Auch Bösendorfer unter Druck

  • #81
Das betrifft so ziemlich die meisten in meinem Wohnviertel.
Seit wann ist das eigene Wohnviertel representativ für Deutschland? Oder was Dir Deine Kunden sagen?? Und wieviele wollen im Deinem Wohnviertel neue Pianos kaufen? Nämlich sicher 0.
Sorry, aus Einzelaussagen eine pauschale Ableitung für eine ganze Industrie in Deutschland zu machen ist…Du weisst es selbst.

Alleine an den Verkaufszahlen von neuen Autos, Großreisen oder andere größere Investionen in Deutschland lässt sich a) eine generellen Investitionsaufschub nicht ablesen. Und b) kann man schon gar nicht ablesen, dass die Heizungsdiskussion die Ursache dafür sind.
Stimmt, aber vor Habeck konnte ich einfach meine Heizung gegen eine neue austauschen. Jetzt nicht mehr.

Jetzt kann ich meine Heizung nur gegen eine austauschen, die in 3 Jahren mit 15 % erneuerbaren betrieben wird (später noch mehr), was aber nicht geliefert wird.
Na und? Zum einen: der Staat beteiligt sich an den Kosten, wenn die neue Heizung Erneuerbare verträgt.
Zum anderen: wenn das die Kritik ist, das man jetzt (bei einer 30 Jahre-alten-Heizung) nicht mehr eine neue reine Fossil-Heizung wählen kann, obwohl der Staat sich an den Kosten für die neue beteiligt, dann kann dahinter ja nur eine grundlegende Ablehnung dagegen stecken, aus den fossilen Energien langfristig auszusteigen. Aber dann berühren wir jetzt aber ganz grundlegende Fragestellungen, die ich hier an dieser Stelle nicht weiterführen möchte.

Um den Bogen zurück zur deutschen Klavierindustrie zu finden: deren Probleme lieben zu 90% in den langfristigen strukturellen Veränderungen der letzten Jahrzehnte bzw. fehlende Anpassungen der Unternehmen an das Marktumfeld, zu 9% an kurzfristig wegbrechenden Märkten wie Rußland und China, und das letzte 1% von mir aus anderen kürzlichen politischen Veränderungen (Inflation durch Krieg, Politiker-Fehlkommunikation, etc.).
 

  • #82
Welche manuellen Arbeitsschritte sollten das denn sein, die im Fertigungsprozess der maschinellen Variante überlegen wären?
Vielleicht gerade die Erstintonation, Regulierung, Stimmung? Gehört zur Produktion dazu unabhängig davon, was am Ende in Kundenräumen gemacht wird bzw. werden muss. Das kann nur ein Klavierbauer beantworten, der ich nicht bin.

Deswegen wird meine Behauptung aber nicht unrichtig: dass der handwerkliche Anteil bei den genannten Firmen deutlich höher ist, als in einer Klavierfabrik von Yamaha für Mittelklasseinstrumente liegt doch unbestreitbar auf der Hand. Warum nennen sich Steinway und Bechstein noch „Manufakturen“?
Ich glaube, dass Deine Prämisse schon falsch ist und das angeblich "ohrenfällige" Gefälle eine Illusion ist.

Die Spitzeninstrumente sind nicht weniger geworden (abgesehen von Produktionskürzungen durch Kurzarbeit), sondern die Anzahl derjenigen, die in der Regulation und Intonation das beste aus einem solchen Instrument herausholen - und zwar idealerweise nicht nur in der Fabrik oder beim Händler, sondern vor allem da, wo der Flügel seinen finalen Standort findet: Beim Kunden, egal ob Konzertsaal oder ambitionierter Pianist.
Ich beziehe mich bei meiner Aussage auf diverse Flügel, vor allem O-180 und B-211 in Steinway-Häusern, die dort zum Neuverkauf angeboten werden. Die sind alle so gut, dass daran eine Reduktion von Intonations- und Regulationsaufwänden für mich nicht feststellbar ist. Und ganz grundsätzlich; wir reden hier von Steinway: sie können es sich gar nicht leisten daran zu sparen. Aber die absoluten Top-Exemplare (mit Standard-Intonation & Regulation) habe ich zumindest da bisher nicht gefunden.
Das was Du unter Spitzeninstrument verstehst, ist ja nochmal eine Klasse darüber, wenn das Instrument eine Spezialbehandlung von einem Fachexperten erhalten hat. Lassen wir das mal außen vor.

