Die maßlose Orgelwelt


P
Pedall
Dabei seit
30. Aug. 2014
Beiträge
2.505
Reaktionen
2.458
Gehe mal davon aus, dass ich besser informiert bin, als Du mich hier darstellen willst.
Kann schon sein, daß Du besser informiert bist, als Du selber Dich hier darstellst. Den Verdacht habe ich ja schon länger.

Aber solange Du hier dummes Zeug schreibst, behandle ich Dich als jemand, der dummes Zeug schreibt.

Krächzende Rohrpommern sind mir nicht bekannt,
Dabei habe ich kurz vorher Bornefelds Klangvorstellungen zu einem Rohrpommer zitiert: "so herb, obertönig und fauchend wie nur möglich".
:001:

Nein, ich meinte aber die klangliche Seite
Das ist doch derselbe Bullshit. Damit sagst Du expressis verbis, klanglich sei alles, was Schmahl 1768, Goll 1800, Gruol 1843, Steinmeyer 1866, Weigle 1879 oder Link 1905 abgeliefert hätte, dasselbe gewesen - eine "trostlose Monokultur". Früher genannt wurde schon die Schäfer-Orgel von 1873 in Murrhardt. Dann fällt mir noch die Gessinger-Orgel in Gröningen (1755) ein, die bis 1965 noch weitgehend erhalten war, und mit der Gemeinde und Organistin offensichtlich ganz glücklich waren, so daß sie sie nur instandsetzten wollten. Der als Berater hinzugezogene Bornefeld erklärte jedoch die Barockorgel für einen "höchst fragwürdigen Anachronismus" und schwatzte der Gemeinde einen Orgelneubau auf.

Abgesehen von der klanglichen Seite wurden auch einige Barockgehäuse "entsorgt", darunter Crailsheim-Ingersheim (1710, außer dem Gehäuse soll auch das von Allgeyer erbaute Orgelwerk soll in verändertem Zustand noch bis 1965 erhalten gewesen sein) oder Jagstheim (1742).


Im übrigen sind durchaus einige in seinem Bereich übriggeblieben
Ist mir bekannt; ich habe nichts Gegenteiliges behauptet, sondern: Bornefeld hat in seinem Tätigkeitsbereich eine trostlose Monokultur angestrebt (und leider auch weitgehend durchgesetzt); es ist ihm nicht gelungen, in seiner Wirkungszeit alles Vorhandene zu zerstören. Die Aalener Allgeyer-Orgel hätte er 1973 noch vernichtet, wenn er nicht schon aus dem Amt geschieden wäre.

"... aus dem Jahre 1959 existiert eine Auflistung 'denkmalwürdiger' Instrumente. Für die Dekanate im Ostalbkreis und in Hohenlohe sind darin insgesamt 58 Instrumente erfasst, und zwar in den Kategorien:
Klang und Gehäuse erhalten = 37 Orgeln
[...]
Heute, im Jahr 2014 ist davon noch folgender Bestand vorhanden:
Klang und Gehäuse erhalten = 14 Orgeln
[...]
Die meisten historischen Instrumente verschwanden also nicht in den Kriegszeiten, sondern ganz oder teilweise in der Zeit zwischen 1960 und 1980..." (Burkhart Goethe, Restaurierung und Orgeldenkmalpflege, in: Die Königin von St. Johann Aalen)

Da sind so die Problemchen der heutigen Orgelwelt

Hast recht, heute überlegt man sich genau, ob man an einer 200 Jahre alten Pfeife herumdoktern soll oder nicht. Dein Orgelheld hätte gleich die ganze Orgel auf den Müll gekippt.

Ich finde ja auch, man muss nicht jede romantische Dorforgel, nach Standardrezept für übliche Choralbegleiting erbaut, so überhöhen,

Muß man nicht, aber auch die romantische Dorforgel hat ihre Daseinsberechtigung, ebenso wie die barocke Dorfkirchenorgel oder die romantische Stadtkirchenorgel. Und diese Orgeltypen sind halt in manchen Regionen auffallend selten geworden.
(In der oben erwähnten Denkmalliste von 1959 waren sicher keine "romantischen Dorforgeln nach Standardrezept" aufgelistet, sie soll nur verdeutlichen, in welchem Ausmaß Instrumente, die damals schon für wertvoll erachtet wurden, aus Geschmacksgründen zerstört ...)

