Gibt es "die perfekte Interpretation" eines Stückes...?

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Dreiklang

Dreiklang

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Hallo zusammen,

ich habe festgestellt, daß diese Frage in einem Faden bis jetzt noch nicht gestellt wurde. Dabei ist sie nicht ganz uninteressant, und man kann dazu sicher viele Aspekte beleuchten...

Den Begriff "Interpretation" selbst natürlich, und die Beschäftigung mit Interpretationen, die Beurteilung derselben und so fort.

Ich lasse der Diskussion einfach mal freien Lauf :D:D:D

Schönen Gruß
Dreiklang
 
Stilblüte

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Da stellt sich erstmal die frage, ob das Wort "perfekt" hier im Sinne von "einzig und alleinstehend beste Interpretation" oder "fehlerlose, logische und bestmöglichst umgetzte Interpretation nach einer inneren Vorstellung, die aber auch andere gleichwertige Interpretationen zulässt, die wiederum ihrerseits bestmölich ("perfekt") umgesetzt werden können" gemeint ist.

Ersteres halte ich für großen Blödsinn, zweiteres für kleinen Blödsinn :D in dem Sinne, dass eine perfekte Interpretation nach zweiter Möglichkeit nur theoretisch Existiert, wenn überhaupt. Denn niemand kann genau (!) beschreiben oder gar darstellen, wie diese spezielle perfekte Interpretation eines bestimmten Interpretationsansatzes auszusehen hat, und jedes Mal, wenn ein Stück gespielt wird, unterscheidet sich zumindest die Spielweise (wenn vielleicht auch nicht absichtlich die Interpretationsidee). Wobei da auch die Frage ist, wo zufällige Spielvariation aufhört und neue Interpretation anfängt. Und z.B. die Überlegung auftaucht, ob zur Interpretation nur das gehört, was absichtlich ist?

Interpretation ist zum einen die Auffassung, Auslegung, Idee, die man von einem Stück hat, andererseits aber auch die Umsetzung und Ausführung - die gesamte Wiedergabe wird auch als Interpretation bezeichnet.

Anders als oben im absoluten Sinne kann es natürlich für jeden persönlich eine perfekte Lieblingsinterpretation geben im Sinne von "ich finde, Kissin spielt das f-moll-Konzert von Chopin für meinen Geschmack perfekt".

Aber ich hab ja auch kein alleinstehend über allem schwebendes Lieblingsessen, und selbst ein einzelnes Lieblingsgericht kann noch auf unterschiedliche Weisen zubereitet werden, so dass es immer den höchsten Grad an Genuss hervorruft... :)
 
Dreiklang

Dreiklang

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Liebe Stilblüte,

zunächst einmal: danke für die vielen Aspekte! Über manches nehme ich mir noch Zeit, nachzudenken. Eines ist mir noch in den Sinn gekommen: zu einer "perfekten" Interpretation (worauf auch immer dieser Begriff hinauslaufen könnte) würde auf jeden Fall wohl eine sehr gute Klavierspiel-Technik, von der man nichts auffälliges mehr wahrnehmen kann, gehören.

Und eine "gute" Interpretation kommt sicher auch nicht ohne eine "gute" Technik aus.

Viele Grüße!
Dreiklang
 
hasenbein

hasenbein

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Es gibt auf jeden Fall dumme Fragen... so viel ist sicher...

Einem erwachsenen Menschen, der sich schon eine ganze Weile mit Musik und Klavier beschäftigt, egal ob Amateur oder Profi, sollte klar sein, daß so eine Frage Blödsinn ist.

LG,
Hasenbein
 
Dreiklang

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Es gibt auf jeden Fall dumme Fragen... so viel ist sicher...
Wie heißt es so schön: eine Frage ist nie dumm, nur eine Antwort? :D:D

Laß den Faden einfach mal laufen, hasenbein.

Einem erwachsenen Menschen, der sich schon eine ganze Weile mit Musik und Klavier beschäftigt, egal ob Amateur oder Profi, sollte klar sein, daß so eine Frage Blödsinn ist.
ich finde die Frage auf jeden Fall interessanter als so manches andere Thema, das schon mal gestartet worden ist...
 
rolf

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auf jeden Fall gibt es Interpretationen, welche es für lange Zeit nahelegen, bestimmte Stücke nicht zu spielen; so wird mir nie einleuchten, warum Rachmaninovs Polka de V.R. nach Horowitz Moskauer Konzert noch gespielt wird, dito die cis-Moll Mazurka von Chopin sowie Listzs Soiree de Vienne Nr.6 --- ob die drei Beispiele perfekt sind, ist eine zu unspezifische Frage; aber man eben hören, dass der alte Horowitz diese drei Stücke schlichtweg fantastisch spielt.
 