Das was ich sage ist: vor Jahrzehnten erinnere ich mich an eine größere Varianz bei neuen Steinways, jetzt scheint sie mir geringer. Diesen Eindruck haben wir übrigens Steinway-Klavierbauer auch schon bestätigt mit der Vermutung, dass das auf den größeren Maschineneinsatz in der Fertigung zurückzuführen ist. Das Ganze ist also gar nicht auf meinem Mist gewachsen.
 
  • #83
Ich war schon sehr lange nicht mehr bei S&S (damals am Rondenbarg) höchstselbst. Mein letzter Besuch in diesem Jahrtausend war eine erschütternde Erfahrung: Kein einziger wirklich guter Flügel, egal welches Modell. Manche schlecht reguliert, manche verstimmt. Ein schlechter Scherz, eine Unverschämtheit. Ich kann nur hoffen, dass es heute besser ist. Und ja, ich spiele sehr gerne gute Steinways!
 
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  • #84
Warum nennen sich Steinway und Bechstein noch „Manufakturen“?
Die nennen sich nicht noch "Manufakturen", sondern erst seit neuestem so.

Beide nannten sich zu Zeiten, als dort noch mehr von Hand gearbeitet wurde, -und meiner Meinung nach schönere Instrumente die Fabrik verließen- Fabrik, und nicht Manufaktur.

C. Bechstein nannte sich immer "Pianoforte-Fabrik" (steht auch so auf den Resonanzböden) und Steinway nannte sich in den eigenen Mitteilungen "die Hamburger Steinway und Sons Fabrik".

Dieses "Manufaktur-Getue" wirkt auf mich einfach nur lächerlich.
Ich habe auch gar nichts gegen den Einsatz von CNC, Laservermessung etc. im Instrumentenbau. Gerade bei den Holzblasinstrumenten sind viele dadurch deutlich besser geworden. Bei Klavieren und Flügel könnte das wohl auch der Fall sein, ist es aber leider nicht.

Ja, die Streuung war früher größer bei Steinway, als heute, aber war das schlimm? Ich finde, nein. Im Gegenteil. Man hatte dadurch eine größere Auswahl, sein Instrument, welches zu einem passt zu finden. Wenn alle mehr oder weniger gleich sind und es halt nicht passt, dann passt's halt nicht.

Ich kenne niemanden, der bis ca. 1990 nicht seinen Flügel bei Steinway gefunden hätte.
Heute höre ich immer wieder, und nicht nur von Privatpersonen, daß kein Flügel gewählt wurde, weil keiner überzeugen konnte.
Für Bechstein kann ich es nicht sagen, interessiert mich aber auch gar nicht. Da finde ich nur die Vorkriegsinstrumente daseinsberechtigt.
 
  • #85
Ich kenne niemanden, der bis ca. 1990 nicht seinen Flügel bei Steinway gefunden hätte.
Heute höre ich immer wieder, und nicht nur von Privatpersonen, daß kein Flügel gewählt wurde, weil keiner überzeugen konnte.
Für Bechstein kann ich es nicht sagen, interessiert mich aber auch gar nicht. Da finde ich nur die Vorkriegsinstrumente daseinsberechtigt.
Ich respektiere Privatmeinungen. Halte das alles hier aber, sorry, für ziemlichen Humbug...
 
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  • #86
Vielleicht gerade die Erstintonation, Regulierung, Stimmung? Gehört zur Produktion dazu unabhängig davon, was am Ende in Kundenräumen gemacht wird bzw. werden muss. Das kann nur ein Klavierbauer beantworten, der ich nicht bin.

Erstintonation, Regulierung und Stimmung gehörten schon immer zur Produktion dazu. Ich - man beachte den Unterschied - sprach hingegen von Fertigung und dem Ersetzen manueller Arbeitsschritte durch standardisierte und maschinisierte Fertigungsverfahren.