Welche funktionierende Orgel wurde denn dafür aus Geschmacksgründen entfernt?

Diese Frage verstehe ich in diesem Zusammenhang nicht. Um sich den Luxus einer unnötigen Zweitorgel zu leisten, muß man doch nicht unbedingt zuerst eine Orgel entfernen.
 
M
MartinH
Dabei seit
28. Mai 2008
Beiträge
631
Reaktionen
139
Aber solange Du hier dummes Zeug schreibst, behandle ich Dich als jemand, der dummes Zeug schreibt.
Das ist Deine Meinung, nicht mehr und nicht weniger. Wie gesagt, keine Argumente hier konnten mich bislang von meiner Ansicht abbringen (was ich durchaus für möglich gehalten habe), im Gegenteil. Wer austeilt, muss aber auch einstecken können, da habe ich auch keinerlei Probleme mit.
Dabei habe ich kurz vorher Bornefelds Klangvorstellungen zu einem Rohrpommer zitiert: "so herb, obertönig und fauchend wie nur möglich".
:001:
Nun ja, "krächzend" ist mir zu negativ. Was ist so schlimm an einem Rohrpommer? Guter Kontrast zum meist sehr weiten Gedackt auf II, und auch gefahrlos addierbar zu ihm.Aber ich vergaß, ist ja noch keine Orgel ohne Standard-P8 von der Halde des Zulieferers.
Das ist doch derselbe Bullshit. Damit sagst Du expressis verbis, klanglich sei alles, was Schmahl 1768, Goll 1800, Gruol 1843, Steinmeyer 1866, Weigle 1879 oder Link 1905 abgeliefert hätte, dasselbe gewesen - eine "trostlose Monokultur".
Was ist das denn für ein falsches Zitat? Von mir kommt es jedenfalls nicht. Und natürlich musste das Vorgefundene auf die Apologeten der Orgelbewegung unbefriedigend und "monoton" wirken. Was bringts, wenn die eine Gambe mehr streicht/obertöniger ist als die andere? Es wird doch auch total ausgeblendet,d ass die ja nicht wissen konnten, dass ihre Ideen sich nicht durchsetzen würden und man heute eine Mischung aus superkorrektem Museum und ausbaufähigen Kopien "weltlicher Musik" hat. Hätte ja sein können, dass originäre zeitgenössische kirchliche Musik ganz selbstverständlich würde, vielleicht sogar als quasi Gegenentwurf zur "Welt" - anstatt überwiegend Unterhaltungs- und Beschäftigungsklamauk. Habe ich es nicht schon geschrieben - wundert sich niemand, warum kaum ernstzunehmende zeitgenössische Komponisten für die Kirche was schreiben wollen (ja, ich warte schon auf die Namen der Ausnahmen)?
"höchst fragwürdigen Anachronismus" und schwatzte der Gemeinde einen Orgelneubau auf.
Da sollte ich vielleicht vorher googeln, ob ich den Begriff Anachronismus richtig verstanden habe, aber sooo falsch ist der doch aus seiner Sicht nicht.
Abgesehen von der klanglichen Seite wurden auch einige Barockgehäuse "entsorgt",
..andere dagegen weiterverwendet (Michaelskirche HDH). Alles nicht so schwarz/weiß.
