Auch Bösendorfer unter Druck

  • #41
Wie sagte doch B.B. so treffend: Ja, mach nur einen Plan!
Und nein, es war nicht Brigitte Bardot.
 
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  • #44
Zum Thema Immobilie ist hier nun schon viel Kluges gesagt worden; vor allem die Posts von @Scarbo unterschreibe ich gerne. Das hindert mich natürlich nicht, auch noch meinen Senf dazuzugeben:

1. Betongold? - das ist Blösinn. Im Gegensatz zu diversifizierten Anlagen stellt eime Immobilie ein extremes Klumpenrisiko dar, das von nicht beeinflussbaren Faktoren bestimmt wird - es sei denn, man wohnt in einem Land, bei dem die Anwohner mitentscheiden, wer / was sich neu niederlassen darf. Selbst Top-Lagen können im Verlauf von Dekaden unter die Räder kommen. Bisherige Wertsteigerungen werden gerne genannt, können aber keine Grundlage für die Zukunft liefern.

2. Wer in hohem Maße finanzieren MUSS, begibt sich in eine Abhängigkeit, die der eines Mieters in nichts nachsteht.

3. Nach meiner Erfahrung werden (bis auf städtische Toplagen) Wertsteigerungen zum großen Teil von Instandhaltungskosten aufgefressen.

4. Finanzierungen auf der Basis von Steuervorteilen sind mir suspekt. Der Vorschlag von @mick ist zwar schlau maximal steueroptimiert, aber nur wirklich rentabel, wenn ein DAUERHAFT hohes Einkommen vorhanden ist. Und dann stellt sich mir tatsächlich die Frage nach der Moral. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist - immerhin leben wir recht komfortabel und das will finanziert sein - auch und gerade durch Subvention der unteren Einkommensschichten! Stichwort: Sozialer Frieden.

5. Meine Tochter kauft dennoch gerade ein Haus (weil die Mietsituation in GB unterirdisch ist) und als braver Papa habe ich das alles mal für sie durchgerechnet: Von Vollfinanzierung schrittweise bis hin zur Zahlung „cash“ - unter der Annahme einer heute üblichen Finanzierungsdauer von 25-30 Jahren. (Es ist also genug Geld vorhanden, um die Immobilie einfach so zu kaufen***) Das Ergebnis - unter Berücksichtigung moderater Wertsteigerungen - hat mich überrascht:

Der höchste Vermögenszuwachs ergibt sich, wenn sie zur Miete wohnt und ihr Depot nicht anrührt, gefolgt von 100% Finanzierung und dann abnehmend bis zur Nullfinanzierung. Eigentlich logisch, solange die Zinsen deutlich unterhalb der durchschnittlichen Kapitalrenditen liegen. Bei der Mietvariante funktioniert das natürlich nur, wenn man eine Indexmiete hat und nicht der Willkür eines Landlords (! nomen est omen) ausgeliefert ist.

Wir haben uns - abseits jeglicher Finanzmathematik - dann für eine 50% Finanzierung entschieden, ganz einfach, weil sich das am besten ANFÜHLT. Das führt zum letzten Punkt:

6. Egal, wie man sich entscheidet: Man muss sich wohlfühlen. Und zwar nicht nur im Moment, sondern möglichst lebenslang. Mich hätte z.B. der Kauf eines Hauses in einem normalen Wohngebiet selbst bei 1.000% Wertsteigerung unglücklich gemacht. Statt dessen habe ich ein Haus ohne Nachbarn, das bestimmt keinen Wertzuwachs erzielen wird, weil es nur eine sehr geringe Käuferschicht anspricht. ENTSCHEIDEND hierbei ist aber, dass man sich eben NICHTS VORLÜGT. Ich habe z.B. den Kaufpreis incl. aller Renovierungen und Instandhaltungen dem gegenüber gestellt, was ich wohl als Miete zu zahlen hätte. Nach 30 Jahren ist jetzt der Gesamtpreis weitgehendst „abgewohnt“ und ich (bzw. die Erben) sind gut beraten, JEDEN Kaufpreis als Gewinn anzusehen.