Die drei genannten Arbeitsschritte lassen sich nicht maschinisieren und waren schon immer Bestandteil des Produktionsprozesses. Das können und müssen wir dann schon einmal aus der Betrachtung und meiner Ursprungsfragestellung herausnehmen. Dazu muss man auch kein Klavierbauer sein, der ich auch nicht bin, wie nicht wenige hier immer wieder deutlich herausarbeiten.
Deswegen wird meine Behauptung aber nicht unrichtig: dass der handwerkliche Anteil bei den genannten Firmen deutlich höher ist, als in einer Klavierfabrik von Yamaha für Mittelklasseinstrumente liegt doch unbestreitbar auf der Hand. Warum nennen sich Steinway und Bechstein noch „Manufakturen“

Nein, davon liegt aber auch gar nichts unbestreitbar auf der Hand. Beide Firmen nennen sich nicht Manufakturen und Bechstein zeigt nicht umsonst in einem Image-Video, wie z.B. Stege durch CNC gefräst werden und nicht mehr per Hand mit dem Stechbeitel. Abgesehen davon, dass sowohl Steinway, als auch Bechstein, eine Zweit- und Drittmarken-Strategie fahren, also Boston und Essex bzw. W. Hoffmann und Zimmermann, wohingegen Yamahas Differenzierung lediglich unter Modellbezeichnungen unterhalb der eigenen Marke erkenntlich - mit Ausnahme der Premiummarke Bösendorfer, die hausintern mit Modellen der CF*-Serie konkurriert.

Ich beziehe mich bei meiner Aussage auf diverse Flügel, vor allem O-180 und B-211 in Steinway-Häusern, die dort zum Neuverkauf angeboten werden. Die sind alle so gut, dass daran eine Reduktion von Intonations- und Regulationsaufwänden für mich nicht feststellbar ist. Und ganz grundsätzlich; wir reden hier von Steinway: sie können es sich gar nicht leisten daran zu sparen. Aber die absoluten Top-Exemplare (mit Standard-Intonation & Regulation) habe ich zumindest da bisher nicht gefunden. Das was Du unter Spitzeninstrument verstehst, ist ja nochmal eine Klasse darüber, wenn das Instrument eine Spezialbehandlung von einem Fachexperten erhalten hat. Lassen wir das mal außen vor.

Nein, genau das lassen wir mal eben nicht außen vor. Es ist schön, dass Du die in Steinway-Häusern ausgestellten Instrumente für super-duper hältst und dass das auch schon immer so gewesen sei, weil man ja genau an dieser Stelle noch nie gespart habe.

Der Fehlschluss ist der, dass die Top-Instrumente mit "Standard-Intonation & Regulation" daherkommen - kommen sie nicht. Wäre dem so, hätte ein Fabbrini noch nie eine Existenzberechtigung gehabt. Und die ganzen Techniker wie Salisbury, Hübsch, de Winters, Knüpfer, Brandjes&Co ebenso nicht, weil ja die ganzen Top-Instrumente bereits so fertig sind, wie sie fertiger nicht sein können.

Es sind die Großkopferten, die nach Hamburg fahren, dort einen Flügel aussuchen und der Ausgesuchte dann auch das NonPlusUltra ist, der sein Dasein zukünftig damit verbringt, dass er vielleicht regelmäßig gestimmt wird, vor allem aber immer dadurch in den Himmel gelobt wird, weil man den besten schlechthin in Hamburg ausgesucht habe.

Das sind dann jene Flügel, von denen die vorgenannten Techniker sagen "dann fangen wir jetzt mal an zu arbeiten" und die dann in einem Glanze erblühen, den sich nur Wenige überhaupt vorstellen können.

Das was ich sage ist: vor Jahrzehnten erinnere ich mich an eine größere Varianz bei neuen Steinways, jetzt scheint sie mir geringer. Diesen Eindruck haben wir übrigens Steinway-Klavierbauer auch schon bestätigt mit der Vermutung, dass das auf den größeren Maschineneinsatz in der Fertigung zurückzuführen ist. Das Ganze ist also gar nicht auf meinem Mist gewachsen.

Standardisierung bei Fertigungsprozessen gehört zum Alltag einer Fabrik, am besten aktuell genau bei Steinway zu beobachten, wo sich New York und Hamburg inzwischen sehr angenähert haben, was das angeht. Leider bis auf die Behandlung von Hammerköpfen, die jenseits des Atlantiks immer noch darin besteht, dass man sie in härtendem Lack ertränkt, "um ihnen ein Fundament zu geben".
 