Die Aalener Allgeyer-Orgel hätte er 1973 noch vernichtet, wenn er nicht schon aus dem Amt geschieden wäre.
Was hätte er vernichtet? Das Gehäuse und die Hinterlassenschaften. Was war denn von dem Original-Pfeifenwerk überhaupt noch vorhanden? Edit: OK, ein bisschen was: https://organindex.de/index.php?title=Aalen,_Johanniskirche
1973 mit durchaus schon geänderter Sicht auf Denkmäler zeigt aber dann doch eine ziemliche Sturheit. Man ändert sich wohl halt nicht mehr im Alter. Aber: ist das nicht doch eine (unvorstellbar teure - stimmt das denn mit den 0,3 Mille - kann eigentlcih kaum sein, und nicht, dass ich gar verleumde) Totalrekonstruktion - da stört mich der andauernd unscharf verwendete Begriff "Restaurierung" auch, nebenbei? Wenn dem so ist: das hätte man so nach "Literatur" und. Vergleichen zu identischen Kosten überall bauen können, oder auch nicht. Und ich muss auch sagen, ich finde es schlicht fragwürdig, dass dafür Denkmalmittel in meist riesigem prozentualen Umfang fließen.
Die meisten historischen Instrumente verschwanden also nicht in den Kriegszeiten, sondern ganz oder teilweise in der Zeit zwischen 1960 und 1980..." (Burkhart Goethe, Restaurierung und Orgeldenkmalpflege, in: Die Königin von St. Johann Aalen
Alles bekannt, andere Zeiten, andere Sitten. Wir heute haben ja gar keine andere Wahl, als gute alte Zeiten zu kopieren, mangels eigener Ideen. Natürlich kann man sagen, dass bestimmte Klangvorstellungen und auch Harmonien "universell" sind.
Hast recht, heute überlegt man sich genau, ob man an einer 200 Jahre alten Pfeife herumdoktern soll oder nicht. Dein Orgelheld hätte gleich die ganze Orgel auf den Müll gekippt.
Da Du mich am vehement in die Ecke schieben willst: ich habe das nicht per se gutgeheißen, aber daran appelliert, die Zeitumstände mehr in den Blick zu nehmen. Wie gesagt, dass es sich so entwickelt, wie es heute ist, konnten die doch nicht ahnen (anfangs). Für Bornefeld man man allerdings froh sein, dass er nicht mehr erleben muss, wie seine Vorahnungen alle "übertroffen" wurden.
Diese Frage verstehe ich in diesem Zusammenhang nicht. Um sich den Luxus einer unnötigen Zweitorgel zu leisten, muß man doch nicht unbedingt zuerst eine Orgel entfernen.
Gemessen an Raumgröße sind sogar die addierten Registerzahlen - und erst recht ursprünglichen Baukosten, ein kleiner Bruchteil heutiger Kosten- dort nun wirklich nicht übermäßig. Man kann dankbar sein, dass wenigstens diese zwei größeren Orgeln unverändert erhalten geblieben sind. Das wird ja wohl nicht zuviel verlangt sein angesichts seiner produktiven Kompositions- und Orgelpflegertätigkeit. Und heute ist das angewandter Denkmalschutz.
 
