C(h)orona - Chorsingen in Zeiten von Covid19

Rheinkultur

Super-Moderator
Mod
Dabei seit
Apr. 2012
Beiträge
9.086
Reaktionen
7.963
Darf ich wenigstens unter der Dusche solo singen? (Für Duett würde bei den Abstandsforderungen der Platz nicht reichen.)
Es sei denn, Du hast als Hausmeister oder als Teil des Aufsichtspersonals Zutritt zur Mannschaftsdusche eines Sportvereins Deines Vertrauens. Da könnte ausreichend Platz zum Abstandhalten vorhanden sein. Ein paar Oldies in chronologischer Reihenfolge zum Sauberwerden:
LG von Rheinkultur
 
Dabei seit
Apr. 2015
Beiträge
2.577
Reaktionen
2.209
Oh, sorry, heute Vormittag war der Artikel noch frei zugänglich.

In a nutshell: Abstand halten und gute Lüftungsanlage. Einfach Fenster aufreißen gibt wohl nicht zuverlässig den gewünschten Effekt.
 

trm

Dabei seit
Juli 2017
Beiträge
696
Reaktionen
824
Bezahlschranke. Was war denn das Ergebnis ?
"Zusammenfassend lässt sich sagen: Empfohlen werden große Räume, wenig Sänger, maschinelle Lüftung und Pausen nach jeweils dreißig Minuten. Die Studie der LMU München empfiehlt für die Sänger Seitenabstände von anderthalb, in Singrichtung von zweieinhalb Metern. Dirk Mürbe von der Charité sagt dazu: „Wir müssen unterscheiden zwischen der Aerosolverteilung in großen Räumen und dem Nahfeld. Die Verteilung in Räumen war bislang nicht untersucht worden. Im Nahfeld, wo es auch um Infektion durch Tröpfchenübertragung geht, gehen verschiedene Expertenmeinungen von einem frontalen Regelabstand von etwa zwei bis zweieinhalb Metern aus. Auch meine Empfehlung wäre, dass dem Sicherheitsbedürfnis vor Tröpfchen im Nahfeld mit diesem Abstand gut gedient ist.“

Bernhard Heß vom Rias-Kammerchor hilft die Studie in der Argumentation gegen das totale Singverbot. Er sucht bereits nach einem Lüftungskonzept beim Proben, damit der Chor wieder arbeiten kann. Klaus Lederer, Berlins Kultursenator, hat für den 21. Juli die Direktoren der Rundfunkchöre sowie Vertreter der Chorverbände und der Kirchen zu sich eingeladen. Dann wird hoffentlich ein Gespräch stattfinden, bei dem Empirie über Hysterie siegt."
 

