Vielleicht gerade die Erstintonation, Regulierung, Stimmung? Gehört zur Produktion dazu unabhängig davon, was am Ende in Kundenräumen gemacht wird bzw. werden muss. Das kann nur ein Klavierbauer beantworten, der ich nicht bin.
Erstintonation, Regulierung und Stimmung gehörten schon immer zur Produktion dazu. Ich - man beachte den Unterschied - sprach hingegen von Fertigung und dem Ersetzen manueller Arbeitsschritte durch standardisierte und maschinisierte Fertigungsverfahren.
Die drei genannten Arbeitsschritte lassen sich nicht maschinisieren und waren schon immer Bestandteil des Produktionsprozesses. Das können und müssen wir dann schon einmal aus der Betrachtung und meiner Ursprungsfragestellung herausnehmen. Dazu muss man auch kein Klavierbauer sein, der ich auch nicht bin, wie nicht wenige hier immer wieder deutlich herausarbeiten.
Deswegen wird meine Behauptung aber nicht unrichtig: dass der handwerkliche Anteil bei den genannten Firmen deutlich höher ist, als in einer Klavierfabrik von Yamaha für Mittelklasseinstrumente liegt doch unbestreitbar auf der Hand. Warum nennen sich Steinway und Bechstein noch „Manufakturen“
Nein, davon liegt aber auch gar nichts unbestreitbar auf der Hand. Beide Firmen nennen sich nicht Manufakturen und Bechstein zeigt nicht umsonst in einem Image-Video, wie z.B. Stege durch CNC gefräst werden und nicht mehr per Hand mit dem Stechbeitel. Abgesehen davon, dass sowohl
Steinway, als auch Bechstein, eine Zweit- und Drittmarken-Strategie fahren, also Boston und Essex bzw. W. Hoffmann und Zimmermann, wohingegen Yamahas Differenzierung lediglich unter Modellbezeichnungen unterhalb der eigenen Marke erkenntlich - mit Ausnahme der Premiummarke Bösendorfer, die hausintern mit Modellen der CF*-Serie konkurriert.
Ich beziehe mich bei meiner Aussage auf diverse Flügel, vor allem O-180 und B-211 in Steinway-Häusern, die dort zum Neuverkauf angeboten werden. Die sind alle so gut, dass daran eine Reduktion von Intonations- und Regulationsaufwänden für mich nicht feststellbar ist. Und ganz grundsätzlich; wir reden hier von Steinway: sie können es sich gar nicht leisten daran zu sparen. Aber die absoluten Top-Exemplare (mit Standard-Intonation & Regulation) habe ich zumindest da bisher nicht gefunden. Das was Du unter Spitzeninstrument verstehst, ist ja nochmal eine Klasse darüber, wenn das Instrument eine Spezialbehandlung von einem Fachexperten erhalten hat. Lassen wir das mal außen vor.
Nein, genau das lassen wir mal eben nicht außen vor. Es ist schön, dass Du die in Steinway-Häusern ausgestellten Instrumente für super-duper hältst und dass das auch schon immer so gewesen sei, weil man ja genau an dieser Stelle noch nie gespart habe.
Der Fehlschluss ist der, dass die Top-Instrumente mit "Standard-Intonation & Regulation" daherkommen - kommen sie nicht. Wäre dem so, hätte ein Fabbrini noch nie eine Existenzberechtigung gehabt. Und die ganzen Techniker wie Salisbury, Hübsch, de Winters, Knüpfer, Brandjes&Co ebenso nicht, weil ja die ganzen Top-Instrumente bereits so fertig sind, wie sie fertiger nicht sein können.
Es sind die Großkopferten, die nach Hamburg fahren, dort einen
Flügel aussuchen und der Ausgesuchte dann auch das NonPlusUltra ist, der sein Dasein zukünftig damit verbringt, dass er vielleicht regelmäßig gestimmt wird, vor allem aber immer dadurch in den Himmel gelobt wird, weil man den besten schlechthin in Hamburg ausgesucht habe.
Das sind dann jene Flügel, von denen die vorgenannten Techniker sagen "dann fangen wir jetzt mal an zu arbeiten" und die dann in einem Glanze erblühen, den sich nur Wenige überhaupt vorstellen können.
Das was ich sage ist: vor Jahrzehnten erinnere ich mich an eine größere Varianz bei neuen Steinways, jetzt scheint sie mir geringer. Diesen Eindruck haben wir übrigens Steinway-Klavierbauer auch schon bestätigt mit der Vermutung, dass das auf den größeren Maschineneinsatz in der Fertigung zurückzuführen ist. Das Ganze ist also gar nicht auf meinem Mist gewachsen.
Standardisierung bei Fertigungsprozessen gehört zum Alltag einer Fabrik, am besten aktuell genau bei Steinway zu beobachten, wo sich New York und Hamburg inzwischen sehr angenähert haben, was das angeht. Leider bis auf die Behandlung von Hammerköpfen, die jenseits des Atlantiks immer noch darin besteht, dass man sie in härtendem Lack ertränkt, "um ihnen ein Fundament zu geben".