Die maßlose Orgelwelt

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MartinH
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Es müssen keine "hochwertigen" Orgeln (was aucb immer das sein soll) sein. Es wird weiterhin viel aus Geschmacksgründen abgerissen. Dazu werden dann angeblich zu hohe Reparatur-/Überholungskosten des alten Instruments vorgeschoben. Offensichtlich müssen ja noch nicht mal Rücklagen für eine Turnusüberholung zurückgelegt werden (für Gerätschaften, die schnell mal den Wert eines Hauses erreichen), und dann tut man so, als käme Geld für diese nur schwer zusammen und lohne nicht. Und die berühmten Großspender::.für das (und den?) kriegt ihr's, fürs andere nicht.
Denen kommen einfachere Bauweisen der orgelbewegten Instrumente zugute.und heute deutlich gestiegene Arbeitskosten: Kleinen Wartungsstau verursachen, Vergleich aufmachen und schon ist es weg.
Den Leuten wird dann einfach erzählt, es gäbe keine sinnvolle Alternative. Neu ist ja immer gut.

Oft schlicht verantwortungslos in der allgemein prekären (personell-theologisch und finanziell) Lage der Kirche. Spielen tun das Gerät im schnell mittleren sechsstelligen Preisrahmen manchmal ausschließlich Aufwandsentschädigte. Einfach verrückt.
Vielleicht kann man mit derlei Aktivismus auch gut verdecken, dass man keine "eigene Klanglichkeit" vorzuweisen hat, kompositorisch auvh nicht. Und das Nachäffem vergangener Zeiten gelingt nicht selten auch nur erstaunlich schlecht. Nur die PR drunhrum hat sich zeittypisch professionalisiert.
 
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MartinH
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@agraffentoni: weiß nicht, ob diese Art "Nazikeule" (aus dem bequemen Sessel der Nachgeborenen) jetzt passend (Bornefeld: ich wüsste nicht, was man ihm zum Vorwurf machen könnte, auch wenn Zacher das auf schäbige Weise versucht hat) und hilfreich ist. Mit dem besseren Gründen meinte ich natürlich eine eigene Neue Musik, für die anderes Klangmaterial zwingend nötig ist.
 
agraffentoni
agraffentoni
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kann gerne bei einer Orgel mit ausreichend klassischen Registern hinzugefügt werden.
Bei Dorfinstrumenten sehe ich nur eine Beschränkung auf den Sachberater und sein verqueres Klangverständnis.
Ist ja grad so als würde Nils Frahm, wenn er könnte, die ganzen Konzertflügel von den Bühnen verbannen, um das Una-Chorda-Klavier mit Moderator und sonstigen Spielereien als Nonplusultra zu heiligen.
 
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@agraffentoni: weiß nicht, ob diese Art "Nazikeule" (aus dem bequemen Sessel der Nachgeborenen) jetzt passend (Bornefeld: ich wüsste nicht, was man ihm zum Vorwurf machen könnte, auch wenn Zacher das auf schäbige Weise versucht hat) und hilfreich ist. Mit dem besseren Gründen meinte ich natürlich eine eigene Neue Musik, für die anderes Klangmaterial zwingend nötig ist.
was meinst du damit? was hat Zacher versucht?
 
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MartinH
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Schon länger her, ich glaube , es war in "Forum Kirchenmusik". Zacher versuchte, B in die Nazi-Sympathisanten-Ecke zu stellen, ohne Beweise (sein Lebenslauf alleine spricht schon hart dagegen, sein Freigeist sowieso). Für ihn reichte es meiner Erinnerung nach schon, in der Zeit komponiert zu haben (wovon sich jeder bedienen kann) und Mendelssohn schleimig o.ä. zu finden. Er bekam auch Widerrede in Zuschriften, blieb aber bei seiner Meinung. Wurde dann auch sehr schnell abgewürgt von der Schriftleitung, typisch Kirchenmusiker, Streitgespräche sind nicht so ihrs, eher haben sich vordergründig alle lieb (und mobben hintenrum).
 
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Pedall
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Es müssen keine "hochwertigen" Orgeln (was aucb immer das sein soll) sein.
Unter "hochwertig" verstehe ich: handwerklich hochwertig. So, daß eine Orgel bei anständiger Wartung 100, 150, 200 Jahre lang hält und bei Generalüberholungen lediglich Verschleißteile ausgetauscht werden müssen. Wenn z. B. komplette Windladen ausgetauscht werden müssen, kann es mit der handwerklichen Qualität nicht so weit her gewesen sein.