Rheinkultur

Super-Moderator
Mod
Dabei seit
Apr. 2012
Beiträge
9.086
Reaktionen
7.963
Dirk Mürbe von der Charité sagt dazu: „Wir müssen unterscheiden zwischen der Aerosolverteilung in großen Räumen und dem Nahfeld. Die Verteilung in Räumen war bislang nicht untersucht worden. Im Nahfeld, wo es auch um Infektion durch Tröpfchenübertragung geht, gehen verschiedene Expertenmeinungen von einem frontalen Regelabstand von etwa zwei bis zweieinhalb Metern aus. Auch meine Empfehlung wäre, dass dem Sicherheitsbedürfnis vor Tröpfchen im Nahfeld mit diesem Abstand gut gedient ist.“
Und meine Erfahrung im Laienchorwesen wäre die, dass der typische Chorsänger gar keine Aerosole über nennenswerte Entfernungen hinweg zu transportieren vermag. Da sitzt bei den Proben des Männergesangvereins von Achtzehnhundertnochwas in der zweiten Reihe seit Jahrzehnten so ein Achtzigjähriger trotz erfolgtem Einsingen mit leichten Stimmbildungsübungen mit wenig Körperspannung und geringem Stimmvolumen in eher unzweckmäßiger Haltung und starrt auch bei seit Jahrzehnten gesungener Standardliteratur auf die Noten seines Notenblatts, die er gar nicht lesen kann. Daran ändern auch die ständigen Ermahnungen seines Chorleiters nichts, bitte mehr zu ihm nach vorne zu schauen, damit alle synchron einsetzen und präzise das "st" auf der Schlagzahl Drei und nicht auf Drei+und absprechen. Da er nicht auf Sicht und nur vage aufs Gehör agiert und reagiert, singt er nur leise, weil sonst nicht nur die Nebensitzer mitbekämen, dass er alles falsch macht. Da kämen selbst ohne jeglichen Sicherheitsabstand keinerlei Aerosole in der Reihe vor ihm an. Selbst wenn so ein Chor achtzig oder mehr solcher Sänger aufweisen sollte, würde dieser Klangkörper in keiner Stimme so etwas wie einen tragfähigen Chorklang entwickeln. Nun ist so eine Stimmlage keineswegs homogen besetzt und es gibt auch sichere Sänger mit kräftiger Naturstimme, die auswendig mit abgesenkter oder geschlossener Notenmappe den unsicheren Mitsängern den gemeinsamen Part mit geballter Kraft in die Ohren brüllen, damit sie mal endlich die richtigen Töne treffen sollen. Zum einen ist eine solche "Hilfslehrertätigkeit" dem Chorklang abträglich und zum anderen fliegen da die freiwerdenden Aerosole tatsächlich drei oder vier Meter weit. Wie will man da eine verbindliche und plausible Abstandsregelung ermitteln und festlegen?

LG von Rheinkultur
 

Rheinkultur

Super-Moderator
Mod
Dabei seit
Apr. 2012
Beiträge
9.086
Reaktionen
7.963
Pauschale Singverbote sind übertrieben? Bin geneigt, dieser These Glauben zu schenken.

Einer meiner Männerchöre, der bei guter Witterung mit Abständen in Privatgärten seiner Mitglieder längst wieder zu proben begonnen hat, kooperiert mit einem kleineren Nachbarchor (ebenfalls unter meiner Leitung). Dessen Mitglieder lehnen es beharrlich ab, an unseren Open-Air-Proben teilzunehmen. Wir täten schließlich etwas Verbotenes und sie wollten deshalb einen späteren Zeitpunkt zur Wiederaufnahme der Proben abwarten. An gemeinsamen Treffen in den Innenräumen des Vereinslokals zum Bier trinken sollte sie dies nicht hindern: Auf einem über die gemeinsame WhatsApp-Gruppe verbreiteten Schnappschuss sah man zehn nicht miteinander verwandte Chorsänger an einem einzigen Tisch zusammen sitzen - keinerlei Abstand voneinander und natürlich auch ohne Masken oder sonstige Schutzmaßnahmen. Aber an der frischen Luft mit Abstand zusammen singen geht ja nicht. So ist es: Wer will, findet Wege - wer nicht will, findet Ausreden.

Vielfach ist Corona auch eine beliebt gewordene Lieferantin für Ausreden geworden. Des Rätsels Lösung im oben beschriebenen Falle: Der klein gewordene Chor war in seinen Glanzzeiten (dreißig bis fünfzig Jahre her) mehrfach Meisterchor bei zeitweilig starker Besetzung mit über sechzig leistungsorientierten Mitgliedern, hat aber seine letzten Neuzugänge noch im alten Jahrhundert/Jahrtausend verzeichnen können. Neue und populäre Literatur, wie sie der Nachwuchs habende und deutlich größer gewordene Bruderverein gerne singt. wird abgelehnt und teilweise boykottiert ("unsere Alten wollen so was nicht"). Da bei den nächsten anstehenden Auftritten nach Corona der innovative Partnerchor federführend ist, müsste man ja die heiß geliebten klassischen Chorsätze im gammligen alten Notenschrank lassen (die man mit den verbliebenen paar Sängern sowieso nicht mehr befriedigend singen kann) und da hat man leider so gar keine Lust darauf. Corona liefert die dringend benötigte Ausrede: Wir gehören ja schließlich zur Risikogruppe.