Zuletzt bearbeitet:
agraffentoni
agraffentoni
Dabei seit
13. Jan. 2011
Beiträge
9.544
Reaktionen
5.389
Was ist so schlimm an einem Rohrpommer? Guter Kontrast zum meist sehr weiten Gedackt auf II
Quatsch, da ist meist eine Quintenschleuder (auch Quintade genannt) als Grundregister.
Mein letzter Beitrag in diesem Faden:
Es klingt einfach nur Scheixxe!!!!!!!

War heute an einer v. Beckerath-Orgel von 1954.
Diese Art von Intonation ist heute noch gültig!

Ich bin raus.
 
Zuletzt bearbeitet:
P
Pedall
Dabei seit
30. Aug. 2014
Beiträge
2.505
Reaktionen
2.458
Im Prinzip nichts, man kann ihn herrlich für Spezialeffekte einsetzen, auch in der röchelnden Baßlage.

Nur: Als Basis für eine groß besetzte Mixtur oder als Basis für eine Gemeindebegleitung ist das, vornehm ausgedrückt, ein mangelhaftes Surrogat.




Was ist das denn für ein falsches Zitat?
Da ist nichts "falsch", das faßt genau zusammen, was Du zum Thema "Monokultur" geschrieben hast.


Bornefeld hat hingegen in seinem Tätigkeitsbereich eine trostlose Monokultur angestrebt (und leider auch weitgehend durchgesetzt)

Übrigens fand Bornefeld selbst auch eine ziemliche Monokultur an Orgeln vor.

Ach, die waren so ziemlich alle vom selben Sachverständigen nach demselben Schema F geplant worden?
- Die Schmahl-Orgel von 1768 in Neenstetten (damals durch einen Großspender gestiftet, 1847 um ein Pedal erweitert)
- Die Goll-Orgel von 1800 in Bühlenhausen?
- Die Gruol-Orgel von 1843 in Mergelstetten (damals durch einen Großspender gestiftet)
- Die Steinmeyer-Orgel von 1866 in Trochtelfingen/Ries?
- Die Weigle-Orgel von 1879 in Ehingen?
- Die Link-Orgel von 1905 in Langenau?

Nein, ich meinte aber die klangliche Seite


andere Zeiten, andere Sitten. [...]
1973 mit durchaus schon geänderter Sicht auf Denkmäler [...]
ich habe das nicht per se gutgeheißen, aber daran appelliert, die Zeitumstände mehr in den Blick zu nehmen. [...]
Hast Du zur Kenntnis genommen, was ich im letzten Beitrag zitiert habe? 1959 war man schon längst so weit, historische Orgeln wertzuschätzen. Der Großteil der als denkmalwürdig eingestuften Orgeln in der Region Hohenlohe/Ostalb wurde nach 1959 innerhalb weniger Jahre abgeholzt! Sogar wenn wir die Maßstäbe der damaligen Zeit anlegen, hebt sich das Wirken dieses "Orgelpflegers" als besonders maßlos und rücksichtslos ab.

Daß seinerzeit freudig die eine oder andere pneumatische Orgel der Spätromantik (die wurden von der Denkmalpflege noch weitgehend ignoriert*) geopfert hat, wird man ja fairerweise den damals Verantwortlichen nicht zum Vorwurf machen wollen.






* Es gab allerdings damals auch schon Ansätze zu einer Wertschätzung zumindest einiger herausragender romantischer Orgeln, ebenso warnende Stimmen wie folgende: "Es kann nicht der Sinn einer lebendigen Kirchenmusik ... sein, daß wir allmählich in jeder Kirche den gleichen radikal das barocke Klangbild bis an die äußerste Grenze treibenden Orgel-Einheits-Typ haben" (schrieb schon anno 1962 ein Kollege mit Bornefeld-Orgel-Erfahrung...)





 
Zuletzt bearbeitet:
P
Pedall
Dabei seit
30. Aug. 2014
Beiträge
2.505
Reaktionen
2.458
... wer ist für das Verbrechen verantwortlich? :angst:

Das habe ich weiter oben auch schon mal gefragt.

Geantwortet hat dann @Stefan379.

„Das Gesicht der Laeiszhalle wird sich verändern.“ So kategorisch, wie es Alexander Steinhilber als städtischer Orgelsachverständiger beim Blick auf die Pläne und die alten Fotos an seiner Bürowand formuliert, kann man das wohl sehen, wenn alles so läuft, wie man es sich in der Kulturbehörde mit der Orgel im Großen Saal vorstellt. Dann nämlich wird in der Sommerpause 2023 als krönender Abschluss der fünfjährigen Konzerthaus-Generalsanierung eine „Zurück in die Zukunft“-Aktion gestartet: Die bisherige Orgel verschwindet. Auf ihren Platz wird hinter die Orgelpfeifen-Reihen eine detailgetreue Rekonstruktion der Walcker-Orgel installiert, die seit der Eröffnung 1908 gespielt, aber um 1950 durch das vermeintlich zeitgemäßere Instrument der Hamburger Orgelbaufirma Beckerath ersetzt wurde.​

Ob Herr Steinhilber das Projekt initiiert hat, weiß ich natürlich nicht, aber an seiner Stelle hätte ich alles getan, um diesen Unfug zu verhindern.
 