PS. Hilfreich ist es auch, bestimmte Dinge, die einem wichtig sind, zu „monetarisieren“. Was ist das gute Gefühl des „MEINS!" wert? Wieviel die Unabhängigkeit von Vermieterlaunen? Was ist das Feuerchen im Garten wert? Die Cannabisplantage hinterm Haus? :-D Lautes nächtliches Klavierspiel? Usw. Das hilft bei der Entscheidung enorm.

*** nein, kein Lottogewinn, sondern das Ergebnis bescheidener Spartätigkeit von Geburt an! Natürlich nicht Sparbuch, sondern Aktiendepot. Soviel zum Thema „Börse ist Roulette“
 
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  • #45
@Tastatula @Peter u. andere Mods:

Vielleicht sollte man die Postszum Thema „Eigenheim oder Miete“ in einen eigenen Faden überführen?
 
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  • #46
Vielleicht sollten Bösendorfer und andere strauchelnde Klavierbaufirmen einfach auf Drucker und Waschmaschinen umsteigen, und sich die Gewinne mit in den Geräten eingebauter Obsoleszenz einstreichen.

Alles nur noch traurig und deprimierend gerade.
 
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  • #47
Man fragt sich, wie viele und welche Klavier Hersteller (in Deutschland) überleben werden. Da die meisten deutschen Instrumente in den Export gingen, ist die Situation momentan natürlich schlecht. Bei Bösendorfer in Österreich dürfte das nicht anders sein.

China hat selbst eine Immobilienkrise. Dazu kommt, dass die ein Regierungsprogramm gestoppt haben, das außerschulische Aktivitäten wie Ehrenamt, Sport oder Musik als Voraussetzung bzw. als Chancenverbesserung für höhere Bildung vorsah. In der Folge haben sehr viele Musikläden und Musikschulen schließen müssen. Grund für den Stopp des Programms: die Eltern haben ihre Kinder dermaßen zu Höchstleistungen angetrieben, dass es sehr viele psychische Probleme gab. Massenhaft Burn Out.

Russland fällt weg wegen Ukrainekrieg und Sanktionen.

USA ist auch schwierig wegen Tump und Zöllen.

Und innerhalb Deutschlands ist es auch nicht einfach. Durch den starken Verkauf in der Coronazeit gibt es eine gewisse Marktsättigung. Dann die Konkurrenz durch Digitalpianos. Dann die wirtschaftliche Lage. Angefangen hat es mit der Energiepreisinflation wegen Ukrainekrieg. Da wurden die Leute damit konfrontiert, dass sie wohl 100 € oder auch deutlich mehr an die Stadtwerke zahlen müssen. Jeden Monat. Und dann kam der größte Sündenfall: das Heizungsgesetz. Ab dem Tag, als die Bildzeitung titelte: Habecks Heiz Hammer kam schlagartig alles zum erliegen. Da bekamen die Leute Angst weil sie nicht wussten, was sie das wohl kosten mag. Da haben viele lieber ihre Brieftasche zu gemacht und abgewartet. Und mittlerweile kommt auch noch die Angst um den Job hinzu in Zeiten von steigender Arbeitslosigkeit.

Wegen all dieser Gründe geht es der Branche äußerst schlecht. Viele kleine, aber auch große Läden schließen. Aber anderen geht es ja auch so: Möbelhersteller, Küchenmonteure, Industrie etc
 