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  • #87
kann man schon gar nicht ablesen, dass die Heizungsdiskussion die Ursache dafür sind.
Sag ich doch gar nicht, zumindest nicht die alleinige Ursache. Ich sage, dass diese Diskussion ein Teil des Ganzen ist, und zwar ein ganz erheblicher. In Krisen geben die Leute ungern Geld aus. Und bei so vielen Krisen hintereinander erst recht nicht. Erst kam nach der Finanzkrise ab ca. 2010 die Verteuerung der Immobilien, mitsamt den im Nachgang steigenden Mieten. Dann kam 2015 die Flüchtlingszuwanderung, die von vielen ebenfalls als Krise wahrgenommen wurde. Dann kam Corona, wo es vielen Leuten wirtschaftlich schlechter ging. Dann kam die Inflation, die alle gespürt haben. Dann kam die Heizungsdiskussion, deren Wirkung man nicht einfach so vom Tisch wischen kann (es sei denn, man glaubt, dass die GfK keine Ahnung von Empirie hat) und jetzt neuerdings auch noch die Angst vor Jobverlust durch Deindustrialisierung und zunehmender Arbeitslosigkeit. Das sind zumindest die wirtschaftlichen Anteile. Hinzu kommen die psychologischen wie Krieg (Ukraine, Gaza) und Zerfall der bekannten Weltordnung (Trump). Und über allem natürlich noch der Klimawandel.
 
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  • #88
Klingt schöner als Klavierfabrik. Ob da tatsächlich außer dem Treppenhausputzen noch Handarbeit stattfindet, ist egal. Manufaktur klingt nach echten Hobelspänen und ergrauten Klavierbauermeistern, die noch mit sechsundachtzig Tag für Tag in der Werkstatt herumschlurfen.

CW
 
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  • #89
Es ist nur ein Klavier.

Als Techniker (Maschinenbau-Ingenieur) kann ich nur sagen: Maschinelle Fertigung hat Präzisionsvorteile. CNC-Fertigung sinngemäß auch, natürlich reduzieren sich durch den Einsatz von Menschen-Stunden die "Kontroll-Instanzen".

Dass sich Holz als natürlicher wie hochgradig inhomogener Werkstoff schon ab und zu anders verhält als erwartet, vielleicht auch erst während der Verarbeitung irgendwelche Mängel offenbart, ändert nichts daran, dass das, was hinten rauskommt, präziser ist als handgemacht.

Ich kann nichts Schlechtes daran erkennen solange es genug Qualitätskontrolle gibt. Ich kann nichts Sinnvolles daran erkennen, in Handarbeit Tätigkeiten zu erledigen, die eine Maschine genauer machen kann.

Ich arbeite als Dienstleister für den Handel, Werbung und Marktkommunikation, Meister-Fotografie, Druck und Buchbinderei. Ich weiß bzw. glaube zu wissen, wie "heiße Luft" per Marketing produziert wird.
 
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  • #90
Wie hieß es schon im alten Rom: "mundus vult decipi, ergo decipiatur."...
Ist m.E. nicht nur zwischen Herstellern oder Dienstleistern und Konsumenten so. Egal auf welchem Feld, ob Kunst und Kultur, Medizin, Handwerk, Politik, Medien usw: überall gibt's neben ehrlichen Anbietern oder sogar großen Könnern auch erfolgreiche Schaumschläger und sogar auch Leute, die sich je nach gusto in allen drei Metiers gleichermaßen betätigen können.

Ich glaube daher auch nicht an die Theorie, dass nur ganz ganz wenige ganz besonders begnadete Klaviertechniker-Gurus ein Piano zum Blühen bringen können. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es bei allen namhaften Herstellern Leute gibt, die das können, und dass es auch unter Klavierhändlern im Prinzip genügend Leute mit viel Erfahrung und einem guten Händchen gibt, die nur nicht soviel Gewese darum machen. Aber denen muss man dafür halt Zeit geben und die wollen oder können eben viele private Kunden nicht bezahlen. Auch weil nie sicher ist, ob im Privatbereich ein gewünscht schnelles Ergebnis wegen des selteneren und kürzeren Kundenkontakts immer sogleich gefällt.

Im Profibereich dagegen interagieren Techniker und Musiker viel häufiger und länger, bei jedem Konzert, bei jeder Aufnahme werden die Instrumente frisch für eine bestimmte Bühne, einen bestimmten Konzertsaal oder ein Tonstudio präpariert, man kennt die akustischen Verhältnisse, die gewünschten Vorlieben der Musiker, und Geld spielt oft nicht die grösste Rolle. (Ein Fabbrini nahm m.W. für's Regulieren und Intonieren vor etwa 10 oder 20 Jahren pauschal 10.000 pro Woche...) Die Instrumente für aktuelle Aufnahmen sind außerdem auch so gut wie nie älter als 15 oder höchstens 20 Jahre und daher klangschöner, weil chorreiner, und damit auch besser und schneller einzustellen (als z.B. alte Familienschätzchen der angeblich so tollen Vor-90er-Jahre, hüstel.)