Mit einem anderen Chor hatte ich am vergangenen Donnerstag statt Probe sogar endlich mal wieder einen kleinen Auftritt: Der Ehrenvorsitzende feierte mit seiner Frau seine Goldhochzeit und der Männerchor hat seinen Auftritt coronabedingt offiziell schon längst abgesagt. Die drastisch im Aufwand reduzierte Feier fand bei ihm auf seinem Privatgrundstück statt - auf der gegenüber gelegenen Straßenseite nahm der Chor in guter Besetzungsstärke auf einer Wiese seine Aufstellung unter Einhaltung der Sicherheitsabstände und mit offizieller Erlaubnis des Ordnungsamts vor. Unter einem Vorwand lockte man die Festgesellschaft vors Haus und zum ersten Mal seit vier Monaten sang man wieder zusammen, als wäre nichts gewesen. Natürlich gab es vorab eine Verständigungsprobe im Privatgarten eines anderen Chormitglieds.

Solche Aktivitäten können für das Überleben eines Vereins in dieser verheerenden Krise noch mal sehr wichtig werden. Versinkt so ein Chor über Monate hinweg in Funkstille und totaler Untätigkeit, sucht sich möglicherweise so manches Mitglied andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Man kann sich mit anderen Hobbies beschäftigen, man kann wieder in Urlaub fahren, man kann wieder feiern gehen und braucht dazu keine (Vereins-)Gaststätte. Zu Hause ist das Bier sowieso billiger, man kann bequem auf der Couchgarnitur sitzen bleiben, die Lebensgefährtin meckert nicht darüber, dass sie den Abend wieder alleine zu Haus verbringen muss und im Fernsehen Fußball gucken ist inzwischen auch längst wieder möglich. So mancher Gesangverein wird nach Beendigung des Corona-Lockdowns vermutlich sang- und klanglos seine Notenmappen für immer zuklappen und sich auflösen. Vermissen wird ihn vermutlich so gut wie niemand, da die von ihm erreichte Öffentlichkeit schon seit vielen Jahren praktisch nur auf die Angehörigen der eigenen Vereinsmitglieder beschränkt ist.

LG von Rheinkultur
 

Dabei seit
Sep. 2015
Beiträge
2.975
Reaktionen
1.652
Das ist der Tod der Kultur. Unter solchen Bedingungen würde ich meinen Gesang lieber in die Badewanne verlagern! :dizzy:
Obwohl ich gar nicht im Chor singe, habe meine sämtlichen ehrenamtlichen Engagements bis zur Aufhebung aller Auflagen komplett abgesagt.

Ich bin ja schon gezwungen, beim Einkaufen Maske zu tragen. Aber freiwillig zum Kasper mache ich mich darüber hinaus nicht. Dann wird eben wie in der DDR künftig alles ins Private verlagert - in irgendwelche Gärten auf dem Land, Datschas und Keller. Dafür brauche ich dann auch keine Vereinsmitgliedschaften mehr - das spart auch Geld! ;-)
 
Dabei seit
Apr. 2015
Beiträge
2.577
Reaktionen
2.209
Wir haben am Wochenende mit einem kleinen Chor zu einer diamantenen Hochzeit gesungen. Draußen, mit Abstand.
Die Jubilare haben sich dermaßen gefreut, dass sich alle Anstrengungen und auch Einschränkungen dafür gelohnt haben.

(Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ich singe nicht in einem der Männerchöre von @Rheinkultur. Auch anderswo gibt's diamantene Ehejubiläen ;-) )
 
 

Top Bottom