P
Pedall
Dabei seit
30. Aug. 2014
Beiträge
2.505
Reaktionen
2.458
Es wird doch auch total ausgeblendet,d ass die ja nicht wissen konnten, dass ihre Ideen sich nicht durchsetzen würden
Also, Peter Bares hat ja nun durchaus Schule gemacht; so Sachen wie Schlagwerk und Mixturensetzer werden heute sehr gern eingebaut. Dann gibt es lustige Ideen wie die winddynamische Orgel oder das Vierteltonmanual der Kasseler Martinskirche. Daß man sich das nicht in jeder Orgel leisten kann und will, versteht sich von selbst. Avantgardistische Spielereien für jede Dorforgel zu fordern, wäre ja Unsinn. Der Gemeindegesang besteht übrigens wie zu Bornefelds Zeiten und wie auch schon im 19. Jahrhundert aus tonalen Melodien. Avantgardistischer Gemeindegesang aus Pfeif- und Grunztönen wird sich auch dort nicht durchsetzen, wo man ihn schön mit Rohrpommern und Terznonen untermalen könnte.

Seine eigene Dispositionen und Gedanken sind sehr wohl kreativ, dem spricht nicht entgegen, dass er in "Größenklassen" dachte. Bei 15 Registern zB einen 16' zu haben, hat was.
Da hat er mal punktuell etwas anderes ausprobiert - wenn ich mit solcherlei Beispielen "belegen" wollte, daß die heutigen Orgeldisponenten "kreativ" sind, würdest Du mich mit Recht auslachen. (Daß zwei quintierende Grundregister 16' + 8' als einzige Basis für ein "Hauptwerk" dispositioneller Unfug sind, weißt Du vermutlich selber, auch wenn Du es vor dem Forenpublikum nicht zugeben wirst.)

Ansonsten besteht die "Kreativität" vieler orgelbewegter Disponenten (einschließlich Bornefelds) darin, daß man das norddeutsche Barockschema mit Hauptwerk, Rückpositiv und/oder Brustwerk, eventuell Oberwerk abkupfert, meist mit der schematischen "Standard"-Prinzipalbasis Pedal 16', Hauptwerk 8', Rückpositiv 4', Brustwerk 2' - viel dogmatischer, als es die barocken Großmeister selbst handhabten. Die "kreative (?) Weiterentwicklung" besteht eigentlich nur noch darin, daß man im Vergleich mit dem Vorbild an Grundstimmen und Zungen über Gebühr spart und dafür die Aliquoten über Gebühr vermehrt.

Wenn man heute auf historische Vorbilder zurückgreift, ist das im Grunde ein Erbe der Orgelbewegung. Nur ist man heute glücklicherweise nicht mehr auf die "nordische" Monokultur fixiert. Es darf je nach Gelegenheit auch süddeutsch-barock, französisch-barock, englisch-romantisch und alles mögliche andere sein, mal stilrein bis zur Kopie, mal bunt gemischt.
 
M
MartinH
Dabei seit
28. Mai 2008
Beiträge
631
Reaktionen
139
Quatsch, da ist meist eine Quintenschleuder (auch Quintade genannt) als Grundregister.
Mein letzter Beitrag in diesem Faden:
Es klingt einfach nur Scheixxe!!!!!!!
Wenn Du solche Orgeln wirklich kennst, dann muss man Dir die Meinung natürlich zugestehen. Viele kennen die aber nicht, und steigen nur "in den "Trend" ein. "Gscheiter 8'" (ich behaupte, zuviel Grundtöniges in kleinen Räumen ist auch meist unbefriedigend und nervig), weinerlicher Streicher usw. Eine Quintade auf II bei kleinen Orgeln bei Bornefeld fällt mir überhaupt nirgends ein. Das Gedackt dort ist meist eher leise, aber durchaus tragfähig und grundtönig. Übrigens kenne ich dort auch recht weite 2'-Flöten. Ich will das alles nun nicht in den Himmel loben, es ist aber meist ordentlich, und man kann regelmäßig mehr machen, als gemacht wird.
War heute an einer v. Beckerath-Orgel von 1954.
Diese Art von Intonation ist heute noch gültig!
Wobei da durchaus auch öfter nachjustiert wird. Abgesehen von bescheidenen Mitteln und nun viel größerer Erfahrung und Vergleichsmöglichkeiten (und wissenschaftlicher Hilfen) dürften sich auch unsere Hörgewohnheiten deutlich geändert haben. Universeller ist es aber sicher.
 