Daß man qualitativ minderwertige Instrumente irgendwann entsorgt, nun ja, das ist halt nun mal so.

Mit dem besseren Gründen meinte ich natürlich eine eigene Neue Musik, für die anderes Klangmaterial zwingend nötig ist.
... und Mendelssohn schleimig o.ä. zu finden.

Das lohnt sich doch, hier mal festzuhalten: Bornefeld hielt also nicht nur seine eigenen Kompositionen für unendlich "besser" als z. B. Mendelssohns Kompositionen, sondern er hat auch, wo er konnte, alle Orgeln vernichtet, auf denen Mendelssohn, Brahms, Reger etc. ordentlich darstellbar waren.

Bornefeld hatte auch keine Skrupel, Schleifladenorgeln aus Mendelssohns Zeit zu zerstören.

Diesen Kahlschlag auch heute noch (!) mit "besseren Gründen" zu rechtfertigen, ist ein neuer Höhepunkt der Realsatire, die Du hier zum besten gibst.

Bornefeld hat ja nicht nur seine eigene Dienstorgel zur Spielwiese für seine Klangexperimente umfrisiert, sondern Hunderten von Organistenkollegen, die (aus guten Gründen) lieber Mendelssohn als Bornefeld spielen, mit zweifelhaften Dienstinstrumenten "beglückt". Die meisten davon sind Dorforgeln, die mehr oder weniger nach Schema F gestaltet sind, von "kreativ" kann da keine Rede sein.
 
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MartinH
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Wo schrieb oder zitierte ich, dass Bornefeld seine eigenen Kompositionen für unendlich besser (als Mendelssohn) hielt? Im Übrigen schätzten die Brahms, Reger etc. sehr, die wurden regelmäßig auf den Heidenheimer Tagen gespielt und besprochen. Und dass Mendelssohn viel gespielt wird, sagt ja nun nichts über die Qualität. Er bedient halt (mittlerweile dann doch zu Tode gerittene) Hörerwartungen und ist nicht übermäßig schwer. Besonders kreativ oder toll kann ich das alles persönlich nicht finden. Und aus Bornefelds Sicht erst recht verständlich. (Wie gesagt, schäbig ist es, auch damit rechte Gedankenkonstrukte zu unterstellen, wie es Zacher versuchte - das war ja der Ausgangspunkt.)
Die "besseren Gründe" beziehen sich, wie schon geschrieben, auf den Vergleich mit unserer Zeit. Nur um irgendwas altes, im Klangtrend liegendes stilgerecht aufführen zu können, abzureißen, ist nun ein sehr schwaches Argument.
Seine eigene Dispositionen und Gedanken sind sehr wohl kreativ, dem spricht nicht entgegen, dass er in "Größenklassen" dachte. Bei 15 Registern zB einen 16' zu haben, hat was.
Im Übrigen ist auch hier die Zimbel wunderbar silbrig und überhaupt nicht schrill, was ja immer wieder behauptet wird, das Hörnlein sehr vielseitig etc. Wenn man dann noch bedenkt, mit wie wenig Geld (und Zeit) damals gebaut wurde... Was vor allem fehlt, sind Anregungen, solche Instrumente stilgerecht einsetzen zu können. Da muss es dann eben nicht der xte schwäbische Kleinstmeister sein.
PS Nebenbei: es gibt op. 127 auf der Michaelskirchenorgel Heidenheim. Soviel zu den Orgekbewegten, die die Romantik hassten....
 
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Pedall
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Wo schrieb oder zitierte ich, dass Bornefeld seine eigenen Kompositionen für unendlich besser (als Mendelssohn) hielt?

Guckst Du hier:
Vielleicht schaust Du nochmal nach, wie das Bornefeld-Zitat genau lautete. War es nicht etwas mit "Dreck"? "Süßlicher Dreck" oder so?

