Dokumentarfilm "Die Prüfung"

Stilblüte

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... ist ab heute für eine Woche in der ZDF-Mediathek zu sehen:
https://www.zdf.de/filme/das-kleine-fernsehspiel/die-pruefung-100.html
Es geht hier um Schauspiel-Studenten in Hannover, das Auswahlverfahren und Weiteres. Ich werde mir die Doku morgen ansehen, bin schon sehr gespannt und warte seit Monaten darauf, dass sie verfügbar ist.

Ich denke, Schauspieler haben es noch schwerer als Musiker. Meine ganz persönliche Vorstellung über den Schweregrad des Konkurrenzkampfes in den "performing arts" lautet:

4. ...
3. Musiker
2. Schauspieler
1. Ballet-Tänzer

Hab ich ja nochmal Glück gehabt, dass meine Eltern keine Tänzer waren. Sonst wäre ich womöglich dort gelandet. Das wäre bestimmt nicht so gut gegangen wie mit Klavier. Und ganz so körperfeindlich ist Klavierüben auch nicht.
 
S

Stephan

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Hallo Stilblüte, ich würde solch ein Ranking eher in Frage stellen, da der Begriff "schwer" einerseits vom subjektiven Erleben, andererseits von dem Anspruch des jeweiligen Instituts (mit-) abhängt.
Bei den Tänzern scheint es Mutationen vom Gummibaum zum Homo sapiens gegeben zu haben, bei den Schauspielschulen unterscheiden sich staatliche Schulen gewiss von privaten (Klitschen?).
Gewiss ist jede Prüfung eine Herausforderung, und sollte mit angemessenen Ansprüchen versehen sein, aber ein Ranking ist wegen der Subjektivität doch anfechtbar. Ein hochbegabter Pianist wird sicher die Prüfung für ein Lehramtsstudium weniger anspruchsvoll empfinden, als ein mäßig begabter Schauspieler, der mit Ach und Krach bei der Folkwang anfängt, und umgekehrt, etc..
 
Rheinkultur

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Gewiss ist jede Prüfung eine Herausforderung, und sollte mit angemessenen Ansprüchen versehen sein, aber ein Ranking ist wegen der Subjektivität doch anfechtbar.
Und vor allem relativiert sich der Wert einer solchen Prüfungsleistung in der späteren Berufspraxis. Nach Prüfungsleistungen und Abschlussnoten fragt bereits nach wenigen Jahren Berufstätigkeit keiner mehr oder allenfalls aus formellen Gründen, weil etwaige Vorschriften im Öffentlichen Dienst das Vorhandensein eines bestimmten Papiers vorsehen. Dennoch empfiehlt es sich, nicht einfach darauf zu verzichten, da man sich sonst auf instabilem Terrain allein auf seine künstlerischen Leistungen verlassen müsste, während die Mitbewerber in den meisten Fällen auch das verlangte Zeugnis vorweisen können. Mal einfach so das Studium schmeißen sollte man also besser nicht tun... .

LG von Rheinkultur
 
Scarbo

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Ich denke, Schauspieler haben es noch schwerer als
4. ...
3. Musiker
2. Schauspieler
1. Ballet-Tänzer

Hab ich ja nochmal Glück gehabt, dass meine Eltern keine Tänzer waren. Sonst wäre ich womöglich dort gelandet. Das wäre bestimmt nicht so gut gegangen wie mit Klavier. Und ganz so körperfeindlich ist Klavierüben auch nicht.
Ich habe immer Schwierigkeiten mit solchen Rankings, aber die Geschichte von der damaligen Freundin einer meiner WG-Bewohner hatte mich schockiert. Sie hatte die Möglichkeit als zehn- oder zwölfjährige auf eine staatlichen Balletschule aufgenommen zu werden, unter der Voraussetzung, dass eine Operation an ihren Sehnen durchgeführt wird - diese waren wohl nicht bestmöglich entwickelt, was Einschränkungen in der Gelenkigkeit zur Folge hatte; die genauen Details habe ich vergessen. Jedenfalls haben die (verantwortungsvollen) Eltern eine solche Operation abgelehnt, mit der Folge, dass sie dann auf eine normale Schule gegangen ist und es dann später "nur" zu einer Promotion in Mathematik gereicht hat.
 