M
MartinH
Dabei seit
28. Mai 2008
Beiträge
631
Reaktionen
139
Also, Peter Bares hat ja nun durchaus Schule gemacht; so Sachen wie Schlagwerk und Mixturensetzer werden heute sehr gern eingebaut.
Naja, wer spielt Bares? Da gibt es ja Unmengen an (auch verlegten) Noten. Und ich persönlich habe ja Probleme mit viel "Effekten" an der Orgel.
es lustige Ideen wie die winddynamische Orgel oder das Vierteltonmanual der Kasseler Martinskirche.
Vor allem teuer. Ob das angemessen genutzt wird, wird sich zeigen. Bislang kann ich mir das nicht vorstellen. Abgesehen davon besuchte ich zwei *sehr* musikalisch brave (bis langweilige) Gottesdienste dort.
Daß man sich das nicht in jeder Orgel leisten kann und will, versteht sich von selbst. Avantgardistische Spielereien für jede Dorforgel zu fordern, wäre ja Unsinn.
Der Vergleich mit Bornefelds ist eh größenmäßig schief.
Gemeindegesang besteht übrigens wie zu Bornefelds Zeiten und wie auch schon im 19. Jahrhundert aus tonalen Melodien.
..aber nicht zwangsläufig dieser langweilig-funktionalen immergleichen Begleitung, wie man sie heute überwiegend hört. Fängt schon bei der Missachtung von Kirchentonalem an. Ich habe mir früher tatsächlich manchmal die Mühe gemacht, Bornefeld-Begleitsätze transponiert zu spielen.
Wenn Gemeindelieder übrigens mal etwas "ausgefallener" werden, wie zB die Melodien von Manfred Schlenker, werden sie entweder nicht kapiert (Organist) oder nicht angenommen (Gemeinde). These: die Welt wird immer komplizierter, der musikalische Geschmack immer einfacher und retardierter.
Gemeindegesang aus Pfeif- und Grunztönen wird sich auch dort nicht durchsetzen, wo man ihn schön mit Rohrpommern und Terznonen untermalen könnte.
Genau das hat mir Bornefeld und Kollegen ja nichts zu tun, eher mit der heutigen "effektgeilen" Avantgarde (die sich ja auch gern von dieser Zeit absetzt).
Daß zwei quintierende Grundregister 16' + 8' als einzige Basis für ein "Hauptwerk" dispositioneller Unfug sind, weißt Du vermutlich selber, auch wenn Du es vor dem Forenpublikum nicht zugeben wirst.
Ein Plenum rechnet da natürlich mit angekoppeltem Oberwerk und eine Mixtur wird m.E. mehr von dem 4' als dem 8' getragen. Man kann auch öfter hören (neue Instrumente), dass zuviel "Standard-Grundtöniges" in Dorfkirchenakustik (und über die reden wir bei Bornefeld fast ausschließlich) nichts ist und direkt nervt (mich).
Was soll an Bornefelds Dispositionsweise dogmatisch sein? Im Gegenteil, er hat "Stellvertretungen" und Mehrfachnutzungen bis ins Unmögliche ausgereizt. An barocken Dispositionen/der Nachahmung dieser waren die auch überhaupt nicht interessiert, das wird nur oft fälschlich unterstellt. Daß die Instrumente so verschrien sind, liegt ja auch vor allem daran, dass die Musik dieser Leute eben auch völlig abgelehnt wird. Oder, fast schlimmer noch, quasi unbekannt ist. Dass "wir" heute kompositorisch Besseres zu bieten hätten, kann ich auch nicht sehen.
 