Dreiklang

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auf jeden Fall gibt es Interpretationen, welche es für lange Zeit nahelegen, bestimmte Stücke nicht zu spielen (...) dass der alte Horowitz diese drei Stücke schlichtweg fantastisch spielt.
Oh ja! :kuss::kuss:

In diese Richtung geht es irgendwie...! Manchmal wird eine Leistung vorgelegt, von der man sich (verzweifelt) fragt, wie sie denn noch zu schlagen sein könnte.

UND mit der man ein Leben lang zufrieden sein könnte (kann).
 
HoeHue

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auf jeden Fall gibt es Interpretationen, welche es für lange Zeit nahelegen, bestimmte Stücke nicht zu spielen;
Das unterstellt doch -bitte korrigiere mich, wenn ich den Satz falsch verstehe-, dass der einzige Sinn des Klavierspielens sein könne, eine wie auch immer geartete Steigerung zu allem bisher dagewesenen anzustreben?
Dann bräuchte unsereins -und vermutlich auch die meisten Profis- ja garnicht mehr Klavier zu spielen.
Für mich hat aber das Hören einer authentischen Live-Darbietung -sei es von einem drittklassigen Pianisten oder guten Amateur- und erst recht das selberspielen -auch wenn das Niveau nochmal zwei Stufen darunter liegt- immer noch einen anderen Stellenwert als eine Konserve einer noch so genialen Interpretation und ist durch diese ncht zu ersetzen. (Umgekehrt natürlich auch nicht)
 
G

gubu

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(...)Für mich hat aber das Hören einer authentischen Live-Darbietung -sei es von einem drittklassigen Pianisten oder guten Amateur- und erst recht das selberspielen -auch wenn das Niveau nochmal zwei Stufen darunter liegt- immer noch einen anderen Stellenwert als eine Konserve einer noch so genialen Interpretation und ist durch diese ncht zu ersetzen. (Umgekehrt natürlich auch nicht)
Das kommt drauf an....... :)
 
Dreiklang

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Lieber HoeHue,

eines möchte ich gern klarstellen: im Kontext dieses Fadens können wir natürlich nur über Interpretationen auf Tonträgern reden. Welche verteilt, reproduziert etc. werden können. Auf jeden Fall müssen sie irgendwo dauerhaft gespeichert und für alle zugreifbar sein (und vergleichbar) :)
 
cwtoons

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Gibt es "die perfekte Interpretation" eines Stückes...?
Selbstverständlich nicht, das ist wohl Konsens.

Also kann es nur noch darum gehen, was einem an einem Stück von Interpret A besser gefällt als vom Interpreten B.

Das Tempo, die Dynamik, die Stimmführung, u.s.w., u.s.w., u.s.w., massenhaft Kriterien sind hier möglich, was alles ist ausschlaggebend?
Oder ist es vielleicht die Persönlichkeit des oder der Interpret/in, der Sexappeal etwa (!), die sich durchsetzt?

CW
 

Dreiklang

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Danke nochmals...

für die Antworten, Stilblüte, rolf und alle anderen.

Ich tendiere nach unserer Diskussion in die Richtung, daß der Begriff "perfekt" nicht mit "Interpretation in der Musik" in Verbindung gebracht werden kann.

Man kann wohl von richtungsweisenden, zeitlos schönen, herausragenden Interpretationen u.a. sprechen. Und dann gibt es ja auch noch den Begriff der "Referenzaufnahme".

Aber der Begriff "perfekt" ist wohl eher in anderen Wissenschaften zuhause, denn der Musik. :cool::D

Man kann darüber sprechen, was eine gute Interpretation ausmacht.

Nun, ich denke sie muß den musikalischen Nerv eines Stückes treffen und ausdrücken. Ist es heiter oder düster, virtuos oder zerbrechlich, hurtig oder behäbig... und noch vieles mehr könnte man sich vorstellen.

Und, sie muß mit Seele gespielt werden. Man sollte spüren und hören, daß ein Mensch seine Seele hineinlegt, auf welche Art auch immer das geschieht.
Denn Musik soll ja schließlich auch die Seele des Menschen berühren ;)

Logischerweise sollten wenig technische Mängel vorhanden sein.