Es ist Dir unbenommen, Bornefelds Musik toll und Mendelssohns Musik weniger toll zu finden. Auch abseitige Geschmäcker haben ihre Berechtigung. Nur solltest Du halt die Tatsache zur Kenntnis nehmen, daß Bornefeld seinerzeit Orgeln, die seinem persönlichen Geschmack nicht entsprachen, planmäßig und mit einer Besessenheit sondersgleichen vernichtet hat, während heute Bornefeld-Orgeln halt nicht planmäßig vernichtet werden. Die meisten stehen noch, und solange sie nicht technisch marode sind, werden sie in den meisten Fällen auch weiter stehen bleiben.

Ich wüßte auch nicht, daß Zacher sich dafür stark gemacht hat, Bornefeld-Orgeln zu zerstören. Er hat halt seine Musik nicht gespielt. Seine Begründung mag ideologisch motiviert gewesen sein, das mag man mit Fug und Recht kritisieren, aber Zacher ist inzwischen tot.
Deine Tiraden hier sind auch ideologisch motiviert, und dafür erntest Du ebenfalls die gebührende Kritik.
 
agraffentoni
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Nebenbei: es gibt op. 127 auf der Michaelskirchenorgel Heidenheim. Soviel zu den Orgekbewegten, die die Romantik hassten....
jaja und wenn die Schüler, die auf so einer Orgel aufwachsen dann in der C-Prüfung den a-moll Choral von Franck spielen,
passiert es, (mit eigenen Ohren gehört!!!) daß auf der Prüfungsorgel mit drei Manualen und reich besetztem Schwellwerk die Solokantilene auf dem Rückpositiv mit dem Krummhorn dargeboten wird. :008:
 
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MartinH
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Da gibt's nicht viel zu gucken, weil daraus eben kein getaner Vergleich mit seiner eigenen Musik hervorgeht.
Vielleicht schaust Du nochmal nach, wie das Bornefeld-Zitat genau lautete. War es nicht etwas mit "Dreck"? "Süßlicher Dreck" oder so?
Kann sein, wen es interessiert, kann ja im Pfeifenorgelforum nachlesen, wo jemand direkt zitierte.
Es ist Dir unbenommen, Bornefelds Musik toll und Mendelssohns Musik weniger toll zu finden. Auch abseitige Geschmäcker haben ihre Berechtigung. Nur solltest Du halt die Tatsache zur Kenntnis nehmen, daß Bornefeld seinerzeit Orgeln, die seinem persönlichen Geschmack nicht entsprachen, planmäßig und mit einer Besessenheit sondersgleichen vernichtet hat, während heute Bornefeld-Orgeln halt nicht planmäßig vernichtet werden.
Tja, der eine nennt's Besessenheit, der andere Überzeugungstaten mit aus der Zeit gut nachvollziehbaren Gründen.
Die meisten stehen noch, und solange sie nicht technisch marode sind, werden sie in den meisten Fällen auch weiter stehen bleiben.
Das muss sich erst noch zeigen in unserer Zeit (mit offensichtlich recht viel Geld, meist von Ahnungslosen). Kleines, vielsagendes Beispiel (leider hinter Paywall mittlerweile): https://www.gea.de/neckar-alb/ueber...in-opfer-des-orgel-streits-_arid,2904326.html. Vielleicht kommt aber auch die Komplettabwicklung dazwischen.
Ich wüßte auch nicht, daß Zacher sich dafür stark gemacht hat, Bornefeld-Orgeln zu zerstören.
Und ich wüsste nicht, dass das jemand behauptet hätte. Er hatte überhaupt wenig Ahnung von der Person und seinem Unfeld, dafür ein umso härteres und falsches Urteil, direkt verleumderisch.
Komisches Argument. Nebenbei: Bornefeld war zu Zachers "Ausführungen" auch bereits tot. (Das war aber nur so ein Nebenthema, das auch nicht wirklich in den Thread hier passte.)
Deine Tiraden hier sind auch ideologisch motiviert, und dafür erntest Du ebenfalls die gebührende Kritik.
Völlig falsch, meine Meinung soll nur einen kleinen Kontrapunkt zu der heute vorherrschenden, wohlfeilen üblichen Meinung (die man Ideologie nennen könnte...) über manche Protagonisten dieser Zeit darstellen. Ich wartete ja darauf, dass mich jemand überzeugen könnte, dass ich falsch liege (auch zum Hauptthema dieses Threads) - ist nicht passiert, stattdessen hat sich mein Eindruck nur noch verstärkt.
 
 

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