P
Pedall
Dabei seit
30. Aug. 2014
Beiträge
2.505
Reaktionen
2.458

Bei @agraffentoni kannst Du davon ausgehen, daß er sehr genau weiß, wovon er schreibt.

Naja, wer spielt Bares? Da gibt es ja Unmengen an (auch verlegten) Noten.

Wir sprachen eigentlich von orgelbaulichen Ideen, nicht von Kompositionen. Allerdings hat Bares nicht nur komponiert, sondern auch improvisiert, und er hat andere zum Komponieren und Improvisieren angeregt. Insofern könnte man sagen, daß er auch auf diesem Gebiet "Schule gemacht" hat.

Der Vergleich mit Bornefelds ist eh größenmäßig schief.
Was genau vergleichst Du jetzt?

Wenn Gemeindelieder übrigens mal etwas "ausgefallener" werden, wie zB die Melodien von Manfred Schlenker, werden sie entweder nicht kapiert (Organist) oder nicht angenommen (Gemeinde).
Ersteres sollte nicht vorkommen, kommt in unserer unvollkommenen Welt aber natürlich vor.
Zweiteres hat meist seinen guten Grund. Eine Gemeinde ist kein Chor, mit dem man schwierige Stellen so lange proben kann, bis sie sitzen. Man kann die Melodie vorspielen, vorsingen, nachsingen lassen, mit vokal-instrumentaler Unterstützung, dann nur mit instrumentaler Unterstützung, und dann läuft die Melodie - oder sie läuft eben nicht. Und eine funktional-harmonische Unterstützung ist halt sehr hilfreich beim Lernen der Melodie, eine harmonisch kühne Begleitung ist zunächst mal eher verwirrend und kontraproduktiv. Wenn die Melodie dann richtig sitzt, läuft sie auch mit gewagterer Harmonisierung.
Wenn die Melodie aber trotz professioneller Begleitung auch beim x-ten Versuch nicht funktioniert, dann ist der Gemeinde kein Vorwurf zu machen, sondern dann hat eben der Komponist "nicht kapiert", wie Gemeindegesang funktioniert.
Solche Melodien schaffen es gleichwohl immer wieder in die Gesangbücher (oft aus theologischen Erwägungen, weil man den Text so gern drin haben möchte), in der nächsten Gesangbuch-Generation sind sie dann wieder draußen.


These: die Welt wird immer komplizierter, der musikalische Geschmack immer einfacher und retardierter.
Gegenthese: Der musikalische Geschmack der großen Masse ändert sich nur graduell; die Avantgarde hat sich halt in den letzten 150 Jahren in großen Schritten sehr weit von diesem Geschmack entfernt.
Und was Bornefeld vor 70 Jahren an Avantgardistischem ausprobiert hat, ist für den musikalischen Normalverbraucher nervtötend, für den heutigen Avantgarde-Freak dagegen piefig und dröge.

... und eine Mixtur wird m.E. mehr von dem 4' als dem 8' getragen.
Dann klingt es halt eine Oktave höher.
Bornefeld war ja der Meinung, daß "die Prinzipalkraft einer Orgel viel eher von den Mixturen als von den Einzelreihen abhängt", deshalb sind die Grundreihen oft so unterbelichtet. Dieser Ideologie folgend glaubte er, im Murrhardter Hauptwerk "zwar etwas mildere Prinzipale, dafür aber eine desto dichtere Mixtur" disponieren zu können, zur Verzweiflung der Orgelbauer, die das dann bauen mußten.