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  • #48
Und innerhalb Deutschlands ist es auch nicht einfach. Durch den starken Verkauf in der Coronazeit gibt es eine gewisse Marktsättigung. Dann die Konkurrenz durch Digitalpianos. Dann die wirtschaftliche Lage. Angefangen hat es mit der Energiepreisinflation wegen Ukrainekrieg. Da wurden die Leute damit konfrontiert, dass sie wohl 100 € oder auch deutlich mehr an die Stadtwerke zahlen müssen. Jeden Monat. Und dann kam der größte Sündenfall: das Heizungsgesetz. Ab dem Tag, als die Bildzeitung titelte: Habecks Heiz Hammer kam schlagartig alles zum erliegen. Da bekamen die Leute Angst weil sie nicht wussten, was sie das wohl kosten mag. Da haben viele lieber ihre Brieftasche zu gemacht und abgewartet. Und mittlerweile kommt auch noch die Angst um den Job hinzu in Zeiten von steigender Arbeitslosigkeit.
Die Energiepreisinflation wegen des Ukrainekriegs galt nur für die Jahre 2022 und 23, danach haben sich die Energiepreise, insb. Bei Gas und Benzin wieder normalisiert. Was jetzt allerdings zu kontinuierlichen Preissteigerungen bei den Fossilen führt, ist die CO2-Bepreisung, wobei die daraus generierten Einnahmen in die Reduktion des Strompreises fliesst z.B. Wegfall der EEG-Umlage nach 22). Trotzdem bleibt unter dem Strich eine fühlbare Steigerung übrig.

Heizungsgesetz: das am Ende von der alten Regierung beschlossene GEG wurde nach der hitzigen Diskussion massiv entschärft, vor allem mit deutlich größeren Übergangsfristen und Ausnahmen. Das Heizungsgesetz ist ein Paradebeispiel für eine völlig verkorkste Diskussion, aber das eigentliche Gesetz expressis verbis am Ende allerdings für kaum jemanden kurzfristig ein Problem. Die psychische Wirkung war aber damals deswegen nur zeitlich gegrenzt - ein Langzeiteffekt vor allem auf den Instrumentenkauf halte ich daher für nicht stichhaltig - heute verschiebt doch deswegen aus „Angst“ niemand einen Instrumentenkauf.

Es gibt noch einen zwei weitere strukturelle Gründe, die in meinen Augen viel wesentlicher sind:
Das Problem sind nicht die verkauften Stückzahlen in Deutschland an sich, denn es werden heute immer noch genügend viele Instrumente verkauft, allerdings mehr digitale und wenn akustisch, dann in den unteren Preisregionen <= 10k€. Alle deutschen Hersteller mit Manufaktur-Produktion liegen aber deutlich darüber und können somit diese Nachfrage nicht bedienen. Das machen vor allem Yamaha und Kawai.
Und weiteres ist der Gebrauchtmarkt sehr gut gefüllt. Dazu kommt, dass das Produkt Piano bei guter Pflege (aber auch nur dann) schlicht extrem lange hält, im privaten Kontext relativ langsam verschleisst und auch so gut wie keine Innovationszyklen vorhanden sind - ein 60 Jahre altes Piano ist technisch noch aktuell. Die letzte Ibach-Gesellschafterin Sabine Falke-Ibach äußerte dazu mal völlig korrekt, dass es kaum so konservative Industrien gibt wie die Pianoindustrie.

Und dazu noch hat das Piano seine Funktion als familiäres Statussymbol verloren, wie das vor über 100 Jahren noch der Fall gewesen ist. Alle diese grundlegenden Faktoren erzeugen einen wesentlich größeren Langzeiteffekt und üben Druck auf den immer geringeren Neukaufbedarf aus. Deswegen ist die Schließung von deutschen Klavierbauunternehmen kein Effekt der letzten paar Jahre, sondern seit vielen Jahrzehnten kontinuierlich fortgesetzt.
 
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  • #49
Genau und auf den Punkt zusammengefasst.

Bei unserer Instrumentensuche hat meine Frau im direkten Vergleich eines "gehobeneren" japanischen Produkts zu den deutschen Klavieren nichts wahrgenommen, das deren doppelten Preis sachlich begründen würde. Die dreimal so teuren Klaviere waren dann gefühlt etwas besser, ja. Nur hapert es dort wieder am "zeitgenössischen Teil", sprich TransAcoustic & Co. — ein hausgemachtes Problem der Europäer.

Der fühlbare "elitäre Dünkel" der teuren deutschen Marken macht es auch nicht unbedingt besser, man hat nicht unbedingt das Gefühl sein Geld für die Leistung des Instruments abzudrücken. Dann lieber doch "Toyota" statt "BMW".
 