Welche Interpretationen gut sind, kann im Regelfall ein einzelner nicht entscheiden. Das entscheidet die musikalische Fachwelt als gesamtes.
Außer dieser jemand ist ein Fachmann, der das Stück genau kennt, alle nennenswerten bisherigen Interpretationen, und der selbst viel Erfahrung mit der Beurteilung von Interpretationen hat.

Wenn man weiß, wie die Fachwelt eine bestimmte Interpretation einschätzt, dann kann man natürlich auch sagen, daß eine Interpretation "gut" ist.

Ansonsten kann man nur sagen: eine Interpretation gefällt mir, oder eben nicht.

Die Aufnahmequalität spielt keine Rolle, solange man das Spiel noch einwandfrei erkennen kann. Es kommt darauf an, wie jemand damals gespielt hat, das ist entscheidend.

Das ist alles, was mir dazu momentan einfällt.
 
Dreiklang

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Allerdings...

Ein kniffeliges Thema sind die Ähnlichkeit von Interpretationen. Manchmal meint man schon, daß ein Pianist die gleichen gestalterischen Mittel einsetzt wie ein anderer. Wer von beiden war der erste, der die Form gefunden, erarbeitet hat, das Stück so zu spielen?

Sind sie beide unabhängig voneinander auf die gleichen "Lösungen", Ansätze, gekommen, das Stück so zu gestalten, und nicht anders...? Oder hat der eine vom anderen kopiert?

Ziemlich unangenehme Fragen, denn ich sehe die Erarbeitung einer Gestaltung, einer Interpretation, als nicht gerade geringwertige musikalische Leistung an.

Auf jeden Fall ist das auch mit ein Grund, warum jeder Interpret versucht, sich von allen bisherigen abzuheben. Und, ein Pianist will "erkennbar" werden, ein Profil bekommen. Sicher auch als Spiegel seiner Stärken und seiner Persönlichkeit. Durchaus angenehm - vielleicht finden sich Menschen dann in ihrer eigenen Persönlichkeit wieder, was ihren Lieblingspianisten betrifft.

Eine Interpretation soll Aspekte an einem Werk zeigen, die man bisher nicht sehen konnte. Jemand sagte einmal, eine gute Interpretation solle einem das Gefühl geben, man höre ein Stück zum erstenmal. Da ist natürlich viel wahres dran.

Nur: wieviel Raum ist noch vorhanden für neue "Interpretationen"...? Irgendwann kommt wohl ein Punkt, wo neue Interpretationen sich von musikalischen Nerv eines Stückes entfernen müssen, um noch individuell zu sein.

Sind das dann "Lieder, die die Welt nicht braucht"...?

Natürlich will jeder Pianist aus Leidenschaft sich beweisen. Egal ob ein Werk schon zwanzig mal eingespielt wurde: die einundzwanzigste Einspielung kommt dann eben dazu...

In der Hoffnung, es besser zu machen, als alle zwanzig Pianisten zuvor? Wenn es denn auch mal besser wäre...

Vielleicht sollte man es lassen, wenn man schon merkt, daß man das nicht besser hinkriegt...? Eine provokante Frage, sicherlich.

Aber hinter allem steht auch der Kommerz. Dann werden eben bekannte und beliebte Musikwerke immer wieder aufs neue von jedem aufstrebenden Pianisten eingespielt. Denn das verkauft sich - und auch Musiker vermarkten sich, und werden vermarktet.

Manchmal werden solche Werke mit einer gewissen Berechtigung als "Gassenhauer der Klassik" bezeichnet. Manchmal werden aber auch große Meisterwerke der Musik mit diesem Begriff für meinen Geschmack übel verunglimpft.

Und im letzteren Fall ist es weniger lustig, schon wieder eine Aufnahme zu Ohr zu bekommen, die an musikalischer Schönheit nicht annähernd an die uralte Referenzaufnahme im CD-Wechsler heranreicht - welche man inzwischen völlig verinnerlicht hat.

Aber egal - man kann diesem zweifelhaften Hörgenuß als Privatmann und Musikamateur ja aus dem Weg gehen, wenn man will, und gut ist es.

---

Andere finden es aber spannend, die musikalische Entwicklung eines Pianisten, oder ihres Idols, zu verfolgen, und darüber zu fachsimpeln, wie dieser sich wohl einordnen ließe, zwischen die bekannten Virtuosen.

Auch daran habe ich nichts auszusetzen - woher auch. Jedem das seine, ich bin da leidenschaftslos.