Stilblüte

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Vielleicht habe ich das unklar ausgedrückt, ich meinte den Konkurrenzkampf nicht nur auf Schulen bezogen, sondern auf alles, also Arbeitsmöglichkeiten, die Härte der Ausbildung, der Ausführung des Berufs, Höhe der Bezahlung etc.
Da haben es Musiker ganz sicher besser, denn die können sowohl privat als auch an normalen Schulen unterrichten und es gibt viel mehr Stellen als für Tänzer und Schauspieler. Natürlich nützen solche Rankings nicht viel. Aber ich bewundere die Leute sehr, die sich dem Schauspiel oder Tanz verschrieben haben.
 
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Stephan

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Wie wahr, Schauspiel und Tanz gehören gewiss zu den brotlosen Künsten, wie auch Philosophie, Theologie ohne Pfarr-oder Lehramt, oder auch Soziologie. Eigentlich eine Katastrophe, wenn man bedenkt, dass wir heute auch und gerade diese Fachleute alle dringend benötigen. Bin schon mit einem diplomierten Philosophen Taxe gefahren..als Fahrgast.
 
Tanzpause

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Du sprichst mir aus dem Herzen!
Der Beruf des Tänzers bringt im Grunde nur Nachteile. Man muss die Kindheit opfern, dafür wird man mit Anfang 30 aussortiert und kann dann überlegen was man in einem Leben anfängt von dem man keine Ahnung hat.
Bis zu diesem Zeitpunkt haben die wenigsten das eingenommen was sie in die Ausbildung gesteckt haben. Dazu sind sämtliche Gelenke etc kaputt.
Ich würde niemandem empfehlen Tänzer zu werden.

Im Übrigen ist die Aufnahmeprüfung-egal bei welcher Kunst - noch der einfachste Teil!
Lg
 
Rheinkultur

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Wie wahr, Schauspiel und Tanz gehören gewiss zu den brotlosen Künsten, wie auch Philosophie, Theologie ohne Pfarr-oder Lehramt, oder auch Soziologie.
Im Prinzip kannst Du diese Einschätzung auf den gesamten Kulturbereich und die Geisteswissenschaften ausdehnen - und die "Brotlosigkeit" gründet sich auf die weit verbreitete Geringschätzung durch große Teile der Bevölkerung. Gewisse Fachrichtungen wurden schon in der Schule als Schwall- und Laberfächer abgetan und die Künstler haben sowieso nur ihr Hobby zum Beruf gemacht. Generell finden die Leute Erfolg toll, wollen aber lieber nichts über etwaige Anstrengungen erfahren, die zum Erfolg geführt haben. Die selektive Wahrnehmung von in den Medien verfügbaren künstlerischen Darbietungen führen bei vielen zur Fehleinschätzung, alles müsse perfekt und vollendet daherkommen, ohne auf die gewünschten Ergebnisse lange warten zu müssen.

Für diese "brotlosen Künste" gibt es allerdings durchaus einen Markt und erfolgreiche Vertreter der entsprechenden Fachrichtungen können auch im bürgerlichen Sinne von ihrer Arbeit durchaus leben. Nur sind viele mit der Erwartung in derartige Berufe eingestiegen, später zu den Glücklichen und Tüchtigen zu gehören, die sich behaupten können. Wird diese Erwartung enttäuscht, sind die Ausweichmöglichkeiten sehr begrenzt. Ist das aber in anderen Fachrichtungen anders, wenn es viele Kandidaten und wenige Jobs gibt?

Allerdings kann man nicht jede Laufbahn pauschal richtig einordnen. Im Bekanntenkreis habe ich eine freiberuflich tätige Theologin, mit der ich öfters gemeinsam Trauerfeiern gestalte. Viele Jahre war sie in Festanstellungen im Gemeinde- und Schuldienst tätig - heute verdient sie als Freie Theologin mit ihren Einsätzen vor allem bei Hochzeiten erheblich besser und ihr Drang, uninteressierten Schülern katholischen Religionsunterricht zu erteilen, hält sich inzwischen sehr in Grenzen.