Gerhard Walcker-Mayer schrieb rückblickend (damals stand die Orgel noch):

Das Instrument wurde von mir nach meiner Meisterprüfung als erstes größeres Instrument installiert. Dabei werde ich die Zusammenarbeit mit dem „umstrittenen“ Bornefeld nicht so schnell vergessen. [...]
In musikalischen Dingen jedoch, Disposition, Intonation konnte man eine Versessenheit bei ihm antreffen, die zur Borniertheit ausarten konnte. [...]
Am Klang dieser Orgel kann man sich überzeugen, dass Bornefeld einfach „Unrecht“ hatte: Im Hauptwerk fehlt ein anständiger Prinzipal 4’ und die kleinchörigen Aliquoten kann man heute nicht mehr hören. Dennoch ein historisch interessantes Werk [...]


An barocken Dispositionen/der Nachahmung dieser waren die auch überhaupt nicht interessiert, das wird nur oft fälschlich unterstellt.

Vollkommen richtig, ich habe derlei auch nicht unterstellt. Trotzdem galten die (vom norddeutschen Barock abgeleiteten) "klassischen Orgelbauprinzipien" als unhinterfragbares Dogma, auch für Bornefeld. Und Du kannst ja mal Dispositionen wie Murrhardt oder Schorndorf und Schnitger-Dispositionen mit Hauptwerk, Rückpositiv, Brustwerk nebeneinanderhalten, dann siehst Du schnell, daß das Grundprinzip abgekupfert ist; die "kreative" Abwandlung besteht daraus, daß zugunsten überflüssigen Obertongeklingels an der Substanz gespart wird.
(Das ist jetzt vielleicht hart ausgedrückt - ich persönlich finde die Klänge, die man mit Nonenkornett und Unruh erzeugen kann, sehr reizvoll, aber wir wollen hier ja nicht Geschmacksfragen erörtern, sondern uns an Tatsachen halten, oder?)


Dass "wir" heute kompositorisch Besseres zu bieten hätten, kann ich auch nicht sehen.

Ich habe mal die Aufzeichnung eines Konzerts aus der Kunststation St. Peter gehört, da waren tolle Sachen dabei. Im Gegensatz dazu erinnere ich mich an ein Konzert, wo nur Bornefeld dargeboten wurde, das war tadellos musiziert, aber es hat mich nichts vom Hocker gerissen. Ist aber natürlich auch Geschmackssache.
 
Zuletzt bearbeitet:
M
MartinH
Dabei seit
28. Mai 2008
Beiträge
631
Reaktionen
139
Die teure Schweiz mal wieder:

Hört, hört, auch vorsichtig-kritische Töne, "selten zu hören sein" und es werden Leute erwähnt, die neu und teuer gar nicht gut fanden.
Überrascht mich ja überhaupt nicht. Auch das darf ich ja maßlos finden. Und welche ollen Orchester-Kamellen werden dann in Endlosschleife gespielt? Gibt ja so wenig Auswahl (*ironie off). Hauptsache Druck... *gähn* Ich erwarte ja auch, dass jetzt die Massen kommen, die angewidert von der alten Orgel waren. Oder? Aber Hauptsache, die immergleichen Protagonisten haben ein neues Spielzeug und der Dirgenten Orgelwünsche sind erfüllt (wo hatte ich das kürzlich gelesen...). Wobei die ja oft erschreckend wenig Ahnung von den Orgelbasics haben. Aber Stars können auch so (Unmögliches) befehlen...

Wie der Artikel wohl weitergeht? Ganz böse, leise Kritik an der schönen neuen teuren Orgelwelt....
 
M
MartinH
Dabei seit
28. Mai 2008
Beiträge
631
Reaktionen
139
Mach doch mal einen neuen Thread "Die maßlosen Schweizer" auf...
Och nö, man will ja die anderen Länder nicht benachteiligen. Aber apropos Schweiz: wo war das gleich, wo eine neue Orgel mit historischen Spielmensuren nach wenigen Jahren entfernt werden soll zugunsten was
"Pflege- (bzw. "Spiel-)leichterem". Komplettes Luxusproblem. Nicht nur, solange zB in der Uckermark Kirchendächer über Jahrzehnte abgestützt werden müssen.
 
 

Top Bottom