Solange ich in der unüberschaubaren Welt der Interpretationen immer wieder mal eine neue Perle finde, die mir gefällt, und an der ich mich erfreuen kann.

Und solange dürfen Pianisten auch gerne neue Einspielungen machen -

- wenn es sowieso nicht möglich ist, die "perfekte Interpretation" zu finden ;)

Viele Grüße :)
Dreiklang
 
Bassplayer

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Viele Wege führen nach Rom, es gibt nicht die einzige perfekte Interpretation, sondern i.d.R. mehrere Möglichkeiten.

Beispiel: Die Goldbergvariationen. Nach der 1. Aufnahme von Gould, die für viele Mitte der 50er so etwas wie perfekt war, könnte man ja sagen, dass es keiner weiteren Einspielung bedurfte. Die spätere Einspielung (1982) war aber für viele wieder so etwas wie eine religiöse Offenbarung. Der Mensch hinter der Interpretation hatte viel erlebt und ist das Werk mit dieser Erfahrung auf anderen Ebenen angegangen, was man auf subtile Weise nachspüren kann.

Darüber hinaus pflegte Gould die Aufnahmetechnik dahingehend zu nutzen, von mehreren Takes die finale Version zusammen zu schnipseln. Nicht weil sie Fehler enthielten sondern unterschiedliche Interpretationsansätze.

Und dann gibt es noch eine Live-Aufnahme aus Salzburg von ihm von den Goldberg-Variationen, zu der ein Radio-Moderater sinngemäß erklärte (und das kenne ich insbesondere auch als Meinung von Jazz-Musikern): in der Live-Situation ist es oft ein Wechselspiel zwischen Interpret und Publikum, das eine bestimmte Athmosphäre erzeugt, in der manchmal ganz besonderes gelingt. Ein solcher Moment sei dieses Konzert gewesen (abgesehen von einigen wenigen falschen Tönen).

Das geht es nicht nur um die Interpretation an sich, wie man sie als Pianist vielleicht im Kopf planen würde und entsprechend üben würde. Jede Aufführung ist nie 100% so wie eine zweite. Und momentane Stimmung, die Atmosphäre bei einer Live-Ausführung, der Zustand des Instruments, alles kann auf subtile Weise eine Rolle spielen.
 
rolf

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Das unterstellt doch -bitte korrigiere mich, wenn ich den Satz falsch verstehe-, dass der einzige Sinn des Klavierspielens sein könne, eine wie auch immer geartete Steigerung zu allem bisher dagewesenen anzustreben?
die Feststellung, dass es für lange Zeit hervorragende, durchaus temporär unübertreffliche Interpretationen gibt, sagt eigentlich nichts zum Sinn des Klavierspielens ;) - man kann das Klavierspielen aus verschiedensten Gründen betreiben: aus geselligen, therapeutischen, freizeitigen, beruflichen

...aber irgendwie weht aus deiner Formulierung eine leichte Verärgerung heraus? ...hm... wäre die nötig, wenn die "wie auch immer gaertete Steigerung" eine der Ausdruckskraft, der Klangfarbenpracht, der mus. Sensibilität wäre?... sowas gibt es
 
Dreiklang

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irgendwie weht aus deiner Formulierung eine leichte Verärgerung heraus? ...hm... wäre die nötig, wenn die "wie auch immer geartete Steigerung" eine der Ausdruckskraft, der Klangfarbenpracht, der mus. Sensibilität wäre?... sowas gibt es
man könnte darauf mit einem Filmzitat anschließen. Schon lange hab' ich euch mit derlei Kokolores verschont ;)

[QUOTE="Mein Name ist Nobody" (Sergio Leone/Tonino Valerii)]
"Weißt Du, ich habe in meinem Leben schon viele Menschen getroffen. Mörder, und Diebe... Prediger, - und solche die es erst werden wollten... Huren habe ich kennengelernt, und Zuhälter... und bestimmt war auch mal 'n anständiger Kerl darunter. Aber so einen, wie Du ihn Dir in Deiner Phantasie vorstellst...?"

"Sowas gibt's nicht mehr, meinst Du, hm? Sicher. Verflucht wenige. Aber es gibt sie.
Und nur die zählen."[/QUOTE]

... ;)
 
Dreiklang

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voraussichtlich genug, sonst gäbe es nicht immer wieder auffallende Neuinterpretationen ;)
:D irgendwie -- habe ich vermutet, daß diese Antwort kommt ;). Dann sind wir wohl die nächsten Jahrzehnte mit Freiraum versorgt (seltsamerweise kommt mir da die Parallele zum Erdöl in den Sinn ;) ).

