorschlägen hierzu sei ausdrücklich an dieser Stelle angeregt). ...
Was hält Dich davon ab einen solchen zu starten?

Gruß cm
 
C

chiarina

Guest
Gibt es hier im Forum einen Gulda, Liszt oder eine Argerich:-)?
Vielleicht ..................... wenn ich jetzt immer lese beim Üben (was ich vorher nicht gemacht habe)..........dann..........................besteht ................ganz, ganz vielleicht..................der.................Hauch................einer...................oder einer Viertel-.....................oder einer Zweihundertsechsundfünfzigstel-Chance .............................. *hoffnungsvoll guck*

:D
 
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frnci

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Hallo alle miteinander,
Zuerst einmal möchte ich mich für die zahlreichen Antworten bedanken, ich finde es wirklich sehr interessant was ihr zu diesem Thema zu sagen habt. Vielen Dank an Zoel und hyp408 für die konstruktiven und sehr guten Beiträge.

Leider muss ich aber auch feststellen dass hier auch mit viel Ironie gepostet wird, was ich sehr bedauere da ich das Thema mit ernstem Interesse begonnen habe. Wenn ich Ironie will kann ich mich auch beim nächst besten Witze Forum anmelden :D:D:D:D

Darum möchte ich doch bitten das Thema mit etwas mehr Ernst zu betrachten da ich wie hyp408 meinte eigentlich einen thread in diese Richtung starten wollte und der Ansicht bin, dass meine Frage bzw die Erfahrungen von anderen Mitgliedern des Forums für alle interessant sein könnten.
 
rolf

rolf

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Darum möchte ich doch bitten das Thema mit etwas mehr Ernst zu betrachten
Zitat von Liszt:
Seit zwei Wochen arbeiten mein Geist und meine Finger wie zwei Verdammte - Homer, die Bibel, Platon, Byron, Hugo, Lamartine, Beethoven, Bach, Mozart, Weber, sie alle sind um mich herum. Ich studiere sie, betrachte sie, verschlinge sie mit Feuereifer; überdies arbeite ich vier bis fünf Stunden an Übungen (Terzen, Sexten, Oktaven, Tremoli, Repetitionen, Kadenzen etc.) Ach! Sollte ich nicht verrückt werden, wirst Du einen Künstler in mir wiederfinden!
ernst genug?
 
C

chiarina

Guest
Darum möchte ich doch bitten das Thema mit etwas mehr Ernst zu betrachten da ich wie hyp408 meinte eigentlich einen thread in diese Richtung starten wollte und der Ansicht bin, dass meine Frage bzw die Erfahrungen von anderen Mitgliedern des Forums für alle interessant sein könnten.
Lieber frnci,

wie gesagt - ich übe nicht so. Ich bin gern mit ganzer Aufmerksamkeit bei dem, was ich tue und das empfehle ich auch Schülern. Auf dem Niveau der genannten Pianisten mag das anders sein.

Liebe Grüße

chiarina
 
Z

Zoel

Guest
Also meine Meinung, im Ernst: Der Hinweis auf die Hirnforschung ist ja in dem Faden bereits aufgetaucht. Ich bin ja wahrlich kein Fan von Manfred Spitzer, aber bei seiner Warnung vor Multitasking hat er recht. Diejenigen Menschen, die zwei hochkomplexe geistige Tätigkeiten wie Klavierüben und Lesen gleichzeitig ausführen können, ohne dabei das eine oder das andere zu ruinieren, dürften extrem rar gesät sein. Siehe z. B. diesen Artikel: Resultat der Hirnforschung: Multitasking ist ungesund - Digitales Denken - FAZ

Allerdings bräuchte man dafür gar nicht unbedingt die Hirnforschung, man kann es bereits in dem etwas altmodischen "Klavierbüchlein" von Walter Georgii nachlesen:
"Vor etwa hundert Jahren war man allen Ernstes der Meinung, man dürfe Tonleitern völlig gedankenlos üben oder könne dabei Zeitung lesen; tue man es nur mit der nötigen Ausdauer, jahrelang täglich eine Stunde oder gar mehrere Stunden [...], so müsse man eine virtuose Geläufigkeitstechnik erlangen. In neuerer Zeit setzt sich die Erkenntnis durch, es komme mehr auf das Wie als auf das Was an. [...] Was mit höchster Aufmerksamkeit studiert werden muß, sind natürliche, sinnvolle, zweckmäßige Bewegungen." (S. 7, Fettdruck von mir)

Ach ja: Ich lese natürlich auch nicht beim Klavierüben - außer manchmal Noten ;)
 
Flageolett

Flageolett

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hallo frnci,

unabhängig davon, dass ich bezweifele, ob mir die Beschäftigung mit anderen Dingen beim Klavierspielen nützen könnte (ich drifte öfter mal in Gedanken ab, oder meine Kinder haben unerhörterweise Fragen zu den Hausaufgaben, während ich übe; das Ergebnis meines Klavierspiels wird davon nicht unbedingt besser...) - ich will das gar nicht!:p
Klavierspielen ist mein Hobby, warum sollte ich mich dabei ablenken lassen. Ich genieße auch das Üben, das mach ich nämlich gerne. Ich komme am besten voran, wenn ich mir kleine Stellen vornehme und mich darauf konzentriere. Wie solte mir da eine geplante Ablenkung helfen?

Gruß, flageolett
 
 

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