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  • #50
Mein Tipp für Immobilien:

Als Mann das Haus kaufen oder bauen - mit möglichst viel Fremdkapital, anschließend an die Frau vermieten. Die Miete darf bei Vermietungen innerhalb der Familie bei ca. 60% der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen, ohne dass das Finanzamt einen Gestaltungsmissbrauch anmahnt. Im Gegensatz zu einer gemeinschaftlich erworbenen, selbst genutzten Immobilie kann man nun jährlich 2% AfA steuerlich geltend machen, darüber hinaus die Zinszahlungen an die Bank. Bei einem Gebäudewert von 500.000 € beträgt allein die AfA 10.000 €/Jahr, bei Gutverdienern bringt das etwa 4.300 € Steuerersparnis.

Nach 10 Jahren verkauft man das Haus an die Frau - bei Verkäufen an Ehegatten entfällt die Grunderwerbsteuer; die Wertsteigerung kann man steuerfrei einnehmen. Nun vermietet die Frau an den Mann und hat wieder die volle AfA über den nun höheren Gebäudewert; das Geld für den Erwerb leiht der Mann der Frau. Das sorgt dafür, dass das Haus auch in den kommenden 10 Jahren steuerliche Verluste einfährt, obwohl der Wert steigt. Schöner Nebeneffekt ist, dass sich alle Instandhaltungskosten (die nach so langen Zeiträumen erwartbar sind) auch steuermindernd auswirken.

Nach wieder 10 Jahren kauft der Mann das Haus zurück ... etc.pp. Wer mietet, hat all diese Möglichkeiten nicht.

Und um auf's Fadenthema zurück zu kommen: Allein die 6stellige Steuerersparnis über die Jahre wird den Bösendorfer locker finanzieren. Allerdings funktioniert das Modell nur gut in Einkommens-Situationen, in denen ein Bösendorfer ohnehin drin wäre. :016:
Das mag ja alles sehr raffiniert und (leider) auch legal sein, wie weit man mit solchen Konstruktionen Schiffbruch (hoffentlich) erleiden kann, vermag ich nicht zu beurteilen - eines ist solches Verhalten aber sicher nicht: sympathisch. Es ist von keinerlei Verantwortung für das Staatswesen, dem man ja bei aller möglicher und auch berechtigter Kritik einiges zu verdanken hat, geprägt.
Was natürlich solchen Steuersparfreunden völlig egal ist. Zumal die, die solche Spielchen spielen, sich wie gesagt ihren Bösendorfer oder je nach Veranlagung und Geschmack ihre Rolex oder ihren Porsche auch ohne das hemmungslose Ausleben des Steuerspartriebs (der ja bekanntermaßen bei vielen stärker als der Sexualtrieb ist) leisten könnten.
 
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  • #51
Das Heizungsgesetz ist ein Paradebeispiel für eine völlig verkorkste Diskussion, aber das eigentliche Gesetz expressis verbis am Ende allerdings für kaum jemanden kurzfristig ein Problem.
Kurzfristig nicht, aber in meinem Fall schon ein Problem. Und ich dürfte nicht der einzige sein. Ich wohne in einer Eigentumswohnung. Mehrere Parteien, alle Gasetagenheizung. Teilweise erst vor wenigen Jahren erneuert. Da ist der Wille, gemeinsam eine Wärmepumpe einzubauen und jetzt wieder zu investieren, nicht vorhanden. Wenn meine Heizung nächstes Jahr kaputt geht und erneuert werden muss, kann ich das machen. Aber nach 2 Jahren muss die mindestens mit 15 % erneuerbaren Energien laufen. Das steigert sich nach weiteren Jahren. Hinzu kommt, dass ich noch in Brennwerttechnik investieren müsste. Für eine Heizung, die in in einigen Jahren rauschmeißen muss, weil die Versorger hier Wasserstoff oder andere Erneuerbare nicht anbieten. Auf die Härtefallregel würde ich nicht setzen. Denn ich will nicht wissen was passiert, wenn ich im Winter (am besten vor Weihnachten) zum Amt gehe und eine Härtefallregel beantrage.