Dass dadurch im professionellen Bereich ein Ruf entstehen kann, der bei einem seltenem und kürzeren Kontakt unter ganz anderen Voraussetzungen im privaten Heim aber womöglich zu klanglichen Enttäuschungen führen könnte, scheinen sich manche nicht klar zu machen, weil sie lieber an magische Fähigkeiten glauben wollen. Ich könnte dagegen wetten, dass ein guter lokaler Klaviertechniker, der seine Kunden, ihre Wohnungen und Instrumente genau kennt, in den meisten Fällen dort in kürzerer Zeit ein besseres Ergebnis erzielen dürfte, als selbst der berühmteste Konzertbühnentechniker, wenn dieser doch auf ganz andere Umstände spezialisiert ist.

Aber last but not least liegt die empfundene Klangschönheit im Ohr des Hörers, und steigert sie sich bei einigen vielleicht schon allein im Bewusstsein, einen exklusiven Meistertechniker beschäftigt zu haben.
 
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  • #91
Nein, davon liegt aber auch gar nichts unbestreitbar auf der Hand. Beide Firmen nennen sich nicht Manufakturen und Bechstein zeigt nicht umsonst in einem Image-Video, wie z.B. Stege durch CNC gefräst werden und nicht mehr per Hand mit dem Stechbeitel. Abgesehen davon, dass sowohl Steinway, als auch Bechstein, eine Zweit- und Drittmarken-Strategie fahren, also Boston und Essex bzw. W. Hoffmann und Zimmermann, wohingegen Yamahas Differenzierung lediglich unter Modellbezeichnungen unterhalb der eigenen Marke erkenntlich - mit Ausnahme der Premiummarke Bösendorfer, die hausintern mit Modellen der CF*-Serie konkurriert.

Es bleibt eine Manufaktur, da ändert auch ein paar CNC-Fräsen nichts. Und das meinen Bechstein und Steinway sogar selbst - sie nennen sich seit jeher bis heute sehr wohl Manufakturen:

Auch wenn Stege mit CNC-Fräsen zugeschnitten werden, bleibt der manuelle Anteil sehr hoch. Hier etwas von 80% Handarbeit, und das kommt in eta hin: https://www.christoph-koch.net/2024/11/04/steinway-sons-spirio-fluegel-wie-von-geisterhand/?cn-reloaded=1
Deswegen Manufaktur, steht sogar hier: https://eu.steinway.com/de/manufaktur/manufaktur/teilefertigung/ Wörtlich:
„Werfen Sie einen Blick in die einzelnen Abteilungen unserer Manufaktur“. Habe noch nirgendwo gesehen, das in Seifhennersdorf oder Hamburg der Reso oder der Rim automatisch gefertigt wird. Maschinen kommen dort rein unterstützend zu Einsatz, die eigentliche Fertigung macht der Mensch. In einer hochautomatisierten Nicht-Manufaktur erfolgen die Mehrheit der Produktionsschritte maschinell und der Mensch wechselt in eine überwachene Rolle. Davon ist bei den beiden nichts zu sehen.

Dort sind etliche Videos der Produktion hinterlegt, die den hohen handwerklichen Anteil schön belegen. Mit Hochautomation hat das gar nichts zu tun.
Die Zweit- und Drittmarken waren eh nicht Teil der Diskussion, weil deren Produktion bei anderen Herstellern (teil-)ausgelagert sind, z.B. Boston bei Kawai.
 
  • #93
Manufaktur, Fabrik, Fabriken, weshalb nicht Werkstatt? Die Hersteller nehmen denjenigen Begriff, der gerade angesagt ist und positive Assoziationen hat. Das war vor 120 Jahren tatsächlich mal der Begriff Fabrik, weil er für Aufbruch, Qualität, Effizienz, wirtschaftlichen Erfolg stand. Maschinen waren teuer und wer sie bezahlen konnte, musste gut sein. Heute denken viele umgekehrt - wer sich noch menschliche Arbeit leisten kann, muss erstklassige Qualität liefern. Markenstrategisch ist es irrelevant, ob man sein Fabrik-Manufaktur-Portfolio selbst auf die Beine gestellt oder durch Zukäufe zusammengewürfelt hat. Eine etablierte Edelmarke entsteht aber nicht mal eben so über Nacht, sowas kauft man zu. Jeder kennt Steinway, viele kennen Bösendorfer, aber kaum einer kennt Shigeru-Kawai. Und viele glauben, Bechstein wäre weiterhin das, was es mal war.