Mein persönliches Fazit ist, dass jeder Einzelfall zu anders gelagert ist, als dass man eine aussagekräftige Rangliste hin bekäme.

LG von Rheinkultur
 
Stilblüte

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Im Übrigen ist die Aufnahmeprüfung-egal bei welcher Kunst - noch der einfachste Teil!
In der Musik nicht. Da finde ich persönlich jedenfalls die Aufnahmeprüfungen mit Abstand (!) am schlimmsten, und sie zu bestehen ist im Vergleich zu allen anderen Prüfungen auch mit Abstand am unwahrscheinlichsten. Ich habe noch nie Studenten erlebt, die irgendeine Abschlussprüfung nicht bestanden hätten. Sowas gibt es äußerst selten (man hat davon gehört).
Ich kenne nur ein paar nicht-Muttersprachler, die in Deutschland im ersten Semester an der Musikgeschichteprüfung gescheitert sind [und auch zwei Muttersprachler, die haben es aber nicht anders verdient, denn man kann die Prüfung wiederholen].

Normalerweise wird schon am Anfang so extrem ausgesiebt, dass man genau die Anzahl an Studenten aufnimmt, die dann auch ihren Abschluss bestehen. Das scheitert höchstens draran, dass die Studenten die Hochschule von sich aus verlassen, oder in ganz seltenen Fällen am Können - wenn sich eine extreme Auftrittsangst oder sonstige psychische (oder auch körperliche) Erkrankungen einstellen, die das Niveau extrem herabsetzen.
 
Rheinkultur

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Der Beruf des Tänzers bringt im Grunde nur Nachteile. Man muss die Kindheit opfern, dafür wird man mit Anfang 30 aussortiert und kann dann überlegen was man in einem Leben anfängt von dem man keine Ahnung hat.
Bis zu diesem Zeitpunkt haben die wenigsten das eingenommen was sie in die Ausbildung gesteckt haben. Dazu sind sämtliche Gelenke etc kaputt.
Ich würde niemandem empfehlen Tänzer zu werden.
Da fällt die Parallele zum Leistungssport auf. Auch hier bringen es die allerwenigsten zu Millionen scheffelnden Fußballprofis. Nach der aktiven Laufbahn wirtschaftlich ausgesorgt hat nur ein kleiner Prozentsatz dieses Personenkreises, die sich in den folgenden Jahrzehnten auch ohne Arbeit einen bürgerlichen Lebensstil leisten können. Bei luxuriösem Lebensstandard hingegen ist auch ein solches komfortables Polster erschreckend schnell aufgebraucht.

Übrigens ist selbst das "Ausgesorgt-Haben" kein sicherer Weg zum dauerhaften Glück. Vor ein paar Monaten hatte ich eine Trauerfeier zu orgeln und sollte zum "Ave Maria" eine klassische Gesangssolistin mitbringen. Geld spiele keine Rolle. Der Verstorbene hatte als Immobilienmakler in den 1970ern innerhalb weniger Jahre so ein Vermögen verdient, dass er und seine Frau sich als Mittvierziger im Eigenheim zur Ruhe setzen konnten, ohne jemals wieder arbeiten zu müssen. In der Trauerhalle namen acht Personen in bedrückender Atmosphäre an der Zeremonie teil - die Ehefrau fehlte. "Einsam in die totale Verwahrlosung gesoffen" habe man sich im Trauerhaus, ließ die gebuchte Trauerrednerin durchblicken. Ich und meine Gesangspartnerin sahen uns nur an und sie sagte, da könne man sich nur wünschen, nicht eines Tages mal selbst so unter die Erde zu kommen. Vermutlich ist der Umstand, keine Lebensaufgabe mehr zu haben, nicht minder belastend als materielle Not.