Muss alles nicht so kommen, aber genau diese Gedanken dürften noch so einige plagen.
Die psychische Wirkung war aber damals deswegen nur zeitlich gegrenzt - ein Langzeiteffekt vor allem auf den Instrumentenkauf halte ich daher für nicht stichhaltig - heute verschiebt doch deswegen aus „Angst“ niemand einen Instrumentenkauf.
Aber die Angst ist immer noch da. Begründet.
...... mehr digitale und wenn akustisch, dann in den unteren Preisregionen <= 10k€. Alle deutschen Hersteller mit Manufaktur-Produktion liegen aber deutlich darüber
Und weiteres ist der Gebrauchtmarkt sehr gut gefüllt. Dazu kommt, dass das Produkt Piano bei guter Pflege (aber auch nur dann) schlicht extrem lange hält, im privaten Kontext relativ langsam verschleisst und auch so gut wie keine Innovationszyklen vorhanden sind - ein 60 Jahre altes Piano ist technisch noch aktuell.
Auch das.
 
  • #52
Dazu kommt, dass die ein Regierungsprogramm gestoppt haben, das außerschulische Aktivitäten wie Ehrenamt, Sport oder Musik als Voraussetzung bzw. als Chancenverbesserung für höhere Bildung vorsah.
Das finde ich einen interessanten Hinweis darauf, mit welch ernsthaftem Interesse die Musik vorher betrieben wurde.
Kein Wunder, dass hauptsächlich dressierte Nähmaschinen daraus hervorgegangen sind.


In der Folge haben sehr viele Musikläden und Musikschulen schließen müssen. Grund für den Stopp des Programms: die Eltern haben ihre Kinder dermaßen zu Höchstleistungen angetrieben, dass es sehr viele psychische Probleme gab. Massenhaft Burn Out.
Tja, mit echtem Interesse an der Musik wäre kein zusätzlicher Druck nötig und es würde sogar wirklich Musik dabei rauskommen.
 
  • #53
Kurzfristig nicht, aber in meinem Fall schon ein Problem. Und ich dürfte nicht der einzige sein. Ich wohne in einer Eigentumswohnung. Mehrere Parteien, alle Gasetagenheizung. Teilweise erst vor wenigen Jahren erneuert. Da ist der Wille, gemeinsam eine Wärmepumpe einzubauen und jetzt wieder zu investieren, nicht vorhanden. Wenn meine Heizung nächstes Jahr kaputt geht und erneuert werden muss, kann ich das machen. Aber nach 2 Jahren muss die mindestens mit 15 % erneuerbaren Energien laufen. Das steigert sich nach weiteren Jahren. Hinzu kommt, dass ich noch in Brennwerttechnik investieren müsste. Für eine Heizung, die in in einigen Jahren rauschmeißen muss, weil die Versorger hier Wasserstoff oder andere Erneuerbare nicht anbieten. Auf die Härtefallregel würde ich nicht setzen. Denn ich will nicht wissen was passiert, wenn ich im Winter (am besten vor Weihnachten) zum Amt gehe und eine Härtefallregel beantrage.
Ich glaube nicht, dass Du ein ernsthaftes Problem hast, denn:

Nach der GEG-Novelle von 2023 (das ursprüngliche GEG stammt aus der Merkel-Ära) wird die Verpflichtung zu 65% Erneuerbaren beim Heizungswechsel in Bestandsbauten erst wirksam, wenn der Stadt-/Gemeinderat Beschlüsse zur Ausweisung von Wärmenetzen oder Wasserstoffnetzausbaugebieten getroffen hat. Heisst: die Verpflichtung zu Erneuerbaren greift erst, wenn diese auch zu Verfügung stehen bzw. es dafür eine konkrete verabschiedete Planung gibt. Das Vorhandensein einer Wärmeplanung an sich reicht dafür nicht aus.