Der Hausvergleich war eine schöne Inspiration, da ich mich nun frage, ob mein Dampp Chaser (sorry, Life-Saver natürlich) eines Tages an das Fern-Damppchaser-Netz zwangsangeschlossen wird. Im Grunde ist das ja auch eine Heizung. Und dass man den Hauskauf wohl sehr rational angeht, während beim fast ähnlich hochpreisigen Flügelerwerb wesentlich mehr emotional gedacht wird, aber die lebenslange Miete den Ausnahmefall darstellt.

Weshalb vertrauen eigentlich so viele Leute auf das Spirio-System? Glauben die wirklich, dass das alles in 20-30 Jahren noch funktionieren wird, oder sind die Flügel dann sowieso schon beim Drittbesitzer, der das teure Extra wieder ausbauen darf, weil irgendwas nicht mehr unterstützt wird oder durch zu häufige Cyber-Attacken (Steinway spielt russische Hymne) einfach unattraktiv geworden ist? Stehen die Ex-Spirio-Steinways dann unverkäuflich am Straßenrand wie heutzutage die ehemaligen Selbstspieler-Phonolas? Sollte man vorsichtshalber ein altes iPad aufbewahren?
 
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  • #94
Manufaktur, Fabrik, Fabriken, weshalb nicht Werkstatt?

Manufaktur (manus = Hand) halte ich für sehr zutreffend. Es ist ein Betrieb, in dem Waren überwiegend in Handarbeit mit handwerklichem Können hergestellt werden.

Eine Fabrik ist ein Betrieb, in dem Waren industriell hergestellt werden, also mit Maschinen in standardisierten Abläufen und meist in größeren Mengen.

Unter einer Werkstatt stelle ich mir die Arbeitsräume eines Handwerkers mit den für seine Arbeit benötigten Geräten für die Reparatur und Instandsetzung vor.
 
  • #95
Ich würde das nicht so klar trennen.
In einer Fabrik gibt es auch Werkstätten. Werkshallen sind wie Werkstätten, nur größer.
Der Übergang vom Werkzeug zur Maschine ist fließend. Mit bloßen Händen wird auch in der Manufaktur nicht gearbeitet.

mit Maschinen in standardisierten Abläufen und meist in größeren Mengen.
Mit Maschinen und in standardisierten Abläufen - das gilt sogar für den Aufbau eines Ikearegals.
größere Mengen - größer als was?
Die Fabrik von Bösendorfer hat vor 100 Jahren größere Mengen hergestellt als der Klavierbauer alleine (evtl. mit einem Gesellen) im Nachbarbezirk.
 
  • #96
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Ob jetzt Manufaktur oder Fabrik. Vielleicht sollte man das alles nicht so eng sehen, wenn sogar Steinway in dem oben genannten Link von Manufaktur, Werkstatt und Fabrik spricht. ;-)
 
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  • #97
ob jetzt Manufaktur oder Fabrik. Vielleicht sollte man das alles nicht so eng sehen, wenn sogar Steinway in dem oben genannten Link von Manufaktur, Werkstatt und Fabrik spricht. ;-)

Weil ich grade dort zu tun habe frage ich mich, ob es tatsächlich Leute gibt die glauben, dass in der "Gläsernen Manufaktur" die Autos von Hand aus dem schieren Blech getrieben wurden......
 
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  • #98
Weshalb vertrauen eigentlich so viele Leute auf das Spirio-System? Glauben die wirklich, dass das alles in 20-30 Jahren noch funktionieren wird, oder sind die Flügel dann sowieso schon beim Drittbesitzer, der das teure Extra wieder ausbauen darf, weil irgendwas nicht mehr unterstützt wird oder durch zu häufige Cyber-Attacken (Steinway spielt russische Hymne) einfach unattraktiv geworden ist?
Spirio wird vermutlich gekauft, weil zumindest in den USA die allermeisten Steinways nicht von ihren Besitzern gespielt werden, sondern nur als Statussymbol da herumstehen. Da ist es doch toll, wenn der stolze Besitzer dem neidischen Besucher etwas vorspielen lassen kann.
 
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