LG von Rheinkultur
 
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In der Musik nicht. Da finde ich persönlich jedenfalls die Aufnahmeprüfungen mit Abstand (!) am schlimmsten, und sie zu bestehen ist im Vergleich zu allen anderen Prüfungen auch mit Abstand am unwahrscheinlichsten. Ich habe noch nie Studenten erlebt, die irgendeine Abschlussprüfung nicht bestanden hätten. Sowas gibt es äußerst selten (man hat davon gehört).
Ein paar solcher Fälle sind mir schon begegnet. Aber grundsätzlich halte ich eine extrem strenge Selektion für keineswegs verkehrt. Warum? Weil die Ausweichmöglichkeiten für gescheiterte Berufsmusiker in vielen Fachrichtungen ausgesprochen schlecht sind. Nicht in allen freilich - obwohl Tastenspieler beispielsweise kaum Arbeitsmöglichkeiten im Orchester finden, sind bei entsprechend vielseitigen Kandidaten eine ganze Reihe von Betätigungsfeldern in Reichweite. Da spielen gerade über das "klassische" Klavierstudium hinausgehende Kenntnisse und Spezialisierungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle - gut, wenn man damit eine Grundlage für einen Plan B, C oder D schaffen kann.

Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen: Wer gerade in frühen Stadien seiner Laufbahn als Berufsmusiker vor Leistungsdruck und Versagensangst kapituliert und in eine weniger unsichere Laufbahn wechselt, hat dort bessere Perspektiven, als wenn sich erst Jahre später die Entscheidung für den Musikerberuf als Fehlentscheidung herausstellt. Vor diesem Hintergrund machen sich wohl die wenigsten Hochschullehrer bei Aufnahmeprüfungen ihre Entscheidungen einfach, zumal sie ansonsten ihr eigenes Urteilsvermögen ad absurdum führen.

LG von Rheinkultur
 

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Ich habe mir die Doku jetzt angesehen und finde sie wirklich sehr interessant. Nachdem ich in (Aufnahme-)Prüfungen und Wettbewerben oft genug auf der Bühne stand, gewinne ich langsam auf verschiedene Weise Einblicke der anderen Seite.

Dozenten plaudern hin und wieder aus dem Näh-Kästchen; was man in der Doku sieht, findet normalerweise hinter verschlossenen Türen statt, und heute habe ich zum zweiten Mal selbst Studenten bewertet bzw. benotet.
Da wird mir immer mehr bewusst, wie subjektiv, zufällig und kompliziert solche Bewertungen sind und ausfallen, selbst und gerade wenn man sich um Fairness bemüht.
Dazu muss man bedenken, dass der bewertete Moment nicht unbedingt immer repräsentativ für die Fähigkeiten des Bewerteten stehen ("schlechter Tag", sonstige Widrigkeiten die das Ergebnis verfälschen).
Wenn dazu noch Schiebung, Korruption und private Favoriten kommen, wird die Sache immer glitschiger.
 
Rheinkultur

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Da wird mir immer mehr bewusst, wie subjektiv, zufällig und kompliziert solche Bewertungen sind und ausfallen, selbst und gerade wenn man sich um Fairness bemüht.
Mancher glaubt es kaum, aber es ist so, dass auch Prüfer durchaus nicht ganz frei von Anspannung und Nervosität sind. Immerhin entscheiden sie über Lebensentwürfe anderer mit - das wissen sie auch. Hat man einige Jahre lang bei Prüfungen die Klavierbegleitung übernommen, kann man aus Überzeugung die These formulieren, dass wohl keiner absichtlich anderen einfach so zum Spaß die Zukunft verbaut.

Wenn dazu noch Schiebung, Korruption und private Favoriten kommen, wird die Sache immer glitschiger.
Das liegt auch in der Natur der Sache. Objektiv mit Messgeräten kann man künstlerische Leistungen leider nicht beurteilen. Bei vielen Sportdisziplinen muss man sich nicht mehr auf eine von Hand bediente Stoppuhr verlassen, sondern kann auf präzise technische Apparaturen zurückgreifen, obwohl man diese grundsätzlich auch manipulieren könnte. Aber schon in Disziplinen, in denen Haltungsnoten und Punktwertungen für die saubere Ausführung vorgesehen ist, bewegen sich die beteiligten Personen auf dünnem Eis.