Heizungen sind auf eine Lebensdauer von mindestens 20 Jahre ausgelegt. Das Deine noch quasi neue Heizung jetzt so kaputt geht, dass sie nicht mehr repariert werden kann, ist eher ein theoretisches Szenario, praktisch so unwahrscheinlich, dass man Angst nicht zu haben braucht. Du wirst also noch >=20 Jahre Ruhe vor Heizungstauschkosten haben (..und wenn gibt ja dafür auch noch Förderungen). Es passieren heute noch reichlich Heizungstausche mit günstigeren rein fossilien Gas-/Ölbrennern, weil eine der o.g. Bedingungen nicht erfüllt ist und daher die Verpflichtung nicht greift. Also nicht überdramatisieren.
Gewiss: der erste Heizungsgesetz-Entwurf war sehr radikal und hat deswegen eine Welle der Wut ausgelöst. Aber jetzt: der einzige, der damit ein echtes Problem hat, ist Habeck selbst durch seinen zerstörten Ruf..

Back to Pianoindustrie:
Der Wegfall der Exportmärkte (Russland, China) hat jetzt ganz sicher die Lage massiv verschärft, u.a. Steinway in die Kurzarbeit und Grotrian in die Insolvenz getrieben. Aber das war nicht die Hauptursache, sondern nur noch der Überlauf vom dem Fass, welches in der Vor-Corona-Zeit sich schon lange gefüllt hatte. Corona brachte nur eine vorübergehende Atempause…
 
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  • #54
Dafür zickt die CANBus-Elektronik, und die Steuerketten brechen ...
Nö, bin da vom Fach: der CAN-Bus ist eine Entwicklung Mitte der 80er Jahre und funktioniert seit Jahrzehnten stabil und gehört zu den absolut bewährten Technologien im Auto, welche jetzt teilweise mehr und mehr durch Automotive-Ethernet abgelöst wird. Der Problemfaktor ist eher die Software, die den CAN-Bus (und andere Netzprotokolle) befüllt.

Viel mehr gefällt mir Dein Käfer-Bild im Sinne eines noch echten „Software-free“-Autos…
 
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  • #55
Bei unserer Instrumentensuche hat meine Frau im direkten Vergleich eines "gehobeneren" japanischen Produkts zu den deutschen Klavieren nichts wahrgenommen, das deren doppelten Preis sachlich begründen würde. Die dreimal so teuren Klaviere waren dann gefühlt etwas besser, ja. Nur hapert es dort wieder am "zeitgenössischen Teil", sprich TransAcoustic & Co. — ein hausgemachtes Problem der Europäer.
Das kann man sicher so sehen.
Der fühlbare "elitäre Dünkel" der teuren deutschen Marken macht es auch nicht unbedingt besser, man hat nicht unbedingt das Gefühl sein Geld für die Leistung des Instruments abzudrücken. Dann lieber doch "Toyota" statt "BMW".
Also ich würde das jetzt nicht als „elitär“ herabwürdigen (und du fährst doch selbst einen Daimler und keinen Toyota;-)) , sondern man sollte die Geschichte der deutschen Klavierhersteller nicht vergessen, wo sie herkommen: sie sind quasi alle so alt und stammen aus Zeiten, wo Klaviere wie Brot gekauft wurden und in jedem Haushalt mindestens eines stand, d.h. alle deutschen Klavierhersteller haben eine Geschichte der Serienproduktion mit großen Stückzahlen und tausenden von Mitarbeitern. Die Größe der zum Teil noch vorhandenen alten Fabrikgebäude, Beispiele wären das Ibach-Haus in Schwelm (https://www.alamy.de/stockfoto-fassade-des-ibach-haus-deutschland-nordrhein-westfalen-ruhrgebiet-schwelm-14920350.html) und die TU Braunschweig (alte Grotrian-Fabrik, https://www.braunschweig-bilder.de/themen-2/industrie/grotian-steinweg/), geben ein noch sichtbares Zeugnis davon, in welcher Größenordnung der Klavierbau in Deutschland mal stattgefunden hatte.