Bis dahin... freuen wir uns an neuen Ideen und neuen Talenten.

Auf einmal sehe ich die Zukunft der Kunst-, und der Klaviermusik, in einem anderen Licht: die Menschen entwickeln sich weiter. Sogar rasend schnell... von Generation zu Generation entdecken Menschen mehr Selbst"bewußtsein", im wahrsten Wortsinn. Viele Dinge handhaben wir heute schon völlig anders als Eltern und Großeltern... und der Wandel der Zeit bringt nicht immer nur negative Veränderungen mit sich.

Wenn sich die Menschen weiterentwickeln, dann wird auch deren Musikgeschmack anspruchsvoller werden. Wer gute Musik liebt, landet früher oder später bei der Kunstmusik.
Und um den Flügel und das Klavier brauchen wir uns sowieso keine Sorgen zu machen: es sind die beeindruckendsten Instrumente schlechthin - in ihren musikalischen Möglichkeiten.

Das denken wir wohl alle - und brauchen uns in Deutschlands wichtigstem Klavierforum wohl auch nicht zu schämen, es mal zu verbalisieren.
 
Dreiklang

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Junge Pianisten und Künstler...

drängt es an die Öffentlichkeit, sie möchten sich profilieren - nicht nur im Sinne des Renommees, sondern auch im Sinne des Wortes selbst: sich ein Künstlerprofil verschaffen.

Fortgeschrittene wollen ihr gereiftes Spiel zeigen, und neue Wege gehen.

Wann und womit sollte man an die Öffentlichkeit treten? Ich vermute, das ist eine Charakterfrage. Dem einen gibt es den Kick, sich mit schweren Stücken zu präsentieren, die sich an der Grenze seiner technischen Fähigkeiten bewegen. Dann hört man die unverkennbare leichte Schroffheit im Spiel heraus, mit der das Spiel bewältigt wird. Oder eben die pappigen Läufe, verklebten Verzierungen, und derlei mehr. Andere legen Wert auf vollkommene Präzision, und spielen lieber einfachere Dinge, und diese aber so makellos perfekt, daß man meinte, sie wollten die Technik beim Klavierspiel selbst eliminieren.

Ich will da niemandem dreinreden. Das muß jeder so machen, wie er meint. Allerdings gibt es einen Trend zur spieltechnischen Präzision und Perfektion, der sich offenbar etabliert. Falsche, oder nicht ganz perfekt modellierte Tönchens - das sieht man heute nicht mehr so gerne. Alles sollte schon möglichst "perfekt" sein...

Wozu sollte eine neu herausgebrachte CD dienen...? Sich zu präsentieren, ins Rampenlicht zu stellen, Geld zu verdienen, von sich reden machen? Oder vielleicht, neue musikalische Maßstäbe aufzustellen? Die Perlen der unbekannten Stücke oder Komponisten zu finden und so bewegend und mitreißend zu spielen, daß man seine CD Sammlung gerne mal darum erweitern möchte...? Oder z.B. neue Kompostitionen präsentieren, die sich aber möglichst in musikalischer Schönheit vor den alten Meistern nicht schamhaft zu verstecken brauchen...?

---

Für mich persönlich hat etwas, das ich mir nur einmal anhören möchte, keinen Wert. Wozu sollte es mich weiter interessieren? Wenn sich schon "bessere" Musik allgemein, oder bessere Aufnahmen desselben Werkes, in meiner CD Sammlung befinden...?

Es gibt da in der musikalischen Fachwelt das schwarzhumorig-nette Prädikat "überflüssig" - man kann es z.B. dafür anwenden, wenn man ausdrücken möchte, daß die Arbeit eines Interpreten keine bemerkenswerten neuen Richtungen aufzeigt.

Ich würde mir generell weniger "überflüssiges" wünschen. Jeder könnte sich ja selber fragen, welche Dinge "überflüssig" sind. Zu schwere und zu wenig gereifte Stücke, bei denen der Pianist noch deutlich schwimmt, technisch wie musikalisch, könnten so etwas sein.

Aber wie gesagt: auch hier bin ich mal wieder leidenschaftslos, und nehme die Musikwelt so, wie sie ist :cool:

Leider gilt auch hier wieder: Pianisten, und vor allem wohl die Verwerter, wollen eben auch Geld verdienen, und nicht nur die Welt um hinreißend schöne Musik bereichern.

Könnte man nicht beides miteinander verbinden...?
 
 

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