In jedem Fall ist nicht mehr möglich, als nach bestem Wissen und Gewissen zu urteilen. Vor lauter Angst, sich womöglich falsch zu entscheiden, einfach gar nichts zu tun - das ist auch keine brauchbare Lösung. Dazu kommt die Tatsache, dass Betriebsblindheit und falsche Selbsteinschätzungen weit verbreitet sind. Da hält sich mancher für besser und einzigartiger als er ist. Fallen Entscheidungen günstig aus, ist man damit natürlich sehr einverstanden. Ist das nicht der Fall, ging es garantiert mal wieder nicht mit rechten Dingen zu. Das ist wie mit den Tomaten-Schiris beim Fußball - die mit den Tomaten auf den Augen:


Äh, wo hat der Vorsitzende der Prüfungskommission nochmal sein Auto geparkt?

LG von Rheinkultur
 
thinman

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darf ich als Nichtwissender bitte mal die Frage stellen, ob diese Aufnahmeprüfung nur an einem einzigen Tag stattfindet oder ob mehrere Prüfungstage vorgesehen sind?
Falls ersteres zutreffen sollte, fände ich diese Situation geradezu grotesk. Bei Nichtbestehen: Wie oft darf man die Prüfung wiederholen?
 
Rheinkultur

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darf ich als Nichtwissender bitte mal die Frage stellen, ob diese Aufnahmeprüfung nur an einem einzigen Tag stattfindet oder ob mehrere Prüfungstage vorgesehen sind?
Näheres entnimmst Du den Webseiten der Musikhochschulen, denen eigentlich immer die Zugangsvoraussetzungen für ein Musikstudium zu entnehmen sind. Allgemein werden die verschiedenen Prüfungsteile zu unterschiedlichen Zeitpunkten (also an zwei oder mehr Tagen) absolviert, wobei die Vorgaben je nach Fachrichtung verschieden sind. Musiktheoretische Fächer können schriftlich (Klausurarbeit) und/oder mündlich vor der Kommission geprüft werden, während bei den Hauptfächern je nach Fachrichtung Pflicht- und Wahlstücke vorzutragen sind. Bei eindeutiger Sachlage wird die Kommission den Vortrag auch schon mal unterbrechen und gegebenenfalls den Wechsel zum nächsten Stück vorgeben. Die Vortragsdauer und der Prüfungserfolg müssen keineswegs in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen - bei kurzer Vortragszeit herrscht bei den Prüfern lediglich Klarheit in der Entscheidungsfindung, dass der Bewerber eindeutig geeignet oder ebenso eindeutig ungeeignet ist.

Falls ersteres zutreffen sollte, fände ich diese Situation geradezu grotesk.
Die Vorgabe ist allerdings für alle Kandidaten gleich anspruchsvoll, nämlich auf den Punkt das Leistungsmaximum abzurufen. Im Berufsalltag passiert das später dauernd - idealerweise bereitet das Studium auf diese Stress-Situation in angemessener Weise vor.

Bei Nichtbestehen: Wie oft darf man die Prüfung wiederholen?
Quelle siehe oben. Dazu ist zu ergänzen, dass bei Nichterscheinen des Kandidaten ohne rechtzeitige Abmeldung in der Regel die Prüfung als nicht bestanden gewertet wird. Wenn Hochschulen einen Verbund bilden, kommt erschwerend dazu, dass mitunter nicht bestandene Prüfungen für alle angeschlossenen Institute gelten und dort ebenfalls die Wiederholungsmöglichkeiten einschränken.

LG von Rheinkultur
 
Peter

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fände ich diese Situation geradezu grotesk
Warum? Angesichts der Konkurrenz müssen Prüfer nicht suchen, sie müssen "nur noch" finden.
Stell Dir vor Du lässt Dein Dach decken und 100 Dachdecker bewerben sich um den Auftrag. Ich kann Dir versichern dass Du nach der Devise handeln wirst: "Wer schon die Bewerbung vermasselt....", auch wenn Du weißt, dass derjenige evtl. nur einen schlechten Tag hatte.

oops, @Rheinkultur war schneller.
 