Leider wurde es (im Unterschied zur Automobilindustrie) verpasst, die damalige -ich nenne es mal- „Massen“-Manufaktur durch hohe Automatisierung zu ersetzen, um durch eine höhere Produktivität die Verkaufspreise moderat halten zu können. Das haben dann in den 70ern und 80ern die Japaner erfolgreich vorgemacht und bis heute perfektioniert - und das, obwohl der europäische Markt auch heute noch groß genug für einen „europäischen Kawai“ wäre. Einzig Steinway und Bechstein haben es über geschickte Imagebildung vermocht, noch eine nennenswerte Größe, aber mit überwiegend althergebrachten Produktionsmethoden aufrechtzuerhalten. Und selbst Steinway hat den Grad des CNC-Einsatzes in den letzten 20 Jahren in der Produktion massiv erhöht, wodurch die Varianz neuer Steinways auch abgenommen hat.

Und trotzdem haben Manufakturen Ihre Daseinsberechtigung, weil es einen nicht unerheblichen Markt gibt, wo es einfach auf die letzten 10-% Qualität ankommt, selbst wenn diese den Preis verdoppeln (3-fach ist etwas übertrieben, abgesehen von Steinway). Nur halt nicht verteilt auf so viele Hersteller wie zuletzt.
 
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  • #56
Du weißt ja nicht, wie oft ich über den Benz fluche, wenn wieder etwas kaputt ist was andere Autos erst gar nicht haben (die Airmatic zB ist ein Geldgrab) …

Die fetten Jahre sind halt vorbei, die von dir zitierte Klavierindustrie in Europa ist Vergangenheit, die Asiaten decken dieses Marktsegmet tatsächlich ziemlich gut ab, das europäische Handwerk auf Manufaktur-Niveau wird es immer geben, wie bei anderen Nischeninstrumentenbauern auch — das sind dann halt die "geschichtsschwangeren Mozartkugeln" unter all den Pralinen.

Mit Flügeln kenn ich mich nicht aus, aber bei den Uprights läuft das doch so:

Ein C. Bechstein R6 Vario kostet 30.000 Euro, ein Concert 8 Vario ungefähr 50.000 Euro, ein Steingräber 130 T liegt auch so um den Dreh (ein Silentsystem ist meines Wissens nicht verfügbar), ein Yamaha YUS5 SH3 keine 20.000 Euro, ein SE132 SH3 an die 25.000 Euro. Schön klingen tun sie alle auf ihre Art und Weise, zu spielen sind sie auch alle gut — da kommt doch jeder Normalsterbliche ins Grübeln.
 
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  • #57
Du weißt ja nicht, wie oft ich über den Benz fluche, wenn wieder etwas kaputt ist was andere Autos erst gar nicht haben (die Airmatic zB ist ein Geldgrab) …
Da hast Du halt Pech gehabt - das ist im Benz nicht die Regel.
Aber wenn „Nicht-Haben“ die Strategie zur Fehlervermeidung ist, dann greif zu @Wiedereinaussteigers Käfer…oder die Bahn (auch fehlerbehaftet, kostet Dir aber kein Extra-Geld außer reichlich Nerven).
Halt kein Stück Technik aus Massenproduktion funktioniert in jedem Einzelstück. Selbst die verbesserungswütigen Japaner mit ihrem Kaizen-Prozess haben das 0-Fehler-Ziel bis heute nicht erreicht. Da gab da doch bei Yamaha-Klavieren in den 80/90ern (?) einen Serienfehler, davon hat @Tastenscherge schon mehrfach hier berichtet.
Und in Sachen Komfort gibt es nichts besseres als die Airmatic. Habe ich schon vor Jahrzehnten im W211 bewundert..
 
  • #58
Mich würde ja mal interessieren, wieso "Manufaktur" und "handgemacht" automatisch mit "gut" oder "besser" assoziiert werden soll. Nicht jeder Handwerker ist gut. Und besser/präziser als eine CNC-Fräse? Ahem ... Vor hundert Jahren wurden Tausende von deutschen Klavieren hergestellt, die schon damals schlecht gewesen sind. Und bezüglich Autos: War es Pierce Morgan, der sprach: "A british hand-made car means that the doors are going to fall off."?
 
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  • #59
Deine Beiträge, @schmickus, bringen jeden Thread nach vorne.:schlafen:

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