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Allgemein werden die verschiedenen Prüfungsteile zu unterschiedlichen Zeitpunkten (also an zwei oder mehr Tagen) absolviert, wobei die Vorgaben je nach Fachrichtung verschieden sind.
Natürlich sind die Möglichkeiten, mündlich und/oder schriftlich zu prüfen, in bestimmten Fachrichtungen zu modifizieren. Bei pädagogischen oder wissenschaftlichen Studienzielen kann beispielsweise ein Kolloquium mit dem Prüfling stattfinden, in dem er ad hoc unter bestimmten Vorgaben zu unterrichtsspezifischen oder ähnlichen Problemstellungen Lösungsansätze entwickeln soll. Mit Vor- und Nachspielen/-singen allein gelingt noch keine erfolgreiche Musikvermittlung, auch das Verbalisieren von Zusammenhängen ist erforderlich. In der von mir studierten Fachrichtung Komposition bzw. Musiktheorie ist der Prüfungsverlauf ebenfalls der "Natur" des Fachs angeglichen: Analytische Betrachtung eigener und fremder Werke, möglicherweise Vortrag einer Eigenkomposition und/oder Vorstellung von Livemitschnitten bzw. Studioaufnahmen eigener Werke oder auch Skizzierung eines neuen Werkes in Klausurarbeit mit Vorgaben (Text, Ensemblebesetzung).

LG von Rheinkultur
 
thinman

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Warum? Angesichts der Konkurrenz müssen Prüfer nicht suchen, sie müssen "nur noch" finden.
Stell Dir vor Du lässt Dein Dach decken und 100 Dachdecker bewerben sich um den Auftrag. Ich kann Dir versichern dass Du nach der Devise handeln wirst: "Wer schon die Bewerbung vermasselt....", auch wenn Du weißt, dass derjenige evtl. nur einen schlechten Tag hatte.

oops, @Rheinkultur war schneller.
wenn ich mein Dach decken lassen wollte, würde ich versuchen, die Qualität des Dachdeckers nicht nur aus einer einzigen Bewerbung heraus zu lesen, sondern z.B. Anzahl der Mitarbeiter, zeitliche Verfügbarkeit, Preisvorstellungen, Erfahrungen anderer Kunden einzuholen und diese möglichst objektiv zu werten. So gesehen hinkt Dein Vergleich etwas. Aber ich verstehe, was Du meinst: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.

Wenn ich neue Mitarbeiter /-innen einstelle, dann versuche ich, möglichst viele zu einem persönlichen Gespräch einzuladen und die Bewerber /-innen auch Probe arbeiten zu lassen. Ich sehe es als Fehler an, wenn nur aufgrund des Bewerbungsschreibens entschieden wird. Noch schlimmer, wenn ein Foto den Ausschlag für die Entscheidung gibt.

Mir gefiel der Gedanke nicht, die Entscheidung für die gesamte berufliche Zukunft eines Bewerbers auf ein einziges Vorspielen zu reduzieren bzw. zu begründen. Aber dies ist ja anscheinend auch nicht so.

Warum ich mich überhaupt in diese Diskussion eingeklinkt habe:
Als ich noch Humanmedizin studiert habe, erfuhr ich von einem Kollegen, der zweimal durchs Physikum (=1. Abschnitt der ärztlichen Prüfung = Abschluss des vorklinischen Studienabschnittes) durchgerasselt war und damit wieder Abiturient war. Ich dachte mir: "Was mag das für ein Vollidiot sein". Dass dies ein dummes Vorurteil war, merkte ich, als ich ihn zufällig persönlich kennenlernen durfte und die Gründe für sein Durchfallen erfuhr. Gründe, die er selbst nicht zu verantworten hatte, aber in der Konsequenz sein zukünftiges Leben total veränderte bzw. zerstörte.

Wobei wir wieder bei der Grundsatzdiskussion angelangt sind: Wie geht objektiv und gerecht?
Aber ich möchte nicht noch mehr ins OT abdriften.
Danke für die Infos an Dich und @Rheinkultur
 
Stilblüte

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Und damit in der Vielzahl an Versuchen.

Das Problem ist nur, wenn man kein Durchschnittsbewerber ist, sondern aus irgendeinem Grund polarisiert. Dann funktioniert die (manchmal nötige) Massenbewerbung u.U. auch nicht.

In dem Film wurde von einem Studenten erzählt, der sich 24 Mal beworben hatte und dann genommen wurde. Anscheinend hat der dazugelernt